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Alexej Nawalny aus künstlichem Koma erwacht – wird er nie wieder gesund?

Nie wieder gesund?  

Alexej Nawalny aus künstlichem Koma erwacht

08.09.2020, 07:23 Uhr | rtr

Charité: Nawalnys Koma beendet, Patient ansprechbar

In der Debatte über Konsequenzen aus dem Fall schloss auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Sanktionen nicht aus, die die geplante russisch-deutsche Ostseepipeline Nordstream 2 betreffen könnten. (Quelle: Reuters)

Charité: So geht es dem russischen Oppositionspolitiker Nawalny. (Quelle: Reuters)


Seit etwa zwei Wochen wird Kreml-Kritiker Alexej Nawalny in einem Berliner Krankenhaus behandelt. Nun sprechen die Ärzte über seinen Zustand und teilen Details mit.

Dem in der Berliner Charité behandelten russischen Kremlkritiker Alexej Nawalny geht es besser. Ärzte haben das künstliche Koma beendet. Das teilte die Charité am Montag in Berlin mit. Der 44-Jährige werde nun schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt und reagiere auf Ansprache. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung sind weiterhin nicht auszuschließen. Der Fall Nawalny hat inzwischen auch eine Diskussion über einen Stopp des Projekts Pipeline Nord Stream 2 ausgelöst.

Bundesregierung sieht Einsatz von Nervengift als erwiesen an

Nawalny war am 20. August auf einem Flug in Russland ins Koma gefallen und später auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt worden. Die Bundesregierung hatte nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, dass sie es als zweifelsfrei erwiesen ansehe, dass Nawalny mit dem militärischen Nervengift Nowitschok vergiftet worden sei.

Russland bestreitet, in den Fall des Oppositionellen verwickelt zu sein. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach am Montag erneut von "absurden Versuchen", die russische Staatsführung damit in Verbindung zu bringen. Nawalny hat in seiner Heimat unter anderem verschiedene Korruptionsskandale aufgedeckt.

Rechtshilfegesuch in Deutschland gestellt

Die russische Generalstaatsanwaltschaft hatte ein Rechtshilfegesuch in Deutschland gestellt. Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte in der ARD gesagt, die deutsche Seite werde dem zustimmen. Peskow zufolge sieht Moskau auch keinen Grund dafür, weshalb Berlin nicht in dem Fall kooperieren sollte.

Der Kreml rechnet damit, dass Deutschland bald Informationen über die Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny übermittelt. Angesichts der Wellen, die das Thema schlage, erwarte Moskau in den nächsten Tagen Details zu dem Fall, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Staatsagentur Ria Nowosti zufolge. "Wir sind zufriedengestellt." International wächst der Druck auf Russland, die Vergiftung des Kremlkritikers zu untersuchen. Bislang laufen "Vorermittlungen".

"Unparteiische endgültige Entscheidung"

Der Fall Nawalny hat laut dem "Deutschen Ärzteblatt" auch die Bundesärztekammer erreicht. In einem Schreiben der russischen nationalen Ärztekammer an die Bundesärztekammer (BÄK) werde die Einrichtung einer gemeinsamen Kommission vorschlagen. Möglich sei auch die Beteiligung von Toxikologen aus anderen Ländern, um eine "unparteiische endgültige Entscheidung" darüber zu treffen, ob Nawalny vergiftet worden sei oder nicht.

Unterdessen wird auch diskutiert, ob man das Nord-Stream-2-Projekt als Reaktion auf die Vergiftung Nawalnys stoppen oder aussetzen sollte. Die Pipeline wird durch die Ostsee gebaut und soll Erdgas von Russland nach Deutschland transportieren.

Die Bundesregierung lässt die Zukunft des Projekts weiter offen und erhöht den Druck auf Russland. Noch sei es zwar zu früh, zu entscheiden, ob der Fall Konsequenzen für den Bau der Ostseepipeline haben werde, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) halte es aber auch für falsch, etwas auszuschließen.

Regierungssprecher: Erwarten Antworten aus Russland

Sie schließe sich vielmehr den warnenden Worten von Außenminister Heiko Maas (SPD) vom Wochenende an. Maas hatte in einem Interview gesagt: "Ich hoffe nicht, dass die Russen uns zwingen, unsere Haltung zu Nord Stream 2 zu ändern." Er halte es für falsch, Auswirkungen auf die Pipeline von vornherein auszuschließen.

Bislang hat die Bundesregierung Russland zwar mit harten Worten zur Aufklärung aufgefordert, eine Verknüpfung mit dem europäisch-russischen Gasprojekt aber vermieden. Seibert betonte, es gebe die klare Erwartung, dass Russland schwerwiegende Fragen zum Fall Nawalny beantworte. Damit sei jedoch nicht innerhalb weniger Tage zu rechnen.

Der Kreml rechnet derzeit nicht mit einem Baustopp für die Ostsee-Gasleitung. Auf die Frage, ob er Risiken sehe, dass der Bau nicht beendet werde, antwortete Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau: "Nein." Moskau hatte in der Vergangenheit stets betont, dass die Gasfernleitung von Russland nach Deutschland ein wirtschaftliches Projekt sei und kein politisches. Die Arbeiten an der Pipeline waren zuletzt auf den letzten Metern wegen US-Sanktionen eingestellt worden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur Reuters


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