Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

RealitĂ€tsschock fĂŒr die GrĂŒnen

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 03.01.2022Lesedauer: 6 Min.
Klimaminister Robert Habeck hĂ€lt die Politik der EU-Kommission fĂŒr falsch.
Klimaminister Robert Habeck hĂ€lt die Politik der EU-Kommission fĂŒr falsch. (Quelle: imago-images-bilder)
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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

neues Jahr, neues GlĂŒck: Wann haben wir das dringender gebraucht als jetzt? Alle reden von Omikron, im Osten drĂ€ut Kriegsgefahr, und draußen herrscht Wetter, das den Namen nicht verdient. Auch der Bauch war schon mal kleiner, der Festtagsbraten und Schwiegermutters PlĂ€tzchen haben Spuren hinterlassen. Ach, hĂ€tte die weihnachtliche Behaglichkeit doch lĂ€nger gedauert!

Doch nun ist Montag, der Baum rieselt, der Regen nieselt und die Pflicht ruft. FĂŒr viele heißt das Arbeitsbeginn, fĂŒr die Politik ohnehin, schließlich haben die Neuen in den Ministerien viel vor. "Wir brechen auf in eine neue Zeit", hat der Kanzler in seiner Neujahrsansprache versprochen – oder war das eher als Warnung gemeint? Mit seinen Ampelleuten will er Deutschland umkrempeln: Trotz coronaleerer Kassen sollen Fabriken, Verkehr, Wohnungen, BĂŒros und ĂŒberhaupt alles, was Energie braucht, in weniger als zehn Jahren grĂŒn werden – wobei bislang wohl die wenigsten BĂŒrger begreifen, was dieser gewaltige Umbau bedeutet, doch dazu spĂ€ter mehr.

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Das Jahr hat ja gerade erst begonnen, der richtige Zeitpunkt also fĂŒr gute VorsĂ€tze. Wirft man einen Blick auf die Titelseiten der bunten BlĂ€tter, scheint klar zu sein, welche VorsĂ€tze auch in diesem Jahr Konjunktur haben: Abnehmen (wegen des Bratens, siehe oben), mehr Sport treiben (dito), weniger Stress (und natĂŒrlich trotzdem erfolgreich bleiben), mehr Zeit fĂŒr gute Freunde, gute BĂŒcher, gutes Essen (womit sich der Kreis zum Abnehmen schließt). Sie merken schon: Es ist kein Wunder, dass derlei VorsĂ€tze in der Regel kaum lĂ€nger als zwei, drei Wochen halten, bevor sie in der AlltagsmĂŒhle zerrieben werden.

Alles sinnlos also? Vielleicht nicht ganz. Von Erich KĂ€stner stammt der Satz: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Acht Worte, die mehr Weisheit enthalten als alle bunten BlĂ€tter. Schön ist dieser Satz nicht nur wegen seiner lapidaren Klarheit, die wirklich jeder begreift, der kein Brett vorm Kopf hat. Schön ist er auch, weil er zwar im Singular steht, aber den Plural meint. Wir Normalsterblichen, die wir keine großen Schriftsteller sind, dĂŒrfen daraus Folgendes ableiten: Es genĂŒgt schon, dass wir uns selbst eine gute Tat oder eine konstruktive Verhaltensweise auferlegen, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Das ist gar nicht so schwer. Jeden Tag einem Unbekannten ein freundliches Wort sagen, sei es auf dem Weg zur Arbeit oder an der Supermarktkasse. Sonntags das Auto stehen lassen und stattdessen per Rad oder pedes ins GrĂŒne aufbrechen. Einen Baum pflanzen oder wenigstens ein "Bienenhotel" aufhĂ€ngen. Ein Patenkind in einem armen Land mit einer monatlichen Spende unterstĂŒtzen. RĂŒcksicht nicht als SchwĂ€che, sondern als StĂ€rke begreifen. Oder ganz einfach jedes Mal, wenn man sich wieder einmal ĂŒber jemanden aufregt – seien es der Nachbar, die Kollegin, die Politiker oder wer auch immer – kurz innehalten und ĂŒberlegen, ob die anderen vielleicht doch nicht so viel doofer sind als man selbst. Es gibt viele Möglichkeiten, im Kleinen Großes zu tun. Keine Heldentaten, aber gute Taten. Dinge, die anderen zugutekommen – und die wir zurĂŒckbekommen, wenn nur genĂŒgend Leute mitmachen. Es ist nicht schwer, ein bisschen Liebe zu geben. Aber es lohnt sich meistens sehr.

Handle so, dass deine Maxime zu einem allgemeinen Gesetz werden kann, hat der alte Kant seinen kategorischen Imperativ ausformuliert. Man muss gar nicht die Nase in ein philosophisches Buch stecken, um den Wert dieses Prinzips zu erkennen. Wenn jeder so lebt, dass alle gut leben können, gibt es weniger Missgunst, weniger Konflikte, weniger Zerstörung. Das ist doch ein schöner Vorsatz fĂŒr 2022.


Klimatische Verstimmung

Umweltministerin Steffi Lemke liegt im Konflikt mit der EU-Kommission.
Umweltministerin Steffi Lemke liegt im Konflikt mit der EU-Kommission. (Quelle: imago-images-bilder)

Der erste RealitĂ€tsschock: So könnte man nennen, was die EU-Kommission der neuen Bundesregierung beschert hat. In einem Verordnungsentwurf stuft die BrĂŒsseler Behörde nicht nur Erdgas, sondern auch die Atomenergie als Übergangstechnologie ein, bis die Energieversorgung in einigen Jahren (hoffentlich) vollstĂ€ndig aus Wind und Solar kommt. Der Plan ist Folge der Erkenntnis, dass sich die ehrgeizigen Klimaziele in der gesamten Union anders nicht erreichen lassen. Und er ist ein Affront gegen Deutschland, das die kleine Gruppe der AKW-Aussteigerstaaten anfĂŒhrt. Frankreich und andere LĂ€nder setzen dagegen weiter voll auf Kernenergie, Polen und weitere osteuropĂ€ische Staaten wollen neue Meiler bauen. Nur so können sie sich von der klimaschĂ€dlichen Kohle lösen. In der deutschen Politik, wo man gern am besten weiß, was gut fĂŒr Europa ist und was nicht, stoßen diese PlĂ€ne auf scharfe Ablehnung. Vizekanzler Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke von den GrĂŒnen kanzelten den Entwurf der EU-Kommission harsch ab. "Ausgerechnet Atomenergie als nachhaltig zu etikettieren, ist bei dieser Hochrisikotechnologie falsch", fand Herr Habeck.

Im Laufe des Wochenendes mĂ€ĂŸigten die Berliner Regierungsvertreter ihren Ton dann – bis es am Ende schließlich hieß, die Bundesregierung "begrĂŒĂŸe" den BrĂŒsseler Plan, weil der auch Gaskraftwerke fördere. Es war der fadenscheinige Versuch, den Konflikt kleinzureden, denn ein ZerwĂŒrfnis mit der ambitionierten EU-Kommission von Ursula von der Leyen oder gar mit dem wahlkĂ€mpfenden französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron kann sich das Team von Olaf Scholz in der wichtigen Klimapolitik nicht leisten. Selbst den GrĂŒnen beginnt zu dĂ€mmern, dass die eigene GlaubwĂŒrdigkeit leidet, wenn man einerseits anderen LĂ€ndern Vorgaben machen will, wĂ€hrend man sich andererseits von Putins Erdgas abhĂ€ngig macht.

Man kann nicht alles haben: So sieht sie aus, die deutsche RealitĂ€t. Wer sowohl aus der Kernenergie als auch aus der Kohle aussteigen will, ohne der Bevölkerung gravierende Einschnitte beim Lebenskomfort zuzumuten, muss Kompromisse machen – kann sich dann aber nicht beschweren, wenn andere LĂ€nder dies ebenfalls tun. Ich sage es mal so: Wenn sich die rot-grĂŒn-gelbe Regierung erst mal eingegroovt hat, werden wir wohl noch viele Kompromisse sehen. Schließlich wird der Klimaschutz immer dringender.

(Quelle: Heike Aßmann)
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Rechte Fahnenfeinde

Apropos Europa: Weil Frankreich fĂŒr ein halbes Jahr die EU-RatsprĂ€sidentschaft ĂŒbernimmt, hat PrĂ€sident Macron an Silvester und Neujahr eine Europaflagge am Pariser Triumphbogen hissen lassen – und damit prompt eine Kontroverse ausgelöst. Seine rechtsextreme Herausforderin Marine Le Pen keift ĂŒber den "Anschlag auf die IdentitĂ€t unseres Vaterlandes" und kĂŒndigt eine Beschwerde vor dem Staatsrat an. Der noch rechtsextremere Éric Zemmour wettert ebenfalls gegen die EU-Fahne – und weil die Konservative ValĂ©rie PĂ©cresse auch dringend irgendetwas sagen will, stĂ¶ĂŸt sie ins selbe europakritische Horn. Inzwischen ist der Stoff wieder eingerollt, aber wir haben eine Vorahnung davon bekommen, was der PrĂ€sidentschaftswahlkampf in unserem Nachbarland noch anrichten kann. Immerhin: Der Eiffelturm, der ÉlysĂ©e-Palast und Dutzende weitere BaudenkmĂ€ler erstrahlen noch bis Donnerstag in Europa-Blau. Vive l'Europe!

EU-feindliche Politiker keiften gegen die Europaflagge am Arc de Triomphe.
EU-feindliche Politiker keiften gegen die Europaflagge am Arc de Triomphe. (Quelle: dpa-bilder)

ZurĂŒck in die Klassenzimmer

Überschattet von Corona-Sorgen beginnt heute in mehreren BundeslĂ€ndern wieder der Unterricht: Zwar ist das genaue Ausmaß der Omikron-Welle wegen der unvollstĂ€ndigen ZĂ€hlung an den Feiertagen unklar (Deutschland ist ja digitales Entwicklungsland), doch in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen und Rheinland-Pfalz kehren die SchĂŒler aus den Weihnachtsferien in die KlassenrĂ€ume zurĂŒck. Morgen folgt das Saarland, am Mittwoch Hamburg. In ThĂŒringen, wo es heute zunĂ€chst mit Heimunterricht losgeht, sollen die Schulen von Mittwoch an selbst entscheiden dĂŒrfen, ob sie in PrĂ€senz oder im Distanz- oder Wechselunterricht weiterarbeiten. WĂ€hrend viele Politiker (und noch viel mehr Eltern) die Wichtigkeit des PrĂ€senzunterrichts betonten, haben sich die Kultusminister der LĂ€nder aus Sorge vor Omikron zu einer vorzeitigen Krisensitzung verabredet: Am Mittwoch – und damit noch vor der nĂ€chsten MinisterprĂ€sidentenkonferenz mit Kanzler Olaf Scholz – wollen sie die nĂ€chsten Schritte verabreden.


Palast-Festspiele

Das Adlon, die CharitĂ© und das KaDeWe waren schon dran – heute um 20.15 Uhr nimmt sich das öffentlich-rechtliche Event-Fernsehen den Ostberliner Friedrichstadt-Palast vor: "Der Palast" heißt die mehrteilige ZDF-Produktion, die Regisseur Uli Edel als opulente "Das doppelte Lottchen"-Variation inszeniert hat. Wer nicht bis abends warten will: Hier ist das StĂŒck schon zu sehen.


Was lesen?

In der Ukraine-Krise verschĂ€rfen sich die Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Der Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger hat meinem Kollegen Gerhard Spörl erklĂ€rt, wie er Putins Drohungen einschĂ€tzt – und welche Rolle Deutschland dabei spielt.


Österreichs gescheiterter Ex-Kanzler Sebastian Kurz macht es wie einst Karl-Theodor zu Guttenberg: Nach seinen Mauscheleien lĂ€sst er sich von einem windigen MilliardĂ€r anheuern und flieht vor den heimischen Skandalen nach Amerika. Die Kollegen des "Stern" berichten ĂŒber die Details.


(Quelle: ullstein bild/Peter Heimsath/Shutterstock)
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Die verlorene Hoffnung von Paris
Moment der Euphorie: US-PrÀsident Bill Clinton, der russische Staatschef Boris Jelzin und Frankreichs PrÀsident Jacques Chirac (v.li.n.re.) nach der Unterzeichnung der Nato-Russland-Grundakte am 27. Mai 1997 in Paris.


Diktatoren haben schon auf die kurioseste Weise ihre Freiheit eingebĂŒĂŸt – aber keiner so wie Manuel Noriega. Was 1989 geschah, lesen Sie auf unserem Historischen Bild.


Was macht eigentlich Kamala Harris? Die Frage wird immer drĂ€ngender fĂŒr Joe Bidens einst so vielversprechende VizeprĂ€sidentin. Viele sehen in ihr mittlerweile eine krasse Fehlbesetzung, berichtet unser Washington-Korrespondent Bastian Brauns.


Was amĂŒsiert mich?

Deutschlands Klimapolitiker lernen, Kompromisse zu machen.

(Quelle: Mario Lars)

Ich wĂŒnsche Ihnen ein frohes neues Jahr. Bleiben Sie gesund, fröhlich und zuversichtlich! Herzliche GrĂŒĂŸe

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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