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Globale R├╝stungsexporte gesunken: Importwachstum in Europa

Von dpa
Aktualisiert am 14.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-35 fliegt ├╝ber der Eifel bei Spangdahlem.
Ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-35 fliegt ├╝ber der Eifel bei Spangdahlem. (Quelle: Harald Tittel/dpa./dpa)
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Stockholm (dpa) - Weltweit sind in den vergangenen f├╝nf Jahren weniger R├╝stungsg├╝ter wie Kampfflugzeuge, Panzer und U-Boote exportiert worden als zuvor.

Das Volumen der internationalen Waffenlieferungen sank in den Jahren 2017 bis 2021 im Vergleich zum vorherigen F├╝nfjahreszeitraum um 4,6 Prozent, wie aus einem am Montag ver├Âffentlichten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervorgeht. Im Vergleich zu den Jahren 2007 bis 2011 bedeuten die neuen Werte hingegen ein Plus von 3,9 Prozent. Deutschland z├Ąhlt weiter zu den f├╝nf gr├Â├čten R├╝stungsexporteuren.

Trotzdem viel h├Âheres Niveau

Trotz des leichten R├╝ckgangs im F├╝nfjahresvergleich bef├Ąnden sich die globalen Waffenlieferungen in den vergangenen zehn Jahren auf einem viel h├Âheren Niveau als zuvor, sagte Sipri-Experte Siemon Wezeman der Deutschen Presse-Agentur. "Die Welt ist kein sichererer Ort als zu Beginn der 90er Jahre oder am Ende des Kalten Krieges." Und dies betreffe den Zeitraum vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor zweieinhalb Wochen, betonte Wezeman.

Gr├Â├čere coronabedingte Auswirkungen auf die Zahlen gab es dem Sipri-Experten zufolge nicht. Vielmehr seien in L├Ąndern wie Finnland und der Schweiz Beschl├╝sse getroffen worden, um eine betr├Ąchtliche Anzahl an Gro├čwaffen zu kaufen. "Die Pl├Ąne haben sich durch Corona nicht ge├Ąndert. Sie sind auf Kurs." Bei mehreren europ├Ąischen Staaten rechnen die Friedensforscher angesichts von j├╝ngst get├Ątigten Gro├čauftr├Ągen vor allem f├╝r US-Kampfflugzeuge mit klar zunehmenden Importzahlen im Laufe des kommenden Jahrzehnts.

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Auch die Bundesregierung will neue Kampfjets aus den USA beschaffen, wie in Berlin verk├╝ndet wurde. Die Luftwaffe soll in einem milliardenschweren Modernisierungsprogramm mit bis zu 35 F-35-Tarnkappenjets des US-Herstellers Lockheed Martin als Nachfolger der Tornado-Flotte ausger├╝stet werden. Die F-35 sei das modernste Kampfflugzeug weltweit, viele Partner in Europa h├Ątten sich ebenfalls daf├╝r entschieden, sagte der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz.

Gro├če regionale Unterschiede

Der geringe R├╝ckgang der internationalen R├╝stungslieferungen verbirgt Sipri zufolge gro├če Unterschiede zwischen den Weltregionen. W├Ąhrend S├╝damerika zum Beispiel so wenige R├╝stungsg├╝ter importiert habe wie seit 50 Jahren nicht mehr, tr├╝gen steigende oder unver├Ąndert hohe Einfuhrzahlen in Europa, Ostasien, Ozeanien und dem Nahen Osten zu Aufr├╝stung bei. Das Importvolumen der Staaten Europas stieg demnach um 19 Prozent. Dies lasse sich zumindest zum Teil auf die deutliche Verschlechterung der Beziehungen zu Russland zur├╝ckf├╝hren.

Der Vorsprung der USA als absoluter Branchenprimus unter den 60 waffenexportierenden Staaten w├Ąchst weiter. Vor allem wegen ihrer Milit├Ąrflugzeuge sind die Vereinigten Staaten f├╝r 39 Prozent aller R├╝stungsexporte verantwortlich. Dieser Anteil ist mehr als doppelt so gro├č wie der von Russland auf Rang zwei.

W├Ąhrend die US-R├╝stungsschmieden auf ein F├╝nfjahreswachstum von 14 Prozent kamen, lag diese Zunahme im Falle von Frankreich sogar bei 59 Prozent. Im Gegensatz dazu nahmen die russischen R├╝stungsexporte um 26 Prozent ab. Der R├╝ckgang l├Ąsst sich fast ausschlie├člich dadurch erkl├Ąren, dass die Lieferungen an den weltgr├Â├čten Waffenimporteur Indien und an Vietnam einsackten. Mehr Ausfuhren nach China und ├ägypten konnten das nicht aufwiegen.

Hat der R├╝ckgang der russischen Exporte etwas mit dem Vorgehen des Riesenreichs in der Ukraine zu tun? "Ich denke, die Verbindung ist eine indirekte", sagte Wezeman. Die Zahlen spiegelten teils wider, wie schwer es f├╝r Russland sei, neue Abnehmer zu finden, w├Ąhrend ├Ąltere wie Indien und China nach neuen Lieferanten suchten oder st├Ąrker selbst produzierten. Die USA und europ├Ąische L├Ąnder ├╝bten zudem Druck auf Staaten wie Indien, Algerien und ├ägypten aus, auf russische Waffenlieferungen zu verzichten. Dieser Druck d├╝rfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen, vermutet Wezeman.

Westen sucht Verb├╝ndete

Ein weiterer Aspekt sei der technologische Standard der russischen R├╝stungsg├╝ter - was man derzeit auch in der Ukraine sehen k├Ânne. Modern seien viele der Waffen nicht, einige gar v├Âllig ├╝berholt. Eine weitere Folge des Ukraine-Kriegs d├╝rfte Wezeman zufolge sein, dass der Westen auf der Suche nach weiteren Verb├╝ndeten sei - auch mit Hilfe des Lockmittels Waffenlieferungen.

Komplettiert werden die f├╝nf gr├Â├čten Waffenexporteure der Erde letztlich weiter von China und Deutschland. Die Bundesrepublik verzeichnete Sipri zufolge einen R├╝ckgang des Exportvolumens um 19 Prozent zum vorherigen F├╝nfjahreszeitraum und um 49 Prozent im Vergleich zu 2007 bis 2011. Solche Zahlen k├Ânnten sich mit einem Gro├čauftrag schnell verschieben, ordnete Wezeman ein. Deutsche Waffenlieferungen wie Fregatten, U-Boote und gepanzerte Fahrzeuge machen nun f├╝r 4,5 Prozent der weltweiten R├╝stungsexporte aus.

Ukraine auf Platz 14

Und die Ukraine? Trotz des schon seit Jahren anhaltenden Konflikts mit Russland waren die Importe des Landes in den Jahren 2017 bis 2021 sehr begrenzt. Sie machten dem Sipri-Bericht zufolge nur 0,1 Prozent der globalen Gesamtzahlen aus. Waffenlieferungen an die Ukraine h├Ątten generell mehr eine politische als eine milit├Ąrische Bedeutung gehabt. Bis Februar h├Ątten zudem mehrere gro├če Exportl├Ąnder ihre Lieferungen beschr├Ąnkt - aus Sorge, zu einer Eskalation beizutragen.

Zugleich liegt die Ukraine in der weltweiten Rangliste der waffenexportierenden L├Ąnder auf Platz 14. Wezeman rechnet damit, dass sich dies nun ├Ąndert: Zum einen ben├Âtige die Ukraine ihre Waffen jetzt selbst. Zum anderen bef├Ąnden sich gro├če Teile ihrer R├╝stungsindustrie in gef├Ąhrdeten und umk├Ąmpften Gebieten, etwa in Charkiw.

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