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QuarantÀne: China riegelt Millionenstadt Wuhan ab

dpa, Von Carsten Hoffmann

Aktualisiert am 23.01.2020Lesedauer: 3 Min.
Passagiere werden mit einem Thermoscanner auf Symptome des Coronavirus untersucht (Archivbild): China hat die Millionenstadt Wuhan wegen des Ausbruchs abgeriegelt.
Passagiere werden mit einem Thermoscanner auf Symptome des Coronavirus untersucht (Archivbild): China hat die Millionenstadt Wuhan wegen des Ausbruchs abgeriegelt. (Quelle: Aaron Favila/dpa-bilder)
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Die Millionenmetropole Wuhan, in der das Virus ursprĂŒnglich ausgebrochen war, steht praktisch unter QuarantĂ€ne. Die Bewohner sollen nur noch mit Masken auf die Straße gehen. Derweil steigt die Zahl der nachgewiesenen Erkrankungen weiter an.

Die chinesische Regierung hat die besonders schwer von der neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan praktisch abgeriegelt. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, werden seit Donnerstagmorgen FlĂŒge, ZĂŒge, FĂ€hren und Fernbusse gestoppt. Bewohner Wuhans wurden aufgefordert, die zentralchinesische Stadt nicht mehr zu verlassen. Auch der Nahverkehr mit U-Bahnen und Bussen wurde demnach eingestellt. In Wuhan, wo das neuartige Coronavirus vermutlich auf einem Tiermarkt ausgebrochen war, leben rund elf Millionen Menschen. Wie es in der Stadt aktuell aussieht, sehen Sie oben im Video.

Mitarbeiterinnen verkaufen in einer Apotheke Atemschutzmasken.
Mitarbeiterinnen verkaufen in einer Apotheke Atemschutzmasken. (Quelle: /dpa-bilder)

Zudem wurden die Menschen aufgefordert, nur noch mit Schutzmasken in die Öffentlichkeit zu gehen. Wer in Hotels, Restaurants, Einkaufszentren oder Parks keine Maske trage, werde bestraft, berichtete die Zeitung "China Daily". Wuhan ist von der Krankheit besonders schwer betroffen. Das Virus hat sich aber mittlerweile in großen Teilen Chinas und auch ĂŒber die Landesgrenzen hinaus verbreitet. Die Krankheit war bereits in Japan, SĂŒdkorea, Taiwan, Thailand und den USA nachgewiesen worden.

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WHO will am Donnerstag erneut tagen

Weil immer mehr Menschen mit Grippesymptomen auf das neue Virus getestet werden, nimmt die Zahl der bestÀtigten FÀlle weiter zu. Bis Donnerstag wurde das Virus bei 571 Menschen nachgewiesen, wie die chinesische Gesundheitsbehörde berichtete. Darunter sind demnach 95 schwere FÀlle, die alle in der Provinz Hubei mit der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan liegen.

In Sumatra kontrolliert und scannt ein Flughafenmitarbeiter Passagiere aus China.
In Sumatra kontrolliert und scannt ein Flughafenmitarbeiter Passagiere aus China. (Quelle: /imago-images-bilder)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief trotz der rasanten Zunahme von nachgewiesenen Infektionen mit dem neuen Virus vorerst keine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" aus. Der Notfallausschuss, der die WHO berĂ€t, sah dafĂŒr am Mittwoch keinen Anlass, wollte aber am Donnerstag erneut tagen. Der Notfallausschuss empfahl, den Informationsaustausch unter den Staaten weiter zu verbessern, wie der Vorsitzende Didier Houssin sagte. Allerdings seien sich die Mitglieder des Notfallausschusses in der Beurteilung der Situation nicht einig gewesen.

Impfstoff wohl erst in einem Jahr verfĂŒgbar

Mit einer offiziellen "Notlage" wĂ€ren weitere konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden gewesen, um die Ausbreitung ĂŒber Grenzen hinweg möglichst einzudĂ€mmen. Zu solchen Empfehlungen kann beispielsweise gehören, dass Reisende auf Krankheitssymptome geprĂŒft werden und dass medizinisches Personal besser geschĂŒtzt wird.

BĂŒrger kaufen GemĂŒse auf einem Markt in Wuhan: Vermutlich wurde das Virus auf einem solchen Markt von einem Wildtier auf den Menschen ĂŒbertragen.
BĂŒrger kaufen GemĂŒse auf einem Markt in Wuhan: Vermutlich wurde das Virus auf einem solchen Markt von einem Wildtier auf den Menschen ĂŒbertragen. (Quelle: /dpa-bilder)

Die globale Impfallianz Gavi rechnet derweil damit, dass die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die neue Lungenkrankheit mindestens ein Jahr dauern wird. Noch seien die Gefahren durch das Coronavirus auch schwer abzuschĂ€tzen, sagte der Gavi-GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Epidemiologe Seth Berkley der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die gute Nachricht ist, dass Forscher das Genom des Virus bereits sequenziert und veröffentlicht haben. Das hat es mehreren Organisationen rund um die Welt möglich gemacht, mit der Arbeit an einem Impfstoff zu beginnen", sagte er.

Bundesregierung sieht "sehr geringes" Gesundheitsrisiko fĂŒr Deutschland

Impfstoffe, die gegen Coronaviren schĂŒtzen, seien weitaus leichter zu entwickeln als Vakzine gegen Krankheiten wie Malaria oder HIV. "Trotzdem wird es bis zu ersten klinischen Versuchen Monate dauern und mindestens ein Jahr, bevor ein Impfstoff zur Anwendung verfĂŒgbar ist", sagte Berkley.

In Europa gab es bis Mittwoch keine Nachweise der Krankheit. FĂŒr die Menschen in Deutschland besteht nach EinschĂ€tzung der Bundesregierung ein "sehr geringes" Gesundheitsrisiko. Es gebe keinen Grund, jetzt in Alarmismus zu verfallen, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die EU-PrĂ€ventionsbehörde ECDC sprach von einem moderaten Risiko, dass der Erreger in die EuropĂ€ische Union eingeschleppt werde. Noch sei unklar, wie schwerwiegend und wie tödlich die Krankheit sei, meinte ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

Weitere Ausbreitung bei chinesischem Neujahrsfest befĂŒrchtet

Es wird vermutet, dass die Quelle des Coronavirus ein Wildtier auf einem Fischmarkt in Wuhan war. Es wurde nach Expertenmeinung zunĂ€chst vom Tier auf den Menschen ĂŒbertragen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam. Mit der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wĂ€chst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. Bei der grĂ¶ĂŸten jĂ€hrlichen Reisewelle des Landes sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.

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Das neue Virus gehört zur selben Art wie das, das 2002/2003 die Sars-Pandemie ausgelöst hat. Damals kamen etwa 800 Menschen dadurch ums Leben. Das neue Virus soll nach derzeitigem Stand eine harmlosere Variante sein. Sars-Viren gehören zu den Coronaviren, die oft harmlose Erkrankungen wie ErkĂ€ltungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefĂ€hrlicher Atemwegskrankheiten wie Mers dazu. Eine Pandemie ist eine lĂ€nder- und kontinentĂŒbergreifende Ausbreitung einer Infektionskrankheit.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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