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Effenberg zählt FC Bayern nicht zu den Topfavoriten in der Champions League

MEINUNGEuropacup-Start  

Nur ein deutscher Verein scheitert wohl in der Gruppe

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

16.09.2019, 10:58 Uhr
Effenberg zählt FC Bayern nicht zu den Topfavoriten in der Champions League. Blickt auf die bevorstehende Champions-League-Saison: t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg.  (Quelle: imago images)

Blickt auf die bevorstehende Champions-League-Saison: t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg. (Quelle: imago images)

Die Champions League beginnt diese Woche mit drei Spitzenspielen und vier Topfavoriten. Von den Bundesliga-Klubs wird in der Gruppenphase vermutlich nur einer ausscheiden.

Borussia Dortmund gegen den FC Barcelona, Paris St. Germain gegen Real Madrid oder Atlético Madrid gegen Juventus Turin – der erste Spieltag der Champions League in dieser Woche bietet gleich die Spiele, auf die wir gewartet haben und die wir sehen wollen. Schön, dass es mit dem großen internationalen Fußball wieder losgeht. Die große Frage aus deutscher Sicht: Wo steht die Bundesliga und was sind die Vereine zu leisten im Stande?

Der Check der Bundesliga-Klubs und der Favoriten in der Champions League.

FC Bayern München

Das morgige Heimspiel gegen Roter Stern Belgrad (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online.de), dann die Auswärtspartien bei Tottenham und Piräus – für den FC Bayern sehe ich in der Gruppe B keine großen Probleme. Tottenham ist ein sehr ernstzunehmender Gegner, das wissen wir spätestens aus der vergangenen Saison, in der sie erst das Finale 0:2 gegen Liverpool verloren haben. Schlagbar sind die Spurs dennoch. Die Spiele gegen Belgrad und Piräus müssen die Bayern schlichtweg seriös angehen, dann werden sie als Erster oder zumindest Zweiter durchgehen, gemeinsam mit Tottenham.

Viel spannender ist hier die Frage: Was dann?

Die Bayern haben natürlich noch höhere Ansprüche – ich muss an der Stelle allerdings warnen. Der Kader ist nach dem Abgang von Renato Sanches mit 16 gestandenen Feldspielern sowie vielversprechenden Talenten wie Alphonso Davies, Mickaël Cuisance oder Jann-Fiete Arp immer noch zu dünn, trotz der beiden Last-Minute-Leihspieler. Die ersten Spiele von Ivan Perisic zeigen zwar, dass er keine Eingewöhnungszeit braucht und sofort hilft. Bei Philippe Coutinho steht diese Frage aber schon noch im Raum: Wie schnell wird er sich eingewöhnen?

Bayern ist national sehr gut aufgestellt, international gehören sie für mich aber nicht zu den Topfavoriten. Man darf den FC Bayern nie unterschätzen, aber wenn es in den Februar oder März hineingeht, sehe ich andere Mannschaften vorn. Das ist auch der Grund, warum ich mich mit einer Prognose über die Gruppe hinaus schwertue. Die Spieler haben – nach allem, was man so hört - offenbar den Anspruch, die Champions League zu gewinnen. Ob das etwas mit der Realität zu tun hat, werden wir sehen. Bayern braucht einfach auch mal Losglück im Gegensatz zur vergangenen Saison, als sie im Achtelfinale auf den späteren Sieger FC Liverpool trafen und ausschieden. Das sollte nicht wieder passieren, sonst droht erneut ein frühes Aus. Dass das wiederum finanziell fatal wäre, hat auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mehrfach betont. Dann besteht die Gefahr, dass Bayern international abgehängt wird.

Prognose: Bayern gewinnt die Gruppe.


Bayer 04 Leverkusen

Ein Heimspiel gegen Lokomotive Moskau, dann muss Bayer zu Juventus Turin, anschließend zu Atlético Madrid. Das ist – gemeinsam mit der Dortmund-Gruppe – die schwerste. Ich halte die Gruppe D sogar für noch anspruchsvoller als die des BVB.

Leverkusen braucht verdammt viel Glück und muss über sich hinauswachsen, um weiterzukommen. Das steht fest. Schon im ersten Spiel gegen Lokomotive Moskau ist richtig Druck drauf. Das Spiel müssen sie gewinnen und dann bei den beiden Auswärtsspielen versuchen, noch je einen Punkt zu entführen. Sonst war es das schon.

Die Gruppe ist natürlich auch eine riesige Chance. Wenn sie Zweiter werden, ist das ein riesiges Statement. Ich würde mir das natürlich wünschen – auch wenn mir der Glaube fehlt.

Prognose: Leverkusen wird Dritter und spielt 2020 in der Europa League.

Borussia Dortmund

Ein Heimspiel gegen Barcelona, dann muss der BVB bei Slavia Prag und bei Inter Mailand ran. Das ist schwierig, aber alles andere als aussichtslos. Barcelona ist der Topfavorit, nicht nur in Gruppe F. Slavia Prag muss der BVB aus dem Weg räumen. Entscheidend für das Weiterkommen sind daher die Duelle mit Inter.

Inter Mailand hat sich unter anderem mit Romelu Lukaku im Angriff sehr gut verstärkt. Die Transferoffensive hat europaweit für Aufsehen gesorgt. Die Ansprüche sind dementsprechend hoch. Trotzdem ist fraglich, wie konkurrenzfähig Inter Mailand in der Champions League schon sein wird. In die Serie A sind sie mit drei Pflichtsiegen in Cagliari, gegen Lecce und Udine gestartet, ich sehe sie aber noch lange nicht so weit wie Juventus oder andere Vereine, die in den vergangenen Jahren permanent eine Rolle in der Champions League gespielt haben. Da ist Dortmund im Vorteil.

Prognose: Borussia Dortmund wird Zweiter. Der BVB braucht sich nicht zu verstecken.

Nach Bundesliga-Kracher: Wie die Bayern Leipzig Rückenwind für die Königsklasse geben. (Quelle: Omnisport)

RB Leipzig

Auswärts bei Benfica Lissabon, dann zuhause gegen Olympique Lyon, dann gegen Zenit St. Petersburg – die Gruppe G ist wie gemalt für RB. Wenn Leipzig da nicht durchkommt, hat der Verein in der Champions League auch nichts zu suchen. Zumal RB etwas gutzumachen hat. Vergangene Saison haben sie eine mega-enttäuschende Saison in der Europa League hingelegt, sind unter anderem gegen RB Salzburg in der Gruppe rausgeflogen. Das war vielleicht die größte Enttäuschung eines deutschen Klubs überhaupt in den vergangenen Jahren – und da gab es einige in der Europa League.

Ob für den neuen Trainer Julian Nagelsmann oder Nationalstürmer Timo Werner: Für sie ist das ein ganz entscheidender Schritt in der Weiterentwicklung. Und er ist ihnen zuzutrauen. Timo Werner allein kann auf dem Niveau den Unterschied ausmachen, daran habe ich keine Zweifel. Deshalb hat es mich auch gestört, dass er in den vergangenen Wochen immer wieder so dargestellt wurde, dass er nicht die Qualitäten für den FC Bayern hätte. Das ist völliger Quatsch. Ein guter Spieler wie er passt zu jedem Topklub. Umso besser für Leipzig, dass er trotzdem geblieben ist und seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat.

Prognose: Das Ziel muss Platz eins in der Gruppe sein und das ist auch realistisch. Leipzig steht in der Pflicht, das Achtelfinale zu erreichen.

Die Favoriten auf den Champions-League-Titel: Manchester City, Titelverteidiger FC Liverpool, der FC Barcelona und Juventus Turin – das sind für mich die Topfavoriten auf den Sieg in der Champions League. Und drei der vier Klubs stehen auch extrem unter Druck.

Beim FC Barcelona ist nach der Rückspiel-Blamage in Liverpool (0:4) im Halbfinale der vergangenen Saison und dem letzten Titel 2015 das Ziel und der große Auftrag von Lionel Messi, diesen Pokal noch einmal zu gewinnen. Dafür tritt er an.

Bei Juventus Turin gilt das Gleiche für Cristiano Ronaldo. Der Klub hat sich zudem mit Matthijs de Ligt von Ajax Amsterdam verstärkt. Die haben jetzt eine richtig, richtig gute Mannschaft.

Und bei Manchester City wird Trainer Pep Guardiola an nichts anderem gemessen, als dem Titel in der Champions League. Er ist bereits im vierten Jahr bei City und im achten Jahr ohne Champions-League-Finale – geschweige denn Titel. Fans und Klubbosse erwarten, dass Guardiola diesen Titel holt.

Vier Vereine sind die Topfavoriten – dahinter ordne ich den FC Bayern, Paris und Real Madrid ein. Real steckt aus meiner Sicht in einem Umbruch, der länger dauert. Sie haben nach dem Abgang von Ronaldo noch nicht wieder die richtige Mischung gefunden. Und Paris hat in den letzten Jahren einfach nicht geliefert, wenn es darauf ankam – obwohl die Erwartungen ähnlich hoch sind wie bei Manchester City. Zumal es seit Wochen mal wieder viel Theater um Neymar gibt. Es zeigt sich immer mehr, dass Neymar ein Spieler ist, der ein Mannschaftsgefüge ins Wanken bringen kann – und ohne einen echten Zusammenhalt hat man auf diesem Niveau keine Chance. Da spielt es auch keine Rolle, dass Neymar am Wochenende endlich mal wieder gespielt und den Siegtreffer beim 1:0 gegen Straßburg erzielt hat. 

Fazit: Bayern hat sicher die größten Chancen der deutschen Vereine, weit zu kommen, doch auch Dortmund und Leipzig können auf jeden Fall für Furore sorgen. Lediglich bei Leverkusen gehe ich nicht davon aus, dass sie die Gruppe überstehen.


Damit ist Leverkusen nicht nur in der Champions League, sondern auch allgemein im Europacup der einzige deutsche Verein, bei dem ich mit einem frühen Aus rechne. Ob Frankfurt, Wolfsburg oder Gladbach: Sie alle sollten in ihren Gruppen in der Europa League weiterkommen. Ich würde mich freuen, wenn die Eintracht schon am Donnerstag im Spitzenspiel gegen Arsenal da weitermacht, wo sie in der vergangenen Saison aufgehört hat.

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