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Bringt Corona das Ende der Verkaufspartys?

dpa, Larissa Schwedes

Aktualisiert am 15.05.2020Lesedauer: 3 Min.
Tupperware: Durch die Corona-Pandemie finden viele Verkaufsparty im Internet statt.
Tupperware: Durch die Corona-Pandemie finden viele Verkaufsparty im Internet statt. (Quelle: MiS/imago-images-bilder)
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Wenn jeder in seinem eigenen Wohnzimmer hockt und die Plastikdosen nur noch auf dem Bildschirm anschaut: Was bleibt dann eigentlich noch ├╝brig vom Kultklassiker Tupperparty? Die Branche versucht sich nun digital zu retten.

Die Gastgeberin hat nicht eingekauft. Keinen Sekt kalt gestellt, vielleicht nicht einmal geputzt. Die Tupperparty steigt trotzdem. Getuppert wird allerdings digital, wie so vieles in diesen Zeiten. "Wenn du dir trotzdem einen Sekt g├Ânnen willst, darfst du das tun", sagt die K├Âlner Party-Managerin Daniela Sigmund in ihrem Garten zu ihren G├Ąsten. Allerdings spricht sie blo├č in eine Kamera, die G├Ąste werden ihre Pr├Ąsentation in einer WhatsApp-Gruppe zu sehen bekommen.

F├╝r die Gastgeberin und zw├Âlf G├Ąste beginnt damit die Party ÔÇô eine, die sieben Tage lang andauern soll. Doch knallende Sektkorken und Small Talk bleiben aus. Es ist vor allem Daniela Sigmund, die die Gruppe Tag f├╝r Tag mit Leben f├╝llt. Die Snackbox Salat & Go zum Start, dann eine Trinkflasche mit integrierter Zitruspresse oder ein Berg an Salatsch├╝sseln in Regenbogenfarben, Produktname "Aloha", alles praktisch stapelbar. Pr├Ąsentiert von Sigmund pers├Ânlich, gespickt mit Rabattaktionen, aufwendig produzierten Produktvideos und einem 96-seitigen Katalog-PDF mittendrin. Bestellt werden kann auch direkt in der Gruppe, ohne lange Formulare.

Nicht nur Tupperware wird im Direktvertrieb angeboten

Schon seit Jahrzehnten f├╝hren Tupperpartys Menschen, wohl vor allem Frauen, zusammen, die sich bei Sekt und K├Ąseplatte von einer Party-Managerin gemeinsam von neuen Dosen, Schalen und sonstigen K├╝chenhelfern ├╝berzeugen lassen. L├Ąngst sind andere Branchen gefolgt: Kerzen, Kosmetik, Thermomix, selbst Dildos werden heute im sogenannten Direktvertrieb angeboten.

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Wenn coronabedingt Menschen nun also nicht mehr eng zusammenkommen d├╝rfen, trifft das die Branche hart. Enges Zusammensitzen, Herumreichen und der Schnack zwischendurch geh├Âren zum Wesenskern der Veranstaltungen. "Dieser Vertriebsweg ist in 13 Bundesl├Ąndern de facto verboten", stellt Jochen Clausnitzer vom Bundesverband Direktvertrieb fest. Kontaktbeschr├Ąnkungen und Verkaufsparty, das passt nicht zusammen. Daher rechnet die Branche mit Umsatzeinbu├čen im zweistelligen Prozentbereich. In den vergangenen zw├Âlf Jahren habe sich der Umsatz dagegen verdoppelt, 2018 lag er bei 17,7 Milliarden Euro.

Doch wie Daniela Sigmund und etliche ihrer Kollegen zeigen, versucht sich die Branche zu helfen. Neben WhatsApp-Formaten setzen viele Anbieter auf Live-Video-Parties ├╝ber Zoom oder Facebook Live. "Einige Unternehmen sind ├╝berrascht, wie gut die Gesch├Ąfte dennoch laufen", so Clausnitzer.

"Der Austausch fehlt schon sehr"

Die K├Âlnerin Sigmund ist zwiegespalten. Zwar berichtet sie begeistert von Partys mit mehr als 400 Euro Umsatz und der besseren Vereinbarkeit mit ihrem Alltag samt zwei kleinen Kindern. Aber: "Es ist immer wieder ein ├ťberraschungsei. Der Austausch fehlt schon sehr." Wenn Sigmund in die Kamera zu ihren Kundinnen spricht, bleibt die direkte Reaktion meist aus. "Bei normalen Partys hat man sich die Zeit im Kalender frei gehalten, freut sich drauf und lacht gemeinsam."

In Sigmunds aktueller WhatsApp-Gruppe zieht eine der Teilnehmerinnen hingegen w├Ąhrend der Party um, andere leisten Schichtdienst und sind besonders im Stress. Nach einigen Tagen kommt die bange Frage der Gastgeberin: "Hat keiner von euch was gefunden? Es sind doch so tolle Sachen dabei." Der Stups wirkt, einige Bestellungen trudeln ein.

Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU D├╝sseldorf ist skeptisch: "Im Virtuellen ist die Ablenkung viel gr├Â├čer. Sie haben auch keine soziale Kontrolle ÔÇô keiner nimmt es Ihnen ├╝bel, wenn Sie mal zum K├╝hlschrank gehen oder nach dem Kind gucken." Er h├Ąlt das tats├Ąchliche Zusammensein im Direktvertrieb f├╝r entscheidend f├╝r den Verkaufserfolg. "Man ist zusammen, hat gute Laune. Wenn man dann sieht, was der eine kauft, kauft man selbst auch mehr. Das lebt von einer gewissen physischen N├Ąhe." Clausnitzer hingegen h├Ąlt vor allem die Empfehlungen durch Freunde und Bekannte f├╝r entscheidend ÔÇô und "dieser Austausch untereinander bleibt auch im Digitalen erhalten".

Neue Zielgruppen k├Ânnten erschlossen werden

Corona k├Ânnte der Branche einen ├╝berf├Ąlligen Modernisierungsschub verpassen. Zuletzt hatte etwa Tupperware es nicht immer leicht, mit den traditionellen Partys profitabel zu bleiben. In der Branche erhofft man sich, dass H├Ąndler innovative Wege gehen, die auch nach Corona neue Chancen bieten. "Die Krise kann einen Modernisierungsschub f├╝r die Branche bedeuten, sodass man gest├Ąrkt aus ihr hervorgeht", sagt Clausnitzer.

Online-Verkaufspartys gibt es allerdings nicht erst seit Beginn der Pandemie. So generiert etwa die US-amerikanische Kosmetikfirma Younique bereits rund 70 Prozent ihres Umsatzes durch digitale Verkaufspartys. Verk├Ąuferin Sigmund meint, dass im Digitalen auch neue Zielgruppen erreicht werden k├Ânnten ÔÇô etwa Menschen, die nicht auf eine normale Tupperparty kommen w├╝rden oder Gastgeberinnen, deren Wohnzimmer zu klein ist f├╝r gro├če Runden.

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