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"Niedriglohnland" Deutschland - selbst FDP und Linke sind sich einig

Von t-online
04.05.2015Lesedauer: 3 Min.
Nicht oft herrscht so viel Einigkeit im Berliner Gasometer wie beim Thema gerechte Löhne.
Nicht oft herrscht so viel Einigkeit im Berliner Gasometer wie beim Thema gerechte Löhne. (Quelle: Stefan Zeitz/imago-images-bilder)
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Von Alexander Reichwein

Günther Jauch spricht mit seinen Gästen über gerechte Löhne - ein Thema, das so zeitlos ist wie unstrittig. So hörte man einer Runde zu, die einer Meinung war und die Bühne für sich nutzte.


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Erzieherin, Postzusteller, Lokführer: Sie alle gehen für mehr Lohn auf die Straße. Dahinter steckt der Wunsch nach mehr geldwerter Anerkennung. Denn viele Menschen in Deutschland fühlen sich ungerecht bezahlt. So auch vier Studiogäste: der KFZ-Mechatroniker (2000 Euro brutto) und die Altenpflegerin (1700 Euro brutto bei 30 Stunden in der Woche). Aber auch der Polizist, der bei Gefahr seinen Kopf hinhalten muss (2400 Euro brutto), und die Erzieherin, die nicht länger bereit ist, für 3200 Euro die Bildungsaufgaben einer viel besser bezahlten Grundschullehrerin zu übernehmen.

Jeder Vierte in Deutschland arbeitet für Niedriglohn

Die Fakten: Erwerbstätige im Land (42,5 Prozent der Bevölkerung) verdienen im Durchschnitt 3527 Euro brutto monatlich. Doch die wenigen Spitzenverdiener, die in den Wert mit eingerechnet sind, täuschen über eines hinweg: Die meisten Menschen - insbesondere in den Pflege- und Sozialberufen im Osten der Republik - liegen weit unter 2000 Euro Monatslohn. Tatsächlich arbeitet jeder Vierte für einen Niedriglohn von zehn Euro brutto pro Stunde.

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Politiker von FDP und Linke sind sich einig

Wer dachte, nun sei das Feld für eine hitzige Diskussion bestellt, sah sich schnell getäuscht: Alle in der Runde waren der Meinung, dass es ungerecht zugeht im "Niedriglohnland" (Gregor Gysi). Die meisten Menschen im Land verdienten zu wenig und einige wenige zu viel.

Höhepunkt des kunterbunten Einerlei war, als sich die Hamburger FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding "starke Gewerkschaften" wünschte und Linken-Chef Gysi "vollkommen beipflichtete", als dieser "mehr Geld vom Staat für die Pflege- und Erzieherberufe" und kostenlose Kitas forderte.

Und wer wollte dem Anwalt schon widersprechen, wenn dieser darauf hinweist, dass "Frauenberufe" wie die der Pflegerin oder Erzieherin "grottenschlecht" bezahlt werden? Auch Gysis Credo, wie wichtig Bildung sei, und seine Forderungen nach Chancengleichheit und Steuergerechtigkeit quittierte die Runde mit Kopfnicken und das Publikum mit Beifall.

So nutzten die Politiker, Funktionäre und Forscher die Bühne und machten ein wenig Werbung in eigener Sache.

Banker für "Gehaltsexzesse" verantwortlich

Wie auch Rainer Voss: Der ehemalige Investmentbanker vermittelte den Eindruck, hier wolle jemand mit seinem alten Berufsleben aufräumen und eine ganze Zunft, zu der man einst gehörte, bloßstellen.

Banker, so Voss, verdienten viel zu viel und fühlten sich im Wettbewerb um Spitzengehälter und die jährlichen Millionenboni ständig gegenüber Kollegen benachteiligt. Um die "Exzesse in den Griff zu kriegen", forderte der Ex-Finanzhai mehr Transparenz: So sollten die Gehälter von den Angestellten in der Unternehmensöffentlichkeit diskutiert und ausgehandelt werden. Nur dadurch würden sich die Menschen beschränken.

Gewerkschaftsboss: "sinnlose" Steuergesetze

DGB-Chef Reiner Hofmann sah sich angesichts der Forderungen, die Gewerkschaften müssten für gerechte Löhne sorgen, in der Verteidigungsrolle. Er sieht das Problem woanders: Von den 700 Arbeitgeberverbänden in Deutschland seien nur die Hälfte an Tarifverpflichtungen gebunden. Anders formuliert: Viele Unternehmen zahlten keinen Tariflohn. Bei den Arbeitgebern müsse demnach angesetzt werden.

Zudem müsse die Politik angesichts belasteter Haushalte ihre "sinnlosen" Steuergesetze ändern. Dass Menschen, die für ihr Geld arbeiten, bis zu 42 Prozent Steuern zahlen müssen, aber Zinsgeschäfte aus Kapitalanlagen und Vermögen nur mit 25 Prozent besteuert werden, sei haltlos.

Einsamer neoliberaler Rufer im Walde

Nur einer wollte etwas ausscheren: Für Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, gehören als ungerecht empfundene Löhne zu einer marktwirtschaftlichen Gesellschaft. Weiterhin wisse jeder, der einen Beruf ergreift, auf was für ein Gehalt er sich einlasse.

Jedenfalls würden nicht Steuersenkungen, sondern Vollbeschäftigung und mehr Steuereinnahmen mehr Geld in die öffentlichen Kassen spülen. Wofür auch immer das dann ausgegeben werde. Für den angekündigten Streik der Lokführer habe er aber kein Verständnis.

Gleiche Löhne für gleiche Arbeit

Am Ende war alles klar: Die Banker sind es! Und die Arbeitgeber. Und Gesetze müssen her, die garantieren, dass gleiche Löhne für gleiche Arbeit gezahlt wird und die Menschen gut leben können. Der Gesetzgeber ist also am Zug.

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