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HĂ€user, Kleider, Scooter: So nachhaltig ist Teilen wirklich

Von dpa
Aktualisiert am 09.08.2019Lesedauer: 3 Min.
Gerade in den GroßstĂ€dten und fĂŒr junge Leute wird die sogenannte "Sharing Economy" immer wichtiger.
Gerade in den GroßstĂ€dten und fĂŒr junge Leute wird die sogenannte "Sharing Economy" immer wichtiger. (Quelle: Henning Kaiser/dpa./dpa)
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Köln (dpa) - Man muss kein MillionĂ€r sein, um alles zu haben: ein Auto, einen E-Scooter, ein Fahrrad, ein Apartment in Barcelona. FĂŒr eine schnelle Buchung sind meist nur ein paar Wischs auf dem Smartphone nötig.

Es boomt die Kultur des Teilens, in der Ökonomie auch als "Sharing Economy" bezeichnet. WĂ€hrend Carsharing, Miet-E-Scooter und Airbnb den meisten bekannt sein dĂŒrften, sprießen auch zunehmend Nischen-Angebote aus dem Boden: So kann man sich online Spielzeug ausleihen, in Bochum Bienenvölker mieten oder in Köln seinen Kleiderschrank mit fremden Menschen teilen.

"Kleiderei"

Letzteres ist das Konzept von Lena Schröder, die dem Überfluss der Textil-Industrie den Kampf angesagt hat. Das Konzept ihrer "Kleiderei" : Gegen einen regelmĂ€ĂŸigen Mitgliedsbeitrag darf man sich pro Monat ein paar KleidungsstĂŒcke ausleihen - und zwar auf unbegrenzte Zeit. "Ich hatte keinen Bock mehr auf "Fast Fashion"", sagt die GrĂŒnderin. "Stil hast du, Kleider leihst du", steht an ihrem Laden. Drinnen hĂ€ngen Blumenhosen neben Glitzerpumps, Lederschuhen, und Jeans. "Man bekommt die Befriedigung, etwas Neues zu haben - ohne sich langfristig darum kĂŒmmern zu mĂŒssen", erklĂ€rt Schröder.

Wer leiht, muss nicht kaufen - und verschwendet somit keine Ressourcen. So sind die Sharing-Modelle oft nicht nur gut fĂŒr den Geldbeutel, sondern auch fĂŒrs Gewissen. Aber sind die Angebote wirklich so nachhaltig, wie sie klingen?

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Maike Gossen vom Institut fĂŒr ökologische Wirtschaftsforschung hat mit Kollegen genau das untersucht und Folgendes herausgefunden: So wie die Sharing-Angebote heute genutzt werden, kann man allenfalls von einem geringen Nutzen fĂŒr die Umwelt sprechen. "Das Versprechen, Sharing leiste einen Beitrag zur Entlastung der Umwelt, kann man zwar bejahen - aber die Effekte sind geringer als immer so suggeriert wird", sagt Gossen.

ErnĂŒchternde Ökobilanz

Die ernĂŒchternde Ökobilanz hĂ€ngt nach Ansicht der Forscher vor allem davon ab, wie die Angebote genutzt werden. "Man spart oder erhĂ€lt sogar Geld - und das gibt man dann an anderer Stelle wieder aus", erklĂ€rt Gossen. In einigen FĂ€llen entstehe durch ein Sharing-Angebot sogar zusĂ€tzlicher Konsum. Als Beispiel nennt Gossen die Unterkunftsplattform Airbnb, durch die möglicherweise erst der Anreiz fĂŒr manche Reise geschaffen wird - die dann wiederum eine zusĂ€tzliche Belastung der Umwelt ist. Eine relativ positive ökologische Bilanz haben hingegen private Mitfahrgelegenheiten, durch die Extra-Fahrten eingespart werden.

"Es macht Sinn, wenn die angebotenen Produkte langlebig sind - und man möglichst mit bereits Bestehendem arbeitet", sagt Kleiderei-Betreiberin Schröder. Die Kleidung in ihrem GeschÀft stammt aus Kleiderspenden oder von fair produzierenden Modelabels.

Neue Möglichkeiten, um Geld zu verdienen

FĂŒr Unternehmen bietet der Zeitgeist des Teilens neue Möglichkeiten, um Geld zu verdienen. "Es ist sicherlich so, dass Unternehmen das als weitere MarktlĂŒcke definieren, um weitere Zielgruppen zu erreichen", sagt Verena Bax, die bei der Umweltorganisation Nabu fĂŒr Umweltpolitik zustĂ€ndig ist. "Das Ganze schwimmt natĂŒrlich auf einer Nachhaltigkeitswelle."

Die Nabu-Expertin bewertet Sharing-Modelle grundsĂ€tzlich als positiven Beitrag zur Umweltentlastung, fĂŒgt allerdings hinzu: "Das ist sicherlich nicht etwas fĂŒr Jedermann und Jederfrau. Nur wenige Menschen sind bereit, sich mit anderen Menschen etwas zu teilen und ihre Komfortzone zu verlassen."

Die Erkenntnisse von Maike Gossen und ihren Kollegen bestĂ€tigen diese These: So zĂ€hlen nur rund 10 Prozent der von den Forschern Befragten zu den aktiven Nutzern, die das Sharing als Teil ihres Lebensstils sehen und viel nutzen. Jeweils knapp 20 Prozent sind pragmatische Nutzer oder solche, die der Idee gegenĂŒber zumindest grundsĂ€tzlich positiv eingestellt. Allerdings lehnt auch fast jeder FĂŒnfte das Konzept ab oder kann sich nicht vorstellen, es zu nutzen.

Trotzdem bewegt die Sharing Economy den einen oder anderen dazu, stĂ€rker ĂŒber sein Konsumverhalten nachzudenken. Victoria Blechman ist seit mehr als drei Jahren Mitglied in der Kölner Kleiderei - zwar nicht als "Heavy Userin", wie sie selbst erzĂ€hlt, sondern eher, um sich je nach Saison eine Winterjacke oder ein Paar Sandalen zu leihen. Mit der fairen Kleidung fing es bei der 30-JĂ€hrigen an, doch heute kauft sie auch hĂ€ufiger Bio-Produkte. "Man bekommt ein anderes GefĂŒhl fĂŒr die Wertigkeit von Dingen", erzĂ€hlt Bechman. "Ich kann heute nicht mehr in einen H&M rein gehen und mir da einfach was kaufen."

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