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Equal Pay Day: Frauen zahlen bei Krediten mehr Zinsen als Männer

Studie zum "Equal Pay Day"  

Frauen zahlen bei Krediten mehr Zinsen als Männer

Von Florian Schmidt

17.03.2020, 12:06 Uhr
Equal Pay Day: Frauen zahlen bei Krediten mehr Zinsen als Männer. Eine Demonstrantin am Weltfrauentag: Frauen verdienen im Schnitt weniger Geld als Männer. (Quelle: imago images)

Eine Demonstrantin am Weltfrauentag: Frauen verdienen im Schnitt weniger Geld als Männer. (Quelle: imago images)

Eine neue Studie zeigt: Frauen erhalten bei der Bank weniger Geld auf Pump und zahlen höhere Zinsen als Männer. Der wichtigste Grund dafür ist simpel.

Es ist ein Tag mit Symbolkraft: Bis zum heutigen 17. März arbeiten Frauen quasi unbezahlt – obwohl sie dieselbe Arbeit leisten wie Männer, die bereits ab dem 1. Januar bezahlt werden. Der Grund: Noch immer verdienen Frauen im Schnitt weniger Geld als Männer. Zwar wird diese Lohnlücke inzwischen kleiner, wie jüngst das Statistische Bundesamt mitteilte. Allerdings beläuft sich die sogenannte Gender-Pay-Gap weiter auf rund 20 Prozent.

Dieser Lohnunterschied hat Folgen, wie jetzt eine neue Studie belegt. Frauen erhalten demnach aufgrund ihrer geringeren Einkommen deutlich schlechtere Konditionen als Männer, wenn sie einen Kredit aufnehmen wollen.

Das geht aus Zahlen des Vergleichsportals Verivox hervor, die t-online.de exklusiv vorliegen. Frauen erhalten demzufolge seltener einen Kredit, bekommen geringere Kreditbeträge genehmigt – und müssen mehr Zinsen zahlen als Männer.

Frauen erhalten geringere Kreditsummen

Für die Erhebung hat Verivox Daten Zehntausender Nutzer ausgewertet, die über das Portal einen Vergleich zu den Kreditkonditionen von Banken anstellten. Im Rahmen dieser Anfragen müssen die Nutzer unter anderem ihr Alter, Geschlecht, vor allem aber ihr Nettoeinkommen angeben, das maßgeblich über die Konditionen des Kredits entscheidet. Diese Daten kombiniert Verivox mit den konkreten Angeboten der Banken an die Nutzer.

Das Nettoeinkommen bestimmt die Höhe des genehmigten Kredits: Frauen erhalten von den Banken einen geringen Kreditrahmen.Das Nettoeinkommen bestimmt die Höhe des genehmigten Kredits: Frauen erhalten von den Banken einen geringen Kreditrahmen.

Das Ergebnis der Untersuchung: Im Schnitt liegt das Nettoeinkommen der untersuchten Frauen mit 1.947 Euro sogar 24,7 Prozent unter dem der Männer, die durchschnittlich 2.584 Euro netto verdienen.

Frauen bekommen auf dieser Grundlage im Schnitt nur einen Betrag von 13.419 Euro als Kredit von den Banken genehmigt – rund 19,3 Prozent weniger als Männer. Ihnen räumen die Banken im Schnitt einen Kreditrahmen in Höhe von 16.645 Euro ein.

Mehr Frauen als Männer bekommen gar keinen Kredit

Sowohl für Männer als auch für Frauen gilt dabei: Dass sie sich überhaupt Geld leihen können, ist keine ausgemachte Sache. Denn die Kreditinstitute entscheiden selbst, für wie kreditwürdig sie potenzielle Kunden einschätzen und ob sie überhaupt einen Kredit vergeben.

Auch die Konditionen der Kredite sind bei Frauen und Männern unterschiedlich: Frauen erhalten seltener einen Kredit und zahlen höhere Zinsen.Auch die Konditionen der Kredite sind bei Frauen und Männern unterschiedlich: Frauen erhalten seltener einen Kredit und zahlen höhere Zinsen.

Da auch für diese Entscheidung das Einkommen des Kunden eine große Rolle spielt, fällt auch diese sogenannte Annahmequote bei Frauen etwas geringer aus als bei Männern. Im Schnitt erhalten 69 Prozent der untersuchten Frauen ein Angebot von der Bank, bei den Männern liegt diese Quote bei 75 Prozent.

Auch der Zinssatz, die vielleicht wichtigste Kenngröße für Kredite aus Verbrauchersicht, hängt stark mit dem Einkommensverhältnissen der Bankkunden zusammen: Bei Menschen mit einem geringeren Einkommen erwarten Banken eher, dass die Kredite ausfallen – sie verlangen deshalb von ihren Kunden einen höheren Zinssatz.

Frauen bekommen seltener Mini-Zinsen unter 3,5 Prozent

Mit Blick auf den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen zeigt sich in der Verivox-Untersuchung ein ähnliches Bild: Männern bieten die Banken deutlich häufiger Mini-Zinsen unterhalb von 3,5 Prozent an, der Anteil der männlichen Kreditnehmer mit solch günstigen Bedingungen liegt bei 66 Prozent. Unter den Frauen, denen die Banken einen Kredit anbieten, ist dieser Anteil geringer. Unter ihnen erhalten nur 54 Prozent der untersuchten Nutzerinnen einen Kredit mit einem Zinssatz unterhalb von 3,5 Prozent.

Für Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier sind die Zahlen wenig überraschend. "Das verfügbare Einkommen ist für Banken ein wichtiges Kriterium zur Bewertung der Kreditwürdigkeit", sagt er. "Wer weniger verdient, erhält schwerer eine Kreditzusage und muss öfter höhere Zinsen zahlen."

Um bessere Kreditkonditionen zu bekommen, könne es lohnen, ein Darlehen gemeinsam mit einer weiteren Person aufzunehmen. "Ein zweiter Kreditnehmer mit eigenem Einkommen verbessert die Bonität", erklärt Maier. "Weil beide Kreditnehmer gemeinsam für den Kredit einstehen, sinkt das Risiko für die Bank, dass der Kredit nicht zurückgezahlt wird. Dadurch kann sie einen günstigeren Zinssatz anbieten."

Expertin: Keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts

Auch Katharina Wrohlich wundern die Zahlen kaum. Die Ökonomin leitet am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Forschungsgruppe Gender Economics und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Gender-Pay-Gap.

"Dass Frauen aufgrund ihrer geringeren Einkommen schlechtere Konditionen bei der Kreditaufnahme bekommen, ist nur ein weiteres Symptom der Lohnlücke", sagt sie. "Es geht eben nicht nur darum, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt im Nachteil gegenüber Männern sind. Auch in anderen Lebensbereichen macht sich der Lohnunterschied bemerkbar."

Eine grundsätzliche Benachteiligung von Frauen wolle Wrohlich den Banken dabei zwar nicht unterstellen. "Es würde mich sehr wundern, wenn die Banken Frauen und Männern mit exakt gleichen Einkommensverhältnissen unterschiedliche Kreditangebote machten", sagt sie. "Aufgrund ihres Geschlechts werden sie vermutlich nicht diskriminiert." Aber eben wegen ihres Gehalts.

"Systematische Unterschiede in der Bezahlung"

"Es gibt zwischen Frauen und Männern systematische Unterschiede in der Bezahlung", so Wrohlich. "Einige lassen sich durchaus erklären, zum Beispiel durch den höheren Anteil von Teilzeitbeschäftigung bei Frauen. Denn auch pro Stunde werden Teilzeitjobs häufig schlechter bezahlt als Vollzeitjobs."

Die größte Rolle spiele nach wie vor das Kinderkriegen. "Bei Jüngeren ist der Unterschied in der Bezahlung noch nicht so groß", sagt Wrohlich. "Später aber – sobald das erste Kind da ist – wächst die Lücke sprunghaft an." Ein Grund dafür sei die Teilzeit-Falle. "Viele Frauen bleiben später in Teilzeit und verdienen deshalb weniger. Ob das immer freiwillig gewählt ist, würde ich hinterfragen."

Unabhängig davon aber gebe es auch einen nicht erklärbaren Anteil an der Lohnlücke. Das Statistische Bundesamt schätzt diese "bereinigte Lohnlücke" auf rund 6 Prozent. Konkret heißt das: "Auch bei gleicher Qualifikation erhalten Frauen oft weniger Geld als Männer", sagt Wrohlich. Und damit auch weiterhin schlechtere Kreditkonditionen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Verivox-Studie zum Equal Pay Day
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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