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Top Ten der vergessenen Themen | Diese Schlagzeilen fehlten in den Nachrichten


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Diese Schlagzeilen fehlten in den Nachrichten

t-online, Daniel Schreckenberg

19.02.2018Lesedauer: 5 Min.
Überschwemmung durch den Monsun in Indien: Die Hurrikan-Saison in den USA verdrängte die Naturkatastrophe in Asien aus den Nachrichten.
Überschwemmung durch den Monsun in Indien: Die Hurrikan-Saison in den USA verdrängte die Naturkatastrophe in Asien aus den Nachrichten. (Quelle: Lakhimpur-Dasarath Deka/dpa-bilder)
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Inklusion auf der Arbeit, Monsun in Indien, Wirtschaftswunder in Portugal, Impfstoffe für Afrika. Laut der "Initiative Nachrichtenaufklärung" haben die Medien auch im vergangenen Jahr wieder wichtige Themen verpasst. Eine Top-Ten-Liste soll zeigen, worüber mehr hätte berichtet werden müssen.

Ein Jahr im Schnelldurchlauf: Wahlkampf, Martin Schulz – Heilsbringer, krachend gelandet am Wahlabend – Titelstory, Rücktritt, die Trump-Kandidatur, kopfschüttelnde TV-Moderatoren bei seinem Triumph, Jamaika, Politiker auf einem Balkon, Groko: ja oder nein? Macron in Frankreich, Hurricane Harvey, die First-Lady mit High Heels im Krisengebiet, Brexit, NPD-Verbot, Ehe für alle, Atomwaffen in Korea, Dschungelcamp, Olympia. In Zeitungen, Zeitschriften, auf Bildschirmen, auf Smartphones.

Die Nachrichtenflut bringt jeden Tag Tausende Schlagzeilen hervor. Journalisten wählen aus, recherchieren und veröffentlichen die wichtigsten davon. Die Interessanten, die Relevanten. Doch alle? Bei Weitem nicht.

Jury wählt "vergessene" Nachrichten aus

Bereits seit 1995 veröffentlicht die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) deshalb eine Liste mit Schlagzeilen, die "vergessen" wurden. "Es sind Themen, von denen wir glauben, dass sie eine große Relevanz für einen Großteil der Bevölkerung haben", sagt Hektor Haarkötter, Geschäftsführer des Vereins. Eingereicht werden die Themen von Lesern und Zuschauern, eine Jury wählt dann die Top Ten aus.

Damit sollen die Medien angehalten werden, auch über Nachrichten abseits des üblichen Nachrichtenflusses zu berichten. Haarkötter nimmt aber auch die Leser, Hörer und Zuschauer in die Pflicht: "Die Öffentlichkeit muss bereit sein, über den eigenen Tellerrand hinaus Nachrichten zu konsumieren. Und die Redaktionen sind angehalten, durch kluge Nachrichtenauswahl die Konsumenten zu erziehen, sich auch für andere Themen zu interessieren."

Das sind die Top Ten der vergessenen Nachrichten 2017:

Inklusion am Arbeitsplatz ist in den Medien nur selten Thema: Völlig zu Unrecht, findet Hektor Haarkötter, Chef der Initiative Nachrichtenaufklärung.
Inklusion am Arbeitsplatz ist in den Medien nur selten Thema: Völlig zu Unrecht, findet Hektor Haarkötter, Chef der Initiative Nachrichtenaufklärung. (Quelle: Sebastian Willnow/dpa-bilder)

1. Inklusion in der Arbeitswelt

Über Inklusion wird viel geschrieben – wenn es um Schulen geht. Klassenlehrer, die behinderte Kinder fördern wollen, Eltern, die dann Sorge wegen der Leistung ihrer nichtbehinderten Kinder haben. Statistiken, die sagen, wie gut Inklusion funktioniert und solche, die das Gegenteil behaupten. Über Inklusion am Arbeitsplatz wird wenig geschrieben. Weil alles gut läuft? Mitnichten, sagt die INA-Jury: "In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der Menschen in den sogenannten Behindertenwerkstätten kontinuierlich gestiegen. Mit Inklusion hat das nichts zu tun."

Geschäftsführer Hektor Haarkötter kann die mangelnde Berichterstattung nicht verstehen, schließlich betreffe das Thema jeden Arbeitnehmer in Deutschland: Die Menschen werden immer älter, also werden sie auch kränker. Arbeiten müssen sie trotzdem. "Das Thema geht in der Zukunft jeden etwas an", sagt Haarkötter. Hier müssten die Medien ansetzen: "Sie können Barrieren und Vorurteile durch vermehrte journalistische Berichterstattung auf Augenhöhe verringern."

2. Wirtschaftswunder in Portugal

Die EU stand schon mehrfach vor dem Abgrund. Der Grund oftmals: Geld. Griechenland wurde zum Sinnbild der südeuropäischen Staaten, die zum Sparen verdonnert wurden. Mit im Boot: Spanien und Portugal. Doch Portugal entschied sich für einen anderen Weg. Mindestlohn und Pensionen wurden angehoben, Lohnkürzungen zurückgenommen und zusätzliche Urlaubstage eingeführt. Das Defizit in der Haushaltskasse ist jetzt auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren. Milliarden an Krediten konnten vorzeitig zurückgezahlt werden. Doch vom Wirtschaftswunder auf der iberischen Halbinsel schreiben nur die wenigstens Medien.

Warum das trotzdem so wichtig ist? Haarkötter sagt: "Immer nur über 'Pleite-Griechen' zu schreiben, hilft ausschließlich den rechten Anti-Europäern." Schließlich schießen die immer wieder in Richtung Südeuropa: 'Die wollen nur unser Geld'. Ein positives Beispiel wie Portugal könnte ihnen den Wind aus den Segeln nehmen.

Für Tausende Menschen bedeute der Monsun in Asien den Verlust ihrer Existenz. In den Medien spielte er nur eine Randnotiz, so die Jury.
Für Tausende Menschen bedeute der Monsun in Asien den Verlust ihrer Existenz. In den Medien spielte er nur eine Randnotiz, so die Jury. (Quelle: Shashank Parade/dpa-bilder)

3. Asiatischer Monsun gegen amerikanischen Wirbelsturm

Heftigste Winde und Regen lassen Häuser einstürzen und den Zugverkehr zusammenbrechen. 1.500 Menschen sterben, 41 Millionen Menschen sind betroffen. Im Sommer 2017 kam es in Asien zu einem heftigen Monsun. Indien, Nepal und Bangladesch traf es am heftigsten. In den deutschen Medien eine Randnotiz, denn fast zeitgleich gab es in den USA einen Hurrikan. "Es ist typisch, dass Berichterstattung dann auf die Elitenation umschwenkt", so Haarkötter.

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Auch in den USA starben Menschen, Hunderte Milliarden dürfte der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete in der Karibik, in Texas und Florida kosten. Die Jury sagt dazu: "Der Hurrikan Harvey sowie die Outfits der Trumps nehmen einen hohen Stellenwert in den Nachrichten ein. Der Monsun 2017 geht in der Berichterstattung gegenüber den US-Ereignissen, um im Bilde zu bleiben, unter."

4. Arbeitsbedingungen auf Containerschiffen

Fast alles, was wir für das tägliche Leben brauchen, war irgendwann mal auf einem Containerschiff. 90 Prozent unserer Konsumgüter werden über die Ozeane verschifft. Über die Arbeitsbedingungen in der Branche gibt es dagegen wenig zu hören. "Der Transport mithilfe von Containerschiffen (...) stellt somit eine hohe Relevanz dar. Die damit verbundenen schlechten Arbeitsbedingungen werden jedoch in den Medien immer noch kaum thematisiert."

5. Medikamente in Entwicklungsländern

Ein Pikser und potenziell tödliche Krankheiten sind gebannt: Während in unserem Land Debatten zwischen Impfgegnern und -befürwortern die Berichterstattung beherrschen, gibt es Länder, in denen wirksamer Schutz gegen Krankheiten noch immer einer Utopie gleicht. Der Grund, so die Jury: Westliche Pharmakonzerne verkauften Impfstoffe zu teuer. Dieser Umstand werde in vielen Medien nicht genug artikuliert, so die Jury. "Der Widerstreit zwischen dem Recht auf Gesundheit und den Gewinnmargen der Pharmaindustrie wird nur vereinzelt von Medien aufgegriffen."

6. Was tun bei einer atomaren Katastrophe

Deutschland zieht die Stecker: In ein paar Jahren soll es keinen Atomstrom mehr aus deutschen Atomkraftwerken geben. Doch rund um die Republik gibt es weiter Atommeiler, einer der unsichersten Reaktoren steht im benachbarten Belgien, wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Während etwa Jodtabletten für die Aachener Bevölkerung immer wieder Thema in den Medien ist, fehlt der INA-Jury ein wichtiger Punkt: Wo sollen sich die Menschen in Sicherheit bringen. Hintergrund: Die Umweltministerien der Länder entschieden 2007,alle Atombunker aufzugeben. Die Jury sagt: "Es kommt nur noch die räumliche Entfernung, also eine Massenevakuierung infrage." Ob das alle Menschen in der Nähe von betagten Atommeilern wissen? Die Jury glaubt: Nein.

Ohne Nachtarbeiter geht es nicht. Doch wie die Politik die Recht Menschen in der Schichtarbeit verbessern wollen, ist selten Thema in den Medien, so die Organisation.
Ohne Nachtarbeiter geht es nicht. Doch wie die Politik die Rechte von Menschen in der Schichtarbeit verbessern will, ist selten Thema in den Medien, so die Organisation. (Quelle: Jens Büttner/dpa-bilder)

7. Was macht die Politik für Schichtarbeiter?

Montags Frühschicht, dienstags spät, das Wochenende durcharbeiten, dann einen Tag Pause. Gearbeitet wird in Deutschland längst nicht mehr nur noch werktags, "nine-to-five". Über die Gefahren der Schichtarbeit wird in den Medien öfters berichtet; was die Politik tut, um die Probleme zu lösen, hingegen selten. Die Fragen "Wo bleiben die politischen Antworten auf die Problematik?" und "Wie sehen die Rechte in der Schichtarbeit aus?" blieben weitgehend unbeleuchtet, begründet die Jury die Platzierung dieses Themas.

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8. Gewalt gegen Pfleger

Fünfmal so häufig wie noch vor fünf Jahren werden Pfleger Opfer von Übergriffen – besonders in psychiatrischen Einrichtungen. Grund seien etwa überbelegte Einrichtungen oder nicht ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal, was den Umgang mit Aggressionen und gewalttätigem Verhalten betrifft.

"Unerfahrenes Personal wird immer früher auch in Nachtschichten und sogar in Aufnahmestationen eingesetzt, wo oftmals alkoholisierte und unberechenbare Patienten auftauchen", sagt die Jury. Und das müsste sich längst auch in der Berichterstattung wiederfinden.

9. Zwangssterilisation bei weiblichen Roma

In der Sowjetunion wurden weibliche Roma zwangsweise sterilisiert, in Tschechien schien es auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs noch gängige Praxis zu sein, behauptet die Ina-Jury. Und weiter: Der Umgang mit diesem dunklen Kapitel sei in Tschechien unzureichend gewesen. Die Regierung entschuldigte sich zwar, es habe aber keine Entschädigungen für die Opfer oder Konsequenzen für die Verantwortlichen gegeben. "Die Zwangssterilisierungen und ihre fehlende Aufarbeitung sind außerhalb Tschechiens, auch im Nachbarland Deutschland mit seiner besonderen historischen Verantwortung, fast völlig unbekannt."

10. Flüchtlinge im Tschad

Wird über Flüchtlinge geschrieben, dann meist von denen, die schon in Deutschland sind. Oder denjenigen, die auf dem Mittelmeer ertrinken. Über den Tschad wird selten geschrieben. 700.000 Menschen suchen momentan in dem sehr armen Land Schutz, so die Jury. Dabei könne es kaum die eigene Bevölkerung versorgen. Die Jury sagt dazu: "Vertreter der Hilfsorganisationen sehen das Problem in der Tatsache, dass andere humanitäre Krisen sowohl die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, aber auch personelle und finanzielle Ressourcen an sich binden."

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Verwendete Quellen
  • Initiative Nachrichtenaufklärung
  • Eigene Recherche
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