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Ergo senkt Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung


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Allianz und Ergo senken ihre Überschussbeteiligung

Von afp, dpa-afx, t-online
Aktualisiert am 05.12.2012Lesedauer: 3 Min.
Viele Lebensversicherer senken die Zinsen
Viele Lebensversicherer senken die Zinsen (Quelle: imago-images-bilder)
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Die Kunden von Lebensversicherungen bekommen die Niedrigzinsen an den Finanzmärkten zu spüren. Nachdem in den vergangenen Tagen bereits Ergo und Alte Leipziger die Überschussbeteiligungen ab dem kommenden Jahr senkten, kürzt nun auch Branchenführer Allianz bei seinen Lebensversicherungen die laufende Verzinsung.

Die Verzinsung der Überschussbeteiligung werde von 4,0 auf 3,6 Prozent gesenkt, hieß es von der Konzerntochter für Lebensversicherungen, Allianz Leben. Hintergrund seien die niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten für festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen, die zu den wichtigsten Geldanlagen der Versicherer gehören.

Ergo senkte Überschussbeteiligung schon im Vorjahr

Ergo, die zum weltgrößten Rückversicherer Munich Re gehören, setzte die Verzinsung um 0,6 Prozentpunkte herab. Damit können die Kunden der Ergo Lebensversicherung mit einer Gesamtverzinsung von 3,55 Prozent, diejenigen der Sparte Victoria Lebensversicherung mit 3,35 Prozent rechnen.

Garantiezinsen aus alten Verträgen sollen erfüllt werden

Schon im vergangenen Jahr hatte Ergo die Überschussbeteiligung gesenkt - damals um bis zu 0,4 Prozentpunkte. Die hohen Garantiezinsen aus alten Lebensversicherungsverträgen, die bis zu vier Prozent betragen können, will der Versicherer weiterhin erfüllen. Für seit Anfang 2012 abgeschlossene Verträge beläuft sich der Garantiezins jedoch nur noch auf 1,75 Prozent.

Investment in Anleihen höchster Güte

Die Versicherer sind verpflichtet, das Geld ihrer Kunden zum Erwirtschaften von Erträgen nur in Anleihen mit hoher Güte zu investieren. In der Euroschuldenkrise kommen damit nur Papiere von Staaten wie Deutschland mit allerhöchster Kreditwürdigkeit in Frage. Für neue Anleihen zahlt die Bundesrepublik derzeit jedoch nur minimale Zinsen. Das belastet auch die Erträge bei der Kapitalanlage der Lebensversicherer im Auftrag ihrer Kunden.

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Die Allianz Leben begründete die Herabsenkung der Überschussbeteiligung ihrerseits mit der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die von den Währungshütern der Eurozone "seit Jahren verfolgte expansive Geldpolitik bestimmt weiterhin das Zinsniveau festverzinslicher Wertpapiere". Trotz der Absenkung erhielten die Kunden aber "weiterhin eine sehr attraktive Verzinsung", rechtfertigte die Allianz Leben ihre Entscheidung.

S&P hält Kürzung für sinnvoll

Die Überschussbeteiligung von Lebensversicherungen wird Kunden jährlich gutgeschrieben. Wenige Tage vor der Allianz hatte die Alte Leipziger Lebensversicherung ihre Überschussbeteiligung um 0,5 Prozentpunkte gesenkt, die DEVK um 0,1 Prozentpunkte. Die Ratingagentur Standard & Poor's hält im Schnitt eine Kürzung um 0,2 Prozentpunkte für sinnvoll, damit die Versicherer die eingegangenen Garantien auch bei anhaltenden Niedrigzinsen langfristig erfüllen können.

Koalition prüft Änderungen an neuem Gesetz zu Lebensversicherern

Auch von anderer Seite stehen die Versicherer unter Druck: Angesichts drohender hoher Verluste für Kunden von Lebensversicherungen erwägt die Koalition laut einem Zeitungsbericht, das erst vor einem Monat verabschiedete Gesetz zu Lebensversicherungen wieder zu ändern.

Es könne kurzfristig ein Änderungsantrag beschlossen oder die Probleme könnten durch eine Verordnung durch das Bundesfinanzministerium behoben werden, berichteten die "Stuttgarter Nachrichten" unter Berufung auf Koalitionskreise. Die Grünen, die das Gesetz schon vorher massiv kritisiert hatten, fordern von der Koalition nun konkrete Veränderungsvorschläge.

Kunden drohen deutliche Einbußen

Das Gesetz soll am 21. Dezember in Kraft treten, es ändert die Beteiligung von Lebensversicherungskunden an den Überschüssen von Lebens- und Rentenversicherern. Als Folge drohen einigen Kunden dem Zeitungsbericht zufolge Einbußen bei der Auszahlung ihrer Lebensversicherungen. Ein namentlich nicht genanntes Mitglied der Unionsfraktionsspitze sprach davon, dass in einigen Fällen die Auszahlung um über zehn Prozent geringer ausfalle.

Das Blatt berichtete auch von dem Fall eines Baden-Württembergers, dem nach der bisherigen Gesetzeslage am 1. Januar rund 92.000 Euro ausgezahlt werden sollten und der nun wohl zwischen 6000 und 8000 Euro weniger zu erwarten gehabt hätte. Der Mann habe seine Police vorzeitig gekündigt und solle nun noch rund 91.000 Euro bekommen.

Scharfe Kritik an der Koalition

Der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick, erklärte, es bleibe fraglich, warum die Koalition "blind" die von der Branche geforderte Änderung der Überschussbeteiligung durchgedrückt habe. "Die Koalition ist jetzt aufgefordert, einen konkreten Weg zur Veränderung ihrer eigenen schlechten Gesetzgebung vorzulegen. Wir werden dann im Einzelnen prüfen, ob hier tatsächlich von einer Korrektur die Rede sein kann oder nur oberflächlich auf die Kritik reagiert wird."

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