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"Ich fand ihn immer etwas abgehoben"

Von Fabian Reinbold, Altenburg (ThĂŒringen)

Aktualisiert am 20.03.2022Lesedauer: 4 Min.
BundesprĂ€sident Steinmeier in Altenburg: "Ein bisschen spĂŒren, wie das Leben ist."
BundesprĂ€sident Steinmeier in Altenburg: "Ein bisschen spĂŒren, wie das Leben ist." (Quelle: Kristin Schmidt/dpa-bilder)
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Erreicht die Politik ĂŒberhaupt noch die BĂŒrger? Weil die Kluft immer grĂ¶ĂŸer wird, greift BundesprĂ€sident Steinmeier zu ungewöhnlichen Mitteln. Das lĂ€uft nicht immer wie geplant.

Am zweiten Tag landet der BundesprĂ€sident in einer GlĂŒhwein-Cocktailbar. Es ist schon dunkel, der Wind ist kalt an diesem Abend in ThĂŒringen, also warum auch nicht? Das Staatsoberhaupt stellt sich neben einen Heizpilz und trinkt ein dampfendes GebrĂ€u namens GlĂŒh-Gin.


Steinmeier – wichtige Worte, wichtige Momente

1998: Nach seiner Wahl zum Bundeskanzler macht Gerhard Schröder Steinmeier zum StaatssekretĂ€r im Bundeskanzleramt und zum Beauftragen fĂŒr die Nachrichtendienste.
1999: Steinmeier wird zusÀtzlich Chef des Bundeskanzleramtes.
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Gerade erst ist ein junger Mann auf ihn zugekommen. Er stellt sich als Lehrer vor und fragt, warum es immer noch nicht mehr Geld fĂŒr Bildung gebe. Frank-Walter Steinmeier verweist auf den Föderalismus: Die BundeslĂ€nder seien verantwortlich. Der Lehrer ist damit zufrieden. "Im Fernsehen fand ich ihn immer etwas abgehoben", sagt Andreas Huhn kurz darauf. Er ist zugleich Stadtrat fĂŒr die Linkspartei hier in Altenburg. "Aber hier wirkt er wie ein normaler Mensch."

Der Cocktail und die Begegnung mit Huhn sind Teil von Steinmeiers Experiment namens "Ortszeit Deutschland". Es ist das Programm fĂŒr seine jetzt begonnene zweite Amtszeit, in der er sich ein bisschen neu erfinden will. Der BundesprĂ€sident möchte nach zwei Jahren Pandemie wieder sehr viel mehr im Land unterwegs sein – und das nicht nur auf Stippvisite, sondern tiefer abtauchen. Mehrere Tage in einer Kleinstadt bleiben, die Ängste vor Ort erspĂŒren, die Zweifel am Staat und an der Demokratie zerstreuen, so zumindest der Plan.

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Oder in den Worten von der GlĂŒhweintheke: eben nicht "etwas abgehoben" wirken.

Parkhotel statt Schloss Bellevue

DafĂŒr hat Steinmeier fĂŒr drei Tage Quartier in Altenburg bezogen. Ganz offiziell sogar: Die AmtsgeschĂ€fte fĂŒhrt er aus einem schlichten Hotel, an dessen Eingang nun die Standarte des BundesprĂ€sidenten weht. Statt Schloss Bellevue nun "Parkhotel Altenburg".

Selfie-Schlange in Altenburg: Die Menschen freuen sich zumindest, dass der PrÀsident vorbeischaut.
Selfie-Schlange in Altenburg: Die Menschen freuen sich zumindest, dass der PrÀsident vorbeischaut. (Quelle: /imago-images-bilder)

Sein Befund, der ihn hierher gebracht hat, lautet: Die Politik und die BĂŒrger haben sich sehr weit voneinander entfernt. Vielleicht erkennt der BundesprĂ€sident das Problem auch in seiner eigenen Vita.

Steinmeier, der selbst aus bescheidenen VerhĂ€ltnissen stammt, hat die vergangenen 23 Jahre im Zentrum der Berliner Politik verbracht. War Kanzleramtschef unter Gerhard Schröder, Außenminister unter Angela Merkel, SPD-Fraktionschef, dann wieder Außenminister und seit 2017 nun Staatsoberhaupt.

"Ein toller Mann!"

Jetzt also Altenburg. Eine ehemalige Residenzstadt mit großer Vergangenheit und einer schwierigen Gegenwart. Wie in vielen Gegenden zieht es die Jugend fort. Gut 30.000 Einwohner sind geblieben, 6.000 Wohnungen stehen leer. Bei der letzten Bundestagswahl lag im Wahlkreis die AfD vorn.

Die Menschen vor Ort freuen sich zumindest, mal den PrÀsidenten zu Gesicht zu bekommen. Als Steinmeier am Samstag durch die Stadt geht, wird viel gewunken. "Ein toller Mann!", ruft eine Frau aus der Menge. Zwei Àltere Frauen, mit denen Steinmeier kurz scherzt, finden es ebenfalls "toll, dass sich jemand wie er hier blicken lÀsst". Pöbler? Nicht in Sicht.

Steinmeier macht Abstecher in traditionsreiche GeschĂ€fte, besucht einen Schleifer und eine Chocolaterie. Und dann beißt er natĂŒrlich auch noch genussvoll in die obligatorische ThĂŒringer Rostbratwurst. So produziert der Besuch schöne Bilder.

BundesprÀsident Steinmeier in Altenburg: Ein Bild mit Bratwurst muss sein.
BundesprÀsident Steinmeier in Altenburg: Ein Bild mit Bratwurst muss sein. (Quelle: Kristin Schmidt/dpa-bilder)

Doch Steinmeier will ja mehr: Er möchte spontanen Austausch, versichert er, etwas erfahren. Doch fĂŒr einen BundesprĂ€sidenten, der keinen Schritt ohne einen Tross aus stĂ€ndigen Begleitern mit Sicherheitsleuten, Mitarbeitern und Journalisten macht und oft nur auf Leute trifft, zu denen er bereits ein Dossier vorliegen hat, ist das wirklich schwierig.

Kaffeerunde mit Corona-"SpaziergÀngerin"

Sein Amt hat in Altenburg mehrere Runden organisiert, wo Tacheles geredet werden soll. Am Samstagnachmittag lĂ€dt man im Gewölbe des Restaurants "Ratskeller" zur "Kaffeerunde kontrovers": zehn Teilnehmer, Steinmeier in der Mitte, am Tafelende sind eine Organisatorin der Corona-"SpaziergĂ€nge" und ein Gegendemonstrant gleich gegenĂŒber platziert.

Denn Altenburg plagen teils aggressive Proteste gegen Corona-Maßnahmen und Staat, in die sich wie anderswo auch rechtsextreme Gruppen mischen.

"Kaffeerunde kontrovers": Im Ratskeller trifft Steinmeier zehn Altenburger.
"Kaffeerunde kontrovers": Im Ratskeller trifft Steinmeier zehn Altenburger. (Quelle: /imago-images-bilder)

Die Gegnerin der Corona-Maßnahmen in der Runde heißt Madeleine Winterling. Sie habe, so erzĂ€hlt sie es, aus Sorge um eine GĂ€ngelung von Kindern, eine Gruppe im Messenger-Dienst Telegram gegrĂŒndet, den Protest begonnen und jetzt fĂŒhle sie sich in die rechte Ecke gedrĂ€ngt.

Ihr gegenĂŒber sitzt ein Mann mit langen Haaren und langem Bart von den Linken, der es nicht verstehen kann, wie die Frau unerlaubte Demonstrationen mit Rechtsextremen abhalten könne. Als es um die Frage geht, warum man neben Nazis demonstrieren wĂŒrde, wird es sofort hitziger.

Krieg? Nein, hier gibt es andere Sorgen

Der BundesprĂ€sident will damit ĂŒberzeugen, dass Demokratie davon lebe, dass nun einmal Entscheidungen getroffen werden und diese dann auch akzeptiert werden mĂŒssten. Ob er Winterling damit erreicht? Nach dem GesprĂ€ch sagt sie: "Jeder kann doch von jedem lernen." Ob sie nun mehr Vertrauen hat in die Politik, so wie es Steinmeiers ausdrĂŒckliches Ziel ist, beantwortet sie nicht klar.

Was in den GesprĂ€chsrunden in Altenburg auffĂ€llt: Der Krieg in der Ukraine, der die Schlagzeilen beherrscht, spielt kaum eine Rolle. Mehr geht es um die Angst um die Zukunft der Heimat. Die Alten bemĂ€ngeln die Lethargie der Jugend und den Wegzug. SchĂŒlerinnen wiederum klagen, dass es fĂŒr sie vor Ort keine GeschĂ€fte gebe. Ist es bei uns ĂŒberhaupt noch lebenswert? Diese Sorge dominiert.

Der BundesprĂ€sident ist fast verwundert. Er kennt andere Orte, die weniger zu bieten haben als Altenburg mit seinem mehrsprachigen Theater, seinem großen Kino. Doch hinter vielen der schönen Fassaden lauert eben Leerstand.

Der PrĂ€sident und das "NĂŒscht"

Bei den von ihm gewĂŒnschten spontanen Begegnungen bleibt bisweilen Skepsis zurĂŒck. Die VerkĂ€uferin in der Chocolaterie erzĂ€hlt, als der Steinmeier-Tross lĂ€ngst weitergezogen ist, vom GesprĂ€ch mit dem BundesprĂ€sidenten.

Sie habe ihre Sorge vor einem weiteren Verfall der Innenstadt geteilt und vor den hohen Spritpreisen. Beides gehöre zusammen, sagt Katrin Rehfeld, denn weil das Benzin so teuer sei, kĂ€men die Leute immer seltener in die Innenstadt gefahren. Sie selbst ĂŒberlege, seltener zu fahren, ihre Arbeitsstunden auf wenige Tage in der Woche zu konzentrieren.

Das alles habe sie dem BundesprĂ€sidenten also geschildert. Und was hat der geantwortet? "NĂŒscht", sagt Rehfeld. Sie zuckt mit den Schultern. EnttĂ€uscht sei sie allerdings nicht gewesen, sagt sie. Sie habe das so von einem Politiker auch erwartet. Es bleibt also noch einiges zu tun fĂŒr den BundesprĂ€sidenten.

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  • Tim Kummert
Von M. Hollstein, T. Kummert, F. Reinbold
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