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"Maischberger": Friedrich Merz gibt sich handzahm – und fürchtet "Dauerzustand der Regierung"

Ampel-Talk bei "Maischberger"  

Merz gibt der Ampel eine düstere Prognose

Von Christian Bartels

09.12.2021, 07:15 Uhr
"Maischberger": Friedrich Merz gibt sich handzahm – und fürchtet "Dauerzustand der Regierung". Friedrich Merz (Archivbild): Bei "Maischberger" gab sich der CDU-Haudegen eher handzahm. (Quelle: imago images)

Friedrich Merz (Archivbild): Bei "Maischberger" gab sich der CDU-Haudegen eher handzahm. (Quelle: imago images)

Am Tag, an dem Olaf Scholz Bundeskanzler wurde, hatte Sandra Maischberger den SPD-Strategen Kevin Kühnert und den CDU-Haudegen Friedrich Merz zu Gast. Die beiden schonten sich – mit einigen Ausnahmen. 

Am Mittwoch wurde Bundeskanzler Olaf Scholz frisch gewählt und die neue Ampelkoalition trat die Regierung an. Am späten Abend hatte Sandra Maischberger dann mit CDU-Veteran Friedrich Merz und dem mit 32 Jahren knapp halb so alten früheren Juso-Chef Kevin Kühnert zwei ziemlich streitbare Politiker in ihrer ARD-Talkshow zu Gast.

Beide haben allerhand vor: Kühnert will und muss als designierter Generalsekretär die nun größte Regierungspartei SPD zusammenhalten. Merz will Vorsitzender der nun größten Oppositionspartei werden. An strittigen Themen herrscht zwischen einer Impfpflicht, über die womöglich bald schon der Bundestag abstimmen wird, Sozialpolitik und der brisanten Lage in Osteuropa kein Mangel. Gelang es Maischberger, ihre Gäste in Streit zu verwickeln?


Die Gäste

  • Kevin Kühnert, (designierter SPD-Generalsekretär)
  • Friedrich Merz, (Kandidat für den CDU-Vorsitz)
  • Jonas Schmidt-Chanasit (Virologe)
  • Oliver Kalkofe (Satiriker)
  • Kristina Dunz (Journalistin)
  • Stefan Aust (Journalist, "Welt"-Herausgeber)


Die Antwort lautet: Nein! Kühnert und Merz saßen sich zwar in Drehsesseln fast frontal gegenüber und trugen sehr unterschiedliche Schuhe – Merz klassisch schwarze, Kühnert weiße Sneakers. Doch äußerten sie sich zu sämtlichen Themen so vorsichtig, als würden sie gemeinsam doch wieder eine Groko bilden.

Friedrich Merz gibt sich handzahm

Merz spielte nicht mal die Tatsache, dass Scholz mit 24 Stimmen weniger gewählt wurde, als die rot-grün-gelbe Koalition Sitze hat, lange aus. Eine Regierung hat doch "zunächst einen Vertrauensvorschuss verdient", sagte er, und viele Ziele der Ampelkoalition seien "aller Ehren wert". Beim "Bürgergeld", zu dem das Hartz-IV-System umgebaut werden soll, riet er, das "eigentlich richtige Grundprinzip des Förderns und Forderns" beizubehalten.

"Krise wird der Dauerzustand der Regierung sein" war da noch die härteste Prognose des CDU-Mannes – und die bezog sich auf die "dramatisch zunehmenden" außenpolitischen Spannungen, das schwierige Verhältnis zu Russland, nicht nur anhand der Nord Stream 2-Pipeline, und das zu China, nicht nur anhand der Olympischen Spiele. Kurzum: Merz war fest entschlossen, die neue Regierung nicht in Grund und Boden zu kritisieren, bevor sie erste Schritte unternommen hat.

Bei Nord Stream 2 versäumt Maischberger die Nachfrage

Zur Außenpolitik sagte Kontrahent Kühnert: "Uns gefällt als Partei nicht dieses latente Säbelrasseln". Politik sei ja nicht dazu da, den Leuten Angst zu machen. Auf wessen Rasseln sich das bezog, blieb unklar. Auf Forderungen aus den USA, Nord Stream 2 keinesfalls in Betrieb zu nehmen? Da versäumte Maischberger eine Nachfrage. Vielleicht hätte Kühnerts Antwort mehr Spannung ins Studio gebracht. Ansonsten verteidigte der Sozialdemokrat routiniert die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen und Pläne wie den, die Höhe des Bürgergeldes erst Ende 2022 festzulegen.

Wie würden die beiden votieren, wenn im Bundestag womöglich ohne Fraktionszwang über eine Impfpflicht abgestimmt wird? So lautete Maischbergers letzte Frage an die Politiker. Kommt drauf an, lauteten die Antworten ziemlich unisono. Genaue Gesetzespläne gibt es ja noch gar nicht.

Journalist Aust giftet gegen Karl Lauterbach

Zu den Elementen der Maischberger-Talkshow zählen Rederunden mit drei Journalisten, die die Themen der Woche kommentieren. Dafür war am Mittwoch eine etwas ungewöhnliche Konstellation versammelt: Neben Kristina Dunz aus dem Berliner Büro des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" saßen Stefan Aust, der einstige "Spiegel"-Chefredakteur, der inzwischen als "Welt"-Herausgeber bei Springer arbeitet, und der Parodist Oliver Kalkofe. Sehr viele Funken sprühten dennoch nicht. Aust giftete gegen Karl Lauterbach ("Ein-Mann-Panik-Orchester").

Kalkofe zeigte sich als kein großer Fan der nun ehemaligen Bundeskanzlerin Merkel und sieht das Land ähnlich ermüdet wie am Ende der Kohl-Ära. 

Während Dunz für eine Impfpflicht plädierte, sprachen die Männer sich eher dagegen aus. Aust brachte das Impfregister aufs Tapet, das dafür nötig sei, in Deutschland aber gar nicht existiert. Darüber mit Kühnert zu sprechen, hätte interessant sein können. Doch die kommentierenden Journalisten gehören bei Maischberger nicht zur Politiker-Runde.

Jonas Schmidt-Chanasit: "Natürlich werden wir die Pandemie besiegen"

Am Ende der Sendung sprach die Moderatorin mit dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit über die Corona-Lage. "Natürlich werden wir die Pandemie besiegen", unterstützte dieser den nicht anwesenden neuen Gesundheitsminister Lauterbach (der am Abend im ZDF-"heute journal" ein Interview gegeben hatte).

Dabei seien die Impfung und das Boostern "ganz entscheidend". Der alte "Instrumentenkasten" aus Masken, Abstand, Hygiene müsse aber weiter genutzt werden. Dabei sorgte eine mindestens missverständliche Äußerung zu FFP2-Masken für Irritationen bei twitternden Zuschauern, wurde in der Talkshow selbst aber nicht vertieft.

Fazit: Die neue rot-grün-gelbe Bundesregierung und die neue Oppositionspartei CDU werden gewiss noch für scharfe Talkshowkontroversen und vielleicht erkenntnisfördernden Streit sorgen. Am späten Abend des ersten Tages von Olaf Scholz' Kanzlerschaft war davon allerdings noch nichts zu spüren.

Verwendete Quellen:
  • "Maischberger" vom 8.12.2021

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