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Spahn irritiert: Erste Corona-Impfung verletzte Absprache

Von dpa, pdi

Aktualisiert am 27.12.2020Lesedauer: 4 Min.
Jens Spahn gibt eine Pressekonferenz: Die erste Impfung in Deutschland am Samstag hat den Gesundheitsminister ĂŒberrascht.
Jens Spahn gibt eine Pressekonferenz: Die erste Impfung in Deutschland am Samstag hat den Gesundheitsminister ĂŒberrascht. (Quelle: /dpa-bilder)
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In Deutschland starten die Impfungen gegen das Coronavirus. Am Anfang werden nur wenige immunisiert werden können. Ein Seniorenheim will nicht bis Sonntag warten und ĂŒberrascht den Gesundheitsminister.

Genau elf Monate nach Bekanntwerden einer ersten Corona-Infektion in Deutschland beginnen am Sonntag in allen BundeslĂ€ndern die Impfungen gegen das Virus. Zuerst sollen Menschen ĂŒber 80 Jahre sowie PflegekrĂ€fte und besonders gefĂ€hrdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden. Dazu werden vor allem mobile Impfteams unterwegs sein. Die mehr als 400 Impfzentren werden grĂ¶ĂŸtenteils erst in den nĂ€chsten Tagen in Betrieb genommen.

In einem Seniorenzentrum in Halberstadt in Sachsen-Anhalt wurden bereits am Samstag die ersten Bewohner und Mitarbeiter geimpft. Grund: Der Landkreis Harz wollte nicht bis Sonntag warten. Die 101-jÀhrige Edith Kwoizalla wurde geimpft, ebenso rund 40 der 59 Bewohnerinnen und Bewohner. Von den rund 40 Mitarbeitern konnten sich zehn impfen lassen.

Ein kleiner Pieks, das war's schon: Edith Kwoizalla bekam als erste Bewohnerin des Seniorenzentrums KrĂŒger die Corona-Impfung von Arzt Dr. Bernhard Ellendt.
Ein kleiner Pieks, das war's schon: Edith Kwoizalla bekam als erste Bewohnerin des Seniorenzentrums KrĂŒger die Corona-Impfung von Arzt Dr. Bernhard Ellendt. (Quelle: Matthias Bein/dpa-bilder)

"FĂŒr uns zĂ€hlt jeder Tag", sagte der Technische Leiter des Impfzentrums im Landkreis, Immo Kramer, dem MDR. Karsten Fischer vom Pandemiestab des Landkreises sagte dem Sender: "Wir wollen diesen einen Tag, den der Impfstoff an Haltbarkeit dann verliert, nicht verschwenden. Wir wollen ihn gleich ausbringen."

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Spahn von Impfung am Samstag ĂŒberrascht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wurde von dem vorgezogenen Impfstart im Landkreis Harz ĂŒberrascht. Spahns Sprecher sagte der "Bild am Sonntag", der Minister freue sich mit Edith Kwoizalla und wĂŒnsche ihr alles Gute. Der Sprecher betonte gleichwohl: "Allerdings hatten wir mit allen PartnerlĂ€ndern der EU und mit den 16 BundeslĂ€ndern vereinbart, am Samstag an alle auszuliefern und ab Sonntag gemeinsam mit den Impfungen zu beginnen."

Bundesweit geht es am Sonntag los, in mehreren BundeslĂ€ndern wollen auch die MinisterprĂ€sidenten beim Impfstart dabei sein. Die Bundesregierung wirbt dafĂŒr, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen - auch um andere zu schĂŒtzen. Nach EinschĂ€tzung von Experten ist eine Impfquote von 60 bis 70 Prozent nötig, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Nach einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur haben 65 Prozent der Deutschen vor, sich impfen zu lassen.

Jens Spahn gibt eine Pressekonferenz: Die erste Impfung in Deutschland am Samstag hat den Gesundheitsminister ĂŒberrascht.
Jens Spahn gibt eine Pressekonferenz: Die erste Impfung in Deutschland am Samstag hat den Gesundheitsminister ĂŒberrascht. (Quelle: /dpa-bilder)

Spahn hat zu einem "nationalen Kraftakt" aufgerufen. "Dieser Impfstoff ist der entscheidende SchlĂŒssel, diese Pandemie zu besiegen. Er ist der SchlĂŒssel dafĂŒr, dass wir unser Leben zurĂŒckbekommen können", sagte der CDU-Politiker am Samstag. Jede Impfung mehr bedeute weniger Infektionen und weniger TodesfĂ€lle. "Wer mitmacht, rettet Leben", betonte Spahn.

"Gut wÀre jetzt eine breit angelegte AufklÀrungskampagne"

Am 27. Januar 2020 war die erste Corona-Infektion in Deutschland bekanntgeworden. Seitdem wurden mehr als 1,6 Millionen Infektionen registriert. Bis Samstag starben laut Robert Koch-Institut in Deutschland 29 422 Infizierte.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sieht im Beginn der bundesweiten Corona-Impfungen in Deutschland die Chance fĂŒr eine schrittweise RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t. "Das normale Leben wird Schritt fĂŒr Schritt zurĂŒckkommen. Ein langer Atem ist aber noch nötig", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. So mĂŒsse die Massenproduktion der Impfstoffe gelingen und die Impfinfrastruktur wie geplant funktionieren. Sie habe vollstes Vertrauen in die Impfstoffe, die von der EuropĂ€ischen Arzneimittelagentur zugelassen worden seien. "Wenn ich an der Reihe bin, werde ich mich sehr gern impfen lassen", sagte Karliczek.

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans warb ebenfalls um Vertrauen in die Impfungen. "Es gibt mittlerweile umfassend geprĂŒfte Impfstoffe, der Impfplan ist schlĂŒssig und wissenschaftlich fundiert", sagte er der "Rheinischen Post" (Sonntag). "Gut wĂ€re jetzt eine breit angelegte AufklĂ€rungskampagne", fĂŒgte er SPD-Chef hinzu.

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Söder fordert mehr Tempo

ZunĂ€chst steht bundesweit aber nur eine sehr begrenzte Zahl von Impfdosen bereit. Pro Bundesland waren es bei der Verteilung am Samstag knapp 10.000, in Bremen knapp 5.000 – insgesamt gut 150.000 Dosen. Bis Jahresende sollen 1,3 Millionen Impfdosen ausgeliefert werden. Ende MĂ€rz sollen es schon ĂŒber zehn Millionen sein. Und Mitte des Jahres will Spahn allen, die sich impfen lassen wollen, ein Angebot machen können.

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Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder warnte vor negativen Folgen durch LieferengpĂ€sse. "Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen", sagte der CSU-Chef der dpa in MĂŒnchen. Leider sei noch nicht genĂŒgend Impfstoff vorhanden. "Die Bestellungen des Bundes reichen wohl, aber die Produktion dauert. Daher ist es wichtig, alle KapazitĂ€ten zur Herstellung des Impfstoffes zu erhöhen." "Je mehr geimpft wird und je mehr sich impfen lassen, desto schneller können wir den großen Schrecken von Corona reduzieren", sagte Söder. Er bezeichnete das Impfen als einen "wichtigen Schritt in die alltĂ€gliche Freiheit."

Nicht mehr Rechte durch Impfung

Wer gegen Corona geimpft ist, sollte aus Sicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer keine Sonderrechte bekommen. "Eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften kommt einer Impfpflicht gleich. Ich bin aber gegen einen Impfzwang", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag". "Wir alle stecken in dieser Krise. Und wir sollten uns gemeinsam und solidarisch heraus kÀmpfen."

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Außenminister Heiko Maas rief dazu auf, bei den Corona-Impfungen ĂŒber den nationalen Tellerrand hinauszuschauen. Zwar gehe es jetzt zunĂ€chst um eine gerechte Verteilung im eigenen Land, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Aber man mĂŒsse gleichzeitig darauf achten, dass nicht ganze Weltregionen von der Impfstoffversorgung abgeschnitten werden. "Es wird erst jeder einzelne auch von uns sicher sein, wenn wir alle sicher sind auf der Welt vor diesem Virus", betonte der Minister. Er warnte, ohne eine flĂ€chendeckende Verteilung der Impfstoffe weltweit könne es passieren, dass das Virus zurĂŒckkomme.

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Von Miriam Hollstein, Fabian Jahoda
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