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F√ľr diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgf√§ltig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Sarkoidose, die Krankheit mit vielen Gesichtern

Von Wiebke Posmyk

Aktualisiert am 26.03.2022Lesedauer: 10 Min.
Patientin wartet auf Ergebnis vom Arzt, der ein Röntgenbild in der Hand hält
Eine Sarkoidose (Morbus Boeck) ist häufig im Röntgenbild der Lunge zu erkennen. (Quelle: zoranm/getty-images-bilder)
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Bei einer Sarkoidose bilden sich im K√∂rper kleine Kn√∂tchen ‚Äď fast immer in der Lunge, aber auch in anderen Organen. W√§hrend die akute Sarkoidose mit heftigen Beschwerden einsetzt, verl√§uft die chronische Form schleichend. Welche Symptome auftreten, welche Folgen sie haben k√∂nnen und welche Behandlung hilft.

Das Wichtigste im √úberblick


  • Symptome einer akuten Sarkoidose
  • Symptome einer chronischen Sarkoidose
  • Symptome au√üerhalb der Lunge
  • Die Ursachen der Sarkoidose sind unklar
  • Sarkoidose: So stellt der Arzt die Diagnose
  • Behandlung einer Sarkoidose
  • Sarkoidose: Verlauf, Komplikationen, Lebenserwartung

Sarkoidose (Morbus Boeck) ist eine entz√ľndliche Erkrankung, die den ganzen K√∂rper betreffen kann. Sie ist selten: In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 10 bis 12 von 100.000 Personen. Betroffen sind oft junge Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren ‚Äď davon etwas mehr Frauen als M√§nner.

Typisch f√ľr Sarkoidose sind die sogenannten Granulome. Dabei handelt es sich um gutartige Bindegewebskn√∂tchen, die sich durch entz√ľndliche Prozesse im K√∂rper bilden. Granulome sind bei einer Sarkoidose vor allem in der Lunge zu finden: Bei neun von zehn Patientinnen und Patienten lassen sich die Kn√∂tchen in der Lunge nachweisen. Viele denken daher, Sarkoidose sei eine reine Lungenerkrankung.

Das ist jedoch ein Irrtum: Grundsätzlich können Granulome in allen anderen Organen/Körperbereichen entstehen, so zum Beispiel in

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  • Augen (15-20 %),
  • Haut (ca. 15 %),
  • Leber (10-15 %),
  • Nervensystem (sog. Neurosarkoidose, ca. 10 %),
  • Nieren (unter 5 %),
  • Herz (bis zu 5 %) oder
  • Knochen (ca. 1 %).

Auch in den Speicheldr√ľsen, den Lymphknoten, der Milz oder in der Skelettmuskulatur k√∂nnen sich Granulome bilden. Die Kn√∂tchen k√∂nnen die Funktion des befallenen Organs beeintr√§chtigen und so zu verschiedenen Beschwerden f√ľhren.

Schon gewusst?
Sarkoidose ist eine systemische Erkrankung. Das bedeutet: Sie ist nicht auf ein einzelnes Organ oder eine K√∂rperregion beschr√§nkt, sondern kann in verschiedenen Organen und Organsystemen entstehen. Andere Bezeichnungen f√ľr die Sarkoidose sind Morbus Boeck, Morbus Besnier-Boeck-Schaumann oder gutartige Lymphogranulomatose.

Akute und chronische Sarkoidose

Eine Sarkoidose kann sich ganz unterschiedlich √§u√üern. √Ąrztinnen und √Ąrzte unterscheiden grob zwischen

  • der akuten und
  • der chronischen Sarkoidose.

W√§hrend die seltenere akute Form pl√∂tzlich und mit akuten Beschwerden einsetzt, entwickelt sich die chronische Sarkoidose schleichend und kann l√§ngere Zeit unbemerkt bleiben. Eine akute Sarkoidose bildet sich meist nach einigen Wochen von allein zur√ľck, kann aber auch (selten) in eine chronische Form √ľbergehen, die l√§nger anh√§lt.

Symptome einer akuten Sarkoidose

Von 100 Patientinnen und Patienten mit Morbus Boeck erkranken etwa 5 bis 10 an der akuten Sarkoidose ‚Äď darunter vor allem Frauen. Die akute Form beginnt pl√∂tzlich und mit starken Symptomen. Dazu z√§hlen zum Beispiel Fieber, Husten, M√ľdigkeit, Muskelschmerzen, Kurzatmigkeit oder ein vermindertes Leistungsverm√∂gen.

Häufige Unterform: Das Löfgren-Syndrom

Oft zeigt sich die akute Sarkoidose in Form des sogenannten Löfgren-Syndroms. Dabei treten neben (hohem) Fieber vor allem drei Symptome zusammen auf:

  • Entz√ľndungen mehrerer Gelenke (Polyarthritis)
  • schmerzhafte Knoten an den Vorderseiten der Unterschenkel (sog. Erythema nodosum)
  • eine beidseitige Lymphknotenschwellung an der Lungenwurzel (sog. bihil√§re Lymphadenopathie, zu erkennen im R√∂ntgenbild); ein m√∂gliches Symptom ist Husten

Die Gelenkentz√ľndungen entstehen besonders h√§ufig an den oberen Sprunggelenken. Das Auftreten ist dann sehr schmerzhaft.

Vor allem an den Unterschenkelvorderseiten bildet sich ein Erythema nodosum. Diese Hauterscheinung besteht aus rot-violetten, stark schmerzenden Knoten, die innerhalb einiger Tage gelblich-blau werden. Juckreiz tritt meist nicht auf.

Illustration eines Erythema nodosum
Bei einem Erythema nodosum entstehen schmerzhafte Knötchen, insbesondere an den Vorderseiten der Unterschenkel. (Quelle: ttsz/getty-images-bilder)

Wichtige Information
Da das L√∂fgren-Syndrom ein typisches Erscheinungsbild der akuten Sarkoidose ist, setzen manche √Ąrztinnen und √Ąrzte diesen Begriff mit der akuten Sarkoidose gleich.

Seltenere Unterform: Heerfordt-Syndrom

Selten zeigen Patientinnen und Patienten das sogenannte Heerfordt-Syndrom. Darunter verstehen Fachleute die Kombination aus drei Symptomen:

  • Ohrspeicheldr√ľsenentz√ľndung (Parotitis)
  • Entz√ľndung der mittleren Augenhaut (Uveitis)
  • Gesichtsl√§hmung (Fazialisparese).

Die Symptome sind meist von Fieber begleitet. Im Rahmen der Ohrspeicheldr√ľsenentz√ľndung schwellen die Dr√ľsen stark an, was sehr schmerzhaft sein kann. Das √Ėffnen des Kiefers kann erschwert sein. Die Entz√ľndung der mittleren Augenhaut geht unter anderem mit Symptomen wie verschwommenem Sehen und einer erh√∂hten Blendempfindlichkeit einher. Bei einer Gesichtsl√§hmung ist der Gesichtsnerv (Nervus facialis) gel√§hmt. Oft tritt sie nur auf einer Seite auf. Symptome sind ein h√§ngender Mundwinkel, asymmetrische Gesichtsz√ľge und eine undeutliche Sprache.

Symptome einer chronischen Sarkoidose

Bei etwa neun von zehn Patientinnen und Patienten setzt die Sarkoidose nicht mit starken Beschwerden ein. Vielmehr entwickeln sich die k√∂rperlichen Ver√§nderungen schleichend √ľber Monate oder Jahre hinweg. Fachleute sprechen dann von einer chronischen Sarkoidose.

Viele Betroffene bemerken gar keine oder nur leichte Symptome, sodass die Krankheit oft zuf√§llig entdeckt wird ‚Äď etwa, weil aus einem anderen Grund eine R√∂ntgenaufnahme des Brustraums angefertigt wurde. Meist sind im R√∂ntgenbild dann Granulome zu erkennen.

Wenn Symptome auftreten, sind diese eher unspezifisch und kein eindeutiges Anzeichen einer Sarkoidose. Daher vergeht nicht selten viel Zeit, bis die Erkrankung erkannt wird. Mögliche Symptome sind zum Beispiel:

  • verminderte Leistungsf√§higkeit
  • M√ľdigkeit
  • Schw√§che
  • Fieber
  • Gewichtsverlust
  • Nachtschwei√ü
  • trockener Husten
  • Druckgef√ľhl im Brustkorb

Fast immer ist die Lunge betroffen

Trockener Husten und ein Druck im Brustkorb weisen darauf hin, dass sich Granulome in der Lunge gebildet haben. Dies ist bei Sarkoidose fast immer der Fall. Ist Morbus Boeck stärker ausgeprägt, leiden die Erkrankten bei Belastung häufig unter Atemnot.

Ein junger Mann sitzt auf dem Bett und hustet.
Eine chronische Sarkoidose kann zu Husten f√ľhren ‚Äď oft haben die Betroffenen jedoch lange Zeit kaum Beschwerden. (Quelle: Moyo Studio/getty-images-bilder)

Die Sarkoidose kann jedoch nicht nur die Lunge, sondern grunds√§tzlich alle Organe betreffen ‚Äď was zahlreiche unterschiedliche Symptome zur Folge haben kann.

Symptome außerhalb der Lunge

Je nachdem, welches Organ in Mitleidenschaft gezogen ist, können vor allem bei der chronischen Sarkoidose sehr unterschiedliche Symptome auftreten. Dazu zählen unter anderem:

  • bei Befall der Augen: Kalkablagerungen in Binde- und Hornhaut, Entz√ľndung der mittleren Augenhaut, der Netzhaut, der Bindehaut und/oder Hornhaut
  • bei Befall der Haut: Verschiedene Hauterscheinungen (z.B. Kn√∂tchen); fl√§chige, kn√∂tchenartige Hautver√§nderungen im Bereich von Nase und Wangen (Lupus pernio); rote, entz√ľndliche Knoten an den Unterschenkeln (Erythema nodosum)
  • bei Befall des Herzens: Herzrhythmusst√∂rungen, Herzmuskelschw√§che, Ansammlung von Fl√ľssigkeit zwischen Herzhaut und Herzbeutel (Perikarderguss)
  • bei Befall der Leber: erh√∂hte Transaminasenwerte im Blut, Vergr√∂√üerung der Leber
  • bei Befall der Speicheldr√ľsen: Entz√ľndung der Ohrspeicheldr√ľsen mit Beschwerden wie Schwellungen im Bereich von Ohr und Wange
  • bei Befall des Nervensystems: Gesichtsl√§hmung (Fazialisparese); Entz√ľndung von Hirn oder R√ľckenmark; Diabetes insipidus, eine hormonell bedingte St√∂rung des Wasser-Salz-Haushaltes
  • bei Befall der Nieren: Nierenentz√ľndung
  • bei Befall der Knochen/des Muskel- und Skelettsystems: zystenartige Ver√§nderung des Knochengewebes, insbesondere in den Fingern (sog. J√ľngling-Syndrom); Hohlr√§ume in den Knochen und/oder Gelenkentz√ľndungen
  • bei Befall der Lymphknoten: geschwollene Lymphknoten

Bei einem chronischen Verlauf kann der Calciumwert erh√∂ht sein. Der Grund: Spezielle Immunzellen in den Granulomen bilden vermehrt das Enzym 1-Alpha-Hydroxylase. Dieses kurbelt die Vitamin-D3-Produktion an. Vitamin D3 sorgt wiederum daf√ľr, dass mehr Calcium aus dem Darm aufgenommen wird. Auf Dauer lagert sich das √ľbersch√ľssige Calcium in den Nieren ab, was zu Nierenproblemen f√ľhren kann ‚Äď etwa zu Nierensteinen.

Neurosarkoidose: Befall des Nervensystems

Bei etwa 10 von 100 Betroffenen sind Granulome im Nervensystem zu finden. Sowohl das zentrale Nervensystem ‚Äď also Gehirn und R√ľckenmark ‚Äď als auch das periphere Nervensystem (alle Nerven au√üerhalb von Gehirn von R√ľckenmark) k√∂nnen befallen sein.

Die Symptome einer Neurosarkoidose sind sehr unterschiedlich. H√§ufiger kommt eine Gesichtsl√§hmung vor, wenn ein Hirnnerv ausf√§llt (Fazialisparese). Entz√ľndungen der Hirn- oder R√ľckenmarksh√§ute (Meningitis) oder neurologische Ausf√§lle sind weitere m√∂gliche Symptome.

Die Ursachen der Sarkoidose sind unklar

Bislang sind die Ursachen der Sarkoidose nicht abschlie√üend gekl√§rt. Fest steht jedoch, dass die entz√ľndlichen Kn√∂tchen (Granulome) als Folge einer √ľberschie√üenden Entz√ľndungsreaktion des Immunsystems entstehen. In den Granulomen sind verschiedene Abwehrzellen zu finden.

Fachleute gehen davon aus, dass sowohl Umwelteinfl√ľsse als auch genetische Faktoren bei der Entstehung der Sarkoidose eine Rolle spielen. Als m√∂gliche Ausl√∂ser aus der Umwelt werden unter anderem infekti√∂se Erreger wie Bakterien, Viren oder Pilze diskutiert. M√∂glicherweise k√∂nnen auch bestimmte Allergene (etwa Pollen) oder Schadstoffe, die eingeatmet werden, eine Sarkoidose hervorrufen. Bewiesen sind diese Annahmen jedoch nicht.

In manchen Familien kommt Sarkoidose h√§ufiger vor. Hat ein eineiiger Zwilling Sarkoidose, ist das Erkrankungsrisiko f√ľr seinen Bruder oder seine Schwester um das 80-Fache erh√∂ht. Forscherinnen und Forscher vermuten, dass eine bestimmte Genmutation auf dem Chromosom 6 das Sarkoidose-Risiko erh√∂ht.

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In den USA erkranken dunkelh√§utige Personen eher an Sarkoidose als hellh√§utige Menschen und haben eher einen schweren Verlauf. Innerhalb Europas und Asiens ist zu beobachten, dass Sarkoidose in n√∂rdlichen Regionen deutlich √∂fter vorkommt als im S√ľden.

Sarkoidose: So stellt der Arzt die Diagnose

Im Röntgenbild lassen sich bei einer Sarkoidose fast immer Veränderungen in der Lunge erkennen. Dazu zählen vergrößerte Lymphknoten an der Lungenwurzel und/oder Granulome. Bei unklaren Befunden kann gegebenenfalls zusätzlich eine Computertomografie sinnvoll sein. Bei Verdacht auf Sarkoidose ist eine Lungenfachärztin (Pneumologin) oder ein Lungenfacharzt (Pneumologe) die beste Anlaufstelle.

Illustration: Granulome und vergrößerte Lymphknoten in der Lunge bei einer Sarkoidose
Bei einer Sarkoidose lassen sich in der Lunge häufig Bindegewebsknötchen (Granulome) sowie vergrößerte Lymphknoten in der Lunge nachweisen. (Quelle: ttsz/getty-images-bilder)

Sarkoidose ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet: Sind Granulome oder andere Ver√§nderungen in der Lunge zu finden, muss die √Ąrztin oder der Arzt erst andere m√∂gliche Ursachen ausschlie√üen. Denn eine Entz√ľndung mit Kn√∂tchenbildung in der Lunge kann viele Ursachen haben ‚Äď zum Beispiel eine Infektion oder einen Fremdk√∂rper in der Lunge. Die Wahrscheinlichkeit f√ľr die Diagnose Sarkoidose steigt, wenn sich auch in anderen Organen Granulome nachweisen lassen.

Lungenspiegelung mit Gewebeprobe

Um herauszufinden, ob es sich tats√§chlich um Sarkoidose handelt, sind weitere Untersuchungen n√∂tig. Da Morbus Boeck fast immer die Lunge betrifft, wird die √Ąrztin oder der Arzt eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) durchf√ľhren und eine Biopsie machen: Dabei entnimmt sie oder er eine Gewebeprobe, die im Labor untersucht wird.

Wenn darin befindliche Granulome bestimmte Merkmale aufweisen, handelt es sich wahrscheinlich um eine Sarkoidose ‚Äď sofern andere Ursachen ausgeschlossen werden konnten. Bei einer schwerer ausgepr√§gten Sarkoidose k√∂nnen im Rahmen der Lungenspiegelung gr√∂√üere Gewebesch√§den erkennbar sein. M√∂glicherweise wird die √Ąrztin oder der Arzt w√§hrend der Spiegelung eine Lungensp√ľlung durchf√ľhren. Die Fl√ľssigkeit, die dabei anf√§llt, wird anschlie√üend im Labor genauer untersucht. Sie kann ebenfalls Hinweise auf die Ursache geben.

Lungenfunktionstest, Blutwerte und weitere Untersuchungen

Ein Lungenfunktionstest gibt Aufschluss dar√ľber, wie stark die Lunge durch die Sarkoidose angegriffen ist. In der Regel ist zudem eine Blutuntersuchung √ľblich. Im Blut l√§sst sich eine Sarkoidose zwar nicht direkt nachweisen. Jedoch geben die Blutwerte unter anderem Hinweise auf die Entz√ľndungsaktivit√§t im K√∂rper. Bei einer Sarkoidose sind vermehrt Entz√ľndungsmarker im Blut zu finden. Auch kann bei einem chronischen Verlauf der Calciumwert im Blut oder Urin erh√∂ht sein.

Bestimmte Blutwerte ‚Äď ACE (Angiotension Converting Enzyme) und S-IL-2R (l√∂slicher IL-2-Rezeptor) ‚Äď k√∂nnen zudem Aufschluss dar√ľber geben, wie aktiv die Entz√ľndung ist. Schl√§gt die Therapie an, sinken die Werte, sodass die √Ąrztin oder der Arzt den Verlauf der Erkrankung beobachten kann.

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Um herauszufinden, ob weitere Organe in Mitleidenschaft gezogen wurden, k√∂nnen weiterf√ľhrende Untersuchungen n√∂tig sein, zum Beispiel

  • eine augen√§rztliche Untersuchung
  • ein Langzeit-EKG
  • eine MRT, etwa des Kopfes oder des Herzens

Typen ("Stadien") einer Sarkoidose

Bei einer Sarkoidose unterscheiden Fachleute anhand des Röntgenbilds der Lunge zwischen verschiedenen Typen ("Stadien") der Erkrankung. Entscheidend ist dabei, wie stark die Lunge angegriffen ist:

  • Typ 0: Die Lunge ist nicht befallen, jedoch lassen sich au√üerhalb des Brustkorbs typische Ver√§nderungen in einem anderen Organ nachweisen.
  • Typ I: Die Lymphknoten zwischen den beiden Lungenfl√ľgeln sind geschwollen (sog. bihil√§re Lymphadenopathie), das Lungengewebe ist jedoch nicht befallen.
  • Typ II: Die Lymphknoten zwischen den beiden Lungenfl√ľgeln sind geschwollen, zus√§tzlich sind Kn√∂tchen im Lungengewebe zu finden.
  • Typ III: Die Lymphknoten sind nicht geschwollen, jedoch sind Kn√∂tchen im Lungengewebe zu finden.
  • Typ IV: Das Lungengewebe hat sich in narbiges Bindegewebe umgewandelt (Lungenfibrose).

Diese Einteilung wird rein beschreibend anhand des R√∂ntgenbilds vorgenommen und bedeutet nicht, dass die einzeln Stadien nach und nach durchlaufen werden. F√ľr Medizinerinnen und Mediziner ist die Einteilung von Bedeutung, um die weitere Behandlung zu planen.

Behandlung einer Sarkoidose

Nicht selten heilt eine Sarkoidose ohne spezielle Behandlung von allein aus. Ob eine Therapie nötig ist und welche Behandlung geeignet ist, richtet sich unter anderem danach,

  • ob es sich um eine akute oder eine chronische Sarkoidose handelt,
  • wie stark die Beschwerden sind und
  • welche Organe betroffen sind.

Behandlung der akuten Sarkoidose

Eine akute Sarkoidose bildet sich in den allermeisten F√§llen nach einigen Wochen von selbst zur√ľck. Bei starken Sch√ľben kann dennoch eine Behandlung sinnvoll sein.

Bei anhaltendem oder immer wiederkehrendem Fieber und/oder starken Gelenkschmerzen können Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAR) helfen, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure.

Seltener kommen bei akutem Morbus Boeck kortisonhaltige Tabletten zum Einsatz, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Prednisolon.

Behandlung der chronischen Sarkoidose

Eine medikamentöse Behandlung der chronischen Sarkoidose kommt insbesondere infrage, wenn

  • sich die Lungenfunktion verschlechtert,
  • die Ver√§nderungen im R√∂ntgenbild st√§rker werden,
  • andere Organe als die Lunge befallen sind, etwa Hirn, Herz, Augen, Speicheldr√ľsen, Nieren oder Haut und/oder wenn
  • der Calcium-Haushalt aus der Balance geraten ist.

√Ąrztinnen und √Ąrzte geben dann kortisonhaltige Medikamente ‚Äď in der Regel in Form von Tabletten. Dadurch werden die entz√ľndlichen Prozesse im K√∂rper gehemmt, sodass sich keine weiteren Granulome mehr bilden und bestehende Granulome kleiner werden.

Zu Beginn der Behandlung ist meist eine hohe Dosis n√∂tig. Nach und nach wird die Dosis √ľber Wochen bis Monate immer weiter reduziert. W√§hrenddessen wird die √Ąrztin oder der Arzt genau beobachten, ob die jeweilige Dosis ausreicht oder ob die Entz√ľndung wieder st√§rker wird. Insgesamt dauert diese Behandlung etwa sechs bis neun Monate.

Kortisonhaltige Pr√§parate k√∂nnen mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden sein, insbesondere, wenn sie √ľber l√§ngere Zeit eingenommen werden. Dazu z√§hlen etwa Knochenschwund, eine d√ľnne Haut, Gewichtszunahme und ein gest√∂rter Zuckerstoffwechsel. Daher wird die √Ąrztin oder der Arzt sorgsam abw√§gen, ob die Behandlung gerechtfertigt ist und welche Dosis sich am besten eignet.

Reicht die Therapie mit Kortison nicht aus oder kommt es nach dem Ausschleichen zu einem R√ľckfall, k√∂nnen zus√§tzlich zu (dann niedrig dosierten) Kortisonpr√§paraten weitere entz√ľndungshemmende Medikamente n√∂tig sein. Diese enthalten die Wirkstoffe Methotrexat oder Azathriopin.

Zeigt diese Therapie nicht ausreichend Wirkung, können möglicherweise die Wirkstoffe Infliximab oder Adalimumab aus der Gruppe der Anti-TNF-alpha-Antikörper helfen. Diese sind nicht speziell zur Behandlung einer Sarkoidose zugelassen, können aber nach ärztlichem Ermessen zum Einsatz kommen.

Ernährung bei Sarkoidose

Es gibt keine spezielle Diät oder besondere Ernährungsweise, die bei Sarkoidose empfohlen wird. Grundsätzlich ist es jedoch ratsam, sich ausgewogen zu ernähren.

Bei Patientinnen und Patienten mit Sarkoidose kann der Calciumspiegel erh√∂ht sein. Daher sollten sie keine Nahrungserg√§nzungsmittel mit Calcium zu sich nehmen. Das gilt auch f√ľr Vitamin D, da Vitamin D die Calciumaufnahme aus dem Darm f√∂rdert.

Sarkoidose: Verlauf, Komplikationen, Lebenserwartung

Grundsätzlich ist die Prognose einer Sarkoidose gut. Wie die Erkrankung jedoch im Einzelfall verläuft, hängt unter anderem davon ab,

  • ob es sich um eine akute oder chronische Sarkoidose handelt,
  • welche Organe gesch√§digt sind und
  • wie stark die Sch√§den sind.

Obwohl die akute Sarkoidose mit heftigeren Beschwerden einhergeht, hat sie eine bessere Prognose. Eine akute Sarkoidose bildet sich fast immer von allein wieder zur√ľck, ohne Folgesch√§den zu hinterlassen. Bis die Beschwerden abgeklungen sind, vergehen oft einige Wochen, es kann aber auch bis zu zwei Jahre dauern. Nur selten geht die akute Verlaufsform in eine chronische Sarkoidose √ľber. Bis die chronische Sarkoidose ausgeheilt ist, dauert es l√§nger. Zudem kann sich die Prognose verschlechtern, wenn die Erkrankung l√§nger unentdeckt bleibt.

Verlauf bei Sarkoidose in der Lunge

Die Heilungsrate einer Sarkoidose in der Lunge hängt vor allem vom Schweregrad ab. Während bei Morbus Boeck vom Typ I sieben bis neun von zehn Erkrankten geheilt werden, sind es bei Typ III einer bis zwei. Etwa zwei von zehn Patientinnen und Patienten mit chronischer Sarkoidose entwickeln eine bleibende Lungenschädigung (Typ IV), die in aller Regel nicht heilbar ist: Ihre Lungenfunktion ist dauerhaft eingeschränkt, was die Lebenserwartung einschränken kann. In schweren Fällen kann eine Lungentransplantation nötig werden.

Welche weiteren Komplikationen sind möglich?

Wie gut die Prognose ist und welche Komplikationen auftreten können, richtet sich zudem danach, welche Organe betroffen sind. Mögliche Komplikationen sind zum Beispiel krankhafte Erweiterungen der Lungenbläschen (Bronchiektasen), Lungenfibrose, Lungenhochdruck, Herzrhythmusstörungen, eine zu geringe Sauerstoffsättigung im Blut (Ateminsuffizienz) oder chronische Nierenschwäche.

Je nachdem, welches Organ wie stark betroffen ist, kann die Lebenserwartung verk√ľrzt sein. Auch kann es sein, dass Patientinnen und Patienten vor√ľbergehend oder dauerhaft arbeitsunf√§hig sind und Anspruch auf eine Erwerbsunf√§higkeitsrente haben.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Andrea Goesch
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