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Plastikverbot: Mit diesen nachhaltigen Aktien profitieren Sie jetzt


Verpackungen und Recycling  

Mit diesen Aktien profitieren Sie vom Plastikverbot

02.07.2021, 16:02 Uhr
Plastikverbot: Mit diesen nachhaltigen Aktien profitieren Sie jetzt. Mehr Papier, weniger Plastik: Ab Samstag müssen Gastronomen ihren Betrieb auf alternative Verpackungen umstellen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mehr Papier, weniger Plastik: Ab Samstag müssen Gastronomen ihren Betrieb auf alternative Verpackungen umstellen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Einwegplastik ist in der EU Geschichte. Für Anleger könnte das Verbot eine günstige Gelegenheit sein, in neue, nachhaltige Branchen zu investieren. Denn das Plastik hinterlässt ein Lücke in der Konsumgesellschaft. 

Ab diesem Samstag ist es so weit: Das Einwegplastik wird aus unserer Gesellschaft verbannt. Beim Picknick oder Außerhausverkauf müssen sich Verbraucher und Gastronomen nun Alternativen zur Einweggabel und Plastikbox einfallen lassen. 

Die neue EU-Regel soll die Umwelt schützen und die Plastikmüllmengen in Deutschland drastisch reduzieren. Doch mit Gewohnheiten zu brechen, ist schwer. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass die Deutschen plötzlich auf ihren Kaffee to go oder das Essen außerhaus verzichten.

Vielmehr brauchen die Gastronomen und Co. nun Alternativen – was wiederum Chancen für Unternehmen bietet, die Lücke zu schließen, die das Plastik hinterlässt.

Müllberg aus Plastik im indischen Guwahati: Die riesigen Mengen an Plastikmüll sind neben dem Klimawandel einer der drängendsten Probleme der Weltgemeinschaft.  (Quelle: imago images/David Talukdar)Müllberg aus Plastik im indischen Guwahati: Die riesigen Mengen an Plastikmüll sind neben dem Klimawandel eines der drängendsten Probleme der Weltgemeinschaft. (Quelle: David Talukdar/imago images)

Hersteller nachhaltiger Verpackungen dürften profitieren

Die Folge: Produzenten nachhaltiger Verpackungsmaterialen dürften zu den Gewinnern dieser Entwicklung zählen. Das sehen auch mehrere Analysten und Finanzexperten so, mit denen t-online gesprochen hat.

"Hersteller nachhaltiger Verpackungen dürften auf mittlere bis lange Sicht sicherlich profitieren", erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.

Unternehmen in der Papier- und Verpackungsbranche

Smurfit Kappa Smurfit Kappa Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 55 Prozent
Jabil Jabil Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 72 Prozent
Mondi PLC Mondi Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 34 Prozent

Auch für Anleger ist das eine Chance: Die Nachfrage nach nachhaltigen Aktien stieg in den vergangenen Jahren ohnehin stark an – und das mit hohen Renditen. "Einige Studien weisen bereits auf eine Outperformance von ESG-Titeln gegenüber klassischen Titeln in der jüngeren Vergangenheit hin", sagt Stephan. ESG-Kriterien sollen für Verbraucher transparent machen, ob eine Aktien bestimmte Nachhaltigkeitsstandards erfüllt. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Viele institutionelle Anleger haben schon vor dem Verbot reagiert. "Der Trend ist nicht mehr ganz neu. Ich rechne aber mit einer Fortsetzung und weiteren Innovationen", sagt Stephan. Noch sei das Plastikverbot nicht vollständig in die Aktien der großen Hersteller alternativer Verpackungen eingepreist, da die Regel erst in den vergangenen Tagen das Interesse der Öffentlichkeit im großen Maße geweckt habe.

Unternehmen in der Papier- und Verpackungsbranche

Meyr Melnhof Karton AG Mayr-Melnhof Kart Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 32 Prozent
UPM-Kymmene Upm-Kymmene Corp Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 26 Prozent
Stora Enso Stora Enso-R Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 45 Prozent
Covestro Covestro Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 62 Prozent

Aus Anlegersicht sprechen aber auch langfristig einige Gründe dafür, ein paar Hersteller von Papier- und Verpackungen ins Portfolio aufzunehmen. Neben der Gastronomie stellen auch die großen Lebensmittelhersteller ihre Produkte auf Papierverpackungen um.

Große Marken experimentieren schon mit neuen Materialien

So werben beispielsweise Rittersport oder Frosta mit Produkten, die sich bewusst vom Plastik trennen. Coca Cola prüft aktuell sogar eine Flasche aus Papier. Viele andere Produkte dürften folgen: "Danone, Nestlé und Unilever investieren jetzt schon Millionen in alternatives Verpackungsmaterial", erklärt Duy Ton, Portfoliomanager im Nachhaltigkeitsteam von Union Investment.

Rittersport experimentiert: Immer mehr Unternehmen prüfen alternative Verpackungen, um Plastik zu vermeiden. (Quelle: Hersteller/Rittersport)Rittersport experimentiert: Immer mehr Unternehmen prüfen alternative Verpackungen, um Plastik zu vermeiden. (Quelle: Rittersport/Hersteller)

Auch der Onlinehandel wird laut Deutsche-Bank-Chefanlagestratege Stephan in Zukunft Papier stärker nachfragen als ohnehin schon. Die Corona-Krise band viele Verbraucher noch mehr an den Onlinehandel.

Und die Uhr lässt sich nicht mehr zurückdrehen: Das ifo-Institut schätzt, dass der Onlinehandel sich in der Krise nachhaltig als "zusätzliche Versorgungsinfrastruktur" etabliert habe.

Gemeinsam mit dem steigenden Wohlstand in Schwellenländern sorgt das für eine anhaltende Nachfrage, die den Aufschwung der Papierindustrie zu mehr als einem kurzen Strohfeuer macht. Studien prognostizieren, dass der Marktwert der Verpackungsbranche bis 2024 jedes Jahr um 2,8 Prozent wachsen werde. In drei Jahren könnte die Branche insgesamt 1,05 Billionen US-Dollar schwer sein, 2019 waren es 917 Milliarden Dollar. 

Produktion ohne Plastik: Der Lebensmittelhersteller Frosta entwickelte eine Papierverpackung, das den Plastikbeutel in der Tiefkühltruhe ersetzen soll.  (Quelle: Hersteller/Frosta)Produktion ohne Plastik: Der Lebensmittelhersteller Frosta entwickelte eine Papierverpackung, die den Plastikbeutel in der Tiefkühltruhe ersetzen soll. (Quelle: Frosta/Hersteller)

Eigentlich könnte Papier die Welt erobern – eigentlich

Und die Unternehmen haben die Kapazitäten frei, ist sich Ton sicher. "Theoretisch könnten weltweit alle Plastikverpackungen durch Papier ersetzt werden", sagt der Nachhaltigkeitsexperte. Aber: Wahrscheinlich sei das nicht.

Denn Plastik hat auch viele Vorteile: Der Kunststoff ist leicht, günstig und hygienisch – besonders in Schwellenländern gelten zudem weniger strenge Regularien, die Verbraucher haben zudem weniger Geld. "Realistisch ist daher vielmehr, dass 25 Prozent aller Verpackungen weltweit von Papier ersetzt werden", schätzt Ton.

Suez

19,71 EUR+30,84%
Aktuelles ChartZeitraum 1 Jahr09:25 UhrDeut.Boerse
Suez Aktie
Hoch
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18,80
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Wer sein Portfolio aber zu 100 Prozent nachhaltig aufbauen möchte, sollte sich ein Investment in Papieraktien genau überlegen. "Papierverpackungen sind durch den hohen Wasserverbrauch bei der Herstellung, den meist nur einmaligen Gebrauch und die Empfindlichkeit gegenüber Nässe wohl nicht der Weisheit letzter Schluss", erklärt DB-Chefanlagestratege Ulrich Stephan. 

Unternehmen in der Recycling-Branche

Tomra Tomra Systems Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 45 Prozent
Veolia Environment Veolia Environnem Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 30 Prozent
Suez Suez Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 89 Prozent
Casella Waste Systems Casella Waste Sys-A Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 16 Prozent

Papier ist nicht der goldene Weg

Er verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2016, laut der die Umweltbelastung bei alternativen Verpackungen sogar deutlich höher ausfällt als bei konventionellen Plastikprodukten. Denn Verpackungen aus Papier, Glas oder Bambus verbrauchen ebenfalls viele Rohstoffe.

Laut Nachhaltigkeitsexperte Ton ist Bambus zwar sehr widerstandsfähig, aber er verbraucht  beim Anbau auch sehr viel Wasser, wird in umweltschädlichen Monokulturen gezüchtet und ist aufgrund der langen Transportwege nicht immer ökologisch. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ein Übel mit einem anderen ersetzen", sagt er daher.

Plastik ist vor allem aus einem Grund in der Kritik: Es dauert Ewigkeiten, bis der Kunststoff in der Umwelt verrottet. Ein Kaffeebecher aus Plastik braucht laut der Umweltorganisation WWF 30 Jahre, um sich in der Natur zu zersetzen, ein Strohhalm 200 Jahre und eine Plastikflasche sogar 450 Jahre. 

Anleger sollten Recycling-Unternehmen unter die Lupe nehmen

Das Schlüsselwort der Zukunft lautet daher Recycling, sagt Nachhaltigkeitsexperte Ton: "Langfristig werden die größten Gewinner, diejenigen sein, die sich auf den Recyclingaspekt konzentrieren. Viel Plastik wird einfach weggeschmissen, die Recyclingquote in Europa ist noch sehr gering." 

Unternehmen in der Recycling-Branche

BASF (chemisches Recycling von Plastik) BASF Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 33 Prozent
LyondellBasell Industrie (chemisches Recycling) Lyondellbasell Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 56 Prozent
Waste Connection Waste Connection Aktie Zuwachs im vergangenen Jahr: 21 Prozent

Plastik müsste laut dem Anlageexperten in Zukunft deutlich teurer sein, weniger Verwendung finden und gleichzeitig besser recycelt werden. Wenn Unternehmen weniger Verpackungen neu produzieren und mehr wiederverwerten, dann könnte auch das die Umweltbilanz weiter stärken. 

"Viele Produkte und Prozesse müssen neu gedacht werden. Das betrifft die gesamten Wertschöpfungsketten in praktisch allen Industrie- und Dienstleistungssektoren", sagt DB-Chefanlagestratege Stephan. 

Gesellschaftlicher Wandel ist nicht mehr umzukehren

Eine höhere Recyclingquote bedeutet für die Hersteller von Verpackungen möglicherweise einen Rückgang an den nachgefragten Produkten, dafür braucht es mehr Firmen, die alte Verpackungen annehmen, reinigen, auseinandernehmen und erneut aufbereiten. 

Gerade in Recyclingunternehmen steckt daher mit einem steigenden Umweltbewusstsein der Gesellschaft ein großes langfristiges Renditepotenzial. Portfoliomanager Ton sei überzeugt, dass dieser Wandel nicht mehr aufzuhalten ist: "Die jungen Menschen, die heute bei Fridays for Future mitlaufen, sind die Entscheidungsträger von morgen." 

Ein Blick auf die verschiedenen Aktien zeigt aber auch: In der Branche schneiden die Unternehmen sehr unterschiedlich ab. Für Anleger lohnt es sich also, die Unternehmensdaten genau zu vergleichen, bevor sie investieren.

Sämtliche Artikel erarbeiten t-online und seine Autoren und Kolumnisten mit journalistischer Sorgfalt. t-online weist darauf hin, dass die Texte keine Beratung ersetzen und insbesondere keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren darstellen.

Verwendete Quellen:

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