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Kohle-Projekt: Siemens hat eine Chance verpasst

  • Florian Schmidt
Ein Kommentar von Florian Schmidt

Aktualisiert am 13.01.2020Lesedauer: 2 Min.
Konzernchef Joe Kaeser und der Siemens-Vorstand halten an Zulieferungen fĂŒr das umstrittene Kohlebergwerk in Australien fest.
Konzernchef Joe Kaeser und der Siemens-Vorstand halten an Zulieferungen fĂŒr das umstrittene Kohlebergwerk in Australien fest. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Trotz Protesten hĂ€lt Siemens an Zulieferungen fĂŒr den Bau eines umstrittenen Kohlebergwerks in Australien fest. Konzernchef Joe Kaeser handelt nachvollziehbar

Der Coup ist ausgeblieben: Siemens bleibt vertragstreu. Deutschlands fĂŒhrender Technologiekonzern wird wie geplant die Zugsignalanlage fĂŒr den Bau eines umstrittenen Kohlebergwerks in Australien zuliefern – jĂŒngsten Protesten von Klimaaktivsten und Wissenschaftlern zum Trotz.

In einem ungewöhnlich langen persönlichen Statement begrĂŒndete Konzernchef Joe Kaeser am spĂ€ten Sonntagabend seine Entscheidung: Das australische Volk, die Bevölkerung vor Ort, spreche sich klar fĂŒr das Projekt aus; ein Ausstieg verhindere das Projekt nicht; außerdem bestĂŒnden keine rechtlichen Möglichkeiten, den Vertrag aufzulösen, ohne dass Siemens seine Pflichten verletze.

Kaeser hat recht. Besonders der letzte Punkt wiegt schwer: Siemens‘ Ansehen als verlĂ€sslicher GeschĂ€ftspartner, der sich an geschlossene VertrĂ€ge hĂ€lt, bekĂ€me weit mehr als nur eine Schramme. Weltweit könnte das Vertrauen der Kunden in Siemens sinken, ließe sich der Konzern von UmweltschĂŒtzern treiben. Zudem gliche eine Vertragsauflösung einer Grundsatzentscheidung: Siemens mĂŒsste weitere Projekte auf den PrĂŒfstand stellen – Projekte, bei denen es um viel mehr Geld geht als das relativ geringe Auftragsvolumen von 20 Millionen Euro wie im aktuellen Fall. Wirtschaftlich betrachtet ist die Entscheidung deshalb vernĂŒnftig und nachvollziehbar.

Angebot an Luisa Neubauer ein missglĂŒckter PR-Gag

Zugleich vergibt Siemens aber eine Chance. Kaeser hĂ€tte ein Zeichen setzen können. Er hĂ€tte unter Beweis gestellt, dass er es ernst meint mit seinem Ziel, den Konzern bis 2030 klimaneutral zu machen. Der Konzern hĂ€tte ein positives Beispiel sein und Nachahmer zu einem moralischen Handeln animieren können. Doch diese Möglichkeit hat Kaeser fĂŒr den Moment verspielt.

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Umso mehr wirkt seine AnkĂŒndigung, ein Nachhaltigkeitskomitee mit externen Umweltexperten und jungen Menschen einzurichten, wie das sprichwörtliche Feigenblatt. Es ist fraglich, welcher UmweltschĂŒtzer jetzt gewillt sein wird, Projekte fĂŒr Siemens im Rahmen eines solchen Gremiums zu ĂŒberwachen. Auch Kaesers jĂŒngstes Angebot an Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer, sie zum Aufsichtsrat in der Konzerntochter Siemens Energy zu machen, entpuppt sich im aktuellen Kontext einmal mehr als das, was es von Anfang an war – ein missglĂŒckter PR-Gag.

GlaubwĂŒrdigkeit spielt zunehmend eine Rolle

In der Welt der Unternehmen entscheidet zunehmend GlaubwĂŒrdigkeit ĂŒber Erfolg. Gerade in Siemens‘ Heimatmarkt Deutschland schielen Investoren lĂ€ngst nicht mehr allein auf den Shareholder-Value, sondern auch auf die Öko-Bilanz. Im Kampf um Talente auf dem Arbeitsmarkt spielen weiche Faktoren wie die Umweltverantwortung eine wachsende Rolle.

All das weiß ein Konzernlenker wie Joe Kaeser. Dass er und der Unternehmensvorstand sich die Entscheidung nicht leicht gemacht haben, beweist allein die LĂ€nge seiner AusfĂŒhrungen. SĂ€tze wie „mir ist bewusst, dass die meisten von Ihnen auf mehr gehofft hatten“ und „wir hĂ€tten im Vorhinein weiser mit diesem Projekt umgehen sollen“ wirken ehrlich. Die klare Botschaft: Wir haben verstanden, hier ist etwas schiefgelaufen, noch einmal darf, noch einmal wird uns das nicht passieren.

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Daran muss sich Siemens messen lassen. Der Konzern muss jetzt zeigen, dass er wirtschaftliche und umweltpolitische Interessen nicht nur abwĂ€gt – sondern sich bei Ă€hnlichen AnlĂ€ssen von vornherein gegen GeschĂ€fte entscheidet, die dem Klima schaden. Wenn Kaeser wirklich auf Nachhaltigkeit setzen will, muss er seinen Worten Taten folgen lassen. Nur dann erlangt Siemens seine GlaubwĂŒrdigkeit zurĂŒck.

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