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Weiterhin Widerstand in Mariupol – Die Ereignisse der Nacht

Von dpa
Aktualisiert am 22.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Russische Truppen in Mariupol: Die Kämpfe halten in der Hafenstadt an.
Russische Truppen in Mariupol: Die Kämpfe in der Hafenstadt halten an. (Quelle: Chingis Kondarov/Reuters-bilder)
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Kiew zufolge ist Moskau auf Forderungen einer Feuerpause ĂĽber die orthodoxen Osterfeiertage nicht eingegangen. Russische Einheiten konnten offenbar vereinzelt Fortschritte im Donbass erzielen. Das Wichtigste zusammengefasst.

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat Russland den Vorschlag einer Feuerpause über die orthodoxen Osterfeiertage abgelehnt. Moskau verlege zudem weiter Truppen für den Krieg in die Ukraine. Zuletzt konnten russische Einheiten im Donbass offenbar vereinzelt Fortschritte verzeichnen. Die Bundesregierung will Mittel für den Wiederaufbau der Ukraine bereitstellen. Fridays for Future möchte an diesem Freitag europaweit gegen Gas aus Russland demonstrieren.


Ukraine-Krieg: Die Schlacht um Mariupol – eine Chronik

Russland hat nach fast zwei Monaten erbitterter Kämpfe den Fall der ukrainischen Hafenstadt Mariupol verkündet. Die strategisch wichtige Stadt in der Südukraine liegt direkt am Asowschen Meer – und wurde seit den ersten Tagen des Krieges erbittert verteidigt.
Tausende Menschen fliehen aus Mariupol. Immer wieder werden die FlĂĽchtlinge auch auf dem Weg angegriffen.
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Selenskyj kritisierte, dass die Absage einer Feuerpause zum Osterfest der orthodoxen Christen an diesem Wochenende zeige, was der christliche Glaube und einer der fröhlichsten und wichtigsten Feiertage den Führern Russlands bedeute. "Wir werden aber trotzdem die Hoffnung behalten. Die Hoffnung auf Frieden, die Hoffnung darauf, dass das Leben über den Tod siegt", sagte Selenskyj.

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Unter anderem hatte Papst Franziskus im Vorfeld des Osterfestes der orthodoxen Christen an diesem Wochenende zu einer Waffenruhe aufgefordert. Orthodoxe Christen begehen Ostern in diesem Jahr am 24. April. Sie stellen die größte Glaubensgruppe in der Ukraine.

Selenskyj: Weiterhin Widerstand in Mariupol

Selenskyj zufolge dauert der Widerstand in der Hafenstadt Mariupol an. Die Stadt widersetze sich weiter Russland, sagte er in der Nacht zum Freitag. "Trotz allem, was die Besetzer ĂĽber sie sagen."

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Stadt am Donnerstag für erobert erklärt. Allerdings haben sich in dem dortigen Stahlwerk Asowstal nach russischen Angaben mehr als 2.000 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt. Sie gingen bisher nicht auf Putins Forderungen ein, die Waffen niederzulegen. Putin ordnete keine Erstürmung, sondern eine hermetische Abriegelung des Geländes an.

Laut dem US-Kriegsforschungsinstitut ISW ist es "eher unwahrscheinlich", dass durch eine Reduzierung des Operationstempos in Mariupol nun signifikante Kräfte für russische Offensiven an anderen Orten im Osten frei werden. Russische taktische Bataillone hätten im Kampf um die Stadt hohe Verluste erlitten und bräuchten Zeit für eine Verlegung, heißt es in der jüngsten ISW-Analyse. Ein Teil der dort eingesetzten Truppen werde zudem für mehrere andere Missionen gebraucht, darunter die Belagerung des Stahlwerks oder die Sicherung der restlichen Stadt.

Wolodymyr Selenskyj bei einer Pressekonferenz (Archivbild): Der ukrainische Präsident hatte einen Feuerpause vorgeschlagen.
Wolodymyr Selenskyj bei einer Pressekonferenz (Archivbild): Der ukrainische Präsident hatte eine Feuerpause vorgeschlagen. (Quelle: Efrem Lukatsky/dpa-bilder)

Ukraine: Russische Truppen haben 42 Orte in Donezk eingenommen

Laut einer Beraterin des ukrainischen Präsidentenbüros haben russische Truppen binnen 24 Stunden 42 Orte in der Region Donezk im Osten besetzt. Insgesamt kontrollierten russische Einheiten aktuell in der gesamten Ukraine mehr als 3.500 Orte, sagte Olena Simonenko in der Nacht zum Freitag im ukrainischen Einheitsfernsehen. Zuletzt waren auch russische Vorstöße in der Region Luhansk gemeldet worden.

Tote und Verletzte nach Beschuss in mehreren ukrainischen Regionen

Ukrainischen Angaben zufolge sind in mehreren Regionen im Osten und Süden des Landes Menschen durch Beschuss verletzt oder getötet worden. In der Region Charkiw seien zwei Personen ums Leben gekommen, nachdem ein Geschoss in ihr Auto eingeschlagen war. Insgesamt seien am Donnerstag in der Region Charkiw etwa 50 russische Angriffe durch Artillerie und Mehrfachraketenwerfer registriert worden, sagte der Gouverneur Oleh Synjehubow.

Aus der südlichen Stadt Saporischschja hieß es, bei zweimaligem Beschuss der Stadt am Donnerstag seien acht Personen verletzt worden. Die Druckwelle einer Rakete habe unter anderem die Fenster von vier Waggons eines Evakuierungszuges zerstört. In der Region Dnipropetrowsk seien bei drei Raketenangriffen fünf Menschen verletzt und Bahngleise völlig zerstört worden. Auch aus der südlichen Großstadt Mykolajiw wurde in der Nacht zum Freitag erneut Beschuss berichtet. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Selenskyj: Ukraine wird fĂĽr Wiederaufbau Hunderte Milliarden brauchen

Wegen des russischen Angriffskriegs braucht die Ukraine nach Einschätzung von Präsident Selenskyj monatlich rund sieben Milliarden US-Dollar (rund 6,5 Milliarden Euro), um ihre wirtschaftlichen Verluste auszugleichen. Zudem werde die Ukraine "Hunderte Milliarden Dollar brauchen, um später wieder alles aufzubauen", sagte Selenskyj am Donnerstag per Videoschalte bei einer internationalen Geberkonferenz der Weltbank in Washington.

US-Regierung liefert neu entwickelte Drohne in die Ukraine

Die USA haben nach Angaben des Pentagons einen neuartigen Drohnentyp entwickelt, der Anforderungen des ukrainischen Militärs entspricht und nun weiter angepasst werden soll. "In Gesprächen mit den Ukrainern über ihre Anforderungen waren wir der Meinung, dass dieses spezielle System sehr gut für ihre Bedürfnisse geeignet wäre, insbesondere in der Ostukraine", sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstagnachmittag (Ortszeit). Die Entwicklung der Drohne mit dem Namen "Phoenix Ghost" habe bereits vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs begonnen. Man wolle diese weiter so vorantreiben, dass sie noch besser zu den ukrainischen Anforderungen passe. Mehr als 120 der Drohnen sollen im Rahmen eines neuen Militärhilfepakets der US-Regierung in die Ukraine geliefert werden.

Bundesregierung kĂĽndigt 37 Millionen fĂĽr Wiederaufbau in der Ukraine an

Die Bundesregierung will rund 37 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Ukraine bereitstellen. Die Mittel sollen eingesetzt werden, um Schäden zu beheben, die durch den russischen Angriffskrieg verursacht wurden. "Die Ukraine braucht dringend Wohnraum für die Millionen Binnenvertriebenen und sie braucht ein intaktes Stromnetz. Hier kann die deutsche Entwicklungszusammenarbeit kurzfristig helfen", sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) vor der Weltbanktagung der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag).

Das wird heute wichtig

Außenministerin Annalena Baerbock besucht Litauen. Im Zentrum der Gespräche steht die Reaktion von EU, Nato und internationaler Gemeinschaft auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Ebenso zur Ukraine-Krise treffen sich die Ministerpräsidenten der baltischen Staaten in Riga. Zudem plant die Organisation Fridays for Future europaweit Demonstrationen für ein sofortiges Ende der Gaslieferungen aus Russland. Kundgebungen sind in mehreren Städten in Polen, Ungarn, Belgien und auch Deutschland geplant.

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Von Patrick Diekmann
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