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FC Bayern | Campus-Boss über Angelo Stiller: "Sollte uns nicht mehr passieren"


"So etwas sollte uns nicht mehr passieren"


Aktualisiert am 09.12.2023Lesedauer: 7 Min.
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Angelo Stiller (r.): Der Stuttgarter spielte in der Jugend noch beim FC Bayern.Vergrößern des Bildes
Angelo Stiller (r.): Der Stuttgarter spielte in der Jugend noch beim FC Bayern. (Quelle: IMAGO/Ulmer)

Der beim FC Bayern ausgebildete Angelo Stiller startet jetzt beim VfB Stuttgart durch. Im Interview mit t-online erklärt Bayerns Nachwuchs-Chef, warum sich so etwas nicht wiederholen soll.

Wer den Empfang der FC-Bayern-Akademie betritt, der muss zwangsläufig an Thomas Müller vorbei. Im Eingangsbereich prangt nämlich ein überdimensionales Foto von ihm an der Wand, das ihn in Jubelpose zeigt.

Darüber steht ein Zitat von ihm geschrieben, mit dem er mal das Vereinsmantra zusammengefasst hat: "Mia san Mia, das bedeutet, großes Selbstbewusstsein zu haben, den absoluten Glauben an Erfolg. Alles dafür zu tun und unbedingt gewinnen zu wollen. Es auch nach Rückschlägen in ungünstigen Spielsituationen immer weiter zu versuchen."

Müllers Bild und seine Definition von "Mia san Mia" sind freilich nicht zufällig hier im Herzstück des Nachwuchsleistungszentrums am Bayern-Campus zu finden. Beides soll den Talenten als Vorbild und Ansporn dienen. Auch Müller durchlief schließlich einst die komplette Jugendabteilung des Rekordmeisters und schaffte in München den Sprung zum Profi, zweimaligen Champions-League-Sieger und 2014 mit der Nationalelf zum Weltmeister.

Dort, wo der 34-Jährige längst ist, wollen die Bayern-Talente ausnahmslos alle hin. Ihr großer Sehnsuchtsort liegt sogar in Sichtweite des im Münchner Norden beheimateten Bayern-Campus: die unweit gelegene Allianz Arena, in der die Profis ihre Heimspiele austragen – beim Blick aus den meisten der 35 Apartments der Anlage gut zu erkennen. Die Talente, die darin wohnen, haben damit ihr großes Ziel stets vor Augen.

Jochen Sauer hat sie als Leiter der Nachwuchsentwicklung wiederum besonders im Blick. Im Interview mit t-online sprach Bayerns Campus-Boss unter anderem über die Zusammenarbeit mit der Profiabteilung, sein besonderes Verhältnis zu Sportdirektor Christoph Freund und Fehler, die sich nicht wiederholen dürfen.

t-online: Herr Sauer, in dieser Saison haben sich einige Talente bei den Profis des FC Bayern in den Fokus gespielt. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus, was die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Thomas Tuchel angeht?

Jochen Sauer: Hervorragend. Es ist ein großes Interesse an den jungen Spielern da vom gesamten Trainerteam, auch vom Management. Dass wir einen relativ kleinen Profikader haben, ist für Nachwuchsspieler ein Vorteil. So haben sie noch mehr Chancen, sich zu zeigen. Ein Profitrainer muss die Jungs auch kennenlernen, um einschätzen zu können, welche Stärken sie haben und wo er sie einsetzen kann. Auch Christoph Freund hat durch unsere gemeinsame Arbeit in Salzburg ein besonderes Verständnis für den Übergangsbereich, wie man junge Spieler fördern muss, damit sie oben rankommen. Es ist im Sinne der Spieler insgesamt eine sehr gute Zusammenarbeit.

Fürchten Sie, dass mögliche Wintertransfers wieder zum Nachteil der jungen Spieler werden könnten?

Nein. Der Anspruch der Profis ist es immer, Titel zu gewinnen. Und um die geht es in der Rückrunde. Da musst du im Winter schauen, ob und wo man sich verstärken kann. Trotzdem haben unsere jungen Spieler so viel Selbstbewusstsein, sich weiter anzubieten. Am Ende ist es immer ein Konkurrenzkampf. Wenn noch ein, zwei Verstärkungen kommen sollten, wird es den Fokus trotzdem nicht komplett von unseren Jugendspielern lenken. Sie werden auch weiter für Ihre Chancen kämpfen.

Sind Frans Krätzig und Alexandar Pavlović Vorbilder für die Spieler am Campus? Oder doch eher Nationalspieler Jamal Musiala?

Jamal ist ein außergewöhnliches Talent, das wird es nicht jedes Jahr geben. Ich denke, jeder Spieler, der es vom Campus zu unseren Profis schafft, ist auf seine Art ein Vorbild für die, die ihnen nacheifern. Und von denen haben wir eine ganze Reihe an interessanten Spielern.

Sie sprachen Sportdirektor Christoph Freund bereits an, auf den Sie nun beim FC Bayern wieder treffen. Wie sind Ihre ersten Eindrücke von ihm?

Wir haben schon in Salzburg fünf Jahre lang sehr gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Ich bin 2012 mit Ralf Rangnick nach Salzburg gekommen, um die Vereine neu auszurichten. Christoph war schon dort, in einer sportlichen Leitungsfunktion zusammen mit Oliver Glasner. Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir uns als Team ideal ergänzen und zusammenpassen.

Können Sie Ihre Arbeit also jetzt gewissermaßen auf Bayern übertragen?

Sicherlich kann man RB Salzburg und den FC Bayern als Vereine inhaltlich nicht miteinander vergleichen. Wir haben aber ein gemeinsames Verständnis dafür, dass man eine klare Strategie für einen Verein haben muss, die nicht nur singulär für eine Profimannschaft oder eine Nachwuchsabteilung gilt. Wenn du Fußball in einem Klub durchdenkst, dann muss das von der U11 bis zur Profimannschaft zusammenpassen. Es muss eine Linie geben und man muss diese konsequent verfolgen. Wir hatten da immer eine ähnliche Denkweise.

Freund ist nun fast 100 Tage im Amt und hat – wie zum Beispiel mit den Verpflichtungen von Richard Kitzbichler und Rene Marić – schon einiges bei Bayern bewegt, oder?

Ja. Das sind genau die Projekte, die wir gemeinsam angegangen sind, der Übergangsbereich zwischen Nachwuchs und Profis mit der U23 als Baustein, der in den letzten Jahren noch nicht optimal funktioniert hat. Im Grunde genommen sind unsere über 20 Leihspieler eine zusätzliche Mannschaft, die wir begleiten und als Teil des Kaders betrachten müssen. Es ist wichtig, dass diese Spieler, die auf dem Sprung zu den Profis stehen, sehr intensiv betreut werden. Das hatten wir in der Vergangenheit mit Danny Schwarz und dann Halil Altintop bereits angestoßen, mit Richard Kitzbichler wollen wir da weitermachen und nun noch mehr Konstanz in dieser wichtigen Schnittstelle reinbringen.

René Marić wurde als Teamleiter Trainerentwicklung & Spielidee verpflichtet. Soll er jetzt die bayerische Variante der Spielidee von "La Masia", der Nachwuchsakademie des FC Barcelona, finden?

Wir haben bereits eine klare Spielphilosophie, die wir 2017 mit der Eröffnung des Campus festgelegt haben. Sie wurde zusammen mit Hermann Gerland entwickelt, der aus über 25 Jahren Erfahrung weiß, wie Bayern Fußball spielen will. Sein Nachfolger Holger Seitz hat diese Ausrichtung dann fortgesetzt. Die Philosophie ist da. Wir wissen, was wir wollen. René Maric ist ein absoluter Fachmann und soll nun das, was wir machen wollen, noch intensiver an die Trainer vermitteln, damit sie es wiederum den Spielern beibringen können.

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Sebastian Hoeneß führte die U23 des FC Bayern 2020 zur Drittligameisterschaft und sorgt nun mit dem VfB Stuttgart für Furore. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Mich wundert seine Entwicklung nicht. Ich kenne Sebastian schon, seit er 18 ist. Als ich damals bei Hertha war, war er A-Jugend-Spieler. Ich habe ihn lange Zeit als Spieler erlebt; eine zukünftige Karriere als Trainer konnte man zumindest erahnen. Bei RB habe ich dann Sebastian erstmals als Trainer erlebt, und als ich beim FC Bayern den Nachwuchs übernommen habe, hatte Hermann Gerland die Idee, ihn von RB Leipzig zu uns zu holen. Ich fand diese Idee top! Nach zwei Jahren bekam er dann die Chance, unsere Amateure nach dem Aufstieg in die 3. Liga zu übernehmen. Er konnte hier viele neue Erfahrungen sammeln und viel dazulernen. Dieses Jahr in der dritten Liga hat ihm sicherlich sehr geholfen, dann auch den Sprung in den Profibereich so schnell hinzubekommen.

Der Bayern-Campus soll ja auch die Antwort auf den Transferwahnsinn sein, bei dem 100-Millionen-Transfers längst zur Tagesordnung gehören. Können Sie diese Erwartungen überhaupt erfüllen?

Dass das ein Baustein sein muss, haben wir schon bei der Gründung des Campus gesagt. Jamal Musiala ist mittlerweile ein 100-Millionen-Spieler und damit eine erste Antwort. Auch ein Josip Stanišić, Frans Krätzig und Aleks Pavlović bringen alles mit, um ihren Weg als Profi zu machen. Solche Spieler wird es immer wieder geben. Aber einen Fehler darf man nicht machen.

Welchen?

Man kann nicht planen, dass jedes Jahr hier ein außergewöhnliches Kaliber rauskommt. Man muss allerdings den Anspruch haben, immer wieder Spieler zu unserer Profimannschaft zu bringen. Aber das geht nur über einen gewissen Zeitraum und mit Geduld. Du kannst vielleicht sagen, innerhalb von fünf Jahren müssen wir versuchen, mehrere Spieler durchzubekommen. Und natürlich müssen wir ab und zu auch mal einen Spieler verkaufen. So etwas wie mit Angelo Stiller (jetzt beim VfB Stuttgart; Anm. d. Red.) sollte uns aber nicht mehr passieren.

Das müssen Sie erklären.

Angelo hat alle Jugendmannschaften am Campus bis zur 3. Liga durchlaufen und ist dann ohne Entschädigung nach Hoffenheim gegangen, von dort für fünf oder sechs Millionen Euro weiter nach Stuttgart, wo er sich weiter sehr, sehr gut entwickelt. Da hätten wir die Früchte unserer Ausbildungsarbeit besser ernten müssen.

Mit Nestory Irankunda hat der FC Bayern ein weiteres vielversprechendes Talent verpflichtet. Wie sind Ihre Erwartungen an ihn?

Er wird die Saison zunächst noch bis Ende April in der australischen A-League zu Ende spielen. Von seinen Leistungen und der Entwicklung hängt sehr viel ab, wie es danach weitergeht. Gerade bei einem Spieler, der erst 17 ist, muss man umsichtig planen. Er wird sich im Sommer, wenn er da ist, auch mal bei den Profis vorstellen können, und dann wird es einen ersten Eindruck von ihm geben, wie wir ihn hier in der Praxis ein- und aufbauen.

Wie ist dann der weitere Plan?

Dann wird die Frage sein, ob ihm noch mal Spielpraxis in der U23 in der Regionalliga guttut, um sich an unseren Fußball, das Umfeld, eine neue Kultur, ein neues Land, eine neue Sprache zu gewöhnen. Oder er ruft seine besonderen Fähigkeiten dann bereits so ab, dass Thomas Tuchel sagt, dass er regelmäßig bei ihm mittrainieren soll.

Uli Hoeneß hat während seiner Gefängniszeit als Freigänger auch mal im Nachwuchsbereich mitgearbeitet. Wie häufig tauschen Sie sich mit ihm aus?

Schon regelmäßig. Es interessiert ihn sehr, was am Campus passiert. Wenn er an der Säbener Straße ist, versuchen wir uns immer ein paar Minuten zu unterhalten. Dieser Austausch ist wichtig, denn je mehr Entscheidungsträger in einem Klub Vertrauen in eine Philosophie mit jungen Spielern haben, desto einfacher wird es auch für die Talente, sich oben anbieten zu können.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Interview mit Jochen Sauer
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