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Coronavirus aus China: Symptome, Verlauf und Ansteckung der Lungenkrankheit

Lungenkrankheit aus China  

Coronavirus: Symptome, Übertragung und Verlauf der Infektion

10.02.2020, 22:00 Uhr | mwe, AFP, rtr, dpa, nsa

Coronavirus: Was die Symptome sind und wie Sie sich schützen können

Das Coronavirus hat mittlerweile auch Europa erreicht. Dieses Video beantwortet die Fragen, durch welche Symptome sich das Virus beim Menschen äußert und wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen. (Quelle: dpa)

Kampf gegen das Coronavirus: Welche Symptome für eine Ansteckung sprechen und wie Sie sich schützen können. (Quelle: dpa)


Seit Wochen hält der Erreger einer neuen Lungenkrankheit die Welt in Atem. Die drastischen Maßnahmen in China wecken bei vielen Menschen Ängste. Langsam klären Forscher, wie ansteckend das neue Coronavirus ist – und wie gefährlich.

Die Zahl der Infektionen durch das neuartige Coronavirus aus China steigt stetig an. Täglich werden neue Todesfälle bekannt. Viele Menschen sind besorgt. Wie gefährlich ist das Virus?

Aktuelle Entwicklung: Coronavirus im Newsblog

Was ist über das Coronavirus bekannt?

Der Erreger 2019-nCoV zählt zur großen Familie der Coronaviren – so benannt, weil sie von zackenartigen Strukturen umgeben sind, die einer Krone ähneln. Harmlose Typen lösen oft nur leichte Erkältungsinfekte aus. Das neue Coronavirus hingegen kann zu Lungenentzündungen und schweren Atembeschwerden führen.

Viele Mediziner vergleichen es mit dem SARS-Erreger, der in den Jahren 2002/2003 eine Epidemie verursacht hatte. SARS steht für "Severe Acute Respiratory Syndrome", also Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten weltweit 8.096 Menschen, 774 von ihnen starben. Damals wurden 349 Todesfälle aus Festland-China gemeldet sowie 299 weitere aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong.

Wie wird das Virus übertragen?

Wie alle Coronaviren wurde auch der neue Erreger wohl zuerst von Tieren auf den Menschen übertragen. Gerade Säugetiere tragen Keime in sich, die auf den Menschen überspringen können. Als Quelle der neuen Coronaviren gelten unter anderem Fledermäuse und Flughunde. Auch Nutztiere haben in der Vergangenheit Coronaviren auf den Menschen übertragen.

Inzwischen ist allerdings sicher, dass das neue Virus auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann – und dass dies bereits möglich ist, bevor ein Infizierter selbst Symptome wie Fieber oder Husten entwickelt hat. Ob der Erreger über eine Tröpfcheninfektion oder auch durch eine Schmierinfektion übertragen werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie geht davon aus, dass man über einige Zeit Kontakt auf einer Entfernung unter einem Meter haben muss, um sich anzustecken. 

Ein Fall aus Wuhan hat zudem die Vermutung aufgebracht, dass das Virus auch von der Mutter auf das Neugeborene übertragen werden kann. Ein solcher Infektionsfall sei bei einem Säugling 30 Stunden nach der Geburt festgestellt worden, berichtete der Chef der Neugeborenenabteilung des Kinderkrankenhauses von Wuhan, Zeng Lingkong, nach Angaben der Nachrichtenagentur China News Service.

Coronavirus unter dem Mikroskop: Noch immer sind viele Fragen zur rätselhaften Lungenkrankheit aus China nicht beantwortet. (Quelle: dpa/Center for Disease Control/epa)Coronavirus unter dem Mikroskop: Noch immer sind viele Fragen zur rätselhaften Lungenkrankheit aus China nicht beantwortet. (Quelle: Center for Disease Control/epa/dpa)

Welche Symptome treten auf?

Nach derzeitigem Wissen kann das Virus für Fieber und Husten sorgen, auch heftigere Symptome wie eine Lungenentzündung können auftreten. "Die oberen Atemwege sind kaum betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen", erklärt der Berliner Virusforscher Christian Drosten. Weitere Symptome des Virus können Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Atemnot sein.

Die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – soll nach bisherigem Wissen 2 bis 14 Tage betragen. Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Infektion gibt es bislang nicht, lediglich die Symptome können mit Medikamenten abgemildert werden.

Sind Männer und ältere Menschen besonders gefährdet?

Bislang sind besonders viele ältere Menschen unter den Infizierten. Der inzwischen bekannt gewordene Fall eines infizierten Kindes in Deutschland ist somit eher ungewöhnlich. Mehrere kürzlich veröffentlichte Studien bestärken die Vermutung, dass sich ältere Menschen besonders häufig mit dem Virus infizieren. Zudem sind Männer offenbar etwas häufiger betroffen als Frauen – möglicherweise deshalb, weil Frauen grundsätzlich über eine etwas bessere Immunabwehr verfügen.

In einer im Fachblatt "Lancet" veröffentlichten Studie werteten chinesische Forscher den Verlauf der Krankheit bei knapp 100 infizierten Patienten aus Wuhan aus. Demnach waren die Betroffenen durchschnittlich knapp 60 Jahre alt. 67 Prozent von ihnen waren männlich. Die Auswertungen bekräftigen auch die bisherige Annahme, dass sich vor allem Menschen mit schweren Vorerkrankungen anstecken. Laut der Studie hatte die Hälfte der untersuchten Patienten eine chronische Vorerkrankung wie etwa Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

In einer weiteren Studie, die im "New England Journal of Medicine" (NEJM) erschienen ist, werteten Wissenschaftler aus China die Krankheitsverläufe von 425 Patienten aus Wuhan aus, deren Infektion bis zum 22. Januar bekannt geworden war. Auch hier lag das durchschnittliche Alter der Erkrankten bei rund 60 Jahren, 56 der 99 untersuchten Infizierten waren Männer. Unter den 425 Erkrankten war kein einziges Kind. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich Kinder nicht so leicht infizieren oder in der Regel nur sehr leichte Symptome entwickeln.

Woher stammt das Virus?

Das Coronavirus hat seinen Ursprung wahrscheinlich auf einem Fischmarkt in Wuhan, einer Stadt mit elf Millionen Einwohnern in der ostchinesischen Provinz Hubei.

"Man nimmt an, dass die Quelle auf diesem Markt verkaufte Tiere waren", sagte Arnaud Fontanet, Leiter der Abteilung für die Epidemiologie neu auftretender Krankheiten am Pariser Pasteur-Institut. Der Markt wurde zu Jahresbeginn geschlossen und desinfiziert.

Sind die Gefahren mit SARS vergleichbar?

Derzeit gilt der neue Erreger als weniger gefährlich als der SARS-Erreger. Sollte das Coronavirus, wie damals SARS, mutieren, könne sich dies aber ändern. Zeng Guang, ein Experte der staatlichen Gesundheitskommission in China, geht derzeit davon aus, dass sich die Lage mit Einsetzen des wärmeren Wetters bessern werde, welches "der Verbreitung von ansteckenden Atemwegserkrankungen nicht förderlich" sei.

Wissenschaftler in Nordamerika nehmen auf Grundlage der ersten erhältlichen Daten an, dass mindestens mehrere Zehntausend Menschen von dem Virus betroffen sein werden und die Epidemie noch mindestens mehrere Monate andauern wird. "Im besten Fall" werde die Epidemie "über den Frühling bis in den Sommer andauern und dann abebben", sagte David Fisman von der Universität von Toronto der Nachrichtenagentur AFP. "Das ist nichts, was nächste Woche vorbei ist oder nächsten Monat", erklärte auch Alessandro Vespignani von der Northeastern University in Boston. Er gehört einer Wissenschaftlergruppe an, die online neue Erkenntnisse zu dem Virus zusammenträgt.

Ansteckung und Krankheitsverlauf während der SARS-Pandemie 2002/2003

Droht nun eine Pandemie?

"Angesichts der weltweiten Reisegewohnheiten sind neue Fälle in anderen Ländern wahrscheinlich", urteilt die WHO. Um die Krankheit einzudämmen, muss schnell ihre Quelle gefunden werden. Deswegen werden derzeit in der Region Wuhan unterschiedliche Tiere untersucht, wie Raina MacIntyre von der University of New South Wales in Sydney sagt. Dabei könnten sich weitere Tiermärkte als Infektionsherde erweisen.

Die WHO warnt trotz der weiteren Verbreitung des Coronavirus vor Panikmache. Auch deutsche Gesundheitspolitiker betonten weiterhin, dass Deutschland gut auf mögliche Infektionsfälle vorbereitet sei. Es gebe "klare Pandemiepläne, regelmäßige Übungen sowie die Ressourcen, um schnell und effektiv zu reagieren", heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler bereits an der Entwicklung eines Impfstoffs. Auch Russland und China arbeiten nach russischen Angaben inzwischen zusammen an einem Gegenmittel, teilte das russische Konsulat im chinesischen Guangzhou mit. Um internationale Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu unterstützen, haben die chinesischen Behörden früh die Gensequenz des Erregers veröffentlicht. Dadurch konnte schnell ein Test zur Identifizierung von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus entwickelt werden.

Reisewarnung: Zum chinesischen Neujahrsfest sind üblicherweise besonders viele Menschen im Land auf Reisen. (Quelle: Reuters/Kim Kyung-Hoon)Reisewarnung: Zum chinesischen Neujahrsfest sind üblicherweise besonders viele Menschen im Land auf Reisen. (Quelle: Kim Kyung-Hoon/Reuters)

Was müssen Reisende beachten?

Immer mehr Airlines, unter anderem die Lufthansa, British Airways und American Airlines, haben inzwischen wegen sinkender Buchungszahlen Flüge nach China für einen begrenzten Zeitraum gestrichen. Die Flughäfen in Deutschland sehen sich gut gerüstet gegen das neuartige Coronavirus aus China.

Mittlerweile wurde aber entschieden, dass ein Flugzeug mit möglicherweise infizierten Menschen an Bord in Deutschland nur fünf Flughäfen ansteuern darf. Dabei handelt es sich laut dem Flughafenverband ADV um Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Berlin. Die Gesundheitsvorschriften der WHO sehen demnach vor, dass diese fünf Airports zum Schutz der öffentlichen Gesundheit sogenannte Kernkapazitäten vorhalten müssen.

Teilreisewarnung für die Provinz Hubei

Das Auswärtige Amt hat in seinen Reisehinweisen für China eine Teilreisewarnung für die chinesische Provinz Hubei ausgesprochen. Es ruft Reisende zudem dazu auf, den Kontakt mit kranken Menschen und Tieren zu vermeiden, keine Märkte mit Tierprodukten aufzusuchen und "auf eine adäquate Handhygiene" zu achten. Bei Fieber und Anzeichen einer Atemwegsinfektion solle sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Die chinesischen Behörden haben seit dem 23. Januar 2020 Reisebeschränkungen für Wuhan und andere Städte der Provinz Hubei erlassen. Eine Ausreise mit Zug, Flug, Bus oder Fähre ist aktuell nicht möglich. Auch andere Provinzen Chinas haben die Reise- und Bewegungsfreiheit in unterschiedlichem Ausmaß eingeschränkt. Dies hat zunehmend auch Einfluss auf den Fernreiseverkehr.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters
  • Robert Koch-Institut: "Coronavirus"
  • New England Journal of Medicine: "Early Transmission Dynamics in Wuhan, China, of Novel Coronavirus–Infected Pneumonia"
  • The Lancet: "Epidemiological and clinical characteristics of 99 cases of 2019 novel coronavirus pneumonia in Wuhan, China: a descriptive study"
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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