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Tagesanbruch: Neue Diesel im Fokus – jetzt wird es absurd

MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

Von Jan Hollitzer

09.10.2018, 06:19 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Braunkohlekraftwerke und ein Ballon mit der Aufschrift "Es gibt keinen Planet B.": Der Weltklimarat drängt zu raschem Handeln für ein 1,5-Grad-Ziel. (Quelle: Ina Fassbender/dpa)Braunkohlekraftwerke und ein Ballon mit der Aufschrift "Es gibt keinen Planet B.": Der Weltklimarat drängt zu raschem Handeln für ein 1,5-Grad-Ziel. (Quelle: Ina Fassbender/dpa)

Extremwetter, steigende Meeresspiegel, Ernteausfälle. Der Weltklimarat hat in seinem Sonderbericht ein düsteres Bild gezeichnet. Die Folgen der Erderwärmung seien schon jetzt dramatischer als prognostiziert. Umgehendes Handeln und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen seien notwendig, um bis 2030 das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Sollte sich die Erde noch schneller erwärmen, hätte es unabsehbare Folgen für das Leben auf unserem Planeten. Der Ausstoß von Kohlendioxid müsse sich um 45 Prozent gegenüber den Werten von 2010 reduzieren, damit wir noch die Kurve kriegen. Vieles spricht dagegen. Stefan Rahmstorf, Leiter des Bereichs Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, analysiert sogar, dass wir eine Reduzierung um 58 Prozent gegenüber den Werten von 2015 bräuchten. Zu rasant wäre die Entwicklung bereits fortgeschritten.

Wir alle sollten uns Gedanken machen, ob wir täglich Fleisch essen müssen. Oder: Muss es immer die Flugreise in den Urlaub sein? Muss das Auto bei der Fahrt in den Supermarkt um die Ecke wirklich bewegt werden? Die Experten warnen davor, dass schon bald ganze Ökosysteme verschwinden könnten.

Doch halt. Tun sie das nicht jetzt schon? Und das zum Beispiel aufgrund eines wachsenden und subventionierten E-Auto-Marktes? Der Bedarf an Lithium für Akkus wird sich bis 2025 verdoppeln, schätzt die Deutsche Rohstoffagentur. Und wer leidet darunter, dass Europa bei der Energiewende auf E-Autos setzt? Chile zum Beispiel. Dort wird der Rohstoff, der schon jetzt einer der begehrtesten, wenn nicht DER begehrteste weltweit ist, abgebaut. Ohne Rücksicht auf Verluste. Lithium wird in einem Verdunstungsprozess gewonnen, für den riesige Wassermengen benötigt werden. "Der Grundwasserspiegel sinkt, Flussläufe und Feuchtgebiete trocknen aus. In den umliegenden Gemeinden kommt es zu Wasserknappheit, Bodenkontaminierung und verseuchtem Trinkwasser, da das Abwasser aus dem Abbauprozess oft ungeklärt abgeleitet wird. Das stellt nicht nur ein Problem für die Flora und Fauna dar, sondern auch für die ansässige, zum Großteil indigene Bevölkerung." Dieser Artikel kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn wir über unsere Probleme hier sprechen, die anscheinend durch Raubbau andernorts gelöst werden sollen. Das darf es dann auch nicht sein. Lesen Sie sich den Beitrag unbedingt durch.

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Auch die wahre Identität des zweiten mutmaßlichen Skripal-Attentäters soll eine Gruppe von Investigativ-Journalisten nach eigenen Angaben enthüllt haben. Das teilte das Recherchenetzwerk "Bellingcat" mit. Demnach soll es sich bei dem Verdächtigen um einen Militärarzt des russischen Geheimdienstes GRU handeln. Ausgewertet haben die Journalisten unter anderem Angaben von Bekannten des Verdächtigen sowie verschiedene Ausweisdokumente.
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WAS STEHT AN?

Stau auf der Autobahn 100 in Berlin: Die Mehrheit der Deutschen sieht den Diesel-Kompromiss der Regierung skeptisch. (Quelle: imago/Archivbild/Florian Gaertner/photothek)Stau auf der Autobahn 100 in Berlin: Die Mehrheit der Deutschen sieht den Dieselkompromiss der Regierung skeptisch. (Quelle: Archivbild/Florian Gaertner/photothek/imago)

Fahrverbote drohen auch für neue Diesel

Am Freitag schrieb ich zum Dieselkompromiss an dieser Stelle: "So naiv ist doch kein Mensch". Jetzt wird es völlig absurd. Kaum eine Woche ist dieser Kompromiss der Bundesregierung alt, da droht er, völlig konterkariert zu werden. Heute könnte die Berliner Umweltverwaltung schrittweise Fahrverbote ab 2019 anordnen. Und das auch für Euro-6-Dieselautos. Ja, richtig gehört. Diesel 6. Genau: Der Diesel 6 gegen den Euro-4- und Euro-5-Dieselfahrer ihren alten Stinker mit einer Prämie eintauschen können sollen und es sogar schon getan haben. Dem rbb liegen exklusiv Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass Fahrverbote für Diesel mit der Abgasnorm Euro 6a, b und c geprüft werden. Nur 6d-temp sei sauber genug. Letztlich wird der Senat entscheiden, ob es wirklich dazu kommen wird.

Doch allein diese Überlegungen belegen erneut, auf welch wackeligen Füßen das von der Bundesregierung als Erfolg verkündete Modell steht. Nicht nur, dass der Dieselkompromiss wie ein Sieg für die Automobil-Lobby aussieht. Jetzt wird also nicht einmal darauf Verlass sein, dass ein neu gekaufter Euro-6-Diesel freie Fahrt sichert? Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser subventioniert wurde. Es geht einfach um Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit. Mein Eindruck: Verbraucher werden von höchster Stelle legitimiert an der Nase herumgeführt.

Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), geht noch weiter. Es sei eine Behauptung der Bundesregierung, dass man mit diesem Papier Fahrverbote vermeiden könnte. Im Gespräch mit meinem Kollegen Markus Abrahamczyk erklärt er, warum der Kompromiss wertlos sei und neu verhandelt werden müsse – und warum die Bundesregierung teilweise nicht mehr handlungsfähig ist.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt vor Beginn seiner Jahrestagung auf Bali seinen neuen Weltwirtschaftsbericht vor. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte bereits im Vorfeld angekündigt, die bisherige Prognose von 3,9 Prozent für 2018 und 2019 werde nicht ganz zu halten sein.
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Der Streit über neue Klimaschutzvorgaben für Autos beschäftigt die EU-Staaten in Luxemburg. Die Umweltminister suchen eine gemeinsame Linie, um dann bis zum Frühjahr mit dem Europaparlament eine verbindliche Regelung auszuhandeln. Doch schon im Kreis der 28 EU-Staaten gehen die Meinungen weit auseinander, wie schnell die Autoindustrie Klimagase einsparen soll.
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5.000 zum großen Teil jugendliche Fans dürfen hautnah dabei sein, wenn Bundestrainer Joachim Löw mit einem öffentlichen Training in Berlin die Vorbereitung auf den Nations-League-Doppelpack gegen die Niederlande und Frankreich startet. Die deutschen Fußball-Nationalspieler wollen endlich wieder begeistern und zumindest einen Teil des bei der WM-Blamage in Russland verspielten Kredits zurückholen.

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WAS LESEN?

Horst Seehofer, Markus Söder (Quelle: Reuters/Michaela Rehle)Horst Seehofer, Markus Söder (Quelle: Michaela Rehle/Reuters)

Söders entscheidender Fehler

Am Sonntag wird in Bayern gewählt. Die CSU wird die stärkste Kraft werden, das ist klar. Es sieht trotzdem nicht gut aus für die Partei. Sie muss mit weit unter 40 Prozent rechnen, und schon 40 gelten als Desaster. Dafür verantwortlich ist auch: Ministerpräsident Markus Söder. Jahrelang hat er darauf hingearbeitet, endlich in Bayern zu regieren. Aber kaum war er vereidigt, machte er einen entscheidenden Fehler. Mein Kollege Jonas Schaible hat einen Machtpolitiker porträtiert, der sich jetzt, da er an der Macht ist, das Leben im Wahlkampf schon wieder selbst unnötig schwer macht.

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Johannes Rydzek (links) und t-online.de-Reporter Tobias Ruf. (Quelle: t-online.de)Johannes Rydzek (l.) und t-online.de-Reporter Tobias Ruf. (Quelle: t-online.de)

Olympiasieger will die Spiele in Deutschland – aber nicht erzwungenermaßen

Deutschland ist in den vergangenen Jahren mehrfach mit dem Versuch gescheitert, sich als Austragungsort für die Olympischen Spiele zu bewerben. Die Bevölkerung hatte das Vorhaben abgelehnt. Deutschlands Sportler des Jahres, Johannes Rydzek, bedauert diese Entwicklung, kann sie aber auch nachvollziehen. "Wenn die Bevölkerung nicht hinter der Ausrichtung eines solchen Events steht, ist es noch nicht an der Zeit. Dann sollte man Olympia auch nicht erzwingen", sagte der Oberstdorfer im Gespräch mit meinem Kollegen Tobias Ruf. Auf die Vergabe der Spiele nach China wirft der zweifache Olympiasieger von Pyeongchang einen überraschend differenzierten Blick. Warum es Rydzek prinzipiell nicht falsch findet, die Spiele an Länder ohne Sporttradition zu vergeben und wie er dazu beitragen will, dass Olympia auch in Deutschland wieder möglich ist, lesen Sie heute auf unserer Seite.
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Unaufhaltsamer Brexit

Die meisten Briten wissen inzwischen, dass der Brexit keine gute Idee ist. Weniger Wachstum, höhere Arbeitslosigkeit, höhere Inflation, Flucht großer internationaler Firmen und Banken – die zu erwartenden Folgen zeichnen sich schon deutlich ab. Doch es findet sich niemand, der daraus Konsequenzen zieht. Es traut sich niemand, den Leuten zu sagen, es war ein Fehler, wir müssen umschwenken, schnell. Weder Labour, seit Jahrzehnten anti-europäisch, noch die Konservativen, aufgerieben im Lagerkampf zwischen einer taumelnden Premierministerin und einem Haufen Clowns um Boris Johnson, bringen den Mut dazu auf. "Die Briten hatten immer schon ein seltsames Verhältnis zu Europa", schreibt Gerhard Spörl in seiner Kolumne. "Auf ihrer Insel fühlen sie sich uns fern und nah zugleich." In letzter Zeit vor allem fern. Nun taumeln sie orientierungslos ihrem Schicksal entgegen, ohne gemeinsame Idee für ihre Zukunft. "Es gäbe viele Gründe zum Nachdenken. Es gäbe viele Gründe für ein Referendum gegen das Referendum." Ob sie sich noch rechtzeitig besinnen?

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Die ersten eigenen Geräte von Facebook: "Portal" und das größere "Portal+" (Quelle: Hersteller/Facebook)Die ersten eigenen Geräte von Facebook: "Portal" und das größere "Portal+" (Quelle: Facebook/Hersteller)

Facebook stellt erstes eigenes Gerät vor

Facebook und seine Apps verbrauchen viel Onlinezeit: Neben dem sozialen Netzwerk selbst gehören auch Instagram, der Messenger und natürlich WhatsApp zu den beliebtesten Apps überhaupt in Deutschland. Jetzt geht das Unternehmen noch einen Schritt weiter und hat in den USA zum ersten Mal ein eigenes technisches Gerät vorgestellt: "Portal" ist ein Smartspeaker, der vor allem für Videotelefonie ausgestattet ist. Dafür hat das Gerät unter anderem eine Kamera und vier Mikrofone eingebaut. Ob das in einer Zeit erfolgreich sein kann, in der Facebook durch Datenverkauf und Datenlecks Schlagzeilen macht? Mein Kollege Marc Krüger hat sich Facebooks Geräte und die Strategie angeschaut. Hier ist seine Analyse.

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WAS AMÜSIERT MICH?

Hunde bellen. Aber nicht alle. Vor allem nicht dieser. Aber ist das gleich ein Grund, ihn verkaufen zu wollen? Sehen und vor allem hören Sie selbst.


Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag.

 

Ihr Jan Hollitzer
Stellvertretender Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de
Twitter: @janhollitzer

Mit Material von dpa.

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