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Hexenschuss erwischt fast jeden


Hexenschuss
Hexenschuss erwischt fast jeden

dapd, t-online, dapd/ T-Online

Aktualisiert am 17.07.2012Lesedauer: 3 Min.
So entsteht der Hexenschuss.Vergrößern des BildesSo entsteht der Hexenschuss. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Eine falsche Bewegung reicht und plötzlich jagt ein stechender Schmerz durch den Rücken. Viele wissen nicht, was sich hinter einem Hexenschuss verbirgt, dabei trifft es fast jeden einmal. Wir erklären, was genau bei einem Hexenschuss passiert.

Wirbelsäule klemmt Nerv ein

Der Hexenschuss kommt nach Angaben der "Aktion Gesunder Rücken" sehr häufig vor. 80 Prozent der Menschen erleiden ihn einmal in ihrem Leben, auch wenn sie völlig gesund sind. Dabei handelt es sich um eine akute Muskelzerrung im Kreuz. Konkret sind es die Wirbelkörper der Wirbelsäule, die sich durch eine falsche Bewegung verdrehen oder verklemmen und dadurch einen Nerv einquetschen. Gleichzeitig spannen sich die Muskeln krampfartig zusammen. Das führt zu den plötzlichen Schmerzen, die manchmal bis ins Bein ausstrahlen. Betroffene eines Hexenschusses können sich oft nicht mehr aufrichten und verharren in einer gekrümmten Position. Bis sich die Muskulatur wieder erholt hat, kann es einige Zeit dauern. In 90 Prozent der Fälle heilt ein Hexenschuss innerhalb von vier Wochen wieder.

Ab 30 Jahren besteht Hexenschuss-Gefahr

Betroffen sind vor allem Menschen in einem Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Bei über 60-Jährigen kommt der Hexenschuss kaum noch vor, weil die Wirbelsäule dann steifer und unbeweglicher geworden ist. Als "Warnschuss" will der Orthopäde Professor Fritz Uwe Niethard die akute Lumbalgie, so der exakte medizinische Begriff, aber nicht verstanden wissen. Der Hexenschuss ist kein Symptom eines kaputten Rückens. Viel häufiger "schießt die Hexe", wenn man sich unvorsichtig bewegt oder wenn die Rückenmuskulatur ungewöhnlicher Kälte ausgesetzt und gleichzeitig überbeansprucht wird. Keineswegs ist gleich ein Nerv eingeklemmt.

Hexenschuss direkt nach dem Aufstehen

"Über 90 Prozent der Rückenschmerzen sind muskelbedingt", sagt der Hamburger Orthopäde Martin Buchholz. Bei vielen Menschen ist die Rückenmuskulatur durch Bewegungsmangel und eine überwiegend sitzende Lebensweise schon länger geschwächt und verkürzt. Da muss es nicht unbedingt eine ungewohnte Belastung sein, selbst ganz normale Bewegungen wie das morgendliche Aufstehen können die Pein dann auslösen. Ein Arztbesuch ist bei einem Hexenschuss nur erforderlich, wenn die Schmerzen unerträglich sind. "Man sollte zwei bis drei Tage abwarten und Schmerztabletten nehmen", sagt Niethard. "Wenn es dann nicht besser wird, ist ein Arztbesuch ratsam." Wichtigstes Ziel in der Hexenschuss-Therapie ist, dass der Betroffene schnell seine Schmerzen los wird und sich nicht weiter verkrampft. Der Arzt kann Schmerzmittel, örtliche Betäubungsmittel sowie muskelentspannende und entzündungshemmende Mittel direkt in die Rückenmuskulatur spritzen.

Achtung bei Taubheitsgefühlen im Bein

Ganz anders stellt sich die Situation dar, wenn der Schmerz bis ins Bein ausstrahlt sowie Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen hinzukommen. Auch Funktionsausfälle von Blase und Mastdarm sind ein Alarmzeichen. Dann besteht die Gefahr, dass der Ischiasnerv durch eine verrutschte Bandscheibe gereizt oder eingeklemmt ist. In den allermeisten Fällen ist nur ein Bein betroffen. Allerdings kann der Hexenschuss auch mit Pseudo-Schmerzen einhergehen, die den Leiden beim Bandscheibenvorfall sehr ähneln. Dann sind auch die Gelenke zwischen den Wirbeln betroffen. Im Unterschied zu den Ischiasschmerzen sind sie eher bohrend und nicht stechend, sagt der Professor. Außerdem fehlen die Taubheitsgefühle und die Muskelschwäche im Bein.

Chronischer Hexenschuss durch Schonhaltung

Bei bis zu sieben Prozent der vom Hexenschuss Betroffenen werden die Schmerzen Experten zufolge chronisch. Das passiert vor allem bei jenen, die sich aus Angst vor Rückenschmerzen wenig bewegen. Durch diese Schonhaltung verspannen sich die Muskeln dauerhaft. Bei anderen entwickelt sich ein Schmerzgedächtnis durch die ständigen Schmerzsignale an die Nerven. Sie werden dadurch so empfindlich, dass später kleinste Impulse ausreichen, um die Schmerzen auszulösen. Auch psychischer Stress kann Rückenschmerzen chronisch werden lassen, erklärt Orthopäde Buchholz.

Hexenschuss durch Rückentraining vorbeugen

Der Arzt kann die Diagnose meist anhand der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung stellen. Bei Verdacht auf schwerere Erkrankungen sind Röntgenaufnahmen, eine Magnetresonanztomografie sowie Untersuchungen des Blutes möglich. Die Behandlung des Hexenschusses basiert auf aktiver Mithilfe des Patienten. Bei akuten Schmerzen helfen eine Wärmflasche oder ein Heizkissen, um die Muskeln zu entspannen. Wichtig ist es, sich sobald wie möglich wieder zu bewegen. Regelmäßiges Spazierengehen hilft, den Körper besser zu durchbluten und den Bandscheiben mehr Nährstoffe zuzuführen. "Wenn möglich, sind mehrere kurze Spaziergänge am Tag ideal; auch leichtes Fahrrad-Ergometer-Training kann schnell zu einer Besserung beitragen", rät der Wiesbadener Sportmediziner Marco Gassen. In der akuten Phase ist Physiotherapie empfehlenswert. Anschließend sollte sich kontinuierliches Rückentraining anschließen. Auf diese Weise lässt sich einem Hexenschuss gut vorbeugen.

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
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