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Das Corona-Paradox der deutschen Sparer: Geldanlage in Krisenzeiten

Geldanlage in Krisenzeiten  

Das Corona-Paradox der deutschen Sparer

07.10.2020, 12:16 Uhr
Animation erklärt: So einfach funktioniert der Handel an der Börse

Den Handel an der Börse stellen sich viele Menschen kompliziert vor, Märkte wirken unberechenbar, Aktien sind ihnen suspekt. Dabei ist Aktienhandel gar nicht schwierig, wie unser Video zeigt. (Quelle: t-online.de)

Aktien, Handel, Märkte: Diese Animation erklärt ganz einfach, wie Börsenhandel funktioniert. (Quelle: t-online.de)


Die Corona-Krise hat in Deutschland für einen beispiellosen Wirtschaftseinbruch gesorgt. Auch an der Börse kam es zu Turbulenzen. Doch die Deutschen interessiert das wenig – sie wollen sogar regelmäßiger investieren.

Noch bevor die Corona-Krise in Deutschland richtig ankam, hat die Börse bereits die wirtschaftlichen Folgen vorhergesehen: Der Dax ist seit Mitte Februar 2020 stark eingebrochen, hat sich mittlerweile aber wieder erholt.

Doch wie wirkt sich ein solcher Kurssturz auf die Deutschen aus? Ist die Angst vor der Börse seither gestiegen?

Nein, im Gegenteil. Das zeigt der Deka-Anlegermonitor, der t-online vorab vorliegt, – eine repräsentative Befragung der Dekabank, des Wertpapierhauses der Sparkassen Deutschlands. Demnach gaben im März 26 Prozent der Befragten an, dieses Jahr regelmäßiger Geld in einen Sparplan anlegen zu wollen. Im Juli waren es bereits 34 Prozent.

Darum zieht es die Deutschen an die Börse

Die Erklärung hierfür sieht die Deka-Volkswirtin Gabriele Widmann in den Folgen der Pandemie. Laut der Ökonomin lassen sich drei Gründe ausmachen:

  1. Einkommen sind unsicher: "Die Corona-Krise hat gezeigt, dass von jetzt auf gleich das Einkommen wegfallen kann", sagte Widmann im Gespräch mit t-online. Sie meint damit etwa Arbeitslosigkeit oder Aufträge, die Selbstständigen entgehen. "Viele haben gesehen, dass es Sinn ergibt, Geld auf der hohen Kante zu haben." Denn staatliche Hilfen würden oft nur mit Verzögerung fließen.
  2. Staat macht Schulden: Der Staat verschuldet sich durch die Corona-Krise mit mehr als 200 Milliarden Euro neu – und das alleine 2020. "Viele Menschen erwarten deshalb, dass der Bund künftig weniger Geld zur Verfügung hat – etwa für die Rente." Allerdings gilt ohnehin: Eine hohe absolute Staatsverschuldung sagt wenig darüber aus, ob ein Staat finanziell handlungsfähig ist oder nicht. Wichtig ist die relative Verschuldung – also Staatsschulden im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt. Sofern die Wirtschaftsleistung in Deutschland wieder zunimmt, könne Deutschland aus seinen Schulden herauswachsen, sagen Ökonomen.
  3. Zinsen bleiben niedrig: Angesichts der Corona-Krise und der Milliardenhilfen der Europäischen Zentralbank erwarten Ökonomen, dass die Zinsen weiterhin auf niedrigem Niveau bleiben. "Das begreifen mittlerweile auch viele Sparer." Denn niedrige Zinsen bedeuten auch kaum Erträge beim Sparbuch. "Anlagen am Aktienmarkt bieten mittel- bis langfristig eine weitaus üppigere Rendite", so Widmann.

Breite Mehrheit will jedoch in nächster Zeit nicht investieren

Deshalb ist auch der Wille vieler Menschen gestiegen, ihr Geld anzulegen. So sagten im Juli 48 Prozent, dass sich eine langfristige Anlage in Aktien oder Aktienfonds (eher) lohnt. 26 Prozent verneinten dies, weitere 26 Prozent machten keine Angabe dazu.

Doch es bleibt zunächst beim Willen – an der Umsetzung hapert es bisweilen noch. So gaben nur 15 Prozent der Befragten an, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Investment sei. 21 Prozent sind ob des genauen Zeitpunkts unsicher, können sich eine Kapitalanlage aber durchaus vorstellen. Die breite Mehrheit – immerhin 51 Prozent – gab indes an, auf keinen Fall in nächster Zeit in Aktien oder Aktienfonds investieren zu wollen.Gabriele Widmann: Die promovierte Volkswirtin ist seit 2001 bei der Dekabank tätig. Ihre Spezialgebiete sind neben dem Bereich "Konjunktur und Märkte" Themen wie Wertpapieranlage, Nachhaltigkeit sowie Frauen und Finanzen. (Quelle: privat/Deka)Gabriele Widmann: Die promovierte Volkswirtin ist seit 2001 bei der Dekabank tätig. Ihre Spezialgebiete sind neben dem Bereich "Konjunktur und Märkte" Themen wie Wertpapieranlage, Nachhaltigkeit sowie Frauen und Finanzen. (Quelle: privat/Deka)

"Die meisten drücken sich gerne vorm Thema Finanzen", sagte Widmann. Bei vielen komme zudem noch eine gewisse Angst hinzu. "Die Menschen wollen alle Unsicherheiten aus der Welt räumen, bevor sie investieren. Das aber ist unmöglich."

So reduzieren Anleger ihr Risiko

Anlageexperten ebenso wie Widmann raten Privatanlegern deshalb, in einen breit gestreuten Fonds zu investieren – der das Geld in verschiedene Branchen weltweit anlegt. "So reduzieren Anleger ihr Risiko spürbar." Eine günstige Alternative zu aktiven Fonds sind sogenannte ETFs, auch Indexfonds genannt. Bei diesen bildet ein Computeralgorithmus einen Aktienindex wie den Dax nach. Anleger investieren also in alle Börsen-Firmen, die ein Index listet.

Um den genauen Einstiegszeitpunkt irrelevant zu machen, raten Anlageexperten, mithilfe eines Sparplans Geld anzulegen. Bei diesem zahlen Privatanleger etwa jeden Monat einen bestimmten Betrag ein. Ein weiterer Vorteil: Anleger benötigen kein großes Vermögen. Stattdessen können sie mitunter schon ab 25 Euro anlegen.

Widmann sagte: "Für Anleger ist ein Fondssparplan ein guter Einstieg in den Aktienmarkt." Zudem zeigen auch die Umfrageergebnisse: Wer einmal investiert ist, hat auch künftig weniger Furcht davor.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Gabriele Widmann
  • Deka-Anlegermonitor
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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