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Google-Gründer Page und Brin treten ab – Pichai übernimmt Alphabet


Chefs von Google-Mutter Alphabet  

Google-Gründer Page und Brin treten ab – Pichai übernimmt

04.12.2019, 09:58 Uhr | aj , dru , dpa , rtr

Google-Gründer Page und Brin treten ab

Google-Chef Pichai wird auch CEO von Alphabet. Die Firmengründer Larry Page und Sergey Brin treten mit sofortiger Wirkung von ihren Posten zurück. (Quelle: Reuters)

Google-Chefs treten ab: Sergey Brin und Larry Page führen nicht mehr den Google-Mutterkonzern. (Quelle: Reuters)


Sie haben eines der größten Tech-Unternehmen der Welt geschaffen. Nun ziehen sich Larry Page und Sergey Brin von ihren Chefposten bei Alphabet zurück. Der Suchmaschinen-Chef Sundar Pinchai übernimmt. 

Google-Chef Sundar Pichai übernimmt nach dem Rückzug der beiden Gründer aus dem Tagesgeschäft nun auch die Führung beim Google-Mutterkonzern AlphabetLarry Page und Sergey Brin, die Google vor mehr als 20 Jahren gegründet hatten, behalten aber weitgehend die Kontrolle bei dem Internet-Konzern durch besondere Aktien mit mehr Stimmrechten. Zugleich zementiert die Doppelrolle von Pichai die Dominanz von Google innerhalb des Alphabet-Geflechts.

"Nachdem Alphabet nun gut etabliert ist, und Google und die anderen Teile effektiv als eigenständige Unternehmen arbeiten, ist es einfach an der Zeit, die Unternehmensstruktur zu vereinfachen. Alphabet und Google brauchen nicht länger zwei Geschäftsführer und einen Präsidenten. Deshalb wird Sundar künftig Chef von Google und von Alphabet sein", heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.

Die beiden behalten Sitze im Verwaltungsrat

Page war zuletzt Alphabet-Chef, Brin hielt im Management einen Posten als "President" mit einem nicht näher beschriebenen Aufgabenbereich. Sie behalten ihre Sitze im Verwaltungsrat, der dem Vorstand übergeordnet ist.

Branchenbeobachter spekulierten bereits seit einiger Zeit über die Zukunft von Page: Der 46-jährige ließ sich kaum in der Öffentlichkeit blicken. Er überließ Pichai bereits zum Beispiel auch die Telefonkonferenzen mit Analysten nach Vorlage der Quartalszahlen. Gleichzeitig steckte Page Geld und Zeit in die Entwicklung kleiner Flugmaschinen, aus denen eines Tages Flugtaxis werden sollen.

Alphabet-Chef Larry Page: Er gibt seinen Chefposten bei Alphabet ab. (Quelle: imago images/UPI Photo)Alphabet-Chef Larry Page: Er gibt seinen Chefposten bei Alphabet ab. (Quelle: UPI Photo/imago images)

"Rolle von stolzen Eltern"

Page war in der Anfangszeit Chef von Google, räumte dann den Platz für den erfahrenen Software-Manager Eric Schmidt und kehrte 2011 wieder an die Google-Spitze zurück. Die Alphabet-Mitteilung machte nun deutlich, dass die beiden Gründer keine Ambitionen haben, irgendwann noch einmal wieder ins Management zurückzukommen.

"Wir waren nie welche, die sich an Management-Positionen klammern, wenn wir denken, dass es einen besseren Weg gibt, das Unternehmen zu leiten", verkündeten Page und Brin in einem gemeinsamen Eintrag im Firmen-Blog. Es sei jetzt die Zeit gekommen, um "die Rolle von stolzen Eltern einzunehmen". Man wolle "Ratschläge und Liebe" anbieten, jedoch "nicht täglich nörgeln". Beide sollen weiter im Verwaltungsrat sitzen.  Anleger nahmen die News gelassen auf, am Aktienmarkt gab es nachbörslich zunächst kaum eine Reaktion.  

Alphabet war 2015 als Konzerndach über Google gesetzt worden. Die Idee war, diverse neue Bereiche als eigenständige Schwesterfirmen neben Google aufzubauen. Zum Dachkonzern gehören zum Beispiel auch die Roboterauto-Firma Waymo und der Lieferdrohnen-Entwickler Wing. Die Einnahmen kommen allerdings nach wie vor hauptsächlich aus dem Werbegeschäft von Google. Die anderen Alphabet-Firmen mit ihren neuen Technologien erzeugen hohe Kosten bei geringen Umsätzen.

So kamen die Google-Geschäftsbereiche im vergangenen Quartal auf Erlöse von gut 40,3 Milliarden Dollar (36,3 Mrd Euro) – alle restlichen Alphabet-Firmen brachten in dieser Zeit 155 Millionen Dollar Umsatz ein. Dafür kamen bei ihnen operativ rote Zahlen von 941 Millionen Dollar zusammen, während Google fast 10,9 Milliarden Dollar verdiente.

Wer ist Pichai?

Der 47-jährige Pichai stammt aus dem südindischen Staat Tamil Nadu. In die USA kam er 1993 mit einem Stipendium für die kalifornische Elite-Uni Stanford, um Halbleiter-Physik zu studieren. Seine Eltern mussten in die Ersparnisse greifen, um für das Flugticket 1.000 Dollar zusammenzukratzen. Es war mehr als ihr jährliches Einkommen, wie Pichai dem Magazin "Bloomberg Businessweek" erzählte. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Das erste Telefon bekam die Familie, als Sundar zwölf Jahre alt war. Ihr übliches Fortbewegungsmittel war ein Motorroller, auf den sie zu viert stiegen. Sundar fuhr vorne im Stehen.

Bei Google startete Pichai am 1. April 2004 – dem Tag, an dem der E-Mail-Dienst des Internet-Konzerns gestartet wurde, was auch er anfangs für einen der üblichen Aprilscherze der Firma hielt. Seine erste Aufgabe war die Arbeit am Google-Suchfenster in Browsern wie Firefox oder Microsofts Internet Explorer. Pichais Vorschlag, Google sollte einen eigenen Web-Browser entwickeln, überzeugte die Gründer – und der Erfolg von Chrome war seine Eintrittskarte in die Chefetage.

Page war mit der Gründung von Alphabet von der Google-Spitze in den Chefposten beim neuen Dachkonzern gewechselt. Pichai übernahm die Führung bei Google. 

Keine einfache Zeit für den Konzern

Pichai muss Google und Alphabet durch eine schwierige Zeit navigieren. Der Internet-Riese steht - wie auch andere amerikanische Tech-Schwergewichte - unter verstärktem politischen Druck. Inzwischen nehmen auch die lange wohlwollenden US-Wettbewerbshüter Google ins Visier. In Europa verhängte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager bereits Strafen von mehr als acht Milliarden Euro gegen Google. Der Internet-Konzern steckte sie locker weg.




In jüngster Zeit geriet Google aber auch mehrfach auf Kollisionskurs mit seinen Mitarbeitern. So lösten Medienberichte, wonach Andy Rubin, der führende Entwickler des dominierenden Mobil-Betriebssystems Android, trotz Vorwürfen sexueller Nötigung mit einer Abfindung von 90 Millionen Euro aus der Firma ausgeschieden sei, vor gut einem Jahr Proteste an diversen Google-Standorten aus. Rubin bestritt die Vorwürfe. Viele Mitarbeiter prangerten dennoch Sexismus im Unternehmen an. Auch ein Software-Deal mit dem US-Militär sorgte intern für Ärger.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen Reuters und dpa

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