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Nancy Faesers Feuertaufe bei der WM in Katar: Sie hat jetzt eine historische Chance


Wird sie das wirklich wagen?

  • Annika Leister
Von Annika Leister

Aktualisiert am 23.11.2022Lesedauer: 5 Min.
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Nancy Faeser: Als Innenministerin ist sie auch für den Sport zuständig - gerade kein einfacher Job.
Nancy Faeser: Als Innenministerin ist sie auch für den Sport zuständig - gerade kein einfacher Job. (Quelle: IMAGO/Frederic Kern)
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Allen Boykottaufrufen zum Trotz verfolgt die Innenministerin das deutsche WM-Auftaktspiel im Stadion. Sie kann dabei fast alles falsch machen – aber auch eines richtig.

Nancy Faeser steht vor einer Kamera auf einer Straße in Doha und klingt hilflos. Hinter der deutschen Innenministerin laufen Männer in Jeans oder weißen Gewändern durchs Bild. Die SPD-Politikerin ist ins Studio der Tagesthemen geschaltet und kritisiert gerade die Fifa für das Verbot der "One Love"-Armbinde, ein Zeichen der Solidarität mit der queeren Community. Es müsse doch heutzutage möglich sein, ein Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung zu setzen, sagt Faeser. "Das werde ich, wenn ich morgen jemanden treffen sollte von der Fifa, auch noch mal deutlich selbst sagen."

Faeser spricht im Konjunktiv – die Übermittlung ihrer Kritik bei einem Treffen mit einem Fifa-Funktionär ist also erst einmal reine Theorie. Ein "Vielleicht treffe ich ja wen", kein "Der Termin steht". Das ist kein guter Ausgangspunkt. Denn dieser Mittwoch wird Faesers Feuertaufe auf internationalem Parkett.

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Ministerin Faeser mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf in Katar: Die Kritik ist groß, Faeser aber trotzdem in Katar. (Quelle: Jennifer Lorenzini/Reuters)

Wird Faeser es wagen, das starke Zeichen zu setzen?

Oft schon waren die Bedingungen schlecht, nie aber stand der Austragungsort der WM wegen der Behandlung von Homo- und Transsexuellen, Frauen und Arbeitsmigranten stärker in der Kritik als zurzeit. Faeser ist zum Boykott der WM aufgefordert worden, der Lesben- und Schwulenverband bezeichnete ihre Pläne als "blanken Hohn". Faeser aber hat sich entschieden, trotz allem zum deutschen Auftaktspiel zu reisen. Der Druck auf sie ist deswegen enorm, die Erwartungen sind riesig.

Wenn die Ministerin schon fährt, heißt es von allen Seiten, dann brauche es auch ein großes Symbol. Eine deutliche Botschaft, eine klare Kritik an den Bedingungen in Katar, bloß kein sonst übliches diplomatisches Wischiwaschi. Sie kann viel falsch und nur wenig richtig machen. Und doch hat sie einen Ausweg, recht einfach ein starkes Zeichen zu setzen, das vieles geraderücken und ihr so einige Herzen in Europa zufliegen lassen würde.

Denn schon ein kleines bisschen Regenbogenfarbe an Faeser würde mehr sagen als alle ihre Termine und Pressekonferenzen. Aber wird sie es wagen, dieses Symbol tatsächlich zu tragen?

Manuel Neuer mit der "One Love"-Binde: In Oman trug er sie noch, in Katar wird das wohl nicht der Fall sein.
Manuel Neuer mit der "One Love"-Binde: In Oman trug er sie noch, in Katar wird das wohl nicht der Fall sein. (Quelle: Christian Charisius/dpa)

Die Sportler knicken reihenweise ein

Die Erwartungen an die Innenministerin sind in den vergangenen Tagen noch einmal stark gestiegen, weil die Fußballverbände reihenweise vor der Homophobie der Regierung in Katar und der Fifa einknickten. Erst übte die Fifa massiven Druck auf die Kapitäne mehrerer europäischer Teams aus, die "One Love"-Binde nicht auf dem Fußballfeld zu tragen. Die Fifa drohte mit Sanktionen, eine Gelbe Karte für den jeweiligen Kapitän stand im Raum – und die Teams kippten rasch und ohne großen Widerstand um.

Viele hoffen dennoch, dass Manuel Neuer & Co. das Risiko eingehen, dass sie sportliche Konsequenzen riskieren und sich am Ende überraschend doch klar positionieren. Nationaltrainer Hansi Flick allerdings erteilte dem bereits am Dienstag eine recht deutliche Absage. "Es bringt jetzt nichts, wenn ich noch irgendetwas machen würde", sagte er da. Und kurz darauf: Man freue sich wirklich, man habe ein super Abschlusstraining gehabt. "Für das sind wir hier. Das sind letztendlich die Dinge, die wir als Erstes angehen."

Hansi Flick bei einer Pressekonferenz in Katar: Sport first, Menschenrechte second.
Hansi Flick bei einer Pressekonferenz in Katar: Sport first, Menschenrechte second. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Sport first, Menschenrechte second – das ist der Fokus für die Nationalelf und ihren Trainer. Das aber kann nicht Faesers Fokus sein – gerade auf dieser Reise, gerade als Ministerin einer Regierung, die die Menschenrechte, speziell auch den Einsatz für sexuelle Vielfalt und gegen Diskriminierung, so hoch halten will wie keine zuvor.

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LGBTQ? In Faesers Terminplan nicht vorgesehen

Allerdings klingt der Terminplan der Ministerin in Katar bisher schwach: Die Ministerin führe am Mittwoch Gespräche "insbesondere zum Schutz von Frauenrechten", teilt ein Sprecher auf Nachfrage von t-online mit. Sie wolle sich neben Terminen im Fanzentrum und mit der Präsidentin des Women’s Sports Committee außerdem auch mit dem Direktor der "International Labour Organization" zur Situation von Arbeitsmigranten austauschen. Das war‘s.

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Es bleibt eine offensichtliche Leerstelle in Faesers Reiseplan: Was ist mit der queeren Szene? Schließlich ist Homosexualität in Katar per Gesetz verboten. Schwulen, Lesben und Transsexuellen drohen mehrjährige Haftstrafen, theoretisch sogar die Todesstrafe. Es ist einer der größten Kritikpunkte an der katarischen Regierung zurzeit.

Katar hat immerhin zur WM Offenheit und Sicherheit für alle garantiert, die Fifa hat außerdem zugesagt, dass Regenbogenflaggen im Stadion erlaubt seien – aber gleich in den ersten Tagen zeigte sich, wie viel von den Versprechen zu halten ist. Neben dem Widerstand gegen die "One Love"-Binde berichten Fans und Journalisten aus unterschiedlichen Ländern, sie seien mit Shirts, Hüten oder Wimpeln in Regenbogenfarben im Stadion von Sicherheitskräften aufgehalten und befragt worden. Zum Teil sei das Material danach in der Mülltonne gelandet. Betroffen war auch ein deutscher Fan.

"Das enttäuscht mich sehr", sagt Faeser wenige Stunden vor dem Spiel der deutschen Elf in Doha. "Das ist nicht mein Verständnis von Sicherheitsgarantien, die mir der Innenminister gegeben hat."

Historische Chance

Das Vorgehen der Katarer eröffnet Faeser eine historische Chance: Würde sie mit Regenbogenfarben auf dem Shirt, einer Binde oder sogar nur einem Pin am Revers erscheinen, hätte sie ihr Zeichen gesetzt. Mancher Journalist formuliert diese Erwartung ganz klar: Faeser solle im Stadion eine "One Love"-Binde tragen, "genauso wie ihre Delegation", twittert der stellvertretende Chefredakteur der Bild, Paul Ronzheimer. "Und zwar auch dann, wenn sie politische Delegationen aus Katar trifft."

Faeser hat Katar, die Fifa und auch den DFB wegen der Diskussion um die "One Love"-Binde scharf kritisiert. Sie hat die Erwartungen an sich selbst so weiter nach oben geschraubt. Sie würde nun äußerst schlecht dastehen, wenn sie von Sportlern, denen Sanktionen angedroht werden, verlangt, was sie selbst nicht wagt.

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Zumal Faeser als Innenministerin der Ampelregierung ein besonderes Verhältnis zur queeren Community hat – und sehr genau um die Symbolkraft einer Regenbogenfahne weiß. Sie war schließlich die erste Ministerin, die sie an Regierungsgebäuden in Berlin erlaubte. Vor dem April nämlich war die Flagge an Ministerien und dem Deutschen Bundestag untersagt. Als "völlig überkommene bisherige Praxis", kritisierte Faeser das. "Wir sind ein modernes und vielfältiges Land."

Nun hätte sie Gelegenheit, das nicht nur in Deutschland zu zeigen – sondern dort, wo es tatsächlich einen Unterschied macht. Undenkbar ist ein Einknicken allerdings auch bei der Ministerin nicht, schließlich ist Katar auf anderen Feldern, zum Beispiel in der Energiepolitik, ein wichtiger Partner Deutschlands. Unvergessen ist Robert Habecks Bückling vor dem katarischen Energieminister, als der Grünen-Politiker auf großer Einkaufstour für fossile Energien durch die Welt tingelte.

"Gerade jetzt kommt es auf Haltung an – von allen, gerade auch von den Verbänden", twitterte Faeser wenige Stunden vor dem Spiel. Bleibt abzuwarten, ob sie diese Haltung ab 14 Uhr im Stadion selbst zeigt. Ein Tweet jedenfalls wird dafür nicht reichen.

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Verwendete Quellen
  • Anfrage an das Innenministerium
  • Nancy Faeser bei den Tagesthemen
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