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Historischer EZB-Zinsentscheid: Auf einmal geht alles ganz schnell


Rumms!

  • Florian Schmidt
Ein Kommentar von Florian Schmidt

Aktualisiert am 08.09.2022Lesedauer: 2 Min.
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EZB-Präsidentin Christine Lagarde: Die Zinsen steigen so stark wie nie zuvor.Vergrößern des Bildes
EZB-Präsidentin Christine Lagarde: Die Zinsen steigen so stark wie nie zuvor. (Quelle: KAI PFAFFENBACH/rtr)

Die Zinsanhebung der EZB ist wahrlich historisch. Und doch dürfte der Schritt kaum ausreichen.

Auf einmal geht alles ganz schnell: So drastisch wie nie zuvor hat die Europäische Zentralbank am Donnerstag die Zinsen in der Eurozone angehoben.

Um 0,75 Prozentpunkte steigen sowohl der für Sparer wichtige Einlagenzinssatz als auch der Leitzins, der relevant ist für Kredite. Ein XXL-Zinsschritt, der in der 24-jährigen Geschichte der EZB seinesgleichen sucht. Rumms!

Damit haben sich die geldpolitischen Falken durchgesetzt – was angesichts der steigenden Preise auch bitter nötig war: Die Inflation in der Eurozone ist auf ein Rekordniveau gesprungen. Im August stiegen die Verbraucherpreise um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland lag die Teuerungsrate zuletzt bei 7,9 Prozent.

Die Inflation ist weiter viel zu hoch

Umso wichtiger ist deshalb das Signal, das jetzt von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihren Mitstreitern ausgeht: Wir haben verstanden, wir stemmen uns gegen die Teuerung. Wir tun alles, damit die Inflation nicht aus dem Ruder läuft. (Lesen Sie hier, wieso die Zentralbanken mit Zinsanhebungen die Inflation bekämpfen kann.)

Das ist gut so. Und dürfte doch nicht reichen. Denn mit einem Anstieg von 0,75 Prozent (für den Einlagezins) und 1,25 Prozent (für den Leitzins) liegen die Zinsen noch immer weit unterhalb der Inflationsrate. Erst wenn die Zins- die Inflationsraten allmählich einholen, dürfte sich eine Trendwende bei der Teuerung abzeichnen.

Entsprechend sollte neben den Zinsen, die die EZB am Donnerstag verkündet hat, aufhorchen lassen, was Lagarde zusätzlich zur Preisprognose für das kommende Jahr mitteilte:

Zurücklehnen kann sich die EZB nicht

Die Inflation in der Eurozone, so erwartet es die EZB, dürfte dieses Jahr im Schnitt bei 8,1 Prozent liegen. 2023 rechnen die Währungshüter damit, dass die Verbraucherpreise im Schnitt um 5,5 Prozent steigen. Erst 2024 dürfte sich die Teuerung mit erwarteten 2,3 Prozent wieder auf einem annähernd normalen Level befinden.

Das ist bemerkenswert. Noch im Juni gingen die Zentralbank-Ökonomen von deutlich niedrigeren Raten aus, nämlich von 6,8 Prozent (2022), 3,5 Prozent (2023) und 2,1 Prozent (2024). In Europa, so viel steht einmal mehr fest, bleibt es also ungemütlich. Die Inflation wird die Menschen damit länger beschäftigen und unter Druck setzen.

Das wiederum heißt: Die Zinsen werden schon bald noch höher steigen müssen. Zurücklehnen kann sich die EZB nicht.

Verwendete Quellen
  • Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde
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