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Das blanke Entsetzen

Von Patrick Diekmann

Aktualisiert am 27.09.2021Lesedauer: 6 Min.
Dietmar Bartsch: "Olaf Scholz ist mit Anti-Wahl nach oben gekommen". (Quelle: t-online)
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Die Linke erlebt bei der Bundestagswahl ein Debakel, allein die Union hat noch gr├Â├čere Verluste erlitten. Der Schock auf der Wahlparty sitzt tief, die Partei schrammt nur knapp an der Katastrophe vorbei. Die Gr├╝nde.

Arkadi Neumann steht auf der Wahlparty der Linkspartei allein drau├čen an einem Stehtisch. Seine Miene ist versteinert, er nippt gelegentlich an einem Bierglas. Seine braune Jacke hat er sich wie einen Umhang ├╝ber die Schultern gelegt, darunter ist ein buntes Hemd zu sehen. Es ist bereits dunkel, nach 22 Uhr. Vor allem j├╝ngere Menschen sind noch auf der Veranstaltung in Berlin geblieben, es l├Ąuft laute Musik.

Berlin: Die Parteichefinnen Susanne Hennig-Wellsow (r.) und Janine Wissler sprechen mit Fraktionschef Dietmar Bartsch ├╝ber das Wahlergebnis.
Berlin: Die Parteichefinnen Susanne Hennig-Wellsow (r.) und Janine Wissler sprechen mit Fraktionschef Dietmar Bartsch ├╝ber das Wahlergebnis. (Quelle: Reuters-bilder)

Neumann fragt gelegentlich die Menschen neben ihm nach der aktuellen Hochrechnung zur Bundestagswahl. Als er ein Handy entgegengehalten bekommt, schiebt er sich seine Brille hoch in das graue Haar, kneift die Augen zusammen, um die Zahlen richtig lesen zu k├Ânnen. Danach z├╝ndet er sich einen Zigarillo an. "Ich habe eigentlich schon lange aufgeh├Ârt zu rauchen", meint er. "Nur zu Anl├Ąssen." Der Wahlabend ist so einer, nur kein positiver.

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Knapp an der Katastrophe vorbei

So wie Neumann geht es vielen Anh├Ąngern der Linkspartei. Die Fehler der vergangenen Jahre sind das Gespr├Ąchsthema Nummer eins auf der Wahlparty. F├╝r die Linke ist das Ergebnis der Bundestagswahl mit 4,9 Prozent ein Debakel, nur ├╝ber die Direktmandate wird sie noch eine Fraktion im k├╝nftigen Deutschen Bundestag haben. "Das ist eine Party, aber es gibt eigentlich keinen Grund zum Feiern", ruft eine junge Frau. "Jetzt brauchen wir viel Alkohol."

Interne Streitereien, nicht regierungsf├Ąhige Positionen in der Au├čenpolitik und der Lagerwahlkampf zwischen Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) sorgten daf├╝r, dass die Partei das schlechteste Ergebnis in ihrer jungen Geschichte eingefahren hat.

Schock nach der ersten Hochrechnung

Deutliche Verluste wurden von den Spitzen der Linkspartei und von ihren Anh├Ąngern erwartet. Doch viele ahnten nicht, wie knapp es am Ende werden w├╝rde. Nur f├╝nf Prozent zeigte die erste Hochrechnung, sp├Ąter wurde es noch weniger. "Das war schon ein Schock. Ich habe geahnt, dass das Ergebnis nicht gut wird", erkl├Ąrt Neumann sp├Ąter am Abend. "Aber die Linke lag in den Umfragen zwischen sechs und sieben Prozent und ich habe gedacht, dass es da einen gr├Â├čeren Puffer gibt."

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Anh├Ąnger der Linken, die sich an die Stirn fassen oder fassungslos den Kopf sch├╝tteln ÔÇô das ist das Bild dieser Partei am Wahlabend. "Das ist eine herbe Niederlage. Egal, wie das heute ausgehen wird, wir k├Ânnen sagen, dass es k├Ąlter in diesem Land wird, was die Sozialpolitik betrifft", meinte Bundestagsvizepr├Ąsidentin Petra Pau im Gespr├Ąch mit t-online.

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Andere versuchten es mit mehr Optimismus. "Es kann kein Weiter-so geben. Ja, wir werden ├╝ber f├╝nf Prozent kommen und wir werden auf mehr als drei Direktmandate kommen", sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch kurz nach der ersten Hochrechnung. "Guckt mich nicht so b├Âse an, wir schaffen das."

Sie schafften es nicht.

Viele Gr├╝nde f├╝r das Desaster

In der t-online-Sendung am Morgen danach ├Ąu├čerte sich Bartsch dann schon kritischer: "Wir hatten andere Ziele. Es ist eine gro├če Entt├Ąuschung. Das muss eine Aufarbeitung und eine Schlussfolgerung geben." Wut ├╝ber die Spitzenkandidaten, Bartsch und Janine Wissler, gab es auf der Wahlparty jedoch kaum. "Nach der Niederlage kann man immer der Spitze die Schuld geben, aber die ganze Partei sollte sich nach diesem Ergebnis hinterfragen", sagte auch Neumann.

Doch was ist wirklich schuld an dem Absturz? Es gibt sechs zentrale Gr├╝nde:

  1. Lagerwahlkampf zwischen Scholz und Laschet: Die gr├Â├čte Abwanderung von W├Ąhlern der Linken gibt es laut dem Meinungsforschungsinstitut "Infratest dimap" zur SPD (590.000). Nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel er├Âffnete sich wieder eine realistische Chance auf einen Machtwechsel. Deshalb war es f├╝r viele ehemalige Linke-W├Ąhler eine Richtungsentscheidung gegen Laschet und die Union.
  2. Klimapolitik: Ein bestimmendes Thema in diesem Wahlkampf war der Kampf gegen die Klimakrise. Die Linke hat vergleichsweise viele junge W├Ąhlerinnen und W├Ąhler, aber genau auf die hatten die Gr├╝nen eine hohe Anziehungskraft. Trotz ehrgeiziger Klimaziele konnte die Linke nicht punkten, 470.000 Wahlberechtigte wanderten zu den Gr├╝nen.
  3. Au├čenpolitik: Im Endspurt des Wahlkampfes verzettelte sich die Linke in au├čenpolitischen Kontroversen. Die Partei machte sich mit ihrer Haltung zur Nato, zur Europ├Ąischen Union und mit ihrem Entschluss, gegen die Rettungsmission der Bundeswehr in Afghanistan zu stimmen, f├╝r die anderen Parteien regierungsunf├Ąhig. Die Quittung daf├╝r gab es an der Wahlurne.
  4. Unbekannte Kandidaten: Die Spitzenkandidaten Janine Wissler und Dietmar Bartsch sind verglichen mit anderen Kandidaten und Kandidatinnen zu wenig bekannt in der Bev├Âlkerung. Durch den Fokus auf den Dreikampf um das Kanzleramt hatten sie im Vergleich auch nicht genug mediale Pr├Ąsenz.
  5. Schw├Ąche im Westen, Verluste in Sachsen: Diese Probleme sind nicht neu f├╝r die Linke. In den alten Bundesl├Ąndern bekommt die Partei noch immer keinen Fu├č auf den Boden, liegt nur bei knapp ├╝ber drei Prozent. In Ostdeutschland verlor sie insbesondere in Sachsen an die AfD, die vor allem Protestw├Ąhler von der Linken anzog (110.000).
  6. Interne Streitereien: Die Linke wirkte im Wahlkampf nicht geschlossen, besonders Sahra Wagenknecht polarisiert noch immer innerhalb der Anh├Ąngerschaft. Diese politischen Scharm├╝tzel mit Wagenknecht und Oskar Lafontaine sowie der damit verbundene Richtungsstreit in zentralen Fragen haben der Partei massiv geschadet.


Zwei Politiker standen auf der Wahlparty besonders im Fokus. Eine war der unsichtbare Elefant im Raum, obwohl sie nicht einmal anwesend war: Sahra Wagenknecht. Viele sind w├╝tend ├╝ber ihre Quersch├╝sse, kritisieren ihre ├äu├čerungen zur Migrationspolitik oder ihre skeptische Haltung gegen├╝ber den Corona-Ma├čnahmen. Andere vermissen sie als eine in der Bev├Âlkerung beliebte Politikerin. So auch Neumann: "Die Partei h├Ątte sie mehr einbinden m├╝ssen, auch wenn sie in manchen Dingen eine andere Meinung hat. Das ist ja nicht die SED, sondern die Linke."

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Wagenknecht selbst ├Ąu├čerte sich in der ARD. "Das ist eine bittere Niederlage, aber wir m├╝ssen ├╝ber die Ursachen reden", sagte die ehemalige Fraktionschefin. "Die Linke hat sich in den letzten Jahren immer weiter von dem entfernt, f├╝r das sie gegr├╝ndet wurde: als Interessenvertretung f├╝r normale Arbeitnehmer, f├╝r Rentnerinnen und Rentner." Die Menschen h├Ątten das Gef├╝hl, dass die Linke nicht mehr ihre Sprache spreche.

Ein Comeback von Wagenknecht in der ersten Reihe erscheint m├Âglich. Immerhin sieht sie sich als Stimme eben dieser Menschen.

Gysi: "Ich bin genauso traurig wie ihr"

Ein weiterer Name, der schon als Vergangenheit der Linken galt, doch nach dem Wahldebakel wieder sehr pr├Ąsent war: Gregor Gysi. Er gewann neben Gesine L├Âtzsch (beide Berlin) und S├Âren Pellmann (Leipzig) seinen Wahlkreis direkt und sicherte damit den Einzug einer Linksfraktion in den Bundestag.

Ausgerechnet Gysi, der stets f├╝r den Zusammenhalt in seiner Partei gek├Ąmpft hat, erlebte nach seinem R├╝ckzug aus der ersten Reihe der Politik, dass die Linke infolge politischer Grabenk├Ąmpfe fast aus dem Bundestag fliegt. "Ich bin genauso traurig wie ihr, aber ich m├Âchte nicht, dass wir uns jetzt gegenseitig beschimpfen", sagte der 73-J├Ąhrige. "Wir sollten gemeinsam und selbstkritisch schauen, was wir falsch gemacht haben." Als er die B├╝hne betrat, jubelten die Linke-Anh├Ąnger ihm zu. "Wir haben dich", rief jemand aus der Menge.

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"Das Ergebnis im Bund ist desastr├Âs ÔÇô das m├╝ssen wir in den kommenden Tagen gr├╝ndlich und selbstkritisch analysieren", erkl├Ąrte Gysi sp├Ąter im Gespr├Ąch mit t-online. "Es reicht da nicht, zu sagen: Die anderen waren schuld."

Wenige Hoffnungsschimmer

Letztlich steht die Linke nun vor einem Tr├╝mmerhaufen. Sie muss sich neu ordnen, ist jetzt die schw├Ąchste Fraktion im Bundestag. Rot-gr├╝n-rot ist als Koalition vom Tisch, vor allem durch die Schw├Ąche der Linken. Die Partei, die in den vergangenen Jahren immer auch etwas h├Ąmisch auf die SPD geschaut und ihr vorgeworfen hat, dass der Absturz der Sozialdemokraten ein Linksb├╝ndnis im Land unm├Âglich mache, muss sich nun einem unangenehmen Aufarbeitungsprozess stellen.

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Dabei ist man sich auf der Wahlparty sicher: Es brauche die Linke als soziales Korrektiv, besonders in der Corona-Pandemie. Mit Hoffnung schaut man immerhin auf das Berliner Abgeordnetenhaus, dort k├Ânnte es zu einer Fortsetzung ihrer Koalition mit SPD und Gr├╝nen kommen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist eine rot-rote Koalition eine Option. Das zwar vor allem durch die St├Ąrke von Manuel Schwesig (SPD), aber die Linke k├Ânnte in eine zus├Ątzliche Landesregierung kommen. Das macht Hoffnung. Und die Tatsache, dass sich das Ergebnis der AfD in Berlin nahezu halbiert hat, sorgt sogar gelegentlich f├╝r gute Laune.

Die Linke will nun Geschlossenheit herstellen, die Reihen schlie├čen. Das versprechen sich viele trotz gro├čer Entt├Ąuschung auf der Wahlparty. Auch Arkadi Neumann geht noch nicht nach Hause. "Der RBB hat mich interviewt, aber meine Frau hat mir gerade gesagt, dass sie mich herausgeschnitten haben", erz├Ąhlt er. Neumann dr├╝ckt seinen Zigarillo aus. Er hofft, dass ihm die Linke in Zukunft nur noch freudige "Anl├Ąsse" bietet.

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