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Schulze: "schwerste Hungersnot seit Zweitem Weltkrieg" droht

Von dpa
Aktualisiert am 16.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Eine Frau in einem Bus auf der Flucht aus der Ukraine: Seit mehr als 110 Tagen herrscht in dem europäischen Land Krieg.
Eine Frau in einem Bus auf der Flucht aus der Ukraine: Seit mehr als 110 Tagen herrscht in dem europäischen Land Krieg. (Quelle: Agencia EFE/imago-images-bilder)
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Weltweit flüchten immer mehr Menschen aus ihrer Heimat, ein Ende der Bewegung ist nicht in Sicht. Dazu kommen der Klimawandel und explodierende Lebensmittelpreise. Die Entwicklungsministerin findet deutliche Worte.

Kriege, Konflikte und Krisen haben die weltweite Flüchtlingskrise weiter verschärft. Erstmals sind mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie nie mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Donnerstag in Genf berichtete. Gekoppelt mit den explodierenden Lebensmittelpreisen sei das katastrophal, sagte Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD): "Es droht die schwerste Hungersnot seit dem Zweiten Weltkrieg", warnte sie in Berlin. Das Ministerium sprach von einem erschreckenden Rekord.


Ukraine: Das sind die Gesichter des Krieges

Charkiw im Osten der Ukraine: Ein Mann versucht das Feuer im Haus seiner Nachbarn zu löschen, das bei einem russischen Angriff zerstört wurde. Die Stadt steht seit Wochen unter Beschuss.
Warten auf den Bus im belagerten Mariupol: Große Teile der Hafenstadt sind inzwischen zerstört. Wer Haustiere hat, versucht auch sie zu retten.
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Die hohen Lebensmittelpreise werden teils angeheizt durch den russischen Krieg gegen die Ukraine, der den dortigen Export von Getreide und anderem verhindert. Eine Katastrophe sei das vor allem für Entwicklungsländer, die selbst von Armut, Trockenheit und Hunger betroffen sind und zudem Millionen Geflüchtete aufgenommen haben, sagte Schulze. "Wir sind als Weltgemeinschaft gefragt, in gemeinsamer Verantwortung und Solidarität diese Länder zu unterstützen." Deutschland helfe Ländern des Globalen Südens nach dem Anstieg der Weltmarktpreise für Getreide gezielt, sagte Schulze.

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Millionen Flüchtende aus Syrien und der Ukraine

Ukrainerinnen und Ukrainer sind innerhalb weniger Wochen zur zweitgrößten Flüchtlingsgruppe der Welt geworden, nach Syrerinnen und Syrern, berichtete das UNHCR. 4,9 Millionen Menschen flüchteten bislang aus der Ukraine, aus Syrien waren es fast sieben Millionen.

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Der Weltflüchtlingsbericht bezieht sich eigentlich immer auf das vorangegangene Jahr. Wegen der dramatischen Folgen des Krieges gegen die Ukraine nannte das UNHCR ausnahmsweise auch die Flüchtlingszahl für Mai 2022, die die 100-Millionen-Marke überschritten hat. Aber auch Ende 2021 sei bereits eine Rekordzahl von Menschen auf der Flucht gewesen: 89,3 Millionen, acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor, berichtete das UNHCR. Es waren mehr als doppelt so viele Menschen auf der Flucht wie vor zehn Jahren. Rund 60 Prozent der Vertriebenen fanden Zuflucht anderswo in ihren eigenen Ländern.

"Brutal und furchteinflößend"

"Was wir in der Ostukraine sehen ist sehr brutal und sehr furchteinflößend", sagte Filippo Grandi, UN-Hochkommissar für Flüchtlinge. Es sei aber fatal, wenn das Augenmerk nur auf die Ukraine gerichtet sei. Es fehlten riesige Geldsummen, um Menschen in anderen Erdteilen zu helfen. Er nannte unter anderem Spannungen in West- und Ostafrika, im Mittleren Osten, die Lage der aus Myanmar vertriebenen Rohingya und die Situation in Südamerika, wo viele Länder Flüchtende aus Venezuela aufgenommen haben.

Deutschland war hinter der Türkei, Kolumbien, Uganda und Pakistan das größte Gastgeberland, mit 1,3 Millionen Aufgenommenen. Die meisten Menschen, die über Grenzen flüchten, bleiben in der Nähe des Heimatlandes. "Dreiviertel der Flüchtlinge sind im Nachbarland, weil sie hoffen, so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren zu können", sagte UNHCR-Sprecher Chris Melzer. 87 Prozent aller Flüchtlinge haben in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen Zuflucht gefunden.

Konflikte schüren wachsende Ungleichheit

Die Krisen werden nach Angaben von Grandi immer vertrackter. Konflikte würden durch wachsende Ungleichheit geschürt. Schlechte Regierungsführung verhindere vielerorts Entwicklung. Der Klimawandel verschärfe etwa den Kampf um Ressourcen, zum Beispiel in der Sahel-Zone in Afrika, was schwelende ethnische Konflikte anheize.

Zusammen mit Flüchtlingen, die in ihrer Heimat bedroht sind und nach dem humanitären Völkerrecht schutzbedürftig seien, seien auch immer mehr andere Migranten unterwegs. Viele machten sich aus Verzweiflung, weil sie ihre Familien nicht mehr ernähren könnten, auf die Suche nach einem besseren Leben.

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