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Frau Gro├čkaliber

  • Tim Kummert
Von Tim Kummert

Aktualisiert am 23.06.2022Lesedauer: 9 Min.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei einer Podiumsdiskussion: Politik wie mit dem Autoscooter.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei einer Podiumsdiskussion: Politik wie mit dem Autoscooter. (Quelle: Pool/getty-images-bilder)
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Niemand in der Ampelkoalition tritt so forsch auf wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie treibt sogar den Kanzler vor sich her. Unterwegs mit einer Grenzg├Ąngerin.

Wer mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch D├╝sseldorf spaziert, k├Ânnte glauben, mit einem politischen Popstar unterwegs zu sein. Alle paar Minuten schallt es ihr im rheinischen Dialekt entgegen: "Frau Strack-Zimmermann, gut, dass es Leute wie Sie gibt!", "Frau Strack-Zimmermann, l├Âsen Sie den Lindner ab!", "Frau Strack-Zimmermann, werden Sie doch Bundespr├Ąsidentin!"

Strack-Zimmermann gr├╝├čt freundlich zur├╝ck, grinst und sagt dann: "Dass hier kein falscher Eindruck entsteht, ich habe keine Fans gebucht. Das kommt vermutlich durch die Bandbreite der unterschiedlichen TV-Sendungen: Mal 'Tagesschau', mal 'heute-show'. Irgendwann kennen einen viele Menschen."

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, schneewei├če Haare, 64 Jahre alt, macht seit ├╝ber 18 Jahren Politik. Zun├Ąchst in ihrer Heimatstadt D├╝sseldorf als Stellvertreterin des Oberb├╝rgermeisters, im Jahr 2017 wurde sie in den Bundestag gew├Ąhlt. Im Herbst 2021 trat die FDP in die Ampelregierung ein, sie wurde Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Politische Insider kannten sie, aber sonst?

So l├Ąuft das oft: Mit einer Metapher Schlagzeilen machen

Dann kam der Ukraine-Krieg. Und pl├Âtzlich ist Marie-Agnes Strack-Zimmermann ber├╝hmt. Als Au├čenministerin Annalena Baerbock und SPD-Chefin Saskia Esken k├╝rzlich bei "Anne Will" die langen Linien der Krise erl├Ąuterten, sa├č bei ihnen nicht FDP-Chef Christian Lindner. Sondern Strack-Zimmermann.

Sie ist auch deshalb so bekannt, weil sie nicht wie andere Politiker spricht. Wo Innenministerin Nancy Faeser noch erkl├Ąrte: "Es ist Putins Angriffskrieg", sagte sie bereits: "Das ist Massenmord". Als Berlins Regierende B├╝rgermeisterin Franziska Giffey die Bundeswehr um Hilfe bat, weil die Hauptstadt mit den ukrainischen Fl├╝chtlingen ├╝berfordert schien, bezeichnete Strack-Zimmermann das als "Gem├╝tlichkeit". Und als Olaf Scholz verk├╝ndete, niemand d├╝rfe bei der Lieferung von Waffen "vorpreschen", da sagte sie ├╝ber den Kanzler: "Ich w├╝rde ja gerne auf Granit bei├čen. Aber es ist ja mehr Watte, in die man bei├čt." Das Zitat verbreitete sich rasend schnell.

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So l├Ąuft das oft bei ihr: Eine griffige Metapher w├Ąhlen, sich vor die Fernsehkameras stellen und damit Schlagzeilen machen. Es ist eine Art Autoscooter-Politikstil, bei dem es regelm├Ą├čig kracht und scheppert. Strack-Zimmermann findet das gut so. Sie ist damit nicht nur das Gegenmodell zu all den Politikern, die vielleicht mal Ecken und Kanten hatten, aber jetzt jede scharfe Formulierung vermeiden. Sondern sie ist in diesen Zeiten vor allem das Gegenmodell zu Olaf Scholz, der wie seine Vorg├Ąngerin Angela Merkel ein Freund der Worth├╝lsen ist.

Die Beliebtheit des Kanzlers hat im Ukraine-Krieg nachgelassen, Strack-Zimmermann wird dagegen immer popul├Ąrer. Das sagt etwas dar├╝ber aus, wie gro├č das Bed├╝rfnis nach klarer Kommunikation gerade in Krisenzeiten ist. Und wie sich dadurch die Art ver├Ąndert, wie Politik gemacht wird.

"Wir Deutschen sind kein tiefenentspanntes Volk"

An einem Montagmorgen im Mai steigt Strack-Zimmermann in ein D├╝sseldorfer Taxi. Am Revers ihres Sakkos glitzert eine kleine Ukraine-Flagge, sie muss zu einer Schule f├╝r eine Diskussion mit Jugendlichen. Das Taxi f├Ąhrt los, drau├čen fliegt die Stadt vorbei, ihr Blick schweift aus dem Fenster. Sofort ist Strack-Zimmermann bei den gro├čen Themen, den Umw├Ąlzungen der Zeit. Nachdenklich sagt sie: "Putin hat diese ganze Welt angez├╝ndet." Sie glaubt nicht, dass die aktuelle Krise bald vorbei sein wird. Im Gegenteil.

Vor anderthalb Jahren, in der Pandemie, sagte sie mal, dass die freiheitsliebende FDP es schwer habe, weil die Deutschen eben Regeln und Ansagen von der Regierung lieben w├╝rden. Und jetzt? "Heute ist das ganz ├Ąhnlich", sagt sie und r├╝ckt das Sakko zurecht, "dieses Mal ist es aber nicht Corona, sondern der Krieg. Aber wieder geht es um die Freiheit. Wir Deutschen sind kein tiefenentspanntes Volk, obwohl wir es sein k├Ânnten." Manche in der Bundesrepublik h├Ątten wenig Lust, sich mit dem Krieg auseinanderzusetzen, glaubt sie. Nicht alle h├Ątten Interesse an Sicherheitspolitik: "Viele von uns sind weich geworden, weil wir auch bequem geworden sind."

Je schlechter es f├╝r Lambrecht l├Ąuft, desto besser f├╝r sie

In der FDP herrscht eine Art unausgesprochene Rollenaufteilung. Die Regierungsmitglieder um den Parteichef und Finanzminister Christian Lindner halten die F├╝├če still, um den Frieden in der Ampel nicht zu gef├Ąhrden. Daf├╝r k├Ânnen Liberale wie Strack-Zimmermann umso deutlicher auftreten. Sie ist zwar Chefin des Verteidigungsausschusses, doch sie ist nicht in die Kabinettsdisziplin eingebunden. So kann sie f├╝r sich mehr Freiheit in Anspruch nehmen. Und je schw├Ącher ein Thema in der Ministerriege vertreten ist, desto gr├Â├čer sind die Chancen f├╝r die eigene Profilierung. Dass das Verteidigungsministerium Christine Lambrecht sogar bei manchen in der SPD als Totalausfall gilt, kann Strack-Zimmermann nur recht sein.

Sie ist nun an der Schule angekommen, steigt aus dem Taxi und geht geradewegs ├╝ber den Schulhof. Die Teenager dr├Ąngen herein, kichernd, Strack-Zimmermann legt los: "Seid ihr gut drauf? Wehe, hier schl├Ąft einer ein." Sie lehnt sich an einen Stehtisch und erz├Ąhlt, wie sie der Ukraine-Krieg ├╝berrascht habe, spricht ├╝ber die Inflation und den Klimawandel.

Ein Sch├╝ler will wissen, weshalb sie so sicher sei, dass Putin nicht auch Deutschland bombardieren werde. Wie erkl├Ąrt man einem Heranwachsenden die Konsequenz eines Atomkriegs? "Weil er nicht bescheuert ist", sagt sie. Vorsichtig schiebt sie nach: "Und ich hoffe nat├╝rlich, dass ich recht habe."

Strack-Zimmermann bei einem Schweigemarsch f├╝r die Ukraine, sie forderte fr├╝h: Waffenlieferungen, jetzt.
Strack-Zimmermann bei einem Schweigemarsch f├╝r die Ukraine, sie forderte fr├╝h: Waffenlieferungen, jetzt. (Quelle: IMAGO / Mauersberger)

Strack-Zimmermann wei├č, wie gef├Ąhrlich die Lage ist. Seit Monaten dr├Ąngt sie darauf, dass Deutschland auch schwere Waffen an die Ukraine liefern m├╝sse. Nur so, glaubt sie, lasse sich eine Ausweitung des Konflikts verhindern. Und dass Deutschland jetzt doch Waffen liefern will, das liegt auch an ihr. Es war ihr gr├Â├čter politischer Erfolg in den vergangenen Monaten.

Pl├Âtzlich stellte sie die Autorit├Ąt des Kanzlers infrage

Alles begann damit, dass sie Mitte April gemeinsam mit dem Chef des Ausw├Ąrtigen Ausschusses, Michael Roth, und dem Vorsitzenden des Europaausschusses, Anton Hofreiter, in die Ukraine fuhr. Damals waren solche Reisen unter westlichen Politikern noch die Ausnahme, die mediale Aufmerksamkeit war entsprechend gro├č. Strack-Zimmermann forderte damals: Waffenlieferungen, jetzt.

Es geschah nichts. Also stellte sie sich mal wieder vor eine Fernsehkamera. Dem ZDF sagte sie ├╝ber die neue Rolle Deutschlands, die Kanzler Scholz pr├Ągen sollte: "F├╝r die, die diese Rolle nicht annehmen wollen, sage ich: Dann sitzen sie wom├Âglicherweise im falschen Moment am falschen Platz." Es war politisches Harakiri: Sie stellte die Autorit├Ąt des Kanzlers infrage ÔÇô als Mitglied der Regierungskoalition. An so etwas kann schnell mal die eigene Karriere zerschellen. Doch es passierte: wieder nichts. Kein Schaden f├╝r Strack-Zimmermann, aber auch keine Waffenlieferungen.

Also machte sie weiter, bat den Kanzler zu sich in den Verteidigungsausschuss. In einem Brief schrieb sie an Scholz, sie "erlaube sich", den Kanzler "herzlich" einzuladen. Schnell wurde die Einladung publik, das ganze Land sprach mittlerweile ├╝ber den zaudernden Scholz. Gleichzeitig war da diese Ausschusschefin, die nicht lockerlie├č und den Kanzler mehr oder weniger vorlud. Und pl├Âtzlich verk├╝ndete Scholz: Die Waffen werden nun geliefert. Sein Auftritt vom dem Verteidigungsausschuss war dann eher eine Formsache, Strack-Zimmermann hatte ihr Ziel erreicht.

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Am Dienstag wurde nun bekannt: Einige Panzerhaubitzen 2000 sind in der Ukraine eingetroffen, die ersten schweren Waffen aus Deutschland sind da. Strack-Zimmermann fordert jetzt, man m├╝sse "den Sch├╝tzenpanzer Marder zur Unterst├╝tzung direkt an die Ukraine liefern." Und sie findet: "Deutschland darf sich nicht hinter den Nato- und europ├Ąischen Partnern verstecken, sondern sollte mit gutem Beispiel endlich vorangehen." Eigentlich glaubt sie schon, dass noch mehr Waffen geliefert werden. Aber sicher ist sicher.

Strack-Zimmermann und Kanzler Scholz im Verteidigungsausschuss: "Herzlich eingeladen"
Strack-Zimmermann und Kanzler Scholz im Verteidigungsausschuss: "Herzlich eingeladen" (Quelle: IMAGO / photothek)

Nat├╝rlich hat nicht sie allein den Kanzler ├╝berzeugt. Doch sie sorgte mit daf├╝r, dass er im ├Âffentlichen Fokus stand, sodass Scholz am Ende nachgab. Ihre rhetorischen Treffer sind deshalb mehr als knackige Spr├╝che. Sie schaffen Aufmerksamkeit, erh├Âhen den Druck, ver├Ąndern die Politik.

"Was ist mit der Protagonistin gerade passiert?"

Ein lauer Fr├╝hsommertag in Berlin, ein paar Tage nach ihrem Auftritt an der D├╝sseldorfer Schule. An diesem Abend findet in der d├Ąnischen Botschaft eine exklusive Vorf├╝hrung der Polit-Serie "Borgen" statt. Etwa 250 Menschen sind gekommen, anschlie├čend soll es eine Podiumsdiskussion geben. Doch Strack-Zimmermann versp├Ątet sich. Sie kennt also den Inhalt der eben vorgef├╝hrten Folge noch nicht. Die Moderatorin w├╝rde jetzt gern mit ihr und dem Macher der Serie ├╝ber die T├╝cken des Politbetriebs sprechen. Strack-Zimmermann denkt nicht daran.

Stattdessen lehnt sie sich zur├╝ck und beginnt erst mal, den Filmemacher ├╝ber seine eigene Serie auszufragen: "Was ist mit der Protagonistin gerade passiert? Angelt die sich wenigstens einen 20 Jahre j├╝ngeren Mann?" Das Publikum johlt und applaudiert donnernd. Kurz k├Ânnte man glauben, bei einem Comedy-Abend gelandet zu sein.

In der Serie, erz├Ąhlt der Produzent, gehe es auch um die Einsamkeit von Politikern. Strack-Zimmermann wird pl├Âtzlich ernst und sagt: "Das stimmt. Wissen Sie, als Berufspolitiker brauchen Sie Freunde, bei denen sie nach 30 Jahren einfach so an der T├╝r klingeln k├Ânnen." Der Tag habe oft 18 Stunden, ihr fehle die Zeit, Freundschaften intensiv zu pflegen. Sie sagt: "Es ist gef├Ąhrlich, wenn man kein Privatleben mehr hat. Wenn man sich v├Âllig in diesem Job verliert, dann ist man irgendwann ganz allein."

Strack-Zimmermann bei der "Borgen"-Vorf├╝hrung: "Mit dem Erfolg ist es wie mit einer T├╝te Chips."
Strack-Zimmermann bei der "Borgen"-Vorf├╝hrung: "Mit dem Erfolg ist es wie mit einer T├╝te Chips." (Quelle: T-Online-bilder)
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Die Moderatorin sagt dann noch, dass Strack-Zimmermann aktuell sehr erfolgreich sei. Und fragt, wie sie das finde. Die 64-J├Ąhrige antwortet: "Mit dem Erfolg ist es wie mit einer T├╝te Chips. Wenn Sie die aufrei├čen und anfangen zu essen, h├Âren Sie nicht auf, bis die T├╝te leer ist." Und, r├Ąumt sie ein, sie sei sich bewusst, wie fragil ihre aktuelle Popularit├Ąt sei. "Wichtig ist, dass man dann aufh├Ârt, wenn man sich selbst dazu entscheidet es zu tun. Und dass man nicht rausgeworfen wird." Ihr selbst soll das keineswegs passieren, so die Botschaft. Der Dialog ist ein Sammelsurium von ehrlichen Einblicken. Kurze, helle Schlaglichter auf einen Teil der politischen B├╝hne, der sonst im Dunkeln liegt.

"Wenn du ein paar knackige S├Ątze brauchst, ruf die Strack-Zimmermann an."

Strack-Zimmermann kam sp├Ąt in die Politik. Sie studierte Publizistik, Politikwissenschaft und Germanistik, arbeitete lange f├╝r den Tessloff-Verlag, der die "Was ist was?"-B├╝cher herausgibt. Sie durchlief im Gegensatz zu vielen ihrer Bundestagskollegen nicht die sogenannte "Ochsentour", wo der politische Nachwuchs in den Jugendorganisationen gedrillt wird und das politische Gesch├Ąft lernt.

Wegen eines fehlenden Zebrastreifens vor einem Kindergarten engagierte sie sich in der Kommunalpolitik und f├╝hlte sich bei der FDP wohl. Als sie 2008 Stellvertreterin des D├╝sseldorfer Oberb├╝rgermeisters wurde, hie├č es in den Lokalredaktionen der Zeitungen: "Wenn du ein paar knackige S├Ątze brauchst, ruf die Strack-Zimmermann an."

Und mit diesen knackigen S├Ątzen wurde Strack-Zimmermann regelrecht in die Bundespolitik katapultiert. Christian Lindner machte sie 2013 f├╝r etliche Jahre zu seiner Stellvertreterin als Parteichef, eine Klartext-Rhetorikerin kam f├╝r die am Boden liegende FDP gerade recht. Und Strack-Zimmermann behielt ihre geradlinige Ausdrucksweise bei. Sie reduzierte die Lautst├Ąrke nicht, im Gegenteil, sie machte einfach weiter.

Bekannt, beliebt ÔÇô und doch keine Gewinnerin

Trotzdem ist die wei├čhaarige Politikerin heute nicht Ministerin. Warum? Zum einen m├╝ssen Politiker, so sehr sie im Zweifel sogar den Kanzler treiben k├Ânnen, Wahlen gewinnen. Das ist die W├Ąhrung, in der gemessen wird. Und Strack-Zimmermann verlor letztes Jahr eine Wahl. Da wollte sie noch einmal in die D├╝sseldorfer Kommunalpolitik zur├╝ckkehren, dieses Mal als Oberb├╝rgermeisterin, doch nur 12,5 Prozent machten in ihrer Heimat das Kreuz bei ihr. Sympathien sind am Ende eben noch l├Ąngst keine Stimmen. Am Ende wollten die D├╝sseldorfer ihr die Stadt nicht anvertrauen, es war ein R├╝ckschlag f├╝r die sonst so erfolgreiche Politikerin.

Strack-Zimmermann am 5. September 2020 bei ihrer Kandidatur in D├╝sseldorf: Nur 12,5 Prozent.
Strack-Zimmermann am 5. September 2020 bei ihrer Kandidatur in D├╝sseldorf: Nur 12,5 Prozent. (Quelle: T-Online-bilder)

Dass Strack-Zimmermann nicht Ministerin wurde, liegt aber auch an der Machtarithmetik ihrer Partei. Seit Jahren macht sie Verteidigungspolitik, doch Lindner wollte das Ressort nicht f├╝r die FDP. Das Verteidigungsministerium galt als Schleudersitz, schon viele Minister hatten vergeblich versucht, das Bundeswehrchaos in den Griff zu bekommen. Angesichts der schlechten Erfahrungen, die die Liberalen beim Regieren zwischen 2009 und 2013 gemacht hatten, hie├č es vor den Koalitionsverhandlungen f├╝r die Ampel: keine Experimente.

"Ich bin gut f├╝r den Volkssturm"

Nun ist die Rhetorik von Strack-Zimmermann an sich schon ein gewisses Experiment. Manchmal, wenn sie die "heute show" auflaufen l├Ąsst zum Beispiel. Die "heute show" ist f├╝r Politiker eine gef├Ąhrliche Sendung. Oft sind die Witze schon vorbereitet, die Abgeordneten k├Ânnen sich dann nur noch ein L├Ącheln abringen, wenn sie daneben stehen m├╝ssen. Nur Strack-Zimmermann nicht. Einmal antwortete sie auf die Frage nach der Wehrpflicht: "Ich bin gut f├╝r den Volkssturm. Wenn nichts mehr reicht, kommen Frauen 60 plus. Und dann, Leute ÔÇô vor allem Russen ÔÇô passt auf, was Sache ist!" Das war lange vor dem Ukraine-Krieg. W├╝rde sie heute nicht mehr so sagen, r├Ąumt sie ein.

Kann jemand wie sie trotzdem an den Kabinettstisch kommen? Strack-Zimmermann hat bereits angek├╝ndigt, in der n├Ąchsten Legislaturperiode erneut f├╝r den Bundestag zu kandidieren.

Und sie wei├č nat├╝rlich: Nur mit Krawall geht es auch nicht. Ein Dienstag im Juni, Strack-Zimmermann sitzt in einem Hotel in Finnland und erz├Ąhlt via Video-Konferenz, wie es ihr geht. Gerade hat sie anderthalb Tage mit den anderen Vorsitzenden der Verteidigungsaussch├╝sse in den europ├Ąischen Parlamenten verhandelt. Es seien gute Gespr├Ąche gewesen, findet sie.

Ihre Jacke ist blau, der wei├če Kragen gest├Ąrkt, die Hotellampen hinter ihr strahlen im gold-gelben Licht. Wie tritt sie dort eigentlich auf, wenn sie mit den andern Europ├Ąern verhandelt? "Gem├Ą├čigt", sagt Strack-Zimmermann und schaut in die Kamera ihres iPhones. "Ich muss hier ja nicht die innenpolitischen Raufereien durchf├╝hren, die ich in Deutschland so erlebe."

Sie vertrat gerade die Bundesrepublik, erz├Ąhlt sie. Es wirkt, als w├Ąre sie f├╝r anderthalb Tage Ministerin gewesen. Strack-Zimmermann l├Ąchelt, sie sieht sehr gl├╝cklich aus.

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