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Die Ereignisse der Nacht: Explosionen in Lwiw

Von dpa
Aktualisiert am 06.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Fahrzeuge passieren einen militÀrischen Kontrollpunkt in Lviv, wÀhrend die russische Invasion in der Ukraine weitergeht.
Fahrzeuge passieren einen militÀrischen Kontrollpunkt in Lviv, wÀhrend die russische Invasion in der Ukraine weitergeht. (Quelle: Dominika Zarzycka/dpa-bilder)
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Die GrĂ€uel von Butscha im russischen Krieg gegen die Ukraine feuern die weltweite Debatte an: Was tun gegen Moskau? Im Folgenden ein Überblick zum Geschehen in der Nacht.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj fordert wegen der KriegsgrĂ€uel von Butscha noch hĂ€rtere Sanktionen des Westens gegen Russland. Diese mĂŒssten der Schwere der "Kriegsverbrechen" angemessen sein, sagte Selenskyj in der Nacht zum Mittwoch. Die US-Regierung befĂŒrchtet die Entdeckung weiterer Untaten und plant bereits weitere Strafmaßnahmen gegen Moskau an, darunter ein Investitionsverbot. Europa erwĂ€gt einen Importstopp fĂŒr Kohle und damit erstmals ein Teilembargo gegen russische Energie.

Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj bei seiner Videoansprache.
Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj bei seiner Videoansprache. (Quelle: Bildschirmfoto)

Nach dem RĂŒckzug russischer Truppen aus dem Gebiet nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew hatten Aufnahmen von Leichen auf den Straßen des Vororts Butscha international fĂŒr Entsetzen gesorgt. Die Ukraine macht russische Truppen fĂŒr die GrĂ€ueltaten verantwortlich. Moskau bestreitet die VorwĂŒrfe und spricht von einer Inszenierung, allerdings ohne Beweise oder Belege.

Zeitung veröffentlicht Videoaufnahme

Die "New York Times" veröffentlichte in der Nacht von ihr verifizierte Videoaufnahmen, die tödliche SchĂŒsse russischer Soldaten auf einen Zivilisten in Butscha belegen sollen. Das ukrainische Video stamme von Ende Februar – kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Die MilitĂ€rverwaltung von Homostel – eines Nachbarorts von Butscha – erklĂ€rte laut lokalen Medien, dort wĂŒrden nach der russischen Besatzung rund 400 Bewohner vermisst. Mehrere Bewohner von Hostomel seien auch in Butscha gefunden worden. Sehen Sie hier die Videoaufnahmen.

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Aus Sicht der US-Regierung sind die GrÀueltaten von Butscha womöglich nur "die Spitze des Eisbergs". In Gebieten in der Ukraine, zu denen es noch keinen Zugang gebe, hÀtten russische Truppen "wahrscheinlich auch GrÀueltaten begangen", sagte Regierungssprecherin Jen Psaki.

Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron sagte nach einem GesprĂ€ch mit dem ukrainischen Staatsoberhaupt Selenskyj UnterstĂŒtzung fĂŒr die AufklĂ€rung der GrĂ€ueltaten zu, unter anderem in Form einer Sonderzahlung an den Internationalen Strafgerichtshof. In dem Telefonat redeten die beiden PrĂ€sidenten auch ĂŒber Vergewaltigungen, die russische Soldaten in der Ukraine begangen haben sollen, wie es aus der französischen Regierung hieß.

Wieder Explosionen in Lwiw

Selenskyj sagte einer in der Nacht verbreiteten Videobotschaft, die ukrainischen StreitkrĂ€fte hielten die meisten Gebiete, in die Russland versucht habe vorzudringen. Am schwierigsten sei die Lage im Donbass und im Gebiet Charkiw im Osten des Landes. Russland sei zudem dabei, mehr Truppen fĂŒr eine neue Offensive in die Ukraine zu schicken. Ukrainische Medien berichteten in der Nacht ĂŒber Explosionen in den Gebieten Lwiw (Lemberg) im Westen und Dnipropetrowsk im SĂŒdosten des Landes. Informationen ĂŒber Opfer oder SchĂ€den gab es aber vorerst nicht.

Am Dienstag war es nach Angaben aus Kiew gelungen, 3.800 Menschen aus umkĂ€mpften Gebieten zu retten, darunter rund 2.200 Menschen aus der grĂ¶ĂŸtenteils zerstörten Stadt Mariupol und dem nahen Berdjansk. Das russische Verteidigungsministerium meldete laut Agentur Tass, binnen 24 Stunden seien mehr als 18.600 Menschen aus "gefĂ€hrlichen Bezirken" der Ukraine, der Region Luhansk und Donezk gerettet worden. Zugleich kĂŒndigte das Verteidigungsministerium weitere Gefechte um Mariupol an, da die Ukraine Aufforderungen zum Abzug ignoriere.

Lawrow warnt vor Sabotage der Verhandlungen mit Russland

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte die Ukraine vor einer Sabotage der Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew fĂŒr eine Ende der KĂ€mpfe. Russland werde sich nicht auf ein "Katz-und-Maus-Spiel" einlassen wie in den vergangenen Jahren bei dem Friedensplan fĂŒr die Ostukraine, sagte Lawrow in einem von seinem Ministerium verbreiteten Video. Er meinte zudem, die Lage in Butscha werde benutzt, um von den Verhandlungen abzulenken.

USA: Werden alle Investitionen in Russland verbieten

Der Westen bereitet wegen der KriegsgrĂ€uel neue Strafmaßnahmen gegen Moskau vor. US-Regierungssprecherin Psaki sprach nicht nur von einem Verbot aller neuen Investitionen in Russland. Zudem sollen bestehende Sanktionen gegen russische Banken und staatliche Unternehmen verschĂ€rft und weitere Personen aus der russischen FĂŒhrung und deren Familienmitglieder mit Strafmaßnahmen belegt werden. Die Sanktionen wĂŒrden in enger Abstimmung mit den Partnern in Europa und den ĂŒbrigen Staaten der G7-Gruppe eingefĂŒhrt.

Die EU-Kommission hatte am Mittwoch erstmals auch einen Importstopp fĂŒr russische Kohle vorgeschlagen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck signalisierte Zustimmung, obwohl sich Deutschland bisher aus Furcht vor wirtschaftlichen Turbulenzen gegen ein sofortiges Embargo gegen russische Energieimporte gewandt hatte.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie stellte sich hinter neue SanktionsplÀne. "Die GrÀueltaten in Butscha verlangen nach einer entschiedenen, unmissverstÀndlichen Reaktion des Westens", sagte BDI-PrÀsident Siegfried Russwurm der Deutschen Presse-Agentur. Die Umsetzung eines Kohleembargos sei aber nicht einfach.

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Klingbeil: Weitere Waffenlieferungen an Ukraine prĂŒfen

SPD-Chef Lars Klingbeil sprach sich fĂŒr ein Kohleembargo aus und kĂŒndigte an, die Bundesregierung werde auch weitere Waffenlieferungen an die Ukraine prĂŒfen. "Wir haben gerade in diesen Tagen gesehen, was Putin fĂŒr ein furchtbarer Kriegsverbrecher ist, das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben", sagte Klingbeil in der Sendung "RTL Direkt" am Dienstagabend. Es mĂŒsse in großem Tempo geprĂŒft werden, was noch geliefert werden könne.

Das wird heute wichtig

Der Bundestag debattiert ĂŒber die GrĂ€ueltaten von Butscha. Davor wird Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vom Parlament befragt.

Abends kommen die Außenminister der 30 Nato-Staaten in BrĂŒssel zusammen. Es geht unter anderem um eine VerstĂ€rkung der Nato-Ostflanke. DafĂŒr warb bereits der US-Generalstabschef Mark Milley im US-Kongress. Russland lehnt dies kategorisch ab.

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