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Stefan Effenberg: Mein Transfer-Tipp für Mario Götze nach dem BVB-Aus

MEINUNGSechs Thesen vor dem Topspiel  

Mein Transfer-Tipp für Mario Götze

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

25.05.2020, 19:36 Uhr
Stefan Effenberg: Mein Transfer-Tipp für Mario Götze nach dem BVB-Aus. Kam in den letzten zehn Bundesliga-Spielen auf nur drei Kurzeinsätze und insgesamt 17 Minuten Spielzeit: Mario Götze. (Quelle: imago images/Kirchner-Media)

Kam in den letzten zehn Bundesliga-Spielen auf nur drei Kurzeinsätze und insgesamt 17 Minuten Spielzeit: Mario Götze. (Quelle: Kirchner-Media/imago images)

Dortmund und Bayern sorgen vor dem Spitzenspiel um die Meisterschaft auch mit ihrer Zukunftsplanung für Aufsehen. Warum Coutinho und Nübel keine Bayern-Zukunft haben – und Götze ins Ausland muss.

Borussia Dortmund gegen Bayern München, der Tabellenzweite gegen den -ersten: Das ist am morgigen Dienstagabend (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei t-online.de) das richtige Spiel zum perfekten Zeitpunkt – für beide Mannschaften und für die Bundesliga im Allgemeinen. Beide Vereine sind sehr dominant und stabil aus der Corona-Pause gekommen. Es ist eine wahre Freude, ihnen zuzuschauen. Da die anderen europäischen Topligen ihren Spielbetrieb nach wie vor nicht aufgenommen haben, wird alle Welt dieses Spiel verfolgen – wenn auch nicht im Stadion.

Die Rivalen sorgen dabei nicht nur sportlich für Aufsehen – auch die Zukunftsplanung der Klubs produziert Schlagzeilen. Hier kommen sechs Thesen zum Duell und den wichtigsten Personalien.

1. Gewinnt Dortmund nicht, wird Bayern Meister.

Der BVB hat vor dem 28. Spieltag vier Punkte Rückstand auf den FC Bayern. Da beide Vereine sich gerade defensiv stark verbessert haben im Laufe der Saison, lege ich mich fest und sage: Dortmund muss das direkte Duell gewinnen, wenn man noch Meister werden will. Bayern muss anschließend zum schweren Auswärtsspiel nach Leverkusen, da könnte es unter Umständen noch mal richtig brisant werden. Sollte Bayern in Dortmund mindestens unentschieden spielen, wird es das nicht. Dann bin ich mir ziemlich sicher, dass Bayern auch Meister wird.

Beide Vereine werden im weiteren Verlauf der Saison kaum Punkte abgeben. Dortmund muss womöglich auf einige extrem wichtige Spieler wie Marco Reus, Mats Hummels oder Axel Witsel verzichten müssen. Das ist auf der einen Seite schmerzhaft, weil das absolute Topspieler sind. Auf der anderen Seite hat man in den letzten Spielen gesehen, dass sie das sehr wohl kompensieren und auffangen können – in einer beeindruckenden Art und Weise. Über die Qualität der Bayern brauchen wir nicht sprechen.

2. Haaland ist schon der zweitbeste Stürmer der Liga

Bei Borussia Dortmund gibt es derzeit einige Spieler, die für den Aufschwung verantwortlich sind. Für mich sind es vor allem drei. Julian Brandt hat einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Wenn er so stabil bleibt, wird an ihm auch in der Nationalmannschaft kein Weg mehr vorbeiführen. Thorgan Hazard hatte am Anfang ein paar Problemchen, ist nun aber endgültig angekommen. Und Erling Haaland im Sturm ist einfach ein überragender Typ. Der arbeitet fürs Team, reibt sich auf und hat diesen unbedingten Siegeswillen.

Haaland steht Dortmund sehr gut und ist nach Lewandowski der zweitbeste Stürmer der Liga, der noch für viel Furore sorgen wird.  Ihn und Emre Can im Winter zu verpflichten, war optimal. Bessere Transfers kann man im Winter nicht tätigen. Haaland ist auch nach Lewandowski der beste Sturm-Einkauf der Dortmunder in den vergangenen Jahren.

3. Götze hat noch immer das Zeug für einen europäischen Topklub.

Dortmunds Manager Michael Zorc hat am Samstag im TV vor dem Spiel in Wolfsburg das Aus von Mario Götze nach dieser Saison verkündet. Der Vertrag wird nicht verlängert. Das tut natürlich einmal weh für den Spieler, das ist hart – aber es ist auch offen und ehrlich. Man hat so eine Entscheidung zu akzeptieren. Mario weiß, woran er ist.

Er steht nun vor der wichtigsten Entscheidung seiner Karriere, vor dem alles entscheidenden Schritt. Das Wichtigste ist, dass er endlich wieder spielt. Im Alter von 27 Jahren muss er 40, 50 Spiele in einer Saison machen. Und dafür muss er aus meiner Sicht ins Ausland gehen. Wenn ich ihm einen Rat geben würde, würde ich sagen: "Du hast bei den Topklubs in Deutschland gespielt, du bist auf Lebenszeit unser WM-Held – jetzt mach doch mal die Erfahrung im Ausland. Auch für die Persönlichkeitsentwicklung." England, Italien, Spanien – ich kann mir gut vorstellen, dass er gute Angebot bekommt. Die Bundesliga ergibt für mich keinen Sinn mehr. Bei Bayern war er, bei Dortmund zweimal. Und Hertha kann ich mir nicht vorstellen.

Ich bin mir auch sicher, dass Götze noch das Zeug für einen Topklub hat. Götze kann noch vier, fünf Jahre auf allerhöchstem europäischen Niveau spielen. Er muss halt von Anfang an das hundertprozentige Vertrauen vom Trainer und seinem Umfeld haben – das ist das Entscheidende für ihn. Ich mag ihn einfach als Spielertypen und ich bin mir sicher, dass wir ihn noch mal in einer richtig guten Verfassung erleben werden.

4. Für Coutinho ist Schluss, weil Müller so stark ist.

Thomas Müller ist in einer brillanten Form. Gegen Frankfurt erzielte er ein Tor, bereitete ein weiteres vor. In den letzten 17 Bundesligaspielen war er an 20 Treffern beteiligt. Müller würde ganz sicher nicht so stark spielen, wenn der derzeit verletzte Philippe Coutinho auf der Zehn spielen würde.

Ich glaube deshalb auch nicht, dass Coutinho noch über die Saison hinaus bleiben wird. Der FC Bayern hat bereits verkündet, die Kaufoption für 120 Mio. Euro nicht gezogen zu haben – und das wäre in Zeiten von Corona auch eine utopische Summe und schlichtweg unrealistisch.

Ich denke, Bayern beurteilt das rein sportlich. Und Flick vertraut derzeit nun mal Müller zu hundert Prozent. Der hat seine Freiheiten und zahlt zurück. Wenn man sieht, wie Flick aufstellt, wem er vertraut, dann ist das ein klares Zeichen, dass die Reise für Coutinho nach der Saison woanders hingeht. Bei James Rodriguez hat es auf der Zehn auch nicht so richtig geklappt. Am Ende ist bei Bayern mit Müller kein Platz mehr für eine Zehn.

5. Der FC Bayern sollte auch mit Ulreich bis 2023 verlängern.

Der FC Bayern hat mit den Vertragsverlängerungen der vergangenen Wochen alles richtig gemacht – insbesondere mit der von Torwart und Kapitän Manuel Neuer. Die Frage, die es noch zu beantworten gilt: Wie geht es für die Nummer zwei weiter, Sven Ulreich? Wenn Ulreich nach den vergangenen Jahren als Ersatz für Neuer auf den Verein zugeht und darum bittet, den Verein verlassen zu dürfen, um anderswo die Nummer eins zu werden, wird Bayern ihm die Tür aufgrund seiner Verdienste sicher nicht vor der Nase zuschlagen.

Für mich wäre es aber sportlich die nachvollziehbarste Entscheidung, auch mit Sven Ulreich bis 2023 zu verlängern. Neuer und Ulreich – das ist doch das perfekte Duo. Ist Neuer in der Vergangenheit ausgefallen, hat Ulreich einen super Job gemacht, ob in der Bundesliga oder in der Champions League. Mehr Klasse als Nummer zwei bekommst du nicht. Ulreich ist so loyal, dass du ihn selbst in der Nationalmannschaft getrost als Nummer drei zu einem Turnier mitnehmen kannst.

Ich kann mir vorstellen, dass Bayern auch um ihn kämpfen wird – und das wäre auch richtig.

6. Der Nübel-Wechsel kann ihn die Karriere kosten

Vor seinem ablösefreien Sommer-Wechsel zum FC Bayern macht Alexander Nübel derzeit das härteste Stahlbad durch, das in der Bundesliga vorstellbar ist. Er befindet sich in einer wahnsinnig schwierigen Situation. Bei seinem derzeitigen Verein Schalke 04 haben sie ihn erst auf den Thron gehoben, ihm sportlich das Vertrauen geschenkt und ihn sogar zum Kapitän gemacht. Dann haben sie ihm alles wieder genommen. Nübel trägt nicht allein die Schuld für seine Situation, doch auch die Aussichten sind trüb.

Nach der Vertragsverlängerung von Manuel Neuer wird Nübel wahrscheinlich bis 2023 maximal die Nummer zwei sein. Verlängert Bayern auch mit Ulreich, bleibt er eher die Nummer drei. Damit kann er sich auf keinen Fall zufrieden geben. Nübel muss spielen, um besser zu werden und seine Persönlichkeit zu entwickeln – und zwar auf hohem Niveau. Deshalb darf man darüber diskutieren, ob die Entscheidung falsch war, im Sommer zu Bayern zu gehen. Tut Nübel mir leid? Nein. Das ist der Fußball.

Es gibt in meinen Augen zwei Möglichkeiten. Entweder Nübel geht gestärkt aus dieser Situation hervor und wird ein richtig großer Torwart. Oder er wird seine Karriere mittelfristig jenseits der Bundesliga fortsetzen, wenn er das nicht packt. Um es klar zu sagen: So eine Entscheidung kann ihn die Karriere kosten. Selbst wenn er den FC Bayern in den nächsten Jahren verlässt, wird er immer der Torwart mit der Bayern-Vergangenheit sein. Er wird dann sicher noch mal die Chance bei einem guten Klub bekommen. Aber er wird extrem unter Druck stehen.

Ich möchte zum Ende der Kolumne noch ein paar persönliche Sätze zu meinem Abschied vom KFC Uerdingen loswerden. Der Verein und ich haben uns darauf verständigt, keine Details dazu in der Öffentlichkeit zu besprechen – ich möchte mich an diese Abmachung halten. Das gilt es zu akzeptieren und respektieren. Deshalb sage ich nur, dass mir in der Bewertung vieler Medien der eigentlich wichtigste Aspekt zu kurz kommt: der sportliche. Als ich bei Uerdingen angefangen habe, lag der Verein mit 13 Punkten auf Platz 16. Verlassen habe ich ihn mit 39 Punkten und damit fünf Zähler hinter den Aufstiegsrängen. Mich haben einige Spieler im Nachhinein angerufen und sich bedankt. Das war für mich total positiv und deshalb kein Grund, diese Station als Fehler abzutun. Ich ziehe ein positives Fazit, auch wenn das Engagement nur über acht Monate ging.

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