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Coronavirus: China-Rückkehrer in Stuttgart erwartet

Von dpa
Aktualisiert am 20.02.2020Lesedauer: 4 Min.
Medizinisches Personal betreut Patienten mit Symptomen des Coronavirus in einem provisorischen Krankenhaus in Wuhan.
Medizinisches Personal betreut Patienten mit Symptomen des Coronavirus in einem provisorischen Krankenhaus in Wuhan. (Quelle: CHINATOPIX/AP/dpa./dpa)
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Stuttgart/Peking/Yokohama (dpa) - Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) erwartet an diesem Freitag in Stuttgart weitere Reiserückkehrer aus der vom Coronavirus besonders betroffenen chinesischen Stadt Wuhan.

Das DRK übernehme im Auftrag der Bundesregierung die Betreuung, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation am Donnerstag in Berlin. Ein Sprecher des baden-württembergischen Sozialministeriums sagte, die Gesundheitsbehörden seien auf die Ankunft der Menschen vorbereitet. Zunächst hatte der Südwestrundfunk darüber berichtet.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen mehr als ein Dutzend Menschen nach Stuttgart fliegen. Sie kommen zunächst mit anderen Europäern in einer französischen Maschine nach Paris und werden am Vormittag auf dem Flughafen Stuttgart erwartet. Nach ihrer Ankunft sollen die Reisenden untersucht werden und dann wohl in eine Quarantäne-Station im Landkreis Esslingen gebracht werden.

Das DRK hatte bereits eine Quarantäne-Station in Germersheim (Rheinland-Pfalz) betrieben, zu der die ersten deutschen Rückkehrer aus Wuhan am 1. Februar gekommen waren. Derzeit betreut es noch Passagiere eines späteren Rückkehrfluges in Berlin.

Außerhalb von Festland-China sind inzwischen mehr als zehn Covid-19-Tote erfasst, Dutzende Menschen sind in kritischem Zustand. Mit Covid-19 wird die Erkrankung bezeichnet, die durch das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird.

In Südkorea verdoppelte sich die Zahl erfasster Infektionen innerhalb eines Tages um 53 auf 104. Ein Mensch starb in einem Krankenhaus in der südöstlichen Stadt Cheongdo, wie die Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention mitteilten. Viele der neuen Fälle wurden aus Daegu und der Provinz Nord-Gyeongsang gemeldet. Die Behörden vermuten, dass sich viele der Betroffenen bei einer mit Sars-CoV-2 infizierten Frau ansteckten, als sie in Daegu den Gottesdienst einer christlichen Sekte besuchten. In Daegu leben rund 2,5 Millionen Menschen. Aus Sorge vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus sollen sie nun vorläufig zu Hause zu bleiben.

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Vollkommen unklar war noch das Ausmaß möglicher Infektionen im Iran. Dort waren am Mittwoch zwei Covid-19-Todesfälle in der Stadt Ghom gemeldet worden - zuvor war im Land keine einzige Infektion erfasst. Es soll sich um zwei ältere Männer handeln. Nach Behördenangaben waren die Betroffenen nicht außerhalb ihrer Heimatstadt Ghom gewesen. Auch Kontakt zu chinesischen Touristen hatten sie demnach nicht. Nach Auskunft des Gesundheitsministeriums gibt es zudem drei weitere nachgewiesene Infektionsfälle in dem Land. Alle Schulen und Hochschulen in Ghom wurden vorläufig geschlossen, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete. Die fast 1,2 Millionen Einwohner Ghoms sollen physischen Kontakt vermeiden.

China hat unterdessen erneut die Zählweise bestätigter Infektionen geändert. Wie die Gesundheitskommission mitteilte, sollen klinische Diagnosen jetzt doch nicht mehr als bestätige Fälle in die Statistik einfließen. Die schwer betroffene Provinz Hubei, wo das Virus ausgebrochen war, hatte erst vergangene Woche damit begonnen, auch solche Diagnosen zu zählen. Dabei stellen die Ärzte anhand von Lungenbildern und dem körperlichen Zustand die Erkrankung fest. Nun sollen wieder nur DNA-Tests im Labor maßgeblich sein.

In der offiziellen Statistik waren bis zum Donnerstag rund 75.000 Infektionen und mehr als 2100 Todesfälle im Land erfasst. Experten rechnen aber schon seit längerem mit einer um ein Vielfaches höheren Dunkelziffer. Selbst ein chinesischer Wissenschaftler stellt inzwischen infrage, ob sich die Epidemie noch aufhalten lässt und das Virus wieder verschwindet. Covid-19 könne zu einer etablierten Krankheit wie die Grippe werden, sagte Wang Chen, Präsident der China Academy of Medical Science, im Staatsfernsehen.

Nach Angaben des Chefs der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, sind in China zur Behandlung der Patienten zwei klinische Studien mit Medikamenten im Gange. Mit vorläufigen Ergebnissen sei in drei Wochen zu rechnen. In der Erprobung seien unter anderem Medikamente gegen den Aidserreger HIV.

In Japan starben zwei mit dem neuen Coronavirus infizierte Passagiere des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess". Schon zuvor war bekannt, dass mehr als 20 der Patienten, die sich an Bord mit Sars-CoV-2 infiziert hatten, schwer erkrankt sind. Nun starben eine 84-jährige Japanerin und ein 87 Jahre alter Japaner, wie der japanische Fernsehsender NHK berichtete. Das Kreuzfahrtschiff hatte nach einem Nachweis bei einem Passagier zwei Wochen unter Quarantäne gestanden. Unter den ursprünglich 3700 Passagieren und Crewmitgliedern waren bis Donnerstag 634 Infektionen nachgewiesen. Alle Betroffenen kamen in Krankenhäuser.

Von den negativ auf das Virus getesteten Passagieren gingen wie schon am Vortag weitere rund 500 Menschen von Bord. Ein italienischer Rückholflieger mit rund 20 Italienern und ebensovielen weiteren Europäern sollte unter anderem in Deutschland landen. Zu den Passagieren, die in ihre Heimat zurückkehren könnten, gehören vier mit deutscher Staatsangehörigkeit und zwei ihrer Ehepartner. Ein Ehepaar möchte zunächst noch in Japan bleiben, zwei weitere Deutsche sind nachweislich infiziert und werden in einer japanischen Klinik behandelt.

Erwartet wurden einige Rückkehrer von der "Diamond Princess" in Berlin: "Voraussichtlich an diesem Samstag wird es eine Landung in Tegel geben, wieder im militärischen Teil, weil auch zwei Berlinerinnen und Berliner unter den Passagieren sind", sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Geplant sei, sie zunächst 14 Tage zu Hause zu isolieren. Diejenigen, die nicht in Berlin wohnen, werden demnach zunächst von DRK-Mitarbeitern in ihre Heimatorte gebracht.

Auf die Heimreise machten sich auch bislang noch in Kambodscha verbliebene Passagiere des Kreuzfahrtschiffs "Westerdam", mit dem vor einigen Tagen auch 57 Deutsche angelandet waren. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Nordrhein-Westfalen befanden sich zehn Menschen aus dem Bundesland an Bord. Sechs von ihnen seien bereits wieder zu Hause. Die übrigen vier Passagiere werden nach Angaben des Kreises Recklinghausen an diesem Freitag mit einem Flugzeug in Düsseldorf landen. Die beiden Ehepaare aus Dorsten und Recklinghausen sollen zunächst in häuslicher Quarantäne leben. Außer bei einer Amerikanerin wurde das Virus Sars-CoV-2 bisher bei keinem der Menschen auf der "Westerdam" nachgewiesen.

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