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Energiekrise: Erster Gas- und Stromanbieter in Deutschland meldet Insolvenz an


Angespannte Lage  

Erster Strom- und Gasanbieter meldet Insolvenz an

13.10.2021, 14:28 Uhr
Insolvenz: Wann ein Unternehmen insolvent ist und was das bedeutet

Air Berlin, Schlecker, Germania – große deutsche Unternehmen, die in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden mussten. Aber was heißt das eigentlich? Und wer bekommt das restliche Vermögen des Unternehmens? t-online klärt auf. (Quelle: t-online)

Firmenpleiten betreffen immer mehr deutsche Unternehmen: t-online erklärt, wann ein Unternehmen insolvent ist und wer das übrige Vermögen des Unternehmens bekommt. (Quelle: t-online.de)


Die Gaspreise erreichen Rekordstände, auch Strom hat sich seit Jahresbeginn stark verteuert. Den ersten Anbieter zwingt das nun in die Knie – das Unternehmen muss Insolvenz anmelden.

Die angespannte Lage auf dem Strom- und Gasmarkt hat erstmals im laufenden Jahr zur Insolvenz eines Energieanbieters geführt. Die mittelständische Otima AG aus Neuenhagen bei Berlin ist pleite. Wie das Unternehmen auf seiner Webseite verkündete, wurde Insolvenz angemeldet und die Strom- und Erdgaslieferungen an die Kunden wurden eingestellt.

Als Gründe führt die Firma an, dass die Großhandelspreise extrem gestiegen seien, binnen kürzester Zeit hätten sie sich vervierfacht. Daraus resultierte ein "massiver Anstieg der Vorauskasse- und Sicherheitsleistungen", die das Unternehmen an seine Partner zu leisten habe. "Während der Laufzeit der Verträge mit festgelegten Konditionen können wir die gestiegenen Preise nicht an die Kunden weitergeben", erläuterte Otima-Vorstand Marcus Gramkow.

Zudem sei ein Vorlieferant für Strom weggefallen, "bei gleichzeitigem Scheitern der Suche nach neuen Vorlieferanten", hieß es auf der Webseite weiter. Seit dem 11. Oktober, 24 Uhr, sei die Otima AG daher nicht mehr in der Lage, ihre Kunden mit Strom zu versorgen.

Rund 430 Kunden seien von der Insolvenz betroffen, so Gramkow, darunter etwa 70 Prozent öffentliche Auftraggeber und 28 Prozent private Unternehmen. Hinzu kämen fünf private Kunden.

Wenn Verträge gekündigt werden, rutschen Kunden automatisch in die sogenannte Ersatzversorgung – sie werden also weiter mit Strom und Gas versorgt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Gaspreise explodieren

Nicht nur Otima hat Probleme, der gesamte Energiemarkt steckt momentan in der Krise. Hintergrund sind die explodierenden Gas- und Strompreise. Der Großhandelspreis von Erdgas ist seit Jahresbeginn um rund 440 Prozent gestiegen. Gas wird zum Heizen, aber auch zur Stromerzeugung genutzt – der fossile Brennstoff hat also auch einen Einfluss darauf, wie viel Strom kostet. Auch Strom verteuerte sich stark. An der deutschen Strombörse in Leipzig stiegen die Preise seit Januar um rund 140 Prozent.

Diese Kostensteigerungen treffen besonders kleine Anbieter, die kurzfristig Gas einkaufen, um ihre Kunden zu beliefern. Auf die Kunden abwälzen können sie die höheren Beschaffungskosten nur selten, da sie mit diesen in der Regel langfristige Lieferverträge mit einer Preisbindung vereinbart haben.

So auch Otima, der Anbieter ist seit 2019 aktiv und beliefert laut eigenen Angaben bundesweit Kunden mit Ökostrom und klimaneutralem Erdgas. "Unter unseren Kunden finden sich Krankenhäuser, Städte und Gemeinden sowie eine Vielzahl an Unternehmen aus der Privatwirtschaft", schreibt die Firma auf ihrer Seite.

Auch andere Anbieter stellten Lieferungen ein

Zuletzt hatte mit der Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft der erste große Stromanbieter gebietsweise Lieferverträge gekündigt. Das Unternehmen tritt unter den Marken "Immergrün" und "Meisterstrom" auf. Ende September hatte bereits die Deutsche Energiepool GmbH alle Gaslieferungen eingestellt.

Ob noch weitere Unternehmen pleitegehen oder die Verträge kündigen, hängt davon ab, wie lange die Preise noch steigen werden – und wie hart der Winter wird. Experten rechnen damit, dass sie sich erst im Frühjahr 2022 wieder erholen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Mitteilung der Otima AG
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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