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Norbert Röttgen: Kampf um CDU-Parteivorsitz – wie ein Phönix aus der Asche


Absturz vor acht Jahren
Wie Phönix aus der Asche


Aktualisiert am 18.02.2020Lesedauer: 3 Min.
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Mutiger Schritt: Norbert Röttgen erläuterte am Dienstag in Berlin, warum er für den CDU-Vorsitz kandidiert.Vergrößern des Bildes
Mutiger Schritt: Norbert Röttgen erläuterte am Dienstag in Berlin, warum er für den CDU-Vorsitz kandidiert. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Mit ihm hatten wohl nicht viele gerechnet: Norbert Röttgen steigt ein in das Rennen um den CDU-Vorsitz. Dabei schien der Rheinländer einst politisch am Ende. Dann gelang ihm ein bemerkenswertes Comeback.

Man nannte ihn einst den George Clooney vom Rhein. Andere, die es weniger gut mit Norbert Röttgen meinten, klebten ihm das Label "Muttis Klügster" an. Er galt auch schon mal als kommender Kanzlerkandidat der CDU – bis er im Landtagswahlkampf 2012 furchtbar abstürzte. Nun nimmt die bemerkenswerte politische Karriere des 54-Jährigen eine neue unerwartete Wendung: Röttgen möchte Chef der Christlich Demokratischen Union Deutschlands werden.

Der gebürtige Rheinländer kündigte seine Kandidatur in einem Schreiben an die scheidende Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer an. Er ist damit der erste Unionspolitiker, der sich offiziell bewirbt. Bei einer Pressekonferenz am Vormittag in Berlin begründete er seinen überraschenden Schritt mit Sorge um die Entwicklung seiner Partei. "Es geht um die Zukunft der CDU und es geht um die christlich-demokratische Idee von der Zukunft unseres Landes." Davon habe er seit der Rückzugsankündigung von Kramp-Karrenbauer "wenig gehört", fügte Röttgen kritisch hinzu. "Und darum kandidiere ich."

Der Absturz hätte kaum tiefer sein können

Wie ein Phönix aus der Asche – so könnte man den Weg von Norbert Röttgen zurück ins politische Rampenlicht beschreiben. Denn sein Absturz vor knapp acht Jahren hätte tiefer kaum sein können. Damals galt der Intellektuelle in der CDU-Führungsriege als Mann der Zukunft, als Kopf für die Öffnung der Partei hin zu neuen Wählern und neuen Themen.

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Röttgen wollte Brücken zu den Grünen bauen. Der Atomausstieg war ihm ein Kernanliegen. Umso bitterer dürfte es für ihn gewesen sein, als Umweltminister 2010 den Ausstieg vom Atomausstieg unter Schwarz-Gelb als Schritt nach vorn verkaufen zu müssen.

Es war ausgerechnet die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011, die Röttgens Ambitionen neuen Auftrieb gab. Nun durfte er zu seiner Rolle als Vorkämpfer im Kabinett für den Atomausstieg und ambitionierten Klimaschutz zurückfinden, und ihm fielen dazu auch die passenden Worte ein: "Die Erfahrung von Japan bedeutet, dass die Verlängerung der Laufzeiten eine Verlängerung von Restrisiko ist. Und Restrisiko ist seit Japan nicht mehr nur eine statistische Größe, sondern eine schreckliche Lebenserfahrung."

Röttgens Eiertanz in NRW

Diese klare Sprache und Positionierung ließ er als Spitzenkandidat für das höchste Regierungsamt in NRW jedoch vermissen. Röttgen bestand darauf, seinen Posten im Bundeskabinett zu behalten, während er gleichzeitig um Wählerstimmen warb. Er ließ auch bis zur Wahl offen, ob er notfalls als Oppositionsführer nach Düsseldorf gehen würde – oder doch lieber Umweltminister in Berlin bleibe.

So nahm das Unheil seinen Lauf. Viele nahmen Röttgen das Herumlavieren sehr übel, die Wähler straften ihn ab: Mit 26,3 Prozent fuhr er das bis heute schlechteste Ergebnis der CDU in Nordrhein-Westfalen ein.

Zum Wahldebakel kam anschließend der persönliche Absturz hinzu. Als Röttgen sich weigerte, als Oppositionschef nach Düsseldorf zu wechseln, warf ihn Kanzlerin Angela Merkel aus dem Kabinett. Auch seinen Posten als CDU-Vize war er los. Da half auch all die vorgetragene Demut nichts, wenn Röttgen etwa sagte: "Die Niederlage der CDU und von mir ist eindeutig, sie ist umfassend, sie ist klar." Der Unionsmann war am Ende, ein Gefallener, ein Verlierer.

Röttgen schien politisch vernichtet. Doch das war er nicht. Steter Tropfen höhlt den Stein – so könnte ein anderer Titel für die Rückkehr des dreifachen Familienvaters lauten. Röttgen machte die Außenpolitik zu seinem neuen Schwerpunkt. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. In der neuen Rolle gelang es ihm, sich Schritt für Schritt wieder zu profilieren und verlorenes Ansehen zurückzugewinnen.

Er wurde als Kandidat für das Außenministerium gehandelt

Er ist ein vielgefragter Experte, der für seine russlandkritische Haltung und als Amerika-Freund bekannt ist. In der Union wurde er immer wieder als Kandidat für das Außenministerium gehandelt, doch nach der Bundestagswahl 2017 fiel das Auswärtige Amt in den Verhandlungen über eine große Koalition an die SPD.

Nicht wenige nannten Röttgen einst einen Karrieristen, was dieser stets zurückwies. Auch jetzt betonte er, dass es "bei weitem nicht nur" um eine Personalentscheidung, "schon gar nicht um die Ambitionen und Personalinteressen einzelner" gehe. Entsprechend scharf kritisierte er deshalb Noch-Parteichefin Kramp-Karrenbauer. Die hatte am Dienstag Gespräche mit den anderen möglichen Bewerbern um den CDU-Vorsitz begonnen. Sie rede nun mit CDU-Politikern, bei denen gar nicht klar sei, ob sie überhaupt Kandidaten seien, meinte Röttgen dazu. "Ich bin der erste und einzige, der seine Kandidatur erklärt hat."

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Nachrichtenagentur dpa
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