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Russland wirft Israel Angriff auf syrischen Militärflughafen vor

Flughafen bombardiert  

Assad und Russland machen Israel für Angriff verantwortlich

09.04.2018, 18:49 Uhr | dpa, AFP

Russland wirft Israel Angriff auf syrischen Militärflughafen vor. Ein israelischer Kampfjet vom Typ F-15: Nach russischen Angaben haben zwei solcher Maschinen den syrischen Flughafen Taifur bombardiert. (Quelle: dpa/Atef Safadi)

Ein israelischer Kampfjet vom Typ F-15: Nach russischen Angaben haben zwei solcher Maschinen den syrischen Flughafen Taifur bombardiert. (Quelle: Atef Safadi/dpa)

Bei einem Angriff auf einen syrischen Militärstützpunkt sollen 14 Menschen getötet worden sein – darunter iranische Soldaten. Bislang ist unklar, wer hinter dem Angriff steckt.

Bei einen Angriff auf einen syrischen Militärflughafen sind nach Angaben von Aktivisten 14 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch iranische Kämpfer, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zuvor hatten syrische Staatsmedien berichtet, mehrere Geschosse hätten in der Nacht auf Montag den Flughafen Taifur im Zentrum des Landes getroffen. Unklar ist bislang, wer für den Beschuss verantwortlich ist.

Russland und Syrien machen nun das israelische Militär für den Luftangriff verantwortlich. Zwei israelische Kampfjets vom Typ F-15 hätten aus dem libanesischen Luftraum heraus acht Raketen auf den Flugplatz T4 abgefeuert, teilte das Verteidigungsministerium den Agenturen Tass und Interfax zufolge in Moskau mit. Die syrische Luftabwehr habe fünf der Raketen abgefangen. Die drei anderen hätten den westlichen Teil des Geländes getroffen, hieß es. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, israelische Jets hätten mehrere Raketen auf Syrien abgeschossen.

Hunderte Tote und Verletzte in Duma

Gerüchte in den sozialen Medien, dass es sich bei dem Raketenbeschuss um einen US-Angriff handeln könnte, wurden vom Pentagon dementiert. "Derzeit führt das Verteidigungsministerium keine Luftschläge in Syrien aus", sagte ein Pentagon-Sprecher. Nichtsdestotrotz werde die Situation genau beobachtet. Das Pentagon unterstütze die laufenden diplomatischen Anstrengungen, um die Verantwortlichen für den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien und anderswo zur Verantwortung zu ziehen.

Der Raketenangriff folgt auf Berichte über einen mutmaßlichen Giftgasanschlag der syrischen Armee auf die Stadt Duma in der Rebellenhochburg Ost-Ghuta, bei dem am Samstag mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 1.000 verletzt worden sein sollen.

Mit dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff befasst sich der UN-Sicherheitsrat am Montag. Die USA beantragten eine Dringlichkeitssitzung mit acht weiteren Staaten, darunter auch die ständigen Ratsmitglieder Frankreich und Großbritannien. Auf Antrag Russlands soll es noch ein separates zweites Treffen geben.

Russland und Iran weisen Vorwürfe zurück

US-Präsident Donald Trump und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron hatten am Sonntag zu den Ereignissen in Syrien telefoniert, wie das Weiße Haus und der Élysée-Palast mitteilten. Die beiden Staatsmänner hätten den mutmaßlichen Giftgasangriff scharf kritisiert und sich darauf verständigt, dass die syrische Führung um Präsident Baschar al-Assad zur Verantwortung gezogen werden müsse.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad im März in Ost-Ghuta: Die Verbündeten Russland und Iran bestreiten einen Giftgaseinsatz in Duma. (Quelle: dpa)Syriens Machthaber Baschar al-Assad im März in Ost-Ghuta: Die Verbündeten Russland und Iran bestreiten einen Giftgaseinsatz in Duma. (Quelle: dpa)

Allerdings gab es zunächst keine stichhaltigen Beweise dafür, dass der mutmaßliche Giftgaseinsatz auf das Konto Assads geht. Russland und der Iran weisen die Vorwürfe etwa zurück.

Rebellen und Zivilisten verlassen Duma

"Sie haben sich darauf verständigt, Informationen zur Art der Attacke auszutauschen und eine starke, gemeinsame Reaktion zu koordinieren", hieß es vom Weißen Haus nach dem Telefonat. Man wolle gemeinsame Aktionen und Initiativen mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen koordinieren, hieß es aus dem Élysée-Palast.

Syrische Rebellen und Zivilisten begannen unterdessen ihren Abzug aus der Stadt Duma, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntagabend mitteilte. Die Evakuierung der Stadt, die von der islamistischen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam ("Armee des Islam") kontrolliert wird, war mit russischer Hilfe ausgehandelt worden. Laut einem Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana sollten die Kämpfer und ihre Familien mit Bussen in die nordsyrische Stadt Dscharablus gebracht werden.

Auch Berlin sieht Assad als Verantwortlichen

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian verurteilte die Angriffe der syrischen Armee auf die Rebellenhochburg Ost-Ghuta scharf. Er sei in "extremer Sorge" angesichts von Berichten über einen neuerlichen Einsatz chemischer Waffen, erklärte Le Drian am Sonntag in einer Mitteilung. Frankreich werde im Kampf gegen die Ausbreitung von Chemiewaffen "jede Verantwortung" wahrnehmen, hieß es.

Auch die Bundesregierung vermutet die Assad-Regierung hinter dem mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz. "Die Verantwortlichen für den Einsatz von Giftgas, für die gezielte Bombardierung ziviler medizinischer Infrastruktur, müssen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. "Und auch bei diesem Giftgaseinsatz deuten die Umstände auf die Verantwortlichkeit des Assad-Regimes hin."

Wachsender Druck auf Trump

Seibert betonte, ein so schwerwiegender Verstoß gegen das Völkerrecht "darf nicht ungesühnt bleiben". Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte: "Bei solchen abscheulichen Taten, da darf es keine Straflosigkeit geben." Ohne die Unterstützung Russlands und des Irans könne die syrische Regierung seinen Kurs einer rein militärischen Lösung des Konflikts nicht verfolgen, sagte Seibert. Beide Länder seien deshalb in der Verantwortung, dem Regime Einhalt zu gebieten. "Russland muss seine Blockadehaltung im UN-Sicherheitsrat mit Blick auf eine Untersuchung von Chemiewaffeneinsätzen in Syrien aufgeben."

In den USA wuchs der Druck auf den Präsidenten. Der republikanische Senator Lindsey Graham sprach am Sonntag von einem "entscheidenden Moment" in Trumps Präsidentschaft. Trump könne nun die Entschlossenheit zeigen, die sein Vorgänger Barack Obama nie gezeigt habe, sagte Graham in der ABC-Sendung "This Week".

Verwendete Quellen:
  • dpa, AFP

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