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Coronavirus: Wer könnte ein gefährlicher "Superspreader" sein?

Corona-Infektionswege  

Welche Risikogruppen besonders gefährdet sind

Von Melanie Weiner, Manfred Schäfer, Nicole Sagener, Sandra Simonsen, Anna Aridzanjan

02.07.2020, 16:23 Uhr
Corona-Lockerungen: Warum Abstandhalten jetzt umso wichtiger ist

Die Corona-Schutzmaßnahmen in Deutschland werden in den kommenden Wochen gelockert. Ein Experiment der Bauhaus-Universität Weimar zeigt, warum Abstandhalten dadurch umso wichtiger wird. (Quelle: t-online.de)

Im Video: Dieses Experiment zeigt, warum das Abstandhalten in der Öffentlichkeit auch bei gelockerten Corona-Maßnahmen so wichtig ist. (Quelle: t-online.de)


Mit den ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Deutschland sinkt bei einigen Menschen die Sorge vor dem Virus. t-online.de erklärt, warum Vorsicht noch immer wichtig ist, welche Risikogruppen besonders gefährdet sind und wer das Coronavirus unbewusst verbreitet.

Trotz zahlreicher Lockerungen der Corona-Maßnahmen ist das Virus weiterhin ein wichtiges Thema in Deutschland und auf der ganzen Welt. Viele fragen sich, wie gefährlich Covid-19 ist, wie sie sich am besten schützen können und wer besonders betroffen sein könnte. t-online.de gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was sind "Superspreader" und wie gefährlich sind sie?

Einige Menschen könnten das Coronavirus viel stärker verbreiten als andere, sagen Gesundheitsexperten. Diese werden als Superspreader (Superverbreiter) bezeichnet. Sie sind mit dem Virus infiziert und geben dieses – meist unwissentlich – an deutlich mehr Menschen weiter als der Durchschnittsbürger.

Wie genau ein Mensch zum Superspreader wird, darüber ist noch wenig bekannt. Biologische Ursachen wie ein geschwächtes Immunsystem werden genauso diskutiert wie das Verhalten und das Umfeld der Person.

Fest steht: Eine wesentliche Rolle bei der Ausbreitung des Virus spielt laut Experten das eigene Sozialverhalten. Menschen, die sich nicht sozial isolieren und Menschenmassen nicht meiden, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Coronavirus anzustecken und es anschließend an andere weiterzugeben.

Junge Menschen tragen wohl besonders zur Verbreitung bei

Untersuchungen aus Südkorea zeigen, dass junge Menschen dort die Hauptträger des Coronavirus sind. Sie könnten wesentlich zur Verbreitung des Virus beitragen, da viele von ihnen ihr Verhalten der Krise nicht ausreichend anpassen und weiterhin soziale Kontakte pflegen. Die meisten jungen Menschen zählen nicht zur Risikogruppe von Covid-19, doch viele gefährden besonders alte und kranke Personen, die vor dem Virus geschützt werden müssen.

Auch in Europa konnten solche sogenannten "Cluster" beobachtet werden. Hier traten sie auf Kreuzfahrtschiffen oder im Skiort Ischgl auf. In Deutschland gab es massive Fälle beim Fleischverarbeiter Tönnies (Gütersloh), in einer Kirche (Baptistengemeinde Frankfurt), in einem Restaurant (Familienfeier in Niedersachsen) oder beim Zuckerfest (Wohnblock in Göttingen) auf. Dabei infizieren wenige Menschen oder manchmal eine einzelne Person viele weitere. Daher sind unter anderem Großveranstaltungen, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, auch weiterhin verboten.

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Infektionen mit dem Coronavirus können sehr unterschiedlich verlaufen. Laut einer von Chinas Gesundheitsbehörde Mitte Februar vorgestellten Analyse führt der Erreger bei mehr als 80 Prozent der infizierten Menschen lediglich zu erkältungsähnlichen Symptomen. Wie schwer die Erkrankung verläuft, hängt offenbar auch vom Alter der Betroffenen ab. Kinder und gesunde Erwachsene entwickeln in der Regel nur milde Symptome wie Schnupfen und leichtes Fieber oder bemerken nicht einmal, dass sie sich angesteckt haben.


Bei Menschen über 80 Jahren liegt die in der offiziellen chinesischen Analyse errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. Auch bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen ist das Risiko für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf höher. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa zwei von 1.000 Betroffenen.

Der Anteil der Verstorbenen unter den Gesamtinfizierten (Letalität) wurde für Europa auf 10,5 Prozent geschätzt. In Deutschland liegt die Letalität laut RKI aktuell bei 4,6 Prozent. Eine Studie aus China schätzte den Fall-Verstorbenen-Anteil in einer Patientengruppe von 1.099 Personen auf 8,1 Prozent unter schweren Erkrankungen (Beatmung oder Sepsis) und 0,1 Prozent bei leichten Erkrankungen. Unter Patienten mit sehr schwerem Verlauf (ITS oder Lungenversagen) lag der Fall-Verstorbenen-Anteil bei 22 Prozent.

Große Unterschiede bei den Sterberaten

Allerdings werden mit der zunehmenden Ausbreitung von SARS-CoV-2 deutliche Unterschiede bei den Sterberaten je nach Land sichtbar. Experten vermuten hinter den sehr unterschiedlichen Zahlen mehrere Ursachen: Zum einen spielt die Altersstruktur der Bevölkerung eine Rolle. Je mehr Ältere es gibt, desto höher liegt statistisch die Sterberate. Zudem dürften die Ausstattung der Krankenhäuser sowie die Häufigkeit der Tests eine Rolle spielen.

Was unterscheidet Covid-19 von einer Grippe oder einer Allergie?

Wenn Sie vermuten, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, kontaktieren Sie bitte zunächst Ihren Arzt, rufen Sie die Telefonnummer 116117 oder lokale Corona-Hotlines an. Fragen Sie auch nach, ob das zuständige Gesundheitsamt informiert werden muss.

Erste Hinweise, ob es sich um Covid-19 oder möglicherweise eine Grippe oder eine Allergie handelt, können Sie der folgenden Übersicht entnehmen. 

Coronavirus oder Grippe? Das sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten:

Das Coronavirus gilt laut aktuellem Wissenstand als leichter übertragbar als das Grippevirus. Die Ansteckungsrate von Covid-19 ist nach der bisherigen Datenlage höher als bei Influenza. Beide Viren werden hauptsächlich per Tröpfcheninfektion übertragen. Das heißt, es kann beim Sprechen, Niesen, Husten oder Singen oder auch beim Händeschütteln von einem Menschen auf den anderen übergehen.

Die anfänglichen Symptome der Grippe und des neuen Coronavirus ähneln sich bei vielen Patienten. Zu Beginn zeigen sich wie bei einer Grippe auch bei der Lungenkrankheit Covid-19 oft Erkältungssymptome.

Bei der Grippe setzt das Krankheitsgefühl sehr plötzlich ein. Das RKI nennt Symptome wie:

  • Schnupfen
  • Fieber
  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • allgemeine Schwäche
  • Schweißausbrüche

Bei Covid-19 scheint die Symptomatik nach bisherigen Erkenntnissen teilweise ähnlich. Jedoch kann sie sogar völlig ohne Symptome verlaufen. In vielen Fällen treten zunächst Fieber, Kopfschmerzen, trockener Husten und Atemnot sowie sowie Geruchs- und Geschmacksverlust auf. Weitere Symptome können Schüttelfrost, Lymphknotenschwellungen und Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall sein. Auch typische Grippesymptome wie Kopfschmerzen, Schnupfen oder Halskratzen können laut Robert Koch-Institut dazugehören. Einige Betroffene entwickeln zudem einen Hautausschlag

Die Viren können aber auch – anders als bei einer Grippe oder SARS-Infektion – die unteren Atemwege infizieren und bei manchen Betroffenen zu einer Lungenentzündung führen. Besonders ältere oder immungeschwächte Menschen sind davon gefährdet. 


Corona-Infektion: Sind Grippe-Infizierte besonders gefährdet?

Grundsätzlich ist es möglich, dass Menschen gleichzeitig an Covid-19 und an einer Grippe erkranken, da beide Erkrankungen von verschiedenen Viren verursacht werden. Influenzaviren lösen die Grippe, Coronaviren die Lungenkrankheit Covid-19 aus.

Wer eine Grippe hat, dessen körpereigene Abwehrkräfte sind geschwächt. Dadurch ist auch das Risiko erhöht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und schwer zu erkranken. Denn kommt eine Infektion mit dem Coronavirus hinzu, muss das Immunsystem gegen zwei Krankheitserreger gleichzeitig ankämpfen.

Generell zählen Patienten mit Vorerkrankungen beziehungsweise einem geschwächten Immunsystem zu den Risikogruppen für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung. Für sie kann eine Infektion lebensgefährlich sein.

Mediziner raten deshalb vor allem gefährdeten Personen, sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen zu lassen. Beide Erkrankungen können Lungenentzündungen hervorrufen.

Coronavirus oder Allergie? Das sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten:

Nicht nur das Coronavirus breitet sich rasant aus, im Frühling und Sommer ist auch Pollensaison, die bei vielen Menschen für Schnupfen und Husten sorgt. Daran merken Sie, wovon Sie betroffen sind.

Die Lungenkrankheit Covid-19 ruft teils ähnliche Beschwerden wie eine Allergie hervor. Dazu zählen trockener Husten und manchmal auch Kopfschmerzen.

Einer der größten Unterschiede zwischen den Covid-19-Symptomen und denen einer saisonalen Allergie sind nasale Symptome. "Neben Niesen, Naselaufen und verstopfter Nase klagen Allergiker meistens über Augenjucken. Das kommt bei Infekten inklusive Covid-19 nicht vor", erklärt der Allergologe Prof. J. Kleine-Tebbe.

Entscheidend kann zudem das Krankheitsgefühl sein. Corona-Infizierte leiden dem Robert Koch-Institut zufolge häufig unter Fieber und fühlen sich müde und schwach. Allergiker hingegen fühlen sich nicht wirklich krank. "Außerdem sind Infektsymptome dauerhaft – also den ganzen Tag – vorhanden und nicht wie bei Allergien spontan einsetzend mit Pausen dazwischen", sagt Prof. Kleine-Tebbe.

Corona-Infektion: Sind Allergiker besonders gefährdet?

Experten vermuten, dass das Infektrisiko bei einigen Allergikern leicht erhöht ist. Denn wer Heuschnupfen und allergisches Asthma hat, ist durch die entzündlichen Reaktionen, die im Körper stattfinden, generell etwas anfälliger für Viren. Das gilt zum Beispiel für Rhinoviren (Krankheitserreger, die Schnupfen und Erkältungen auslösen) oder das Influenzavirus. Das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 könnte deshalb bei Allergikern – ähnlich wie bei Rauchern – leicht erhöht sein. Es gibt allerdings bisher keine Beweise dafür.

Bei welchen Vorerkrankungen sind Infizierte besonders gefährdet?

Bei bestimmten Risikogruppen ist die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf erhöht. Neben dem Alter (ab etwa 60 Jahren nimmt das Risiko für einen schweren bis lebensgefährlichen Verlauf der Krankheit stetig zu) scheinen vor allem diese Vorerkrankungen für Infizierte besonders gefährlich zu sein:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (etwa koronare Herzerkrankung oder Bluthochdruck
  • chronische Erkrankungen der Lunge (etwa COPD)
  • chronische Lebererkrankungen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Krebserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen (etwa entzündliches Rheuma oder Multiple Sklerose)
  • Adipositas

Zu den Risikogruppen gehören außerdem Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, sei es aufgrund einer Erkrankung oder der Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen oder herabsetzen können, etwa Cortison. Auch Raucher scheinen anfällig für einen vergleichsweise schweren Infektionsverlauf zu sein.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Ältere?

Laut aktuellem Forschungsstand gehören ältere Menschen zu den Risikogruppen. Sie sind besonders häufig unter den Infizierten und können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken. Da unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber die Antwort des Immunsystems auf eine Infektion sind, können diese im Alter schwächer ausfallen oder fehlen, wodurch Erkrankte dann auch erst später zum Arzt gehen.

Ab etwa 50 bis 60 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf einer Infektion mit dem Coronavirus stetig. 86 Prozent der Menschen, die in Deutschland an Covid-19 gestorben sind, waren laut Angaben den Robert Koch-Instituts 70 Jahre oder älter. 

"Wir müssen die älteren Menschen schützen", sagte auch der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, Christian Drosten, in einem seiner NDR-Podcasts "Coronavirus-Update". Drosten zählt Menschen ab dem Rentenalter – also ab etwa 65 Jahren – zur Risikogruppe einer Coronavirus-Infektion. 

Gerade diese Altersgruppe sollte verstärkt Vorsichtsmaßnahmen treffen, um sich einer möglichen Infektionsgefahr nicht weiter auszusetzen. Dazu gehört etwa, auf Betreuung und Besuch der Enkelkinder zu verzichten sowie öffentliche Verkehrsmittel und Kontakt zu haushaltsfremden Menschen zu meiden. Viele Städte und Gemeinden bieten Nachbarschaftshilfen an, etwa Einkaufsservice für Risikogruppen, bei denen die Einkäufe dann kontaktlos vor der Haustür abgestellt werden. 

Wie gefährlich ist Covid-19 für Kinder?

Die Ergebnisse verschiedener Studien zur Rolle von Kindern in der Coron<-Pandemie sind nach wie vor uneindeutig. Während einige Wissenschaftler davon ausgehen, dass Kinder weniger ansteckend sein könnten, als Erwachsene, belegen andere Wissenschaftler das Gegenteil. 

Vom Robert Koch-Institut (RKI) heißt es dazu: "In der Zusammenschau der bisher erhobenen Daten scheinen Kinder etwas weniger empfänglich für eine SARS-COV-2-Infektion zu sein und spielen im Übertragungsgeschehen möglicherweise eine geringere Rolle als Erwachsene." Allerdings hätten erste Studien zur Viruslast bei Kindern keinen wesentlichen Unterschied zu Erwachsenen gezeigt.

Das RKI mahnt darum: Auch wenn Kinder möglicherweise eine geringere Empfänglichkeit für eine Infektion aufweisen, bestünden bei ihnen andererseits im Alltagssituation meist häufigere und engere physische Kontakte, die eine Übertragung begünstigen können. Zudem seien die meisten Studien im Lockdown durchgeführt wurden., so das RKI. "Sie lassen daher keine Rückschlüsse auf die Normalsituation mit geöffneten Bildungseinrichtungen zu."

Was den Verlauf der Erkrankung bei Kindern betrifft, sind die Daten hingegen eindeutiger: Offensichtlich verläuft Covid-19 bei Kindern in der Regel sehr mild oder symptomfrei. Das unterscheidet den neuen Erreger klar von der Influenza und anderen Atemwegserkrankungen, die für Kinder oft besonders riskant sind.

Kleinkind hustet: Wie gefährlich das Coronavirus für Kinder ist, bleibt umstritten.  (Quelle: Getty Images/StephanieFrey)Kleinkind hustet: Wie gefährlich das Coronavirus für Kinder ist, bleibt umstritten. (Quelle: StephanieFrey/Getty Images)

In einzelnen Fällen wurden inzwischen jedoch insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, aber auch bei Jugendlichen schwere Verläufe beobachtet. US-Forscher veröffentlichten Ende Juni im Fachblatt "New England Journal of Medicine" zwei ausführlichere Studien zu einem Syndrom, das im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen auftritt.

Das sogenannte pädiatrische entzündliche Multisystem-Syndrom, abgekürzt MIS-C, tritt demnach erst einige Wochen nach einer Corona-Infektion auf und geht bei vielen Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen und Durchfall einher. Häufig tritt auch Hautausschlag auf, insbesondere die Kinder ab vier oder fünf Jahren. Alle Betroffenen hatten den Studien zufolge Fieber, oft mehr als vier oder fünf Tage lang. Bei 80 Prozent der Betroffenen traten Herz-Kreislauf-Probleme auf, acht bis neun Prozent der Kinder entwickelten ein Aneurysma an den Herzarterien, also eine potenziell gefährliche Erweiterung der Arterien.

Die Studien zeigen aber auch, dass dass MIS-C nur sehr selten auftritt: Zwei von 100.000 Menschen unter 21 Jahren litten demnach daran.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Schwangere?

Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Schwangere durch das Coronavirus gefährdeter sind als andere Frauen. Darauf weisen der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) hin.

Ob Schwangere das Virus an ihr ungeborenes Kind weitergeben können, ist zwar zurzeit noch nicht abschließend geklärt. Laut dem britischen Royal College of Obstetricians & Gynaicologists gibt es jedoch bislang "keine Anzeichen, die auf ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko hindeuten". Es gebe demnach auch "keine Hinweise darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übergehen kann" und so beim Baby zu Fehlbildungen führe.

Zur Ausprägung von Symptomen schreibt das Robert Koch-Institut:  "Schwangere SARS-CoV-2-Infizierte scheinen seltener Symptome zu entwickeln. In einer Screening-Untersuchung von 215 Frauen im dritten Trimester wurden 33 Frauen (15 Prozent) positiv getestet, aber nur vier (12 Prozent) hatten Symptome. In einer weiteren Studie entwickelten schwangere Frauen im Vergleich zur Kontrollgruppe seltener Fieber. 

Schwangere: Gerade für werdende Mütter und Eltern von Säuglingen stellen sich viele Fragen zum Coronavirus.  (Quelle: Getty Images/Antonio_Diaz)Schwangere: Gerade für werdende Mütter und Eltern von Säuglingen stellen sich viele Fragen zum Coronavirus. (Quelle: Antonio_Diaz/Getty Images)

Ob Covid-19 für ungeborene Kinder gefährlich ist, kann die derzeitige Forschung noch nicht eindeutig beantworten. Grundsätzlich kann hohes Fieber der Schwangeren während des ersten Trimesters der Schwangerschaft das Risiko für Komplikationen und Fehlbildungen erhöhen, so das Robert Koch-Institut. 

Wie verhalte ich mich als Schwangere bei Symptomen, die auf Covid-19 hinweisen?

Bei Symptomen wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden sollten betroffene Frauen telefonisch ihren Arzt oder die Klinik kontaktieren. Der Arzt entscheidet, ob und welche weiteren Maßnahmen nötig sind. Keinesfalls sollten Schwangere ohne Rücksprache mit dem Arzt eigenständig zu Medikamenten greifen.

Wie gefährlich ist Covid-19 für Männer?

Dass Covid-19 bei älteren Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen häufiger schwer verläuft, ist offenbar gesichert. Erste große Analysen und die Fallzahlen aus verschiedenen Ländern fördern zudem eine weitere Auffälligkeit zutage: Bei Männern scheint die Erkrankung häufiger tödlich zu verlaufen als bei Frauen.

So zeigte der Ende Februar veröffentlichte Seuchenbericht des Chinese Center for Disease Control and Prevention zur Ausbreitung des neuartigen Coronavirus anhand von Daten von mehr als 40.000 Covid-19-Patienten: Die Zahl der infizierten Männer (22.981) und Frauen (21.691) war zwar etwa gleich groß. Die Sterblichkeitsrate lag bei den Männern allerdings mit 2,8 Prozent wesentlich höher als bei den Frauen (1,7 Prozent). 

Auch in Deutschland sterben mehr Männer im Zusammenhang mit SARS-CoV-2

Die höhere Sterberate bei Männern beschränkt sich nicht nur auf China, sondern zeigt sich auch hierzulande immer deutlicher. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (Stand 4. Juni)  waren Frauen
(52 Prozent) und Männer (48 Prozent) annähernd gleich häufig von Covid-19 betroffen. Unter den Todesfällen sind jedoch etwas mehr Männer (55 Prozent) als Frauen (45 Prozent).

Schon bei der durch ein Coronavirus verursachten SARS-Epidemie war in Hongkong ein ähnlicher Trend beobachtet worden: Damals lag einer im Fachmagazin "Annals of Internal Medicine" veröffentlichten Studie zufolge die Sterblichkeitsrate bei männlichen SARS-Infizierten 50 Prozent höher als bei den Frauen.

Das männliche Immunsystem ist anders

Dass die Sterberate bei Männern höher liegt, erklären viele Experten damit, dass Frauen grundsätzlich über eine etwas bessere Immunabwehr verfügen. In einem Bericht der "New York Times" Ende Februar erläuterte die Forscherin Sabra Klein, die unter anderem Geschlechtsunterschiede bei Virusinfektionen untersucht: "Wir haben dieses Muster bereits bei vielen Atemwegserkrankungen gesehen. Frauen können sie besser bekämpfen." 

Nicht nur ein schwächeres Immunsystem, sondern auch ein bei Männern anderer Lebensstil könnte zudem eine Rolle spielen. So ernähren sich Männer im Schnitt ungesünder als Frauen, trinken mehr Alkohol und rauchen häufiger, was wiederum das Risiko etwa für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Herzerkrankungen erhöht. "In China rauchen 50 Prozent der Männer, aber nur zwei Prozent der Frauen." Sind die Lunge und die Atemwege vorgeschädigt, könne das womöglich das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöhen, meint auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Mit abschließender Sicherheit lasse sich das aber noch nicht beurteilen.


Wie gefährlich ist Covid-19 für Raucher?

Grundsätzlich gehören Raucher zu den Risikogruppen. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit Covid-19 erhöht ist. "Studien aus China und USA zeigen, dass diese Gefahr bei häufig tabakbedingten Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen und Krebs höher ist", sagte Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Einzelne Studien verwiesen auf eine erhöhte Mortalität für diese Gruppe.

Es ist zwar noch nicht ganz klar, ob durch das Rauchen die Infektionsgefahr steigt. Es spreche aber vieles dafür, so Prof. Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. "Raucher haben grundsätzlich ein höheres Risiko, Virusinfektionen zu erleiden", sagte der Experte. 

Der Grund dafür: Durch die Belastung des Rauchens sind die Abwehrkräfte des Bronchialsystems eingeschränkt. Viren und Co. haben so leichteres Spiel. "Das wissen wir aus dem klinischen Alltag – bei dem aktuellen Coronavirus ist es aber noch nicht nachgewiesen."

Mehr Informationen gibt es dagegen zum Verlauf der Krankheit. "Da haben wir aus Wuhan relativ eindeutige Daten", so Pfeifer. "Die geben zumindest einen Hinweis darauf, dass das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs mit einer echten Lungenentzündung deutlich höher ist."

"Eine Vorschädigung der Lunge und der Atemwege könnte womöglich ein Co-Faktor für einen schweren Verlauf von Covid-19 sein", sagt auch der Virologe Hendrik Streeck im März im Gespräch mit t-online.de. Aber auch er mahnt zur Vorsicht: Sicher lasse sich das aber noch nicht sagen – "sowohl virologisch als auch epidemiologisch haben wir noch keine Daten", so Streeck.

Ist es also sinnvoll, wegen des Coronavirus mit dem Rauchen aufzuhören? Erstens lohne sich das natürlich immer – unabhängig von Corona. Aber tatsächlich, meint der Experte Michael Pfeifer, könne ein solcher Schritt jetzt noch Wirkung haben: "Es ist durchaus möglich, das Krankheitsrisiko und den Krankheitsverlauf auch jetzt noch zu beeinflussen, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Es macht immer einen Unterschied, ob man aktiver oder ehemaliger Raucher ist."

Coronavirus-Fälle: Wer hat Vorrang bei der Behandlung?

Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft sind die deutschen Krankenhäuser für Epidemien und Pandemien gerüstet, verfügen über Isolierzimmer und hervorragend ausgebildetes Personal. Außerdem seien alle Krankenhäuser in die Katastrophenpläne der Länder eingebunden.

Mehr als 32.000 Intensivbetten stehen insgesamt bereit, um Patienten zu versorgen. Diese sind im Durchschnitt zu 80 Prozent ausgelastet, teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft auf Anfrage von t-online.de mit. Viele Kliniken haben jedoch mittlerweile zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Das heißt, grundsätzlich ist die Versorgung von Corona-Patienten mit schwerem Verlauf sichergestellt, sofern es keine Infektionswelle mit zu hohen Patientenzahlen gibt.

Patienten sind voraussichtlich vor allem Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und angeschlagenem Immunsystem. Wie auch vom Bundesgesundheitsminister immer wieder betont, sei es aber wichtig, die Zahl der gleichzeitig schwer erkrankten Personen so gering wie möglich zu halten.

Viele Kliniken in Deutschland sind zudem in der Lage, innerhalb von 24 Stunden weitere Intensivbetten zu schaffen. Einen Überblick dazu bietet die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

Krankenhauszahlen Deutschland: 
497.000 Betten insgesamt
32.000 Intensivbetten
Ca. 50 Unterdruckzimmer 
1.200 Intensivstationen

Wer bei zu wenigen Betten und zu vielen Patienten Vorrang bei einer Behandlung hat, muss immer im Einzelfall vom medizinischen Personal entschieden werden. Es folgt dabei dem System der Triage: Die Ärzte bewerten bei Kapazitätsengpässen, wie hoch die Überlebenschancen der einzelnen Patienten sind.

Bei der Behandlung der Covid-19-Patienten werde der Deutschen Krankenhausgesellschaft zufolge darauf geachtet, dass diese möglichst wenig Kontakt mit anderen Patienten haben. Da es noch keine Therapie gegen die Lungenkrankheit Covid-19 gibt, arbeiten die Krankenhäuser mit begleitenden Maßnahmen, bekämpfen Folgeerkrankungen, halten die Flüssigkeitsversorgung aufrecht oder geben den Patienten zusätzlichen Sauerstoff.

Als weitere Maßnahme wurden eine Zeit lang bereits geplante Operationen verschoben. Sogenannte "elektive" Eingriffe wie beispielsweise der Einsatz von künstlichen Hüft- und Kniegelenken sind zu einem späteren Zeitpunkt durchführbar und werden erst seit wenigen Wochen wieder durchgeführt.

Um glimpflich durch die Epidemie zu kommen, müsse die Bevölkerung mitdenken, sagt Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin in München. Er hat dort die ersten deutschen Covid-19-Patienten behandelt. Die stationären Kapazitäten seien prinzipiell in Deutschland verfügbar. "Wir müssen nur die Ressourcen sehr vernünftig nutzen und uns nicht gegenseitig blockieren."

Wie lange dauert ein Test auf Covid-19?

Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion, kann der Hausarzt den Test nicht vor Ort vornehmen. Die Probe – üblicherweise ein Abstrich aus der Rachen- und Nasenschleimhaut oder hochgehustetes Sekret – muss erst an ein Labor geschickt werden. "Der Test selbst dauert etwa vier bis sechs Stunden", erklärte eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung auf Anfrage von t-online.de. Hinzu kämen der Transport zum Labor, die Auswertung der Ergebnisse und die Kommunikation an die entsprechende Stelle. Bis das Ergebnis schließlich vorliegt und dem Patienten mitgeteilt werden kann, vergeht häufig mehr als ein Tag. 

Das bislang am häufigsten genutzte Testverfahren heißt "Real-time PCR" (zu Deutsch: Polymerase-Kettenreaktion). Es gilt als äußerst verlässlich, weil es Spuren der Erbsubstanz des Erregers bereits in sehr geringen Konzentrationen nachweisen kann. Zwar werden inzwischen Schnelltests in Apotheken und im Internet angeboten, mit denen Betroffene eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachweisen können sollen. Experten raten davon aber bislang ab. Ein verlässliches Schnelltestverfahren für den Hausgebrauch, existiert noch nicht. 

Kann man sich mit Covid-19 mehrfach anstecken?

In Japan sorgte Ende Februar der Fall einer Frau für Aufsehen, die nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus wegen Covid-19 ein zweites Mal positiv auf Coronavirus getestet wurde. Auch aus China wurden kurz danach mehrere solcher Fälle gemeldet.

Doch viele Forscher stellen infrage, ob diese Fälle wirklich ein Beweis dafür sind, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 Menschen mehrfach kurz hintereinander infizieren kann. Zum einen lehrt die Erfahrung mit anderen Viruserkrankungen – darunter auch mit SARS sowie MERS und Influenza: Wer kürzlich von einem Erreger genesen ist, dessen Immunabwehr kann, zumindest eine gewisse Zeit lang, eine erneute Ansteckung verhindern. Zum anderen sind laut Experten Fehler bei den Tests in einzelnen Fällen nicht auszuschließen.

Wie lange die körpereigene Abwehr nach einer Infektion gegen das SARS-CoV-2-Virus gefeit ist, ist allerdings noch nicht sicher. Nach RKI-Annahmen könnte ein ehemals Erkrankter nach der Bildung von Antikörpern voraussichtlich für ein paar Jahre immun sein. Andere Experten gehen davon aus, dass eine Ansteckung wie bei einem grippalen Infekt bereits nach weniger als einem Jahr wieder möglich sein könnte.

Wo gibt es aktuelle Infos?

Das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben entsprechende Webseiten eingerichtet. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es weitere Tipps auf Englisch – darunter auch Infos zu gängigen Mythen und Falschinformationen rund um das Virus. Für telefonische Fragen hat unter anderem die Krankenkasse Barmer eine kostenlose Hotline (0800 / 84 84 111) eingerichtet. Sie ist rund um die Uhr erreichbar. Auch auf den Seiten der Bundesregierung und des Gesundheitsministeriums finden Sie aktuelle Informationen. 

Alle wichtigen Informationen gibt es außerdem auch bei t-online.de: Alle News zum Coronavirus in Deutschland und der Welt finden Sie hier. Die aktuellen Zahlen zu Infektionen und Verstorbenen finden Sie hier. Alle Hintergründe und hilfreichen Artikel und Interviews zum Virus finden Sie hier.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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