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Putin bekommt eine doppelte Ohrfeige

Von Patrick Diekmann

Aktualisiert am 04.04.2022Lesedauer: 5 Min.
Wladimir Putin: Der russische PrĂ€sident hatte die UnterstĂŒtzung von Belarus in seinem Kriegsplan eingerechnet.
Wladimir Putin: Der russische PrĂ€sident hatte die UnterstĂŒtzung von Belarus in seinem Kriegsplan eingerechnet. (Quelle: Kremlin/imago-images-bilder)
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Russland will seine Kampfhandlungen um Kiew herunterfahren. Schuld am vorlÀufigen Scheitern von Putins Feldzug in der Region ist auch die belarussische Armee.

Dieser Plan von Wladimir Putin ist völlig schiefgelaufen: Eigentlich sollte die belarussische Armee an der Seite von Russland im Ukraine-Krieg kĂ€mpfen, doch der interne Widerstand war offenbar erheblich. Statt mitzukĂ€mpfen, verpasste Belarus dem russischen PrĂ€sidenten im ĂŒbertragenen Sinne zwei Ohrfeigen. So passt das Problem mit Belarus in die Reihe russischer FehleinschĂ€tzungen.


Mariupol: Das verheerende Ausmaß des Krieges

Mariupol wird seit Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine am 24. Februar mitunter am meisten beschossen. Die Konsequenz: Der Großteil der Hafenstadt ist massiv zerstört, Tausende Menschen sollen ukrainischen Angaben zufolge bereits ums Leben gekommen sein. Das Ausmaß in Bildern.
Verbrannte Autos in Mariupol: Zehntausende Menschen haben ihr Zuhause verloren und sind aus der Stadt geflohen. Die Flucht ist jedoch nicht ungefĂ€hrlich – immer wieder kommt es zu Angriffen auf Zivilisten. Die russische Armee bestreitet, Zivilisten gezielt anzugreifen.
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In Putins Kriegsplan hatte die belarussische Armee ursprĂŒnglich eine wichtige Aufgabe, auch wenn sie schlecht ausgerĂŒstet und ihre Kampfkraft damit beschrĂ€nkt ist. So berichteten Deserteure, dass sie von Brest in Richtung SĂŒden vorstoßen sollten, um die Grenze nach Polen zu sichern und damit den Nachschub von Waffen und Munition aus dem Westen in die Ukraine zu unterbinden.

Russische Armee scheitert im Norden der Ukraine

Doch der Plan ist gescheitert, was den Kreml auch zu einem Strategiewechsel gezwungen hat. Das russische Verteidigungsministerium kĂŒndigte an, dass es sich bei der "MilitĂ€roperation" nun auf die Ostukraine konzentrieren wolle. Am Dienstag fĂŒgte es dann noch hinzu, dass die Kampfhandlungen um Kiew "massiv verringert" werden sollen. Das kann natĂŒrlich eine militĂ€rische Finte sein. Aber es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass sich Moskau den militĂ€rischen RealitĂ€ten ergibt.

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Denn im Norden sind die eigenen Truppen lĂ€ngst auf dem RĂŒckzug. In Irpin – nordwestlich von Kiew – sollen nach Angaben westlicher Journalisten 3.000 russische Soldaten eingekesselt worden sein. Auch in weiteren Orten wurden die russischen Linien immer weiter zurĂŒckgedrĂ€ngt – und mit jedem Kriegstag steigt die Moral der Ukrainer.

Lukaschenko muss sich revanchieren

Der Sturm auf Kiew könnte so als großes militĂ€risches Debakel enden – mit enormen personellen Verlusten und zerstörtem militĂ€rischem GerĂ€t auf russischer Seite.

Einen Anteil daran hat auch Belarus. Alexander Lukaschenko – Machthaber von Putins Gnaden – stellte sich zwar von Anfang an auf die Seite des russischen Angriffskrieges. Eine große Wahl hatte er aber nicht, schließlich half ihm Putin, die regimekritischen Proteste in Belarus im vergangenen Jahr niederzuschlagen. Zur UnterstĂŒtzung schickte der Kreml damals FSB-Agenten und drohte der belarussischen Opposition sogar mit dem Einmarsch. Im Ukraine-Krieg sollte Lukaschenko sich nun revanchieren.

Am 11. MĂ€rz trafen sich Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko in Moskau: Seit mehr als zwei Wochen tobte zu diesem Zeitpunkt schon der Angriffskrieg in der Ukraine.
Am 11. MĂ€rz trafen sich Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko in Moskau: Bereits seit mehr als zwei Wochen tobte zu diesem Zeitpunkt der Angriffskrieg in der Ukraine. (Quelle: imago-images-bilder)

Im Vorfeld des Krieges trainierten die Armeen der beiden LĂ€nder nicht nur zusammen bei Manövern den Ernstfall. Lukaschenko ließ auch vor wenigen Wochen seine Verfassung anpassen, sodass Russland Nuklearwaffen auf belarussischem Staatsgebiet stationieren darf. Die russische Armee nutzte Belarus auch als Aufmarschgebiet fĂŒr seine Invasion. Und ukrainische StĂ€dte werden von belarussischem Staatsgebiet mit russischen Raketen beschossen.

All das wĂ€re vor einem Jahr – also vor den Protesten gegen Lukaschenko – noch undenkbar gewesen. Zwar war Belarus auch vorher wirtschaftlich extrem abhĂ€ngig von Russland, aber der belarussische Diktator versuchte stets in der Bevölkerung zu punkten, indem er die SouverĂ€nitĂ€t seines Landes verbal verteidigte.

Demoralisierung der belarussischen Armee

Damit ist seit vergangenem Jahr Schluss. Im Schatten des russischen Truppenaufmarsches gegen die Ukraine hat Putin auch Belarus vereinnahmt – ohne große Gegenwehr und ohne dass das international groß registriert worden wĂ€re. Die belarussische Opposition ist ohnehin in Teilen ins Ausland geflohen, um den Repressionen des Regimes zu entgehen. In Belarus droht ihnen nicht nur GefĂ€ngnis, sondern auch Folter.

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Doch Ă€hnlich wie in der Ukraine unterschĂ€tzte der Kreml die Reaktion der Bevölkerung. Das Politikmagazin "Politico" berichtete, dass laut Umfragen nur drei Prozent der Belarussen fĂŒr die UnterstĂŒtzung des Krieges in der Ukraine sind.

Anzeichen, dass es doch so kommt, gab es immer wieder. Ab der zweiten Kriegswoche formierten sich lange belarussische Konvois, die allerdings nie ĂŒber die Grenze in die Ukraine fuhren. Der Grund war offenbar, dass Teile der belarussischen Armee revoltierten.

Swetlana Tichanowskaja: Sie lebt seit der gefÀlschten Wahl in Belarus im Jahr 2021 im Exil.
Swetlana Tichanowskaja: Sie lebt seit der gefÀlschten Wahl in Belarus im Jahr 2021 im Exil. (Quelle: imago-images-bilder)

"Wir wissen, dass unter Offizieren im MilitĂ€r ein hohes Maß an Demoralisierung herrscht", sagte Franak Viačorka, ein hochrangiger Berater der im Exil lebenden OppositionsfĂŒhrerin Swetlana Tichanowskaja, der israelischen Tageszeitung "Israel Hayom". Demnach sind Offiziere und Wehrdienstleistende desertiert, zurĂŒckgetreten oder außer Landes geflohen, um nicht kĂ€mpfen zu mĂŒssen. Die Opposition ging fest davon aus, dass sich Lukaschenko dem Krieg anschließen wollte und hat in den Kreisen der StreitkrĂ€fte dagegen mobilisiert.

Putin und Lukaschenko ziehen Notbremse

Vieles spricht dafĂŒr, dass ihre BefĂŒrchtungen richtig waren. Einer der hochrangigen MilitĂ€rs, der zurĂŒckgetreten sein soll, war der Chef des Generalstabs der belarussischen StreitkrĂ€fte, Viktor Gulevich. In einem Brief, den er offenbar an den Verteidigungsminister Viktor Khrenin geschrieben hat, erklĂ€rte er, sein RĂŒcktritt sei auf die massive Weigerung von MilitĂ€reinheiten zurĂŒckzufĂŒhren, sich an Operationen gegen die Ukraine zu beteiligen.

Außerdem berichten Menschenrechtsorganisationen, dass in Belarus MĂ€nner im Alter von 18 bis 58 Jahren angewiesen wurden, sich in RekrutierungsbĂŒros der Armee zu melden. Dort sollten ihre PĂ€sse und ihre Handys eingesammelt werden, scheinbar um eine Flucht aus dem Land zu erschweren.

Letztlich hat sich Lukaschenko dann – wahrscheinlich in RĂŒcksprache mit Putin – gegen einen Eingriff in den Ukraine-Krieg entschieden. Das Risiko war wahrscheinlich zu groß, dass sich die eigenen Truppen gegen ihn wenden und am Ende mit der Ukraine kĂ€mpfen wĂŒrden. Das hĂ€tte auch seine Macht in Belarus erneut gefĂ€hrdet.

In Teilen der belarussischen Opposition habe man gar gehofft, dass Lukaschenko diesen "dummen Fehler" mache, wie Viačorka auf Twitter schreibt. Doch der belarussische Diktator stellte im Parlament kĂŒrzlich klar: "Belarus wird nicht an der Spezialoperation der Russischen Föderation in der Ukraine teilnehmen."

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Zweite Ohrfeige fĂŒr Putin

Nicht kĂ€mpfen? Viele belarussische Soldaten wollen offenbar noch weiter gehen. Sie haben sich fĂŒr ukrainische FreiwilligenverbĂ€nde gemeldet, um gegen Russland zu kĂ€mpfen. Das ist die zweite Ohrfeige fĂŒr Putin.

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Es ist unklar, um wie viele belarussische KĂ€mpfer es genau geht. Doch es dĂŒrften Hunderte sein. Am Sonntag berichtete die ukrainische Zeitung "Prawda", dass sich ein ganzes Bataillon mit 200 belarussischen KĂ€mpfern der Ukraine angeschlossen habe. In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder von belarussischen Soldaten, die in ukrainischen StĂ€dten kĂ€mpfen – zum Beispiel am Schwarzen Meer oder in Mariupol.

Damit nicht genug, denn Russland bekommt auch in Belarus immer mehr Gegenwehr. So legten Saboteure zum Beispiel Bahnschienen lahm, damit die russische Armee militÀrisches GerÀt nicht mehr schnell an die Grenze verlegen kann.

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"Lukaschenko ist nur noch eine Puppe von Putin", sagte ein belarussischer Soldat, der fĂŒr die Ukraine kĂ€mpft, dem US-Sender ABC News. Sie sehen sich in einer Schicksalsgemeinschaft mit der Ukraine, im Kampf um ihre UnabhĂ€ngigkeit von Russland. "Hoffentlich wird Lukaschenko in der Ukraine eingreifen. Dann werden wir seine Truppen auf ukrainischem Boden zerstören und dann weniger Probleme haben, wenn wir in unser Heimatland zurĂŒckkehren."

Es sind Aussagen, die zeigen, wie schwierig es fĂŒr Putin sein wird, seine Großmachtfantasien zu verwirklichen. Die Gegenwehr nimmt immer weiter zu – in der Ukraine, aber auch in Belarus.

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