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Angst um Ukraine-Konflikt trifft den Aktienmarkt

Von dpa, neb

Aktualisiert am 24.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Unter Druck (Symbolbild): Der Dax kämpfte am Montag mit herben Verlusten, das hat viele Gründe.
Unter Druck (Symbolbild): Der Dax kämpfte am Montag mit herben Verlusten, das hat viele Gründe. (Quelle: Thomas Lohnes/getty-images-bilder)
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Herbe Kursverluste für den Dax: Prozentual verliert der deutsche Leitindex so stark wie zuletzt im Oktober 2020. Zwei Experten erklären im Gespräch mit t-online, wie Anleger nun reagieren sollten –

An den internationalen Börsen ist es zum Wochenstart steil bergab gegangen. Der Dax sackte am Nachmittag kurzzeitig sogar unter die Marke von 15.000 Punkten. Den Börsentag beendete der Leitindex mit einem Minus von 3,7 Prozent und 15.020,49 Punkten.

Damit erlitt der Dax den heftigsten Tagesverlust seit Ende Oktober 2020. Auch der Eurostoxx 50, der Cac 40 und der britische FTSE 100 weiteten ihre herben Tagesverluste aus.

"Nachdem zunächst insbesondere die Technologie-Titel vom Zinsanstieg getroffen wurden, ist mittlerweile der gesamte Markt in Mitleidenschaft gezogen worden", sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privatkunden, t-online.

Sorge um die Ukraine und China

In den USA ging es für den Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zugleich um 1,5 Prozent abwärts und für den technologielastigen Nasdaq 100 um 2,4 Prozent. Auch andere Asset-Klassen wie Kryptowährungen blieben am Montag unter Druck.

Dabei drückt vor allem eine Angst die Kurse in die Verlustzone. "Es ist die Sorge vor einer Eskalation im Ukraine-Konflikt, welche den Kursrutsch zum Wochenstart ausgelöst hat. Diese ist heute schlagartig in die Aktienmärkte eingepreist worden", sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Dekabank, t-online.

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Sollte sich die Lage über die aktuellen Drohgebärden hinaus verschärfen, geht der Ökonom davon aus, dass sich Anleger auf längere Unsicherheiten einstellen müssten. Zudem würden weitere Eskalationen im Ukraine-Konflikt voraussichtlich zu erneut steigenden Energiepreisen führen. "Wir gehen allerdings nicht von einer solchen Eskalation aus", so Schallmayer.

Zinsen könnten noch stärker steigen

Deutsche-Bank-Experte Ulrich Stephan sieht zudem weitere Aspekte, die zu den Verlusten an den Börsen geführt haben: "Es gibt nicht nur eine Begründung, sondern viele: der Ukraine-Konflikt, die No-Covid-Strategie und Lieferkettenproblematik in China, Omikron in den USA und Europa, hohe Energiepreise und Inflationszahlen werden für den Risk-Off verantwortlich gemacht."

In der Ukraine droht ein militärischer Konflikt mit Russland, in dem auch die USA und die EU eine wichtige Rolle spielen. Die anstehende Notenbanksitzung dürfte Klarheit über einen ersten Zinsschritt im März bringen.

Immer mehr Experten können sich inzwischen vorstellen, dass die Fed den Leitzins dann womöglich stärker erhöht als bisher angenommen – oder dass es vier statt drei Zinsschritte im laufenden Jahr geben könnte.

Deutsche Aktien aus allen Branchen verlieren deutlich

Besonders herbe Verluste mussten auch groĂźe deutsche Aktientitel aus verschiedenen Sektoren hinnehmen, etwa Delivery Hero (-8,07 Prozent), Volkswagen Vorzugsaktie (-5,92 Prozent) oder SAP (-4,29 Prozent).

"Anleger sollten nicht in Panik verfallen", so Schallmayer trotz der düsteren Zahlen zu Wochenbeginn. "Die globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind trotz geopolitischer Unsicherheiten gut, das Wachstum klar aufwärtsgerichtet", sagte er und zeigt damit die positiven Signale am Markt auf, die aktuell durch die Angst vieler Anleger übersehen würden.

Zudem spürten die Unternehmen zusehends Zuwächse in ihren Gewinnen. Auch Ullrich Stephan blickt optimistisch in das Jahr – unabhängig von den Ruckeln in den ersten Wochen. "Ich erwarte aber 2022 ein hohes nominales Wachstum und auch 2023 noch keine Rezession", sagt der Chefanlagestratege.

Kursrutsch birgt auch Chancen

Für Anleger könnte sich sogar aktuell eine Chance ergeben. "Je nach Risikoneigung und Anlagehorizont könnten Anleger Kurskorrekturen zum Kauf nutzen, da die Unternehmen weiterhin eine robuste Gewinnentwicklung zeigen", so Stephan.

Wer also an eine Erholung der Wirtschaft in diesem Jahr glaubt, könnte tatsächlich Aktien großer Namen wie etwa Alphabet oder Amazon deutlich günstiger kaufen als noch im Winter 2021 – und anschließend auf steigende Kurse setzen.

Bis dahin müssen Anleger aber womöglich noch einige Proben bestehen. Die kommenden Wochen könnte es noch Schwankungen in beide Richtungen geben.

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  • Nele Behrens
Von Nele Behrens
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