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Delta-Variante: Warum ist die Corona-Mutation so gefährlich?

Besonders ansteckend  

Warum ist die Delta-Variante so gefährlich?

Von Christiane Braunsdorf, Melanie Weiner, Sandra Simonsen

23.06.2021, 18:04 Uhr
Delta-Variante: Warum ist die Corona-Mutation so gefährlich?. Straßen werden desinfiziert in Indonesien: Mittlerweile soll die Delta-Variante in mehr als 80 Ländern nachgewiesen worden sein.  (Quelle: imago images/NurPhoto)

Straßen werden desinfiziert in Indonesien: Mittlerweile soll die Delta-Variante in mehr als 80 Ländern nachgewiesen worden sein. (Quelle: NurPhoto/imago images)

Auch in Deutschland gewinnt die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus weiter an Boden. Droht eine vierte Welle die bisherigen Bemühungen zur Viruseindämmung zunichtezumachen? Was ist bisher bekannt?

Sie sorgt nicht mehr nur in Indien für eine Verschärfung der Pandemie: Seit mehreren Monaten breitet sich die sogenannte Delta-Variante des Coronavirus auf der ganzen Welt aus. Sie soll nicht nur ansteckender, sondern auch gefährlicher als das Ursprungsvirus sein. t-online gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Mutante. 

Was ist die Delta-Variante? 

Die Delta-Variante, die auch als B.1.617.2 bekannt ist, wurde erstmals im Oktober 2020 im indischen Bundesstaat Maharashtra nachgewiesen. Seither verbreitet sie sich über Indien in die gesamte Welt. 

Die B.1.617.2-Variante ist eine Kombination aus mehreren Mutationen. Sie enthält zum Beispiel die Mutationen E484Q und L452R. Dass mehrere Mutationen in einer Corona-Variante aufeinandertreffen, ist grundsätzlich allerdings nicht ungewöhnlich. Beispielsweise zeigt die britische Mutante insgesamt sogar 23 Mutationen. Der Begriff der "Doppelmutante", der zunächst kursierte, kann somit in die Irre führen.

Welche Symptome erzeugt die Delta-Variante?

Die Delta-Variante kann bei Patienten anscheinend etwas andere Symptome als frühere Corona-Typen verursachen. In einer britischen App zur Überwachung von Corona-Symptomen wurden zuletzt am häufigsten Kopfschmerzen, eine laufende Nase und eine raue Kehle gemeldet, wie die BBC berichtet. In Großbritannien macht die als sehr ansteckend geltende Delta-Variante bereits mehr als 90 Prozent aller Fälle aus.

Der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, der bislang als typisches Corona-Symptom galt, ist demnach hingegen weniger gängig. Für einige jüngere Menschen könne sich Covid-19 somit stärker wie eine einfache Erkältung anfühlen.

Warum ist sie so gefährlich? 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die in Indien aufgetretene Mutante als "besorgniserregend" eingestuft. Sie zählt zu der Sorte, die nicht nur weit verbreitet, sondern auch schwer bekämpfbar ist. Bislang hatte die UN-Behörde in Genf nur die britische, südafrikanische und brasilianische Variante so bezeichnet.

"Vorliegende Informationen weisen auf eine erhöhte Übertragbarkeit" der Delta-Variante mit der Bezeichnung B.1.617.2 hin, sagte die leitende WHO-Wissenschaftlerin Maria Van Kerkhove. Nach vorläufigen Studienergebnissen könnte zudem das menschliche Immunsystem weniger stark auf diese Variante reagieren, sagte sie.


Nach Angaben der englischen Gesundheitsbehörde könnte die Delta-Variante zudem häufiger zu schwereren Covid-19-Erkrankungen führen. "Erste Erkenntnisse aus England und Schottland legen nahe, dass es ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinlieferungen geben könnte als bei der Alpha-Variante", heißt es in einer aktuellen Risikoeinschätzung von Public Health England. Als Alpha-Variante wird die zunächst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 bezeichnet.


Einige Regionen zeigten einen Anstieg von Krankenhauseinlieferungen, allerdings ließe sich der nationale Trend noch nicht abschätzen, so die Behörde. Ob die Delta-Variante auch zu einer höheren Todesrate führt, ist bislang noch unklar.

Wann ist die Delta-Variante besonders gefährlich? 

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach erklärte im RBB, die Delta-Variante habe eine stärkere Saisonalität als ursprünglich angenommen. Lauterbach bezieht sich dabei auf eine Studie der Universität Oxford. Im Sommer ist das Risiko einer Ansteckung also deutlich geringer, als es dann im Herbst oder Winter der Fall sein könnte. 

Wie gut wirken die Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Variante?

Ein vollständiger Impfschutz mit zwei Dosen der Mittel von Biontech/Pfizer oder Astrazeneca verhindert einer britischen Datenanalyse zufolge sehr gut schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante des Coronavirus. Die Effektivität sei in etwa so hoch wie bei der zuvor dominierenden Alpha-Variante, teilte die Behörde Public Health England (PHE) mit.

Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung wurde bei den vollständig Geimpften jeweils um mehr als 90 Prozent verringert – verglichen mit dem von Ungeimpften. Die Untersuchung bestätige, wie wichtig es sei, die zweite Impfung zu erhalten, sagte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Vor allem beim Astrazeneca-Impfstoff fiel die Schutzwirkung nach der ersten Dosis der Auswertung zufolge noch merklich geringer aus.

Für die PHE-Studie wurden zwischen dem 12. April und dem 4. Juni insgesamt 14.019 symptomatische Infektionen mit der Delta-Variante in England berücksichtigt, von denen 166 in Krankenhäusern behandelt wurden. Zuvor hatte bereits eine im Fachjournal "Nature" veröffentlichte Studie ergeben, dass der Impfstoff von Biontech und Pfizer vor der zuerst in Indien aufgetretenen Corona-Variante Delta (B.1.617.2) gut schützt.

Nur Erstimpfung bietet keinen ausreichenden Schutz 

Die Beobachtung, dass der Astrazeneca-Impfstoff nach der ersten Dosis keinen guten Schutz vor der Delta-Variante bietet, bestätigt auch Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen. Er erläuterte im Gespräch mit t-online: "In Großbritannien sehen wir vor allem die Folgen einer Entwicklung: Hier wurde alles darangesetzt, Erstimpfungen zu ermöglichen.

Damit sieht man aber auch: Eine Infektion mit der Delta-Variante trifft vor allem Ungeimpfte und dabei viele Jüngere, die aber meist nicht schwer erkranken. Aber es infizieren sich auch Menschen, die bislang nur eine Erstimpfung erhalten haben."

Dittmer weiter: "Bekannt ist, dass nach der ersten Dosis des Astrazeneca-Impfstoffes nur um die 30 Prozent Schutz vor einer Infektion besteht, ein besserer Schutz tritt erst nach der zweiten Impfung ein. Das könnte den Briten auf die Füße gefallen sein, angesichts der wesentlich ansteckenderen Delta-Variante."

Wie viele Corona-Fälle der Delta-Variante gab es bereits in Deutschland? 

Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) für die erste Juniwoche hat sich der Anteil der Delta-Variante (B.1.617.2) in Deutschland innerhalb von nur einer Woche auf sechs Prozent fast verdoppelt. Das RKI geht davon aus, dass Infektionen mit der Delta-Variante zu schwereren Krankheitsverläufen führen könnten. In der letzten Maiwoche (KW 21) lag der Anteil noch bei vier Prozent, in der Kalenderwoche 18 bei zwei Prozent. Laut "tagesschau.de" glaubt der Virologe Christian Drosten, dass die Delta-Variante "sicherlich bis zum Herbst hier auch das Feld dominieren" werde. 

Auch in Deutschland werden die positiven PCR-Tests sequenziert, es wird also überprüft, mit welcher Virusmutante die Infektion erfolgte. Virologe Ulf Dittmer: "Wir haben das genau im Blick. In Städten mit Universitätskliniken werden positive PCR-Tests sequenziert. Die Alpha-Variante, also die britische Mutante, ist in Deutschland vorherrschend."

Der Virologe mahnt aber auch: Das Infektionsgeschehen sei nicht vorhersehbar. Und er fordert: "Angesichts der möglichen Ausbreitung von Varianten halte ich die Abschaffung von Maßnahmen wie Maskenpflicht und Schnelltests für nicht Geimpfte oder Genesene für nicht verantwortbar. Beides sind sehr effektive Mittel auch gegen die neue Mutante, die auf keinen Fall aufgegeben werden sollten."

Wichtig bleibe die dauernde Überwachung des Infektionsgeschehens. Woche für Woche müsse die Ausbreitung der Delta-Variante im Auge behalten werden, damit schnell reagiert werden könne. Dittmers Appell: "Die Aufrechterhaltung des Impfdrucks ist das wichtigste Mittel, denn nur eine doppelte Impfung bietet sehr guten Schutz auch vor der Delta-Variante."

Die Wissenschaftsinitiative Gisaid (Global Initiative on Sharing All Influenza Data) bietet einen Überblick über verschiedene Daten rund um die Corona-Pandemie und steht als Datenbank für Gensequenzen und Mutationen zur Verfügung. In dieser Datenbank ist (Stand: 22. Juni 2021) erkennbar, wie häufig die Delta-Variante mittlerweile in welchen Ländern vorkommt. Insgesamt soll die Variante Medienberichten zufolge in rund 80 Ländern weltweit registriert worden sein. Laut Gisaid gab es in Deutschland bisher 747 Fälle der Delta-Variante, 160 allein in den vergangenen vier Wochen. 

Wie schnell verbreitet sich die Delta-Variante? 

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Mutante ist besonders hoch: Das zeigt unter anderem das Beispiel Großbritannien. "Im Moment ist es so, dass (...) es einen Anstieg um ungefähr 50 Prozent jede Woche gibt", sagte die Virologin Sandra Ciesek laut "tagesschau.de". "Das ist natürlich ein Warnsignal."

Welche Länder sind besonders betroffen?

In einigen anderen Ländern wie Indien und Großbritannien schlägt Delta bereits heftig zu. Die portugiesische Hauptstadt Lissabon war wegen der Mutante bereits abgeriegelt. In Russlands Hauptstadt Moskau wurde ein Rekordwert bei den Neuinfektionen verzeichnet. Bürgermeister Sergej Sobjanin zufolge sind fast 90 Prozent der Covid-Erkrankungen auf Delta zurückzuführen. Moskau kämpft – wie ganz Russland – weiter mit einer großen Impfskepsis in der Bevölkerung.

Laut Gisaid führt Großbritannien die Tabelle mit den meisten Delta-Infektionen an: Mit Stand vom 22. Juni gab es dort fast 50.000 Infektionen mit der Mutante, was in den vergangenen vier Wochen fast 90 Prozent der Neuinfektionen entspricht. In Indien waren es demnach bisher fast 7.000, in den USA rund 3.000 und auf Platz vier folgt bereits Deutschland mit rund 750 Delta-Infektionen. 


Das Robert Koch-Institut weist mit Stand vom 18. Juni 14 Länder als sogenannte Virusvariantengebiete aus:

  • Botsuana
  • Brasilien
  • Eswatini
  • Indien
  • Lesotho
  • Malawi
  • Mosambik
  • Namibia
  • Nepal
  • Sambia
  • Simbabwe
  • Südafrika
  • Uruguay
  • Großbritannien

Allerdings ist nicht in allen diesen Ländern die Delta-Variante vorherrschend, sondern teilweise sind es dort auch andere. Daneben gibt es auch weitere Regionen, in denen die Delta-Variante Probleme bereitet, wie in Lissabon oder Moskau.

Wie können Sie sich vor der Delta-Variante schützen? 

Auch gegen die Delta-Variante und andere Mutanten des Coronavirus schützen die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln. Auch das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen und regelmäßiges Lüften in geschlossenen Räumen helfen, die Ansteckungsgefahr zu verringern. Das bestätigt auch das Robert Koch-Institut laut der "Deutschen Welle". Und auch die Impfstoffe schützen vor einer Infektion. Zudem kann es helfen, wenn Sie nicht in Länder reisen, in denen die Mutante besonders verbreitet ist. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gisaid/Tracking of Variants
  • Robert Koch-Institut: Virusvariantengebiete/Risikogebiete
  • Robert Koch-Institut: "Bericht zu Virusvarianten von SARS-CoV-2 in Deutschland", 16. Juni 2021.
  • tagesschau.de: "Darum ist die Delta-Variante so gefährlich", 16. Juni 2021.
  • dw.de: "Faktencheck: Wie gefährlich ist die Delta-Variante wirklich?", 18. Juni 2021.
  • Interview mit Ulf Dittmer (16. Juni 2021)
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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