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HIV-Infektionen mĂŒssen frĂŒher erkannt werden

Von dpa
Aktualisiert am 01.12.2020Lesedauer: 2 Min.
Bluttest in Indien: Weltweit soll wieder mehr Aufmerksamkeit auf HIV-Infektionen gelenkt werden.
Bluttest in Indien: Weltweit soll wieder mehr Aufmerksamkeit auf HIV-Infektionen gelenkt werden. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)
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Die Coronavirus-Pandemie droht den Kampf gegen HIV und Aids um Jahre zurĂŒckzuwerfen. Auch in Deutschland sind die Zahlen der HIV-Infizierten gestiegen.

Wegen AusgangsbeschrĂ€nkungen hĂ€tten sich vielerorts GefĂ€hrdete nicht testen lassen und Infizierte sich nicht mit Medikamenten versorgen können, fĂŒrchtet das Programm der Vereinten Nationen fĂŒr HIV/Aids (UNAIDS). Deshalb könnte es bis Ende 2022 fast 300.000 zusĂ€tzliche HIV-Infektionen geben, und fast 150.000 Infizierte könnten zusĂ€tzlichen sterben, heißt es im UNAIDS-Bericht zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember.

Probleme bei HIV-Tests und Therapie

Nicht nur in fernen LÀndern und nicht nur durch die Pandemie gibt es Probleme mit dem Testen und der Therapieversorgung. In Deutschland stieg die Zahl der Neuinfektionen im vergangenen Jahr erstmals seit 2015, wie das Robert Koch Institut (RKI) in Berlin berichtete. Nach SchÀtzungen haben sich 2.600 Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert, 100 mehr als im Jahr zuvor. 380 Infizierte starben, seit Beginn der Epidemie in den 80er Jahren waren es knapp 30.000. Die RKI-Angaben beruhen auf Modellrechnungen, da HIV oftmals erst Jahre nach der Ansteckung diagnostiziert wird.

Es mĂŒsse mehr Testangebote geben und der Zugang zur Therapie mĂŒsse gewĂ€hrleistet werden, sagte RKI-PrĂ€sident Lothar Wieler. Rund ein Drittel der Diagnosen wurden erst bei einem fortgeschrittenen Immundefekt gestellt, in etwa 15 Prozent erst mit dem Vollbild von Aids. Die Zahl der SpĂ€tdiagnosen sei tragisch, sagte Sven Warminsky von der Deutschen Aidshilfe. Ärzte mĂŒssten geschult werden, damit sie HIV als Krankheitsursache öfter in Betracht zögen.

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Zwölf Millionen Infizierte ohne Zugang zu Medikamenten

In der WHO-Europaregion mit 53 LÀndern waren es 2019 knapp 136.500 neue HIV-Diagnosen, weltweit 1,7 Millionen. GeschÀtzt haben weltweit zwölf Millionen Infizierte keinen Zugang zu Medikamenten gehabt.

Aktivisten stellen auf einer Veranstaltung im Vorfeld des Welt-Aids-Tags Kerzen auf, die eine rote Schleife formen: Das weltweit anerkannte Symbol fĂŒr die SolidaritĂ€t mit HIV-Infizierten.
Aktivisten stellen auf einer Veranstaltung im Vorfeld des Welt-Aids-Tags Kerzen auf, die eine rote Schleife formen: Das weltweit anerkannte Symbol fĂŒr die SolidaritĂ€t mit HIV-Infizierten. (Quelle: Skanda Gautam/ZUMA Wire/dpa)

Bei der Hauptbetroffenengruppe in Deutschland, homo- und bisexuellen MĂ€nnern, stagnierte die Zahl der Neuinfektionen nach jahrelangem RĂŒckgang. Anstiege auf niedrigem Niveau wurden bei Übertragungen auf heterosexuellem Weg und bei Drogenkonsumenten ĂŒber Spritzbesteck gesehen.

In Deutschland lebten nach SchÀtzungen Ende 2019 rund 90.700 HIV-Infizierte, darunter etwa 10.800 ohne davon zu wissen. Etwa 3.100 Menschen wurden trotz HIV-Diagnose nicht behandelt. 96 Prozent der HIV-Infizierten erhalten eine antiretrovirale Therapie. Sie ist laut RKI fast immer erfolgreich, die Menschen sind nicht mehr ansteckend.

Mehr als die HÀlfte der Infektionen wird erst spÀt diagnostiziert

Auch europaweit gibt es immer mehr Betroffene, die nichts von ihrer Infektion wissen. Mehr als die HĂ€lfte der Infektionen werde erst in einem spĂ€ten Stadium diagnostiziert, wenn das Immunsystem bereits angefangen habe, zu versagen, berichteten das Europa-BĂŒro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC.

Vier FĂŒnftel der neu Diagnostizierten lebten im östlichen Teil der Region. Sie umfasst 900 Millionen Menschen in 53 LĂ€ndern, darunter neben den EU-LĂ€ndern etwa auch Russland, die TĂŒrkei und Usbekistan.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Astrid Clasen
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