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Israel-Gaza-Krieg: "All Eyes on Rafah"-Trend auf Social Media mit KI-Bild


"All Eyes on Rafah"
Israel und Palästina-Aktivisten liefern sich Propagandaschlacht


30.05.2024Lesedauer: 5 Min.
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"All Eyes on Rafah": Das KI-generierte Bild wurde in den vergangenen Tagen millionenfach geteilt.Vergrößern des Bildes
"All Eyes on Rafah": Das KI-generierte Bild wurde in den vergangenen Tagen millionenfach geteilt. (Quelle: Screenshot X)

Millionenfach teilen Social-Media-Nutzer ein Bild, das mehr Aufmerksamkeit für das Schicksal von Palästinensern in Gaza fordert. Die Herkunft des Bildes ist fragwürdig. Pro-Israel-Aktivisten antworten bereits mit Gegendarstellungen.

Dicht aneinandergereiht stehen abertausende bunte Zelte. Sie bilden eine ganze Zeltstadt, die bis an den Fuß schneebedeckter Berge reicht. Zwischen den Reihen tummeln sich scheinbar Menschen. Und in der Mitte überragen mehrere weiße Zelte alle ihre Nachbarn. Sie bilden einen Schriftzug: "All Eyes on Rafah" (zu Deutsch "Alle Augen auf Rafah").

Wer in den vergangenen Tagen durch soziale Medien scrollte, kam um dieses Bild wohl nicht herum. Mehr als 46 Millionen Mal teilten Nutzer das Bild bis Donnerstagvormittag vor allem auf Instagram, aber auch auf der Plattform X. Auch Influencer und weltweit bekannte Persönlichkeiten wie das Model Bella Hadid verbreiteten das Bild an ihre Millionen Follower.

Was vielen Menschen möglicherweise nicht direkt aufgefallen ist: Das virale Bild wurde durch eine Künstliche Intelligenz (KI) generiert. Die dargestellte Szene spiegelt keineswegs die Realität wider. Die Stadt Rafah liegt nahe einer Wüste – schneebedeckte Gipfel sucht man dort vergebens. Und obwohl in der Stadt im Gazastreifen mehr als eine Million Palästinenser Schutz vor der israelischen Militäroffensive gesucht haben und dabei vor allem in Zelten untergekommen sind, haben sie ihre behelfsmäßigen Unterkünfte kaum in geordneten Reihen errichtet.

Israelischer Luftangriff auf Flüchtlingslager in Rafah

Der Krieg zwischen Israel und der von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuften Hamas dauert seit mehr als sieben Monaten an. Dabei sind die israelischen Truppen mittlerweile bis nach Rafah an der Südgrenze des Gazastreifens vorgerückt. Zudem bombardiert Israels Luftwaffe die Stadt immer wieder. Auch die Hamas feuert beinahe täglich Raketen auf Ziele in Israel.

Zuletzt wurde am Wochenende bei einem israelischen Angriff ein Gebäude neben einem Flüchtlingslager getroffen, nach Hamas-Angaben starben 45 Menschen, Dutzende weitere wurden verletzt. Premierminister Benjamin Netanjahu räumte nach dem Angriff einen "tragischen Fehler" ein. Das tödliche Ausmaß des Angriffs ist nach Darstellung der israelischen Armee auf ein Feuer zurückzuführen, das möglicherweise durch die Explosion vor Ort gelagerter Hamas-Waffen ausgelöst wurde. Mehr dazu lesen Sie hier. Die internationale Kritik am israelischen Vorgehen verstärkte das nochmals.

KI-Kampagne für Rafah stammt aus Malaysia

Doch was steckt hinter dem Social-Media-Trend? Wie "BuzzFeed News Deutschland" herausgefunden hat, sitzt der Ersteller des KI-Bildes in Malaysia. Es handelt sich um einen Fotografen, der bei Instagram den Namen Chaa trägt und unter dem Nutzernamen @shav4012 zu finden ist. Neben der Fotografie gehören offenbar auch getunte Autos zu seiner Leidenschaft, wie dem Instagram-Profil zu entnehmen ist. Und darüber hinaus betätigt sich Chaa offenbar als Online-Aktivist im israelisch-palästinensischen Konflikt.

Auf seinem Profil sind allerlei KI-generierte Bilder zu finden, die dazu gedacht sind, über soziale Netzwerke geteilt zu werden. Denn wie auch beim "All Eyes on Rafah"-Bild macht es Chaa den Social-Media-Usern sehr einfach: Jedem der KI-Bilder auf Instagram fügt er einen Button hinzu, mit dem Nutzer das Bild auf einfachste Weise in ihren Storys teilen und sich so an der globalen Kampagne beteiligen können. Wer Urheber des Bildes ist und dass es sich um kein echtes Foto handelt, wird dabei nicht deutlich.

Unter den Botschaften, die Chaa so weltweit verbreiten möchte, finden sich Motive, die den israelischen Premierminister als Häftling darstellen und ihm Mord sowie Kriegsverbrechen vorwerfen. Oft setzt der Ersteller der Bilder auch auf Emotionen: So gibt es ein offensichtlich ebenfalls KI-generiertes Bild, das drei weinende Kinder auf einem Trümmerhaufen zeigt. Im Hintergrund sind zerstörte Häuser und eine Menschenmenge zu sehen, die wohl einen Flüchtlingsstrom darstellen soll.

Auf einem weiteren Bild wird Israel ein Genozid vorgeworfen, es zeigt Israel in den Farben einer Wassermelone eingefärbt. Die Wassermelone ist in den vergangenen Monaten zum Symbol von pro-palästinensischen Aktivisten geworden. Noch ein Bild zeigt eine Karte Israels. Der Name des Landes ist dabei durchgestrichen, darunter hat jemand "Palästina" handschriftlich hinzugefügt.

Kriegspropaganda von Israelis und Palästinensern

Solche Bilder sind als Propaganda einzuordnen. Einerseits stellen sie nicht die Realität dar, weil sie in vielen Fällen mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt werden, und andererseits sollen sie Menschen dazu bringen, sich für die palästinensischen Belange und gegen den Staat Israel einzusetzen, bis hin zur Ablehnung des Existenzrechts Israels.

Auch Unterstützer Israels nutzen KI-generierte Bilder auf sozialen Netzwerken, um ihre Gegendarstellung zu den Vorwürfen zu teilen. Ein solches Bild, das unter anderem der offizielle X-Account des Staates Israels teilte, zeigt einen Hamas-Terroristen, der mit bedrohlicher Haltung und einem Sturmgewehr in der Hand vor einem nur mit einer Windel bekleideten Säugling steht. Auf dem Bild steht in Großbuchstaben: "Where were your Eyes on October 7?" (zu Deutsch: "Wo waren deine Augen am 7. Oktober?"). Dieses Bild zeigt im Hintergrund zerstörte und offenbar brennende Häuser, außerdem liegt eine brennende Israel-Fahne am Boden.

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Das Bild spielt auf den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober an, bei dem Terroristen – auch anderer palästinensischer Gruppen – israelische Dörfer und Kibbuze nahe der Grenze zum Gazastreifen angriffen. Dabei haben sie israelischen Angaben zufolge 1.189 Menschen getötet. Zudem wurden 252 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Danach warf die israelische Regierung der Hamas mehrfach vor, bei dem Angriff auch Dutzende Babys ermordet, enthauptet und verbrannt zu haben. Netanjahu teilte auf X zudem Bilder, die verkohlte Leichname von Babys zeigen sollen. Die Hamas bestreitet die Vorwürfe. Unabhängige Berichte liegen nicht vor.

Ein weiteres offenbar KI-generiertes Bild, das unter anderem die israelische Botschaft in Frankreich auf X teilte, zeigt eine Menschenmenge, die vor der Klagemauer in Jerusalem steht. Auf der Menge ist in weißen Buchstaben zu lesen: "Bring Them Home Now" ("Bringt sie jetzt nach Hause"). Zudem liegt scheinbar eine große israelische Flagge auf der Menge. Dabei geht es um die in den Gazastreifen verschleppten Geiseln.

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Die Hamas hält im Gazastreifen wohl noch immer rund 120 Geiseln in ihrer Gewalt. Wie viele davon tatsächlich noch am Leben sind, ist nicht bekannt. Vor gut einer Woche meldete die israelische Armee etwa, die Leichen von drei Geiseln gefunden zu haben. Terrororganisationen wie Hamas und der "Islamische Dschihad" veröffentlichen immer wieder Fotos von Geiseln.

Mehrfach verhandelten Delegationen Israels und der Hamas über ihre Freilassung, bisher ohne Ergebnis. In Israel üben vor allem die Familien der Geiseln Druck auf die Regierung aus, die Freilassung der Geiseln zu erwirken. Tausende Menschen haben immer wieder in israelischen Großstädten dafür demonstriert, viele von ihnen fordern auch ein Ende der Kampfhandlungen im Gazastreifen, um so die Geiseln freizubekommen. Bisher geht die israelische Regierung nicht auf ihre Forderungen ein.

Verwendete Quellen
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