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Telefonreanimation: Leben retten durch den Hörer

Von dpa
Aktualisiert am 20.12.2021Lesedauer: 3 Min.
In Notf√§llen kann einen die Rettungsleitstelle √ľbers Telefon bei der Reanimation anleiten.
In Notf√§llen kann einen die Rettungsleitstelle √ľbers Telefon bei der Reanimation anleiten. (Quelle: Benjamin Nolte/dpa-tmn./dpa)
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Köln/Berlin (dpa/tmn) - Es war eine lebensbedrohliche Situation und Millionen Menschen sahen sie mit an: Als der dänische Fußballspieler Christian Eriksen im Sommer während eines Europameisterschaftsspiels unvermittelt auf dem Platz kollabierte, wurden zwei Dinge deutlich: 1. Ein Herz-Kreislaufstillstand kann wie aus dem Nichts kommen. 2. Betroffene brauchen sofort Hilfe, um Überlebenschancen zu haben.

Doch ganz ehrlich: Wenn Sie in so eine Situation geraten w√ľrden, w√ľssten Sie dann noch, was zu tun ist? Der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist bei den meisten Menschen lange her, manche haben sich mit dem Thema Wiederbelebung zuletzt vor ihrer Autof√ľhrerschein-Pr√ľfung besch√§ftigt. Dazu kommt die Aufregung in dieser f√ľr Laien so unwirklichen Situation. Also: Was tun?

Auf jeden Fall ist es wichtig, √ľberhaupt etwas zu tun. Die einfache Grundregel lautet: Pr√ľfen, Rufen, Dr√ľcken.

Man pr√ľft also zun√§chst, ob die bewusstlose Person noch normal atmet. Dann wird der Notruf 112 gew√§hlt - hier kommt schon der entscheidende Punkt f√ľr alle, die sich in dieser Situation unsicher sind: Die Leitstellen k√∂nnen eine Telefonreanimation durchf√ľhren.

Anleitung zur Reanimation

Sie k√∂nnen den Ersthelfer am anderen Ende der Leitung mit ihren Worten also anleiten. Das Problem ist allerdings, dass man sich in Deutschland nicht immer darauf verlassen kann, dass die Leitstelle nach der Aufnahme des Notfalls von selbst nachfragt, ob man solch eine Unterst√ľtzung ben√∂tigt. Das hat eine j√ľngst ver√∂ffentlichte Umfrage unter den 249 Leitstellen hierzulande gezeigt.

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Dann k√∂nne es passieren, dass die Leitstelle sage: "Wir schicken einen Notarzt!" - und den Anruf dann beende, sagt Prof. Bernd B√∂ttiger. "Dann kriegt man keine Telefonreanimation." B√∂ttiger ist Vorsitzender des Deutschen Rats f√ľr Wiederbelebung, der an dieser Umfrage beteiligt war.

Die Forderung des Rates ist klar: Die Telefonreanimation in Deutschland m√ľsse verpflichtend fl√§chendeckend eingef√ľhrt werden, mit standardisierten Abl√§ufen. Bisher ist das alles L√§ndersache und damit uneinheitlich geregelt.

Hilfe im Zweifel aktiv einfordern

Die gute Nachricht: In der Umfrage gaben alle Rettungsleitstellen an, dass sie grunds√§tzlich Telefonreanimationen durchf√ľhren - sollte also jemand am Telefon um Hilfe bitten, wird niemand auflegen. Genau dazu r√§t B√∂ttiger ausdr√ľcklich: "Wenn die Leitstelle nicht von selbst fragt, w√ľrde ich das einfordern und sagen: Helft mir bitte!"

Das Wissen um die Möglichkeit einer Telefonreanimation ist im Ernstfall elementar. Denn was Christian Eriksen vor den Augen der Welt zugestoßen ist, passiert deutschlandweit ungefähr 200 Mal - pro Tag.

Nur in rund jedem zehnten Fall geht das gut aus. Wird sofort mit der Herzdruckmassage begonnen, ist die √úberlebenschance zwei- bis dreimal h√∂her. DasBundesgesundheitsministeriumsch√§tzt: 10.000 Leben k√∂nnten jedes Jahr zus√§tzlich gerettet werden, wenn sich mehr Menschen Wiederbelebungsma√ünahmen zutrauen w√ľrden.

Keine Angst haben

Viele Menschen haben tatsächlich Angst, jemanden zu reanimieren, der das gar nicht benötigt, sagt Marcus Aust vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Er beruhigt: "Eigentlich kann man als Laie nichts falsch machen." Sei jemand nicht mehr ansprechbar und zeige keine normale Atmung, dann starte man die Reanimation.

Keine normale Atmung, das hei√üt vor allem: Wenn sich der Brustkorb innerhalb von zehn Sekunden nicht mehr sichtbar hebt und senkt. Und man auch keine Atemger√§usche h√∂rt und f√ľhlt, wenn man sein Ohr √ľber Nase und Mund des Betroffenen h√§lt.

Jeder Laie kann Leben retten

Bernd B√∂ttiger ist Direktor der Klinik f√ľr An√§sthesiologie und Operative Intensivmedizin am Uniklinikum K√∂ln und ist seit langer Zeit gegen den pl√∂tzlichen Herztod engagiert. Er sagt: "Wir k√∂nnen mit zwei H√§nden so viele Leben retten, das ist unglaublich."

Bis der Notarzt eintrifft, dauert es im Mittel acht bis zehn Minuten. Pumpt das Herz keinen Sauerstoff mehr durch den Körper, stirbt jedoch schon nach drei Minuten langsam das Gehirn ab. "Jeder Laie kann damit mehr tun als wir im Rettungsdienst oder im Krankenhaus", sagt Böttiger, "weil wir meist zu spät dazu kommen."

Umso wichtiger ist es, sich im Notfall daran zu erinnern: Einfach am Hörer bleiben und sich anleiten lassen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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