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Gewalt gegen Frauen: Frauenhäuser in Deutschland haben keinen Platz mehr

Frauenhäuser ausgelastet  

Bedrohte Frauen finden keinen Platz

24.11.2019, 11:52 Uhr | dpa, mja

Weltweite Solidarität gegen häusliche Gewalt

Global gehen Menschen gegen häusliche Gewalt gegen Frauen auf die Straße. In Paris sind es Zehntausende, um zu protestieren. (Quelle: t-online.de)

Demonstration: Weltweit sind viele Tausend Menschen gegen Gewalt gegen Frauen auf die Straße gegangen. (Quelle: t-online.de)


Wenn Frauen und Mädchen bedroht werden, haben sie es schwer, einen sicheren Ort zu finden. Die deutschen Frauenhäuser platzen aus allen Nähten – was auch daran liegt, dass die Opfer länger bleiben. 

Frauenhäuser in Deutschland schaffen es kaum noch, in Not geratene und von Gewalt bedrohte Frauen und Mädchen aufzunehmen. Bundesweit fehlen rund 14.600 Plätze, wie tagesschau.de berichtet. Der Bund will nun in den kommenden vier Jahren 35 Millionen Euro pro Jahr in die Hand nehmen, um mehr Frauen Zugang zu Hilfseinrichtungen zu ermöglichen. Das sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Mast der Deutschen Presse-Agentur. Am Samstag hatten in Paris und Rom Tausende Menschen gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert. 

Demonstranten in Paris: "Liebe heißt nicht schlagen" und "Machogehabe tötet" stand auf den Plakaten. (Quelle: imago images)Demonstranten in Paris: "Liebe heißt nicht schlagen" und "Machogehabe tötet" stand auf den Plakaten. (Quelle: imago images)

Bereits vor acht Jahren hat der Europarat die sogenannte Istanbul Konvention beschlossen, in Deutschland ist sie seit Februar 2018 geltendes Recht. Die Konvention sieht vor, pro 10.000 Einwohner (Männer, Frauen und Kinder) einen "Family Place" bereitzustellen. Doch weil die Frauen sich häufig zusammen mit ihren Kindern in Sicherheit bringen, reicht dieser statistische Wert von insgesamt 6.800 Betten in den Frauenhäusern nicht aus. Der tatsächliche Bedarf liegt bei etwa 21.400 Schlafplätzen, also fehlen faktisch 14.600 Plätze.    

"Einige Häuser sind immer vollständig ausgelastet", sagte die Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenhäuser in Sachsen-Anhalt, Nadine Albrecht, in Wernigerode. Um mehr Frauen und ihren Kindern eine Notunterkunft zu bieten, wurde zuletzt das Angebot im Frauenhaus Magdeburg erweitert. Seit Kurzem stünden dort 14 statt 10 Plätze zur Verfügung, sagte Albrecht. Im Land Sachsen-Anhalt gibt es 191 Plätze in insgesamt 19 Frauenhäusern.

Angespannter Wohnungsmarkt verschärft Lage

Die Zahl der schutzsuchenden Frauen und Kinder sei in dem Bundesland in den vergangenen Jahren in etwa konstant geblieben. "Allerdings hat sich die Aufenthaltsdauer der einzelnen Frauen in den Häusern verlängert", sagte Albrecht. Aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes in Städten wie Magdeburg, Halle oder Wernigerode sei es schwerer geworden, eine neue Bleibe für die Frauen zu finden. Oft könnten sie nicht in ihre alten Wohnungen zurückkehren. Denn viele Frauen wurden von ihren Männern geschlagen, bedroht oder erniedrigt.

Im Jahr 2016 wurden fast 110.000 Frauen in Deutschland Opfer von versuchten oder vollendeten Delikten – darunter Mord, Totschlag, Körperverletzung, Bedrohung, sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung durch ihre Partner oder Ex-Partner.
 

 
Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte am Freitag gesagt: "Die Zahlen sind schockierend." Gestärkt werden müssten auch die Beratungskapazitäten für Frauen. An diesem Montag will Giffey neue Zahlen und die Initiative "Stärker als Gewalt" vorstellen. Am selben Tag setzen sich Menschen auf der ganzen Welt zum internationalen Aktionstag "Nein zu Gewalt an Frauen" gegen die Erniedrigung und Diskriminierung von Frauen ein.

Verwendete Quellen:

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