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Studie: Deutschland verfehlt Öko-Strom-Ziel deutlich

Kein Vorreiter bei Energiewende  

Deutschland verfehlt Öko-Strom-Ziel deutlich

20.09.2017, 13:50 Uhr | dru, dpa

Studie: Deutschland verfehlt Öko-Strom-Ziel deutlich. Windräder im Windpark Schöneseiffen in der Eifel. (Quelle: dpa/Oliver Berg)

Windräder im Windpark Schöneseiffen in der Eifel. (Quelle: Oliver Berg/dpa)

Deutschland will Vorreiter bei der Energiewende sein. Einer Studie zufolge verfehlt die Bundesrepublik jedoch die angestrebte EU-Quote für erneuerbare Energien deutlich. Branchen- und Umweltverbände fordern nun gleichermaßen rasche Reformen.

Laut Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) soll der Ökoenergie-Anteil am gesamten Verbrauch im Jahr 2020 auf lediglich 16 Prozent klettern – angestrebt sind laut EU-Richtlinie aber 18 Prozent. Die Trendanalyse erfasst nicht nur den Stromverbrauch, sondern auch den Wärme- und Verkehrssektor.

Im April hatte der BEE noch einen Anteil von 16,7 Prozent vorhergesagt. Als Grund für die Änderung gibt der Verband einen Anstieg des Energieverbrauchs im Wärme- und Verkehrsbereich an. So wird etwa ein höherer Kraftstoffverbrauch erwartet, als ursprünglich prognostiziert. Der Verband warnte: Das 18-Prozent-Ziel werde in "noch weitere Ferne rücken, wenn sich der Verbrauchsanstieg im Wärme-, Verkehrs- und Stromsektor ungemindert fortsetzt".

Nur fünf Länder drohen Öko-Ziel zu verfehlen

Für andere Länder macht die EU-Richtlinie zum  "Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen am Bruttoendenergieverbrauch im Jahr 2020" andere Vorgaben, im EU-Schnitt sind 20 Prozent das Ziel. Dem BEE zufolge drohen nur fünf der 28 EU-Mitgliedsstaaten ihre Vorgaben zu verfehlen: Neben Deutschland seien das Irland, Großbritannien, die Niederlande und Luxemburg. BEE-Geschäftsführer Peter Röttgen fordert deshalb: "Die nächste Bundesregierung muss die Regelungen der Energiewirtschaft grundlegend modernisieren." So könne das Innovationspotenzial der Energiewende wirtschaftlich genutzt werden.

Beim Stromverbrauch lag der Anteil der erneuerbaren Energien laut BEE bei 31,7 Prozent, im Bereich Wärme allerdings nur bei gut 13 Prozent und im Verkehr nur bei gut 5 Prozent. Unter aktuellen Bedingungen dürfte der Anteil der Ökoenergie demnach bis 2020 beim Stromverbrauch auf knapp 40 Prozent steigen, bei der Wärme bei gut 13 Prozent stagnieren und im Verkehr nur leicht ansteigen auf 6,1 Prozent.

Vor rund zwei Wochen hatte eine Berechnung der Denkfabrik Agora Energiewende ergeben, dass Deutschland das für 2020 selbst gesteckte Klimaschutz-Ziel deutlicher verpassen wird als bisher angenommen, wenn die kommende Bundesregierung nicht schnell nachsteuert.

"Land der Energiewende ist Namen derzeit nicht wert"

"Das Land der Energiewende ist damit seinen Namen derzeit nicht wert", kritisierte Michael Schäfer vom WWF angesichts der BEE-Rechnung. "Die neue Bundesregierung muss zwingend ein Sofortprogramm Klimaschutz 2020 auflegen, mit dem es sicherstellt, dass Deutschland seinen Verpflichtungen gemäß Paris-Abkommen sowie EU-Recht nachkommt." Der Klimaschutz-Experte schlug eine "Sonderausschreibung Klimaschutz 2020" für zusätzliche Windkraft- und Solaranlagen vor.

Im Bundestagswahlkampf sind derzeit vor allem der Verkehrsbereich und die Umstellung auf elektrische Antriebe Themen, aber auch für den Ausbau von Ökostrom und den Abschied von der Braunkohle als Energieträger haben die Parteien unterschiedliche Pläne. "Den Ausbau der erneuerbaren Energien treiben wir voran und die Investitionen in erneuerbare Energien wie die Photovoltaik und in den Ausbau des Stromnetzes werden wir drastisch erhöhen", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir. Die 20 "schmutzigsten Kohlekraftwerke" will seine Partei "sofort" abschalten.

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