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"Eine Ehe ist keine Garantie fĂŒr eine sorgenfreie Rente"

  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff

13.04.2021Lesedauer: 5 Min.
Aktien, Handel, MÀrkte: Diese Animation erklÀrt schnell und einfach, wie Börsenhandel funktioniert. (Quelle: t-online)
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Die Rente deutscher Frauen ist im Schnitt nur halb so groß wie die von MĂ€nnern. Gerade sie mĂŒssten daher besonders gut vorsorgen. Doch nur die wenigsten trauen sich, ihr Geld ertragreich anzulegen. Wieso nur?

Sie heißen Fortunalista, Courage, Finanz-Heldinnen oder Madame Moneypenny – und haben alle die gleiche Mission: Frauen die Themen Geldanlage und Altersvorsorge schmackhaft machen. Egal ob im Zeitungskiosk, auf Instagram oder Spotify: Wer sich ĂŒber Finanzen schlaumachen will, findet immer mehr Magazine, Blogs und Podcasts, die sich speziell an eine weibliche Zielgruppe richten.

Sie bieten damit eine Lösung fĂŒr ein Problem, das die Statistik schon lange zeigt, aber nur die wenigsten Frauen bisher selbst erkannten: Weil sie ĂŒber das gesamte Leben weniger Vermögen aufbauen, droht vielen Frauen Altersarmut.

Umso wichtiger ist es fĂŒr sie, mehr aus ihrem Geld zu machen – in zinslosen Zeiten idealerweise an der Börse. Allein: Zwischen dem Wissen darum und dem tatsĂ€chlichen Tun klafft noch eine große LĂŒcke. Wieso? Und wie lĂ€sst sich das Ă€ndern?

"Frauen trauen sich weniger zu"

"Viele Frauen wissen inzwischen, dass sie renditestĂ€rker mit Aktien sparen mĂŒssen, trauen sich aber weniger zu", sagt Gabriele Widmann, Volkswirtin bei der Dekabank. Anders als MĂ€nner wollten sie erst alles richtig verstanden haben, bevor sie mit dem Investieren loslegen.

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Diese Zögerlichkeit spiegelt sich in den Zahlen wider: So verlassen sich bei den Haushaltsfinanzen immer noch 61 Prozent der Frauen teilweise oder komplett auf ihren Mann, wie eine Umfrage des Vermögensverwalters Fidelity zeigt. Nur 29 Prozent geben an, dass Investieren etwas fĂŒr sie sei. Viele sehen Geldanlage und Finanzen als zu kompliziert an.

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Die Schweizer Großbank UBS kommt zu einem Ă€hnlichen Ergebnis. Nur jede fĂŒnfte Frau (21 Prozent) sagt demnach, dass sie sich selbst um langfristige Finanzentscheidungen kĂŒmmert. Knapp drei Mal so viele (60 Prozent) ĂŒberlassen das Thema ihren mĂ€nnlichen Partnern.

Eine Rolle spielen dabei auch Stereotype. "In vielen Köpfen stecken immer noch ĂŒberholte Klischees, die verhindern, dass Frauen sich um ihre Finanzen kĂŒmmern – auch bei den Frauen selbst", sagt Jacqueline Haben, Marketingmanagerin beim Vermögensverwalter Columbia Threadneedle Investments.

WĂ€hrend der Mann Karriere mache, erledige die Frau nach wie vor oft den Großteil der Arbeit im Haushalt – und habe dadurch weniger Zeit und finanzielle Möglichkeiten, Geld anzulegen. "Gerade deswegen sollten sich Frauen stĂ€rker um ihr Finanzpolster kĂŒmmern", sagt Haben. "Denn um es bewusst ĂŒberspitzt zu sagen: Eine Ehe ist keine Garantie fĂŒr eine sorgenfreie Rente."

Wenn Frauen investieren, dann erfolgreicher

Das oft gehörte Argument, dass Frauen auch deshalb weniger in Aktien investiert seien, weil sie das Risiko scheuten, hĂ€lt Ilse Munnikhof, die bei der ING Deutschland eine neue Wertpapierberatung einfĂŒhrt, fĂŒr zu kurz gegriffen. "Es gibt in der Welt der Wertpapiere viele Produkte mit ĂŒberschaubarem Risiko", sagt sie. "Breit gestreute Fonds oder ETFs zum Beispiel, in die man per Sparplan ĂŒber einen langen Zeitraum anlegt."

TatsĂ€chlich entscheiden sich Frauen – wenn sie den Schritt an die Börse einmal gewagt haben – öfter fĂŒr diese Art der Geldanlage als MĂ€nner. Und sind damit im Schnitt sogar erfolgreicher.

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Laut einer Auswertung der ING aus dem Jahr 2019 erzielten Frauen im Untersuchungszeitraum mit durchschnittlich 24,1 Prozent eine höhere Rendite auf ihre Anlagen als MÀnner mit 23,5 Prozent. WÀhrend MÀnner stÀrker auf Einzelaktien setzen, hÀtten Frauen mehr Fonds im Depot. "Frauen kaufen und verkaufen weniger hin und her. Das spart Kosten und wirkt sich somit positiv auf die Rendite aus", sagt Munnikhof.

Frauen scheinen also beste Voraussetzungen zu haben, um an der Börse erfolgreich zu sein. Wie aber schaffen mehr von ihnen den Sprung dorthin?

"Es reicht nicht, nur das Finanzwissen zu erhöhen"

Ein wichtiger Hebel ist der Aufbau von Selbstvertrauen. Wie eine Studie des Zentrums fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung Mannheim zeigt, unterschĂ€tzen Frauen hĂ€ufig ihre eigenen FĂ€higkeiten, wenn es um Geldfragen geht. Zwar wĂŒssten sie tatsĂ€chlich weniger ĂŒber Finanzen als MĂ€nner – aber nicht so wenig, wie sie selbst denken.

So gaben Frauen bei Fragen zu Zinseszins, Inflation und Risikostreuung ĂŒberproportional oft die Antwort "weiß nicht". Gab es diese Antwortmöglichkeit jedoch nicht, wĂ€hlten sie hĂ€ufig die richtige Antwort. Mehr als ein Drittel der KompetenzlĂŒcke lĂ€sst sich demnach auf Selbstzweifel zurĂŒckfĂŒhren.

"Um die LĂŒcke zwischen Frauen und MĂ€nnern bei Investments am Aktienmarkt zu schließen, reicht es nicht, nur das Finanzwissen von Frauen zu erhöhen", schlussfolgern die Forscher. "Auch ihr Vertrauen in die eigene Kompetenz bei Finanzentscheidungen muss gestĂ€rkt werden." Gelinge das, wĂŒrde die Diskrepanz zwischen den Investments von Frauen und MĂ€nnern erheblich schrumpfen.

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Frauen wurden von der Finanzindustrie lange ignoriert

Dazu muss auch die Finanzbranche ihren Teil beitragen. "Traditionell werden beim Thema Finanzen vor allem MĂ€nner adressiert. Dadurch fĂŒhlen sich einige Frauen von diesem Thema nicht angesprochen", erklĂ€rt Sally Peters vom Institut fĂŒr Finanzdienstleistungen (iff). Erst in den letzten Jahren hĂ€tte die Finanzindustrie Frauen stĂ€rker als Zielgruppe entdeckt.

"Es stoßen immer mehr Initiativen aus dem Boden, die explizit Frauen ansprechen. In solchen Formaten geht es beispielsweise um Altersarmut, RentenlĂŒcke oder Teilzeitfalle, wovon Frauen im Schnitt stĂ€rker betroffen sind", sagt Peters. "Indem dort Frauen als Expertinnen auftreten, fungieren diese als Vorbilder und machen das Thema Finanzen und Vorsorgen fĂŒr Frauen relevanter."

Gefragt sind aber auch die Frauen selbst. "Es steht und fĂ€llt damit, dass sich Frauen mehr mit dem Thema beschĂ€ftigen. Daran fĂŒhrt kein Weg vorbei", sagt Jacqueline Haben. "Vielleicht gibt es anfangs noch Unklarheiten. Aber man kann sich informieren, mit Freundinnen darĂŒber reden, das GesprĂ€ch mit professionellen Finanzberatern suchen und so den Stein ins Rollen bringen."

SparplÀne starten schon ab 1 Euro

Der Einstieg ist dabei so leicht wie noch nie: Inzwischen kann man sogar Wertpapier-SparplĂ€ne ohne Mindestrate beginnen – und so erst einmal ohne großen Einsatz schauen, wie man mit den Kursschwankungen klarkommt. "Das Wichtigste ist, loszulegen", sagt ING-Expertin Munnikhof. "Und dafĂŒr gibt es jetzt keine Ausrede mehr."

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Das sieht auch Dekabank-Volkswirtin Widmann so. "Fast jeder kann regelmĂ€ĂŸig einen kleinen Betrag wie 25 Euro anlegen. Das sind zweimal Kino oder eine halbe Jeanshose."

Und noch eine beliebte Ausrede lĂ€sst sie nicht gelten: Zeitmangel. "Ich finde es sehr schade, dass sich viele Frauen um alle kĂŒmmern, nur nicht um sich selbst", sagt Widmann. "Ich kann jammern und mir leidtun – oder ich steige jetzt ein."

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