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"Kn├╝ppel zwischen die Beine": Kritik an Biontech-Deckel

Von dpa
Aktualisiert am 21.11.2021Lesedauer: 4 Min.
Statt des Vakzins von Biontch/Pfizer soll vermehrt das Pr├Ąparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen zum Einsatz kommen.
Statt des Vakzins von Biontch/Pfizer soll vermehrt das Pr├Ąparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen zum Einsatz kommen. (Quelle: Marijan Murat/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Die Kritik an Pl├Ąnen des Gesundheitsministeriums, Bestellobergrenzen f├╝r Biontech-Impfstoff festzulegen, wird immer lauter.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpr├Ąsidentin Manuela Schwesig (SPD) warf dem Ministerium in der "Bild am Sonntag" vor, "Brocken in das Impfgetriebe" zu werfen, und forderte eine R├╝cknahme der Pl├Ąne. Auch andere Bundesl├Ąnder und ├ärztevertreter wehren sich dagegen, zumal der ohne Bestellgrenze verf├╝gbare Impfstoff von Moderna f├╝r Menschen unter 30 Jahren in Deutschland nicht mehr empfohlen wird. Die Booster-Impfungen nehmen inzwischen Fahrt auf, es wird bef├╝rchtet, dass die Biontech-Deckelung das ausbremsen k├Ânnte.

Der gesch├Ąftsf├╝hrende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigte die Entscheidung: "Ich kann's deswegen nicht zur├╝ckziehen, weil es einfach 'ne Frage der verf├╝gbaren Menge ist", sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". "Wir halten da nichts zur├╝ck. Ich kann ja keinen Impfstoff ausliefern von Biontech, der nicht da ist." Die Nachfrage sei wahnsinnig gestiegen in den letzten zwei Wochen.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die L├Ąnder f├╝r die n├Ąchsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen f├╝r den Biontech-Impfstoff angek├╝ndigt. Daf├╝r soll vermehrt das Pr├Ąparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen zum Einsatz kommen. In dem Schreiben war zur Begr├╝ndung angef├╝hrt worden, dass andernfalls eingelagerte Moderna-Dosen zu verfallen drohten.

Praxen sollen demnach vorerst maximal 30 Dosen Biontech pro Woche bestellen k├Ânnen, Impfzentren und mobile Impfteams 1020 Dosen. F├╝r Bestellungen von Moderna soll es keine H├Âchstgrenzen geben. Bis Jahresende gebe es mit insgesamt rund 24 Millionen Dosen von Biontech und 26 Millionen von Moderna genug Impfstoff f├╝r alle.

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Bei der Gesundheitsministerkonferenz der L├Ąnder (GMK) soll an diesem Montag ├╝ber die Biontech-Bestellgrenzen gesprochen werden, wie der bayerische Gesundheitsminister und GMK-Vorsitzende Klaus Holetschek (CSU) ank├╝ndigte. Man werde dabei mit dem Bund beraten, "wie das von Bundesminister Spahn ausgel├Âste Chaos beseitigt werden kann", sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

├ärztevertreter ├╝ben scharfe Kritik und verweisen auf viele praktische Probleme, die die Entscheidung mit sich bringen k├Ânnte. Bef├╝rchtet wird, dass Menschen, die schon Auffrischungsimpfungen mit Biontech vereinbart haben, z├Âgern k├Ânnten, wenn ihnen Moderna angeboten wird, und dass in den Praxen durch viele Nachfragen und Umbuchungen deutliche Mehrarbeit entsteht. Moderna wird au├čerdem nur f├╝r Menschen ab 30 und nicht f├╝r Schwangere empfohlen.

Haus- und Fach├Ąrzte erh├Âhten ihre Kapazit├Ąten, man steuere in der n├Ąchsten Woche auf einen Impfrekord zu, sagte Stephan Hofmeister vom Vorstand der Kassen├Ąrztlichen Bundesvereinigung (KBV). "Da ist es fatal, wenn uns das Bundesgesundheitsministerium Kn├╝ppel zwischen die Beine wirft." Kassen├Ąrztliche Vereinigungen in den Bundesl├Ąndern reagierten ebenfalls mit scharfen Worten und sprachen von "massiver Behinderung", "Fehlorganisation" und sogar "Sabotage" der Impfkampagne.

"Ich wei├č, dass diese kurzfristige Umstellung f├╝r viele engagierte Helferinnen und Helfer vor Ort in den Arztpraxen und Impfzentren viel zus├Ątzlichen Stress bedeutet. Und das bedauere ich ausdr├╝cklich", sagte Spahn der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Durch die stark gestiegene Nachfrage nach Biontech leere sich das Lager sehr schnell. Aus einer ├ťbersicht des Ministeriums geht zudem hervor, dass Deutschland in diesem Monat voraussichtlich fast 8,8 Millionen Dosen Biontech ├╝ber die Initiative Covax an Drittstaaten spenden wird oder gespendet hat.

Spahn betonte, mit Biontech und Moderna gebe es zwei exzellente und hoch wirksame Impfstoffe. "Ich kann versprechen, dass jeder, der sich impfen lassen will, einen guten, sicheren und wirksamen Impfstoff bekommt." In manchen Studien zur Wirkung von Auffrischungsimpfungen schneide eine dritte Impfung mit Moderna sogar besser ab als eine mit Biontech.

Studien zeigen, dass der Schutz vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 bei Geimpften mit der Zeit nachl├Ąsst. Biontech-Gr├╝nder Ugur Sahin sagte der "Bild am Sonntag": "Wichtig ist die Tatsache, dass die dritte Impfung den Schutz wieder anhebt. Entsprechend erwarten wir, dass er l├Ąnger anh├Ąlt als der Schutz nach der Doppelimpfung und nachfolgende Auffrischimpfungen vielleicht nur jedes Jahr - ├Ąhnlich wie bei Influenza - gebraucht werden."

Das Tempo bei den Auffrischungsimpfungen zieht nach Angaben Spahns an. In der abgelaufenen Woche seien 1,7 Millionen B├╝rger "geboostert" worden, twitterte er am Wochenende. Bislang seien damit 5,6 Millionen Auffrischungsimpfungen erfolgt. Bis zum Jahresende sollen es 20 bis 25 Millionen sein.

Eine Impfpflicht, wie in ├ľsterreich angek├╝ndigt, wird nach Ansicht des Tourismusbeauftragten der gesch├Ąftsf├╝hrenden Bundesregierung, Thomas Barei├č, auch in Deutschland "fr├╝her oder sp├Ąter nicht vermeidbar" sein. "Es war in der R├╝ckschau betrachtet falsch, das nicht gleich von Anfang an zu sehen. Die damalige Hoffnung ist nachvollziehbar, aber war nicht realistisch", sagte der CDU-Politiker der dpa. Bayerns Ministerpr├Ąsident Markus S├Âder (CSU) hatte ebenfalls gesagt, er glaube, man werde am Ende um eine Impfpflicht nicht herumkommen.

Vertreter von SPD, FDP und Gr├╝nen ├Ąu├čern sich bisher ablehnend. Einer Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" zufolge w├╝rden 52 Prozent der Deutschen eine generelle Impfpflicht begr├╝├čen. Dagegen sprachen sich 42 Prozent aus. Sieben Prozent machten keine Angabe oder antworteten mit "Wei├č nicht".

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