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Wie der Ukraine-Krieg das Einkaufen verÀndert

Von dpa
09.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Der Ukraine-Krieg und die rasant steigenden Preise haben das Einkaufsverhalten vieler Menschen in Deutschland verÀndert.
Der Ukraine-Krieg und die rasant steigenden Preise haben das Einkaufsverhalten vieler Menschen in Deutschland verÀndert. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa./dpa)
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DĂŒsseldorf (dpa) - Auf teure Markenartikel verzichten und mehr auf Sonderangebote achten: Der Ukraine-Krieg und die rasant steigenden Preise haben das Einkaufsverhalten vieler Menschen in Deutschland innerhalb weniger Wochen verĂ€ndert. Das zeigen aktuelle Umfragen und Daten von Marktforschern.

"Haushalte reagieren sehr schnell, wenn sich die Rahmenbedingungen stark verĂ€ndern", sagte der Handelsexperte Robert Kecskes vom MarktforschungsunternehmenGfKder Deutschen Presse-Agentur. "Das war bei der Pandemie so, und es ist jetzt beim Ukraine-Krieg und der hohen Inflationsrate genauso." Die Menschen seien verunsichert, viele spĂŒrten, dass ihr frei verfĂŒgbares Einkommen schrumpfe und das habe deutliche Auswirkungen auf ihr Einkaufsverhalten.

Konsumverhalten auf Sparflamme

Das Kölner Handelsforschungsinstitut ECC spricht in einer aktuellen Studie schon von einem "Konsumverhalten auf Sparflamme". Laut ECC wollen fast zwei Drittel der Menschen (64 Prozent) in der nĂ€chsten Zeit beim Einkaufen mehr sparen. GrĂ¶ĂŸere Anschaffungen wĂŒrden aufgeschoben. Und natĂŒrlich werde auch beim Lebensmitteleinkauf gespart.

Hier ist der Einschnitt sogar besonders spĂŒrbar. Denn der Lebensmittelhandel gehörte zu den grĂ¶ĂŸten Gewinnern der Corona-Krise. WĂ€hrend der Pandemie mit ihren Lockdowns hatten die BundesbĂŒrger das Geld, das sie nicht in Restaurants, Bars oder fĂŒr Urlaubsreisen los werden konnten, zu einem betrĂ€chtlichen Teil im Lebensmittelhandel ausgegeben. Man gönnte sich etwas und griff öfter zu den teureren Produkten. Das ist vorbei.

Jetzt wird wieder auf den Cent geschaut. Und die Zahlen der Marktforscher und Umfragen der Handelsforscher zeigen, auf welche Strategien die Verbraucherinnen und Verbraucher dabei setzen. "Die Menschen sind kreativ und finden Lösungen, ihre Standards zu halten, ohne sprunghaft mehr Geld ausgeben zu mĂŒssen", urteilt Kecskes.

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Sonderangebote nutzen und auf Markenartikel verzichten

Sparmaßnahme Nummer eins: Mehr Preise vergleichen und mehr Sonderangebote kaufen. Laut ECC-Umfrage achten inzwischen fast zwei Drittel (61 Prozent) der Verbraucher genauer als frĂŒher auf die Preise und greifen öfter zu Sonderangeboten. "Die Menschen passen auch wieder stĂ€rker darauf auf, dass sie nicht zu viel einkaufen, damit nichts weggeworfen werden muss", beobachtet Kecskes.

Sparmaßnahme Nummer zwei: Verzicht auf teure Markenartikel. Knapp die HĂ€lfte der Verbraucher (48 Prozent) verzichten der ECC-Umfrage zufolge aktuell öfter mal auf teure Marken - und greift stattdessen lieber zu den preisgĂŒnstigeren Eigenmarken der Handelsketten. "Dieses Umsteigen beobachten wir in den letzten Monaten immer hĂ€ufiger", bestĂ€tigt auch GfK-Experte Kecskes.

"Hersteller von hochwertigen Markenartikeln werden in den nĂ€chsten Monaten im Lebensmittelhandel zu kĂ€mpfen haben. Denn angesichts der knappen Kassen werden niedrig- und mittelpreisige Marken an Bedeutung gewinnen", ist auch Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in DĂŒsseldorf ĂŒberzeugt. Das gelte insbesondere fĂŒr die Eigenmarken der HĂ€ndler, wenn sie den Kunden einen Mehrwert - wie etwa Bio oder regionale Herkunft - böten.

Sparmaßnahme Nummer drei: Beim Discounter einkaufen. "Von der Corona-Krise haben in erster Linie die SupermĂ€rkte profitiert, weil sich die Menschen in der Pandemie etwas Gutes tun wollten. Diese Verwöhnphase ist jetzt vorbei. Jetzt schlĂ€gt wieder die Stunde der Discounter", ist Fassnacht ĂŒberzeugt. TatsĂ€chlich kehrten nach den Zahlen der GfK im MĂ€rz zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher den teureren EinkaufsstĂ€tten wie dem Fachhandel und den SupermĂ€rkten den RĂŒcken und erledigten ihre EinkĂ€ufe lieber bei Aldi, Lidl und Co.. Der Marktanteil der Discounter wachse nach langer Zeit wieder, heißt es bei der GfK.

Konsum zurĂŒckschrauben

Sparmaßnahme Nummer vier: Konsumverzicht. Nach der Umfrage derECCwurden infolge des Ukraine-Krieges vor allem MöbeleinkĂ€ufe aufgeschoben, aber auch bei Mode und Elektronik zögerten wegen des Kriegs ein Drittel der Befragten mit Neuanschaffungen. "Viele Leute werden nur noch das Nötigste kaufen. Die Leute horten ihr Geld", sagt Fassnacht.

Auch am Lebensmittelhandel werde der Konsumverzicht vieler Verbraucher nicht vorbeigehen, ist Branchenkenner Kecskes ĂŒberzeugt. Da werde dann etwa angesichts gestiegener Kosten weniger Fleisch gegessen oder ein Löffel weniger Kaffeepulver in den Filter getan. Die WeinhĂ€ndler klagen bereits ĂŒber spĂŒrbare UmsatzrĂŒckgĂ€nge.

"Die aktuellen Entwicklungen sind ein Schock fĂŒr viele Verbraucher. Die Menschen hatten gerade gehofft, dass nach der Pandemie alles wieder normaler wird - und dann kam der Krieg und damit wieder das GefĂŒhl der eigenen Machtlosigkeit", sagt Kecskes. "Das erhöht die Ängste und das sehen wir deutlich im Kaufverhalten."

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