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Rishi Sunak wird britischer Premierminister: Ein Königsmörder als König


Ein Königsmörder als König

  • Sonja Eichert
  • David Schafbuch
Von Sonja Eichert, David Schafbuch

Aktualisiert am 24.10.2022Lesedauer: 4 Min.
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Neuer britischer Premierminister: So kam Rishi Sunak an die Spitze. (Quelle: Reuters)
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Rishi Sunak wird neuer Premierminister Großbritanniens. Er ist nur die dritte Wahl, und er wird sich beweisen müssen – denn auch seine Weste ist nicht weiß.

Wäre der Nachfolger von Boris Johnson so bestimmt worden wie der von Liz Truss, säße Rishi Sunak längst in der Downing Street Nr. 10. Nach dem Rücktritt Johnsons im Sommer trat er bereits im Rennen um das Amt des britischen Premierministers gegen Truss an – und konnte zwar die meisten Abgeordneten der Konservativen Partei hinter sich vereinen, aber nicht die Parteibasis. Letztere entschied, und Sunak musste sich damals geschlagen geben.

Jetzt lief es anders: Mit Boris Johnson und Penny Mordaunt gaben beide Konkurrenten auf. "Rishi hat meine volle Unterstützung", schrieb Mordaunt am Montag auf Twitter. Der 42-jährige Sunak steht so als neuer Parteichef der Tories und damit zugleich als neuer Premierminister fest.

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Sunak sammelte Unterstützer – auch aus dem Johnson-Lager

Eigentlich vorgesehen war eine Wahl der Parteimitglieder zwischen den zwei oder gar drei Kandidaten, die Unterstützung von mehr als 100 Abgeordneten gehabt hätten. Sunak, der früher als Finanzminister unter Johnson diente, hatte zuletzt weit mehr als die nötigen 100 Abgeordneten hinter sich.

Sein Vorteil: Er konnte Tories unterschiedlicher Parteiflügel hinter sich vereinen. Zu seinen Unterstützern zählten unter anderem Grant Shapps, der 2019 die Johnson-Kampagne mit zum Erfolg führte, und Dominic Raab, der frühere Vize-Premier und Brexit-Minister von Johnson, ebenso Handelsministerin Kemi Badenoch und Ex-Innenministerin Suella Braverman vom rechten Rand der Partei.

Boris Johnson und Rishi Sunak (Archivbild): Das Verhältnis der beiden konservativen Politiker gilt mittlerweile als zerüttet.
Boris Johnson und Rishi Sunak (Archivbild): Das Verhältnis der beiden konservativen Politiker gilt mittlerweile als zerrüttet. (Quelle: Jack Hill/Reuters)

Nach dem Johnson-Rückzieher wechselten zudem mehrere von dessen Unterstützern in das Sunak-Lager: Außenminister James Cleverly schrieb am Montagmorgen auf Twitter, Sunak habe die größte Erfahrung und könne auf seine Unterstützung zählen. Auch Ex-Innenministerin Priti Patel sprach sich für Sunak aus.

Sunak will liefern

Zugute kommt dem 42-Jährigen, dass er die Konsequenzen von Truss' Wirtschaftsplänen vorausgesagt hatte – diese seien ein Märchen, so Sunak im Wahlkampf. Seine Idee für die Finanzpolitik ist praktisch der Gegenentwurf:

Er will den unteren Einkommenssteuersatz senken – allerdings nicht sofort, mit Rücksicht auf die Inflation. Steigen soll aber die Unternehmenssteuer. Truss hingegen plante, die Steuern für Reiche zu senken und die vorgesehene Erhöhung der Unternehmenssteuern zu streichen – die katastrophale Reaktion der Finanzmärkte war der Anstoß für ihren Rücktritt.

Sunak will nun die "Wirtschaft reparieren", die "Partei vereinen" und für das "Land liefern", schrieb er am Sonntag auf Twitter, als er seine Kandidatur bekannt gab.

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Doch Sunak wird sich beweisen müssen, nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch in der Partei. Für viele gilt er als sprichwörtlicher "Königsmörder". Denn erst sein Rücktritt als Finanzminister hatte die parteiinterne Rebellion ausgelöst, die Boris Johnson im Sommer zum Aufgeben zwang. Einige Tories halten ihn deshalb noch immer für einen Verräter.

Aufsteigergeschichte mit Rissen

Und auch in der Öffentlichkeit hat er einen schwierigen Stand. Sunak ist Hindu, der erste nicht-weiße Premierminister des Landes, und präsentiert sich als Aufsteiger aus einer Einwandererfamilie. Seine Großeltern stammen aus Punjab, einer ehemaligen Provinz Britisch-Indiens auf dem Gebiet des heutigen Indiens und Pakistans.

Seine Eltern wurden in Tansania beziehungsweise Kenia geboren. In den Sechzigerjahren kamen die Familien nach Southampton, wo seine Mutter als Apothekerin, sein Vater als Arzt arbeitete. Sunak studierte an den Eliteuniversitäten in Oxford und im amerikanischen Stanford.

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Dort lernte er seine spätere Frau Akshata Murthy kennen, Tochter eines milliardenschweren indischen IT-Unternehmers. Mit ihr hat er zwei Töchter. Vor seiner Politkarriere war Sunak im Finanzwesen tätig, unter anderem bei der Investmentbank Goldman Sachs.

Sunak mit seiner Familie: Mit Akshata Murthy hat er zwei Töchter – Anoushka und Krishna.
Sunak mit seiner Familie: Mit Akshata Murthy hat er zwei Töchter – Anoushka und Krishna. (Quelle: Peter Nicholls/Reuters)

Sunak selbst erzählt in einem Video zu seiner Kandidatur im Sommer: "Meine Familie gab mir Möglichkeiten, von denen sie selbst nur träumen konnte." Er sei Politiker geworden, weil jeder in Großbritannien die Chance haben sollte, seinen Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Mit Prada auf der Baustelle

Doch seine Aufstiegsgeschichte bekam schnell Risse: Im Netz kursierten Ausschnitte einer BBC-Dokumentation, die Sunak mit Anfang 20 zeigen. Darin spricht er davon, dass er Freunde aus der Oberschicht oder mit Adelstiteln habe, aber keine aus der Arbeiterklasse. Gerne ermutige er auch Kinder aus staatlichen Schulen dazu, sich später in Oxford zu bewerben. Er selbst besuchte als Schüler ein Eliteinternat.

Im klassenbewussten Königreich sind solche Aussagen nicht gerade hilfreich fürs Image. Plötzlich wirkte Sunak weniger als sympathischer Aufsteiger, sondern vielmehr wie ein Karriererist, dem es früh an Bodenhaftung mangelte. Bestätigt wurde dieses Bild, als im Juli beim Besuch einer Baustelle die Wahl seines Schuhwerks auffiel: Loafer der Luxusmarke Prada für mehr als 500 Euro.

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Im Sommer erschienen er und seine Frau zudem erstmals auf der "Rich List" der Zeitung "The Times": Mit einem gemeinsamen Vermögen von 730 Millionen Pfund (rund 841 Millionen Euro) landeten sie auf Platz 222 der reichsten Briten.

Sunak, damals noch ihr Finanzminister, auf der Liste wiederzufinden, stieß vielen Briten sauer auf – zumal erst Wochen zuvor öffentlich geworden war, dass seine Frau jahrelang Steuern in Millionenhöhe vermieden hatte. Sie war in Großbritannien nicht offiziell gemeldet – eine legale Praxis. Doch die oppositionelle Labour-Partei warf Sunak Heuchelei vor.

Zur gleichen Zeit erhielt er im Zuge der "Partygate"-Affäre zudem einen Bußgeldbescheid: Gemeinsam mit Johnson und weiteren Regierungsmitgliedern hatte er im Juni 2020 gegen die Corona-Regeln verstoßen, als sie gemeinsam den Geburtstag des Premiers feierten. Sunaks Umfragewerte sanken, nachdem er sich in der Pandemie eigentlich viel Zuspruch erarbeitet hatte: Entgegen der konservativen Parteilinie nahm er als Finanzminister unter anderem neue Schulden auf, um viele Arbeitsplätze zu sichern.

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Zweite Chance als dritte Wahl

Sunak profitiert somit vor allem von den Verfehlungen seiner Vorgänger: Seine zweite Chance führt ihn nun ins Amt – nach Johnson und Truss ist er gewissermaßen die dritte Wahl der Tories. Vom Volk gewählt ist er nicht.

Größere Kehrtwenden dürfte seine Amtszeit mit Ausnahme des finanzpolitischen Bereichs nicht bringen: Der bekennende Brexit-Befürworter will den Bruch des Nordirland-Protokolls beschleunigen – ein Schritt, der die Beziehungen zur EU weiter belasten dürfte. Er will die Anzahl an Geflüchteten in Großbritannien begrenzen und das Aufnahmeabkommen mit dem afrikanischen Staat Ruanda vorantreiben. Er steht hinter der Unterstützung für die Ukraine und will die Mehrwertsteuer auf Energie senken.

Seine größte Herausforderung wird es wohl werden, die gespaltenen Tories wieder zu vereinen: "Man kann nicht effektiv regieren, wenn man keine geeinte Partei im Parlament hat", begründete Boris Johnson seinen Rückzug. Diese Mammutaufgabe wird nun Sunak zuteil.

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Verwendete Quellen
  • t-online: "Sympathischer Aufsteiger – oder überehrgeiziger Intrigant?"
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters
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Von Nilofar Eschborn
Von Wladimir Kaminer
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