Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

"Ich traue dem Mann alles zu"

Eine TV-Kritik von Nina Jerzy

05.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Talkrunde bei "Anne Will": Der Wahlkampf in den USA geht in die letzten Wochen.
Talkrunde bei "Anne Will": Der Wahlkampf in den USA geht in die letzten Wochen. (Quelle: ARD)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Unvorstellbar, aber denkbar: Wird Trump bei einer Wahlniederlage zur Gewalt aufrufen? Wills GĂ€ste befĂŒrchten, dass die Corona-Erkrankung ihn nicht lĂ€utern wird. Sogar SchlĂ€gertrupps vor Wahllokalen werden Trump zugetraut.

In weniger als einem Monat stehen in den USA die PrĂ€sidentschaftswahlen an. US-PrĂ€sident Donald Trump, der um eine zweite Amtszeit wirbt, wird nun mit einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt. Welche Konsequenzen hat seine Erkrankung fĂŒr den Wahlkampf? DarĂŒber diskutierten die GĂ€ste am Sonntagabend in der TV-Sendung "Anne Will". Ein Überblick.

Die GĂ€ste

  • Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister
  • Cem Özdemir (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen), Bundestagsabgeordneter
  • Rachel Tausendfreund, US-Expertin bei der Stiftung German Marshall Fund
  • Roger Johnson, VizeprĂ€sident der Republicans Overseas in Europa
  • Britta Waldschmidt-Nelson, Professorin fĂŒr transatlantische Geschichte an der UniversitĂ€t Augsburg
  • Stefan Niemann, Leiter des ARD-Studios in Washington, D.C.

Die Positionen

In einem Monat wird in den USA gewĂ€hlt und niemand weiß so wirklich, wie es dem mĂ€chtigsten Mann der Welt geht. Selbst die Bundesregierung ist nach der Corona-Diagnose Donald Trumps im Unklaren. VerlĂ€ssliche Informationen ĂŒber den Gesundheitszustand des US-PrĂ€sidenten habe im Augenblick wohl niemand, sagte Peter Altmaier bei "Anne Will" angesichts der widersprĂŒchlichen offiziellen Angaben. Zwar hatten Trumps Ärzte am Sonntag verkĂŒndet, dass der Patient möglicherweise schon am Montag das Krankenhaus verlassen darf.

Altmaier warnte aber, dass sich der Gesundheitszustand von Corona-Patienten schnell Ă€ndern kann. "Deshalb wird dieses RĂ€tselraten vielleicht noch eine Zeit lang andauern", erwartete der Wirtschaftsminister. Diese Unsicherheit könne den zarten Wirtschaftsaufschwung gefĂ€hrden. Altmaier warnte: "Deshalb mĂŒssen wir alles vermeiden, das nach einem Kontrollverlust aussieht."

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.
ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
"Putin hat mehrere schwere Krankheiten, eine davon ist Krebs"
Wladimir Putin: "Er hat noch mindestens ein paar Jahre, ob uns das gefÀllt oder nicht".


Schadenfreude ist nach Ansicht von Cem Özdemir derzeit fehl am Platz. "Da gehört sich keine HĂ€me", sagte der GrĂŒnen-Politiker, der selbst an Corona erkrankt war. Trump sollte seiner Ansicht nach weniger vom Schicksal als vielmehr in der realen Welt zur Rechenschaft gezogen werden. "Dieser PrĂ€sident ist verantwortlich fĂŒr Corona-Tote", kommentierte Özdemir Trumps Haltung zu der Pandemie. Als "geradezu kriminell" bezeichnete er die Veranstaltung im Weißen Haus, bei der Trump kĂŒrzlich Amy Coney Barrett als Kandidatin fĂŒr den Supreme Court vorgestellt hatte. Die meisten der ĂŒber 100 GĂ€ste hatten keine Maske getragen und keinen Abstand gewahrt. Einige sind wie das Ehepaar Trump positiv auf das Virus getestet worden.

Özdemir rechnete nicht damit, dass sich Trump wie etwa der britische Premierminister Boris Johnson durch die eigene Erkrankung in seiner Einstellung zur Pandemie vom Saulus zum Paulus wandeln wird. "Ich glaube, dieser Mensch Donald Trump ist das Gegenteil von Empathie, von Mitmenschlichkeit", sagte der ehemalige GrĂŒnen-Chef. Trump werde weiterhin alles tun, um die Wahl zu gewinnen, und rufe dabei selbst Nazi-SchlĂ€gertrupps wie die Proud Boys auf, sich bereitzuhalten. FĂŒr was denn?, fragte Özdemir entgeistert. MĂŒsse sich die Welt nach der Wahl am 3. November auf Bilder wie in Belarus einstellen? "Das ist doch abenteuerlich", sagte er und meinte: "Ich traue dem Mann alles zu."

Trump hat wiederholt verkĂŒndet, dass er die Wahl nur verlieren kann, wenn es nicht mit rechten Dingen zugeht und in Aussicht gestellt, dass er eine Niederlage nicht anerkennen wird. "Ich glaube leider, dass ihm das tatsĂ€chlich zuzutrauen ist. Das hat schon System", sagte Britta Waldschmidt-Nelson. So habe Trump immer wieder behauptet, dass die Briefwahl manipuliert wird, obwohl es dafĂŒr keinerlei Beweise gebe. Rachel Tausendfreund wies darauf hin, dass noch kein Kandidat oder amtierender PrĂ€sident die Legitimation einer Wahl vorher angezweifelt hat. Sie unterstrich aber auch: "Die USA ist noch lange keine Autokratie." Trump habe kaum Aussicht, im Falle einer Wahlniederlage im Amt zu bleiben.

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Der Aufreger des Abends

Wie weit wird Trump tatsÀchlich gehen, um gegen den Willen der Mehrheit der WÀhler im Amt zu bleiben? Waldschmidt-Nelson unterstellte dem PrÀsidenten und seiner Partei aktive Wahlmanipulation.

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

"Die Republikaner haben schon ĂŒber 50.000 ehemalige Polizisten rekrutiert fĂŒr die 'Operation Election Day'", sagte sie. Bewaffnete UniformtrĂ€ger und "SchlĂ€gertrupps" sollten am 3. November im Umfeld von Wahllokalen gezielt potenzielle AnhĂ€nger der Demokraten, insbesondere Afroamerikaner und andere Minderheiten, von der Stimmabgabe abhalten.

Woher wissen Sie das?, wollte Will wissen. "Das habe ich online gelesen", erwiderte die Historikerin. "Das ist reine Fantasie", beschwerte sich der Republikaner Johnson, der aus Wien zugeschaltet war. Von solchen PlÀnen habe er noch nie gehört: "Kann nicht sein."

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Der Faktencheck

Waldschmidt-Nelson sprach wiederholt von einer "Operation Election Day", als ob dies ein allgemein bekannter Begriff sei. Eine Google-Suche nach dem Ausdruck in Verbindung mit Trump ergibt nur zwei echte Treffer. Einer ist ein im September 2020 veröffentlichtes Interview mit Trumps Wahlkampfmanager Corey Lewandowski. Er nannte den Begriff aber im Zusammenhang mit mehr als 300 AnwĂ€lten, die die Briefwahl ĂŒberwachen sollten. Der andere Treffer zur "Operation Election Day" ist ein 2018 veröffentlichter Online-Artikel zu möglichem Wahlbetrug. Er stammt von einem dubiosen Blog, der nicht lĂ€nger online ist.

Umfangreich berichtet wurde hingegen im August ĂŒber PlĂ€ne Trumps, am Wahltag Polizisten zu den Wahllokalen zu entsenden, um Wahlbetrug zu verhindern. Dies hatte der PrĂ€sident in einem Interview im TV-Sender Fox News angekĂŒndigt. Medien wie CNN wiesen aber darauf hin, dass ein US-PrĂ€sident in dem föderalen System der USA gar nicht befugt ist, bewaffnete StreitkrĂ€fte oder lokale Polizeibeamte zu Wahllokalen zu entsenden.

Allerdings könne die Trump-Kampagne Polizisten anheuern, die dann gerade nicht im Dienst seien (sogenannte Off-Duty-Beamte), sagte ein Rechtsexperte bei CNN. Neu ist Trumps Androhung ĂŒbrigens nicht. Die "Washington Post" erinnerte daran, dass die Republikaner bereits 1981 Off-Duty-Sheriffs und -Polizisten angeheuert hatten, um WĂ€hler einzuschĂŒchtern. Die Demokraten waren dagegen gerichtlich vorgegangen. Ein Richterspruch, der diese Praxis untersagt hatte, ist laut dem Artikel 2018 ausgelaufen.

Weitere Artikel

Newsblog: US-PrÀsident hat Corona
Trump zurĂŒck im Oval Office: "Ich fĂŒhle mich großartig"
Donald Trump: Der US-PrÀsident ist mit dem Coronavirus infiziert, doch er scheint sich zu erholen.

PrÀsident angeblich wohlauf
Aussagen der Trump-Ärzte sorgen fĂŒr große Zweifel
Gestellte Arbeitssituation: Donald Trump vor Papieren im Walter Reed Krankenhaus. Reporter fanden heraus, dass diese und eine andere Szene im Krankenhaus, in der Trump andere Kleidung trug, mit nur wenigen Minuten Abstand entstanden.

Im Anzug ohne Krawatte
Trumps Turbo-Aufnahmen: Zwei Motive in zehn Minuten
Donald Trump: Der PrÀsident scheint am gleichen Schreibtisch zu sitzen, von dem aus er zuvor auch eine Videobotschaft veröffentlicht hatte.


Das Zitat des Abends

Altmaier wollte nicht ausschließen, dass das US-Wahlergebnis Heerscharen von AnwĂ€lten beschĂ€ftigen wird, wie etwa damals der Wahlsieg von George W. Bush. Aber: "Ich bin fest ĂŒberzeugt, kein PrĂ€sident – egal wie er heißt, egal, wer es ist – kann dauerhaft gegen ein klares Votum der WĂ€hler PrĂ€sident sein", sagte Altmaier. Die Demokratie der USA könne alles und jeden ĂŒberstehen.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Marianne Max
Von Marianne Max
  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Washington
ARDAnne WillBundesregierungBĂŒndnis 90/Die GrĂŒnenCDUCNNCoronavirusDonald TrumpEuropaPeter AltmaierRepublikanerUSAWashington
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website