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"Tarek statt Groko": Grünen schwimmen auch in Hessen auf der Erfolgswelle


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Grünen schwimmen auch in Hessen auf der Erfolgswelle

Von dpa
Aktualisiert am 24.10.2018Lesedauer: 3 Min.
Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Tarek Al-Wazir, Grünen-Spitzenkandidat in Hessen, vor einem Wahlplakat ihrer Partei.
Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Tarek Al-Wazir, Grünen-Spitzenkandidat in Hessen, vor einem Wahlplakat ihrer Partei. (Quelle: Jens Buettner./dpa)
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Wiesbaden (dpa) - Der bundesweite Höhenflug der Grünen wirbelt wenige Tage vor der Landtagswahl die Machtoptionen in Hessen kräftig durcheinander. Die Ökopartei rangiert in den jüngsten Umfragen bei über 20 Prozent Zustimmung.

Manche Meinungsforscher sehen die Partei im Land wie im Bund als zweitstärkste Kraft. Rein rechnerisch rückte nach einem Stimmungsbild sogar Grün-Rot-Rot als Option mit nach vorne - dann würde der Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir womöglich Ministerpräsident.

Nicht umsonst warnen Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Volker Bouffier, der mit der CDU im Land massiv an Zustimmung eingebüßt hat, bereits eindringlich vor einem linken Bündnis nach der Wahlentscheidung am kommenden Sonntag. Denn dank der Stärke der Grünen könnte es unter Umständen auch für Rot-Grün-Rot reichen. Dann hieße der neue Ministerpräsident Thorsten Schäfer-Gümbel von der SPD.

Hessens Grüne werden von zwei Wellen getragen: Sie sind politisches Bollwerk gegen eine starke AfD und zudem Anti-GroKo-Partei. Nicht nur das Spitzenduo, Verkehrsminister Al-Wazir und Umweltministerin Priska Hinz, nutzt nahezu jeden Wahlkampfauftritt für diese zwei Botschaft. Auch die Plakate der Partei zielen darauf ab: "Vernunft gestaltet geiler. Zweitstimme Grün gegen Rassismus" und "Tarek statt Groko" ist darauf zu sehen.

Al-Wazir ist Umfragen zufolge Hessens beliebtester Politiker. Er zeigt sich von den historisch guten Werten betont ungerührt, spielt das Ganze herunter. Für Beobachter eine ungewohnte Seite an dem 47-Jährigen, der mit seiner eloquenten Art und spitzen Zunge sonst eher einmal zuviel als zuwenig seine Erfolge erwähnt.

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Hessen gilt als Politiklabor, in den Versuchsreihen hatten die Grünen oft eine Schlüsselrolle. Etwa bei der Vereidigung des ersten grünen Ministers 1985 in einer rot-grünen Koalition: Joschka Fischer als Umweltminister in Turnschuhen. Oder als vor vier Jahren Schwarz-Grün in Hessen die Regierung übernahm und viele Kritiker seitdem mit ihrer nahezu reibungslosen Zusammenarbeit verblüfft. Dass die Grünen nach fünf Jahren Koalition mit der CDU Gefallen am Regieren gefunden haben, leugnet keiner der Spitzenpolitiker.

Ganz anders ist die Stimmungslage bei CDU und SPD im Endspurt des Wahlkampfs. Lange verfolgte die beiden Volksparteien die Angst, dass nach der Wahl in Hessen rechnerisch nur eine große Koalition möglich ist. Dieses Schreckgespenst ist wegen des massiven Absturzes beider Parteien in den Umfragen aber kleiner geworden.

Die Wahlforscher sahen die Union zuletzt abgerutscht bei 26 Prozent, über zehn Punkte unter ihrem Ergebnis von 2013 (38,3 Prozent). Ähnlich schaut es bei den Sozialdemokraten aus. Bei 20 und 21 Prozent liegen die Zustimmungswerte (2013: 30,7 Prozent) und damit fast gleichauf mit den Grünen, die derzeit bei 20 und 22 Prozent geführt werden (2013: 11,1 Prozent).

Im Wahlkampf unterscheidet sich die Taktik von CDU und SPD - neben den deutlichen inhaltlichen Differenzen - auch bei den Auftritten der Bundesprominenz. CDU-Chefin Merkel begleitet Ministerpräsident Bouffier in der heißen Phase bei mehreren Auftritten auf großer Bühne. Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles besucht eher Termine im kleinen Rahmen, etwa in einem Restaurant in Rüsselsheim oder in einem Brauhaus in Erbach im Odenwald.

Auch für Merkel und Nahles geht es in Hessen um viel: Sollten CDU oder SPD die großen Verlierer der Landtagswahl werden, so wie CSU und SPD bei der Bayern-Wahl zwei Wochen zuvor, dürften auch in Berlin die Personaldebatten deutlich Fahrt aufnehmen. Nach dem Bayern-Debakel hielten sich bei Union und Sozialdemokraten manche Kritiker nur zurück, um ein Hessen-Desaster zwei Wochen später zu vermeiden. Sollte dieses doch eintreten, könnte am Sonntag um 18 Uhr Schluss sein mit dem Stillhalten.

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